In Kapitel 10 wird beschrieben, wie sich die Familie Noahs durch seine drei Söhne vermehrt und auf der Erde ausgebreitet hat. Was hier beschrieben wird, umfasst ziemlich sicher eine recht lange Zeitspanne. Ob aus diesem Kapitel ein Zeitpunkt für die Flut errechnet werden kann (genauso wie die Frage, ob wir die Zeitspanne von Adam bis Noah genau berechnen können) ist umstritten. Sicher ist, dass viele biblische Geschlechtsregister nicht jede Generation beinhalten. Da geht es doch meist mehr um Abstammungslinien, als darum, uns eine genaue Zeitspanne aufzuzeigen. Von daher halte ich es zumindest für fragwürdig, ob man tatsächlich unbedingt einer „junge Erde Theorie“ folgen muss. Damit will ich nicht sagen, dass ich diese Theorie definitiv ablehne. Aber ich denke, dass man diese auch als bibeltreuer Christ aus exegetischen Gründen hinterfragen darf.
Letztendlich dürfen wir aber wissen, dass die Vermehrung und Ausbreitung der Menschen auf der Erde dem Plan Gottes entspricht (trotz aller menschlicher Sünde), denn so machen sich die Menschen nun die ganze Erde untertan. Das ist hier sicher die Kernbotschaft.
Da am Ende von Kapitel 10 (V.31) schon Sprachen (im Plural) erwähnt werden, können wir ziemlich sicher sein, dass der Bericht aus Kapitel 11 wohl irgendwo zeitlich während der Berichte aus Kapitel 10 stattfand. Kap. 11 zeigt uns, dass das was die Menschen eint, die Rebellion gegen Gott ist.
Der Bericht ist voller Ironie. Die Menschen meinen sich erheben zu können, indem sie einen Turm bis in den Himmel bauen und dann beschreibt Gott sich in menschlicher Weise als jemand, der mal nach unten ging um nachzusehen, was da unten denn so los ist. Von daher verstehe ich auch den Kommentar aus Vers 6 eher als Ironie:
„6 Und der HERR sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen, und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun.“
Der Ungehorsam des Menschen zeigt sich dabei nicht nur in dem Streben, Gott gleich sein zu wollen (wie schon bei Adam & Eva), sondern auch in dem bewussten Vorhaben, sich nicht auf der Erde ausbreiten zu wollen, obwohl dieses Gebot sowohl an Adam, wie auch an Noah erging.
Die Sprachenvermehrung bedeutet, dass Menschen sich nicht mehr verstehen … das ist Fluch – die Umkehrung sehen wir dann am Pfingsttag, und das wird den Menschen zum Segen.
Und dann kommt eine Familienlinie in den Fokus. Was hier auffällt ist, dass in den ersten Generationen die Menschen noch länger leben, als die Noah angekündigten 120 Jahre. In Vers 26 taucht dann Abram auf, um den es dann in den nächsten Kapitelen gehen wird.