Ich kann mich des Eindrucks nicht ganz erwehren, dass das, was Gott in den ersten 6 Versen von Kapitel 33 andeutet, auch zur heutige Situation der meisten Menschen in Israel passt. Das Volk ist im gelobten Land, aber ohne den Herrn.
- Da sollten wir ganz unabhängig von unserem Israelverständnis für die Juden beten, dass Sie den Herrn wahrhaft erkennen mögen!
Ab Vers 7 sehen wir dann Mose im Gespräche mit Gott von Angesicht zu Angesicht(?), was auch immer Mose da sah. Ganz sicher sah er nicht die Herrlichkeit des Herrn – denn die darf er nicht sehen (V.20). Was Mose auf jeden Fall klar erkennt ist, die Bedeutung der Gegenwart Gottes und die im Vergleich dazu relative Bedeutungslosigkeit des Landes. In Vers 19 wird Gottes Souveränität in der Erwählung angedeutet. Im Römerbrief (Kap. 9) wird das dann aufgegriffen und weiter erläutert.
Am Ende von Kapitel 33 bittet Mose Gott, dass er sich ihm in seiner Herrlichkeit zeige. Der Grund dafür war sicher, dass Mose nach einer Stärkung seines Glaubens / Vertrauens suchte. Das ist ja nachvollziehbar. Da Gott ihm ja kurz zuvor gesagt hatte, wie zornig er über die Sünde Israels war, strebte Mose nun danach, seine Beziehung zu Gott weiter gestärkt zu bekommen.
In Kapitel 34 sehen wir dann, dass Gott sich ihm tatsächlich offenbart. Das ist sicher einer der Höhepunkte im AT und noch dazu eine Offenbarung, die uns ein Rätsel aufgibt, das dann erst in und durch Christus gelöst wird. In manchen Übersetzungen (z.B. Luther 1984: „Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber, und er rief aus“) könnte man denken, dass die Worte aus 34,6-7 von Mose und nicht von Gott selbst stammen, sondern von Mose. Andere Übersetzungen sind da hilfreicher und machen deutlich, wer hier spricht: nämlich der HERR selbst. Im Rest der Bibel werde diese Worte dann auch immer mal wieder als Gottes Worte beschrieben.
Die Verse 6-7 werden gelegentlich als das Rätsel des AT bezeichnet. Ich liebe sie, weil hier ganz viel Evangelium drinsteckt. Gott straft in Gerechtigkeit und ist gnädig, barmherzig und voller Liebe. Das passt erstmal in unserem Denken nicht zusammen. Aber wenn wir dann das Evangelium verstehen wird klar, dass Gottes Gerechtigkeit und Gnade in Jesus Christus zusammenkommen!
Noch etwas Anderes sollte uns hier auffallen – für Mose ist es ein immenses Privileg, dass er Gottes Herrlichkeit quasi von hinten sehen darf. Doch später kam dann in Jesus die Herrlichkeit Gottes zu uns, so dass die Menschen ihn von Angesicht zu Angesicht sehen konnten (Joh 1,14). Durch den Heiligen Geist können wir auch heute noch – wenn wir die Bibel lesen – Jesus so sehen und dadurch dauerhaft verändert werden (2. Kor 3,18). Dabei greift Paulus auf das zurück, was hier geschieht und betont, dass bei Mose das „Leuchten“ des Gesichts (2. Mose 34,29ff) nach einiger Zeit aufhörte – während wir für alle Zeit Gottes Herrlichkeit „strahlen“ bzw „widerspiegeln“ sollten. Wenn wir das nicht tun, sollten wir Gott bitten, uns durch seinen Geist immer wieder neu und immer mehr, die Herrlichkeit Jesu Christi zu offenbaren, so dass wir im Schauen auf IHN, ihm immer ähnlicher werden.
In 34,8-9 lesen wir dann, dass Mose Gott im Gebet um Dinge bittet, die Gott ja gerade zugesagt hat. Ich finde das bemerkenswert und vorbildlich – ganz im Sinne von „Dein Wille geschehe“.
Der Bundesschluss mit Mose ab Vers 10 ist wirklich eine Wiederholung von dem, was schon beim ersten Geben des Gesetzes geschah. Und so kommt hier eine kurze Zusammenfassung einiger Gesetze.
Ab Kapitel 35 folgen dann nun ausführliche Berichte darüber, wie treu Israel die Dinge ausführte, die in den Kapitel 25-30 angeordnet wurden. So anstrengend sich das auch lesen mag, so sehr vermittelt es doch gerade die Heiligkeit Gottes. Alles was Gott gesagt hat, muss (und wird tatsächlich auch) genau eingehalten. Die notwendigen Gaben werden gebracht und die von Gott dazu begabten Männer werden in ihre Aufgabe eingesetzt.
Hier ist kein Pragmatismus und keine Innovation gefragt, sondern Treue!
- Wenn ich sehe, mit was für pragmatischen Thesen und menschlichen Gedanken (und Management Praktiken) heute oft beim Thema Gemeindebau (im geistlichen Sinne gemeint) und Gottesdienstgestaltung argumentiert wird, macht mich das echt traurig.
- Natürlich ist es gut und richtig danach zu fragen, wie wir das Evangelium verschiedenen Gruppen und Kulturen möglichst eindeutig vermitteln können. ABER der Gottesdienst ist keine beliebige Veranstaltung, nach dem Motto: „Wie wollen wir den heute mal Gottesdienst feiern?“ und auch kein Entertainment, damit die Menschen eine richtig gute Show geboten bekommen.
- Dabei sollten wir natürlich immer zuerst auf unsere eigene Gemeinde und unsere eigene Herzenshaltung achten. Denn im Endeffekt geben die Gemeinden den Menschen ja nur das, was sie wollen. Von daher ist die Kernfrage: Willst Du, was dir gefällt oder das, was Gott gefällt?
In Kapitel 36 sehen wir, dass die von Gott berufenen und begabten dem HERRN so dienen, wie er es geboten hat. Und das ganze Volk ist bereit, sich mit einzubringen und großzügig für das Werk des Herrn zu geben.
- Die Menschen geben sich Gott wirklich mit allem was sie haben hin, so dass Mose dem sogar Einhalt gebieten muss.