11,11-16: „11 So frage ich nun: Sind sie gestrauchelt, damit sie fallen? Das sei ferne! Sondern durch ihren Fall ist den Heiden das Heil widerfahren, damit Israel ihnen nacheifern sollte. 12 Wenn aber schon ihr Fall Reichtum für die Welt ist und ihr Schade Reichtum für die Heiden, wie viel mehr wird es Reichtum sein, wenn ihre Zahl voll wird. 13 Euch Heiden aber sage ich: Weil ich Apostel der Heiden bin, preise ich mein Amt, 14 ob ich vielleicht meine Stammverwandten zum Nacheifern reizen und einige von ihnen retten könnte. 15 Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird ihre Annahme anderes sein als Leben aus den Toten! 16 Ist die Erstlingsgabe vom Teig heilig, so ist auch der ganze Teig heilig; und wenn die Wurzel heilig ist, so sind auch die Zweige heilig.“
Zu Beginn von Vers 11 stellt Paulus die nächste Frage, die er mit „das sei ferne!“ beantwortet, nämlich die Frage danach, ob das „Straucheln“ der Juden letztendlich einfach dazu führen wird, dass sie verloren gehen.
Und dann zeigt Paulus auf, dass Gott mit der Verstockung eines Teils Israels ein größeres Ziel verfolgt. Denn ihr Unglaube führt dazu, dass viele Heiden gerettet werden. Dabei ist wiederum Gott der Handelnde: den Heiden „widerfährt“ das Heil.
Und das wird eine Auswirkung auf Israel haben, denn sie sollen dann den zum Glauben gekommenen Heiden nacheifern. Vers 12 ist dann nicht ganz einfach zu verstehen. Die ersten beiden Aussagen „Wenn aber schon ihr Fall Reichtum für die Welt ist und ihr Schade Reichtum für die Heiden“ sind wohl identisch und scheinen einfach eine Wiederholung zur Betonung zu sein. Dann folgt die Aussage: „wie viel mehr wird es Reichtum sein, wenn ihre Zahl voll wird.“ Das wirft nun die Frage auf, was genau es bedeutet, dass ihre „Zahl voll wird“. Manche Ausleger meinen, dass dies bedeutet, dass alle Juden gerettet werden. Doch das scheint nicht die Zuversicht zu sein, die Paulus hat, wenn er dann schreibt, dass er hofft, dass sein Amt zur Rettung „von einigen von ihnen“ führen möge.
Die Vollzahl bedeutet auf jeden Fall, dass alle, die Gott erwählt hat, auch wirklich gerettet werden. Und es bedeutet wohl auch, dass es noch zur Bekehrung unter Juden kommen wird. All das wirkt Gott durch seinen geheimen Ratschluss, indem er erst Juden verstockt hat, dann Heiden gerettet hat und dann Juden rettet.
Dabei sieht Paulus Juden und Heiden nicht als zwei klar zu trennende Gruppen. Sie sind verbunden – sie sind ein Teig bzw ein Gewächs. Der Ursprung ist Gott, dann kamen, entsprechend der göttlichen Verheißung, die (bzw einige) Nachkommen Abrahams, dann die zum Glauben gekommenen Heiden und dann die (bzw einige) zum Glauben gereizte Juden hinzu.
- Von daher gibt es keinen Grund darauf, auf andere herabzusehen. Das galt für die Juden und Heiden und das gilt auch für uns.
- Wenn wir Glauben haben, dürfen wir Gott loben und preisen und wir dürfen den Glauben aller Welt bezeugen, im Vertrauen darauf, dass Gott in all dem wirkt, um die Vollzahl zu retten.