5,16-22: „16 Seid allezeit fröhlich, 17 betet ohne Unterlass, 18 seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch. 19 Den Geist dämpft nicht. 20 Prophetische Rede verachtet nicht. 21 Prüft aber alles und das Gute behaltet. 22 Meidet das Böse in jeder Gestalt.“
Diese abschließenden Aufrufe lassen sich in zwei Gruppen aufteilen. In den Versen 16-18 lesen wir drei Aufforderungen, die dann ganz allgemein als „der Wille Gottes“ für uns Christen bezeichnet werden. Wir tun also gut daran, diese Verse sehr sorgfältig zu bedenken.
„Seid allezeit fröhlich“ – das heißt ganz sicher nicht, dass wir sündigen, wenn wir traurig sind. Die Bibel sagt uns, dass es für alles eine Zeit gibt. Manche Dinge sind traurig und da dürfen wir auch trauern. Die Trauernden müssen wir also in der Regel nicht ermahnen, sich doch besser zu freuen, sondern wir sollen sie trösten.
Hier geht es um eine tiefe Freude, die wir beständig haben sollen – so wie Paulus auch im Philipperbreif schreibt: „Freut Euch in dem HERRN, allewege.“ Wir Christen sollten also so im HERRN geborgen sein, dass wir selbst in Zeiten der Trauer, noch eine tiefe Freude am Herrn haben. Wir sehen selbst im Leid, dass der HERR da ist und in und durch alles wirkt. Darum geht es hier also.
- Diese Freude sollten wir wirklich allezeit haben.
Dann heißt es weiter: „betet ohne Unterlass.“ Auch das könnte man falsch verstehen. es geht nicht darum, dass wir 24-7 Stelle Zeit machen. So können wir nicht leben. Aber wir sollten beständig Gott im Blick haben, so dass in jeder Situation ein stilles Gebet so natürlich ist, wie ein Atemzug. Natürlich dürfen wir schlafen und am Tag ganz viele verschiedene Dinge tun. Aber Gebet soll uns stets nahe sein.
- Das fordert mich schon heraus, weil ich mich immer wieder dabei ertappe, dass ich instrinktiv „mache“ anstatt erstmal zu beten.
Und schließlich lesen wir: „seid dankbar in allen Dingen.“ Auch hier geht es um eine Herzenshaltung. Wir müssen nicht für alles dankbar sein. Es gibt beklagenswerte Dinge. Aber weil wir um Gott wissen und um seine große Liebe und treue Fürsorge, können wir – trotz allem – in allen Dingen dankbar sein.
- Diese Dankbarkeit können wir gerade auch durch regelmäßige Dankgebete und das Nachsinnen über Gottes großes werk für uns und seine Zusagen an uns, kultivieren.
Die Verse 19-22 sind dann eine zweite gruppe mit Aufforderungen. Die sind erstmal etwas schwerer zu verstehen. Und man muss sie miteinander lesen, um sie richtig zu verstehen. Das gilt insbesondere für Vers 21, der der Jahreslosungsvers für 2025 und damit mein Predigttext für den 31.12. ist. Da heißt es „Prüft aber alles und das Gute behaltet.“
Das ist so nicht praktikabel. Wir können nicht immer alles prüfen. Aber darum geht es auch gar nicht. Die beiden Verse davor erklären, worauf sich das „Alles“ bezieht: „19 Den Geist dämpft nicht. 20 Prophetische Rede verachtet nicht.“
Es geht also darum, dem Geist Gottes durch prophetische Rede Raum zu geben, aber nicht alles, was vorgibt, prophetische Rede zu sein, vorbehaltlos anzunehmen. Das war das konkrete Problem in Thessalonich. Dort waren falsche Lehrer aufgetreten, die behaupteten, dass der Herr ganz zeitnah zurückkommen würde oder gar schon gekommen sei. Das hatte zu Passivität in der Gemeinde geführt. Und so ermahnt Paulus die Geschwister, nicht naiv alles zu glauben.
Eine Überreaktion könnte sein, dass man überhaupt nicht mehr Raum hat für den Heiligen Geist. Auch davor warnt Paulus.
Über die genaue Anwendung auf uns werde ich mir diese Woche noch intensiver Gedanken machen, so dass ich das – so Gott will – am 31.12. predigen kann.
Die letzte Ermahnung: „22 Meidet das Böse in jeder Gestalt“ ist dann wieder so allgemein und klar, dass wir sofort wissen, was wir zu tun haben. Nur müssen wir es dann eben auch tun.