In den Kapiteln 29-31 lesen wir eine letzte große Rede Hiobs.
In Kapitel 29 sieht Hiob sehnsüchtig zurück auf die Zeit vor dem Leid. Dabei erinnert er daran, dass er eben ganz anders gehandelt hat, als es ihm vor allen von Elifas in Kapitel 22 vorgeworfen wurde. In Kapitel 30 sieht Hiob dann wieder auf sein gegenwärtiges Unglück. Bei allen Fragen hören wir hier aber auch seinen Schrei zu Gott und seine Hoffnung auf Hilfe. Das ist der Anfang von Weisheit!
In Kapitel 31 kommt Hiobs Monolog zu einem Ende. Er betont nochmals seine Unschuld im Hinblick auf die Vorwürfe seiner Freunde und sein Vertrauen auf Gott. Hier redet Hiob voller Vernunft und im Vertrauen auf Gott.
- Wir sollten vorsichtig sein, uns vorschnell in der Hiob-Rolle zu sehen. Viele, die sich mir gegenüber so vorgestellt haben, waren dann eben doch oft nicht so unschuldig, wie Hiob.
- Klar wird hier aber auf jeden Fall, dass Hiob tatsächlich die Anklagen der Freunde geprüft hat und feststellen kann, dass sie nicht zutreffen.
- Und so hofft er weiter auf ein gerechtes Urteil Gottes, der seinem Leid ein Ende machen soll.
In den Kapitel 32 taucht dann plötzlich Elihu auf. Er hat wohl den Dialog zwischen Hiob und seinen „Freunden“ gehört und jetzt kann er nicht mehr schweigen.
Seine Reden sind schwer zu deuten. Ist er nun jemand, der mit echter Weisheit spricht … oder ist er nur noch ein weiterer Diskutant, der das Problem mit seinen Erkenntnissen ebenfalls nicht lösen kann?
Zu Beginn wird deutlich, dass er voller Ärger über die ungenügenden Antworten der 3 Freunde spricht … aber auch über Hiob und seine scheinbare Anmaßung gerechter zu sein als Gott selbst. Im Fortgang von Kap. 32 erklärt er sich selbst als demütig … und doch klingen diese Worte eher etwas stolz.
- Ich denke, dass wir uns wohl auch in Elihu versetzen können. Manchmal hören wir (Streit-)Gespäche und denken, dass hier etwas übersehen wird bzw das Gespräch im Kreis verläuft. Und dann kann es auch uns dazu drängen, etwas dazu zu sagen.
- Gleichzeitig sollten wir – selbst wenn wir vielleicht zurecht erkennen, dass alle Diskutanten etwas übersehen – selber vorsichtig sein und uns nicht vorschnell anmaßen, alle Antworten zu haben. Das vor allem dann, wenn es um komplexe Dinge geht, die letztendlich niemand völlig ergründen kann.