22,22-23,11: „22 Sie hörten ihm aber zu bis zu diesem Wort; dann erhoben sie ihre Stimme und riefen: Hinweg mit diesem von der Erde! Denn er darf nicht mehr leben. 23 Als sie aber schrien und ihre Kleider abwarfen und Staub in die Luft wirbelten, 24 befahl der Oberst, ihn in die Burg zu führen, und sagte, dass man ihn geißeln und verhören sollte, um zu erfahren, aus welchem Grund sie so gegen ihn schrien. 25 Als man ihn aber zum Geißeln festband, sprach Paulus zu dem Hauptmann, der dabeistand: Ist es erlaubt bei euch, einen Menschen, der römischer Bürger ist, ohne Urteil zu geißeln? 26 Als das der Hauptmann hörte, ging er zu dem Oberst und berichtete ihm und sprach: Was willst du tun? Dieser Mensch ist römischer Bürger. 27 Da kam der Oberst zu ihm und fragte ihn: Sage mir, bist du römischer Bürger? Er aber sprach: Ja. 28 Da sagte der Oberst: Ich habe dies Bürgerrecht für viel Geld erworben. Paulus aber sprach: Ich aber bin schon als römischer Bürger geboren. 29 Da ließen sogleich von ihm ab, die ihn verhören sollten. Und der Oberst fürchtete sich, als er vernahm, dass es ein römischer Bürger war, den er hatte festbinden lassen. 30 Am nächsten Tag wollte er genau erkunden, warum Paulus von den Juden verklagt wurde. Er ließ ihn von den Ketten lösen und befahl den Hohenpriestern und dem ganzen Hohen Rat zusammenzukommen und führte Paulus hinab und stellte ihn vor sie. Paulus aber sah den Hohen Rat an und sprach: Ihr Männer, liebe Brüder, ich habe mein Leben mit gutem Gewissen vor Gott geführt bis auf diesen Tag. 2 Der Hohepriester Hananias aber befahl denen, die um ihn standen, ihn auf den Mund zu schlagen. 3 Da sprach Paulus zu ihm: Gott wird dich schlagen, du getünchte Wand! Sitzt du da und richtest mich nach dem Gesetz und lässt mich schlagen gegen das Gesetz? 4 Aber die dabeistanden, sprachen: Schmähst du den Hohenpriester Gottes? 5 Und Paulus sprach: Liebe Brüder, ich wusste es nicht, dass er der Hohepriester ist. Denn es steht geschrieben (2.Mose 22,27): »Dem Obersten deines Volkes sollst du nicht fluchen.« 6 Als aber Paulus erkannte, dass ein Teil Sadduzäer war und der andere Teil Pharisäer, rief er im Rat: Ihr Männer, liebe Brüder, ich bin ein Pharisäer und ein Sohn von Pharisäern. Ich werde angeklagt um der Hoffnung und um der Auferstehung der Toten willen. 7 Als er aber das sagte, entstand Zwietracht zwischen Pharisäern und Sadduzäern und die Versammlung spaltete sich. 8 Denn die Sadduzäer sagen, es gebe keine Auferstehung noch Engel und Geister; die Pharisäer aber lehren beides. 9 Es entstand aber ein großes Geschrei; und einige Schriftgelehrte von der Partei der Pharisäer standen auf, stritten und sprachen: Wir finden nichts Böses an diesem Menschen; vielleicht hat ein Geist oder ein Engel mit ihm geredet. 10 Als aber die Zwietracht groß wurde, befürchtete der Oberst, sie könnten Paulus zerreißen, und ließ Soldaten hinabgehen und Paulus ihnen entreißen und in die Burg führen. 11 In der folgenden Nacht aber stand der Herr bei ihm und sprach: Sei getrost! Denn wie du für mich in Jerusalem Zeuge warst, so musst du auch in Rom Zeuge sein.“
Jetzt lesen wir von der Reaktion der Juden auf die Verteidigungsrede des Paulus. Sie hassen es, dass er den Heiden das Evangelium verkündet hat. Es ist schon erstaunlich, wie hasserfüllt die Juden sind. Sie rufen: „Hinweg mit diesem von der Erde! Denn er darf nicht mehr leben.“ Die Situation droht so außer Kontrolle zu geraten, dass der Oberst Paulus nun ganz in Sicherheit bringt. Zugleich ist der Oberst Paulus aber auch nicht wohlgesonnen. Er will ihn brutal auspeitschen, also geißeln lassen. Doch da ergreift Paulus nun das Wort und betont, dass er römisches Bürgerrecht hat, was ihm einen Schutz vor besonders brutalen Strafen gewähren sollte.
Wir lernen hier, dass Paulus von Geburt an das römische Bürgerrecht hatte, auch wenn wir nicht erfahren, wie es dazu kam. Jetzt bekommt es der Oberst mit der Angst zu tun. Gleichzeitig will er besser verstehen, was den die Anklage der Juden gegen Paulus ist. Und so bringt er Paulus vor den Hohen Rat. Der Hohepriester lässt Paulus schlagen, was diesen dazu bringt deutlich zu sagen, wie gesetzlos die angeblichen Verteidiger des Gesetzes sind. Dass er dabei den Hohenpriester kritisiert hat, will Paulus nicht gewusst haben. Damit könnte man denken, dass Paulus es nicht für möglich gehalten hatte, dass ein so scheinheilig agierender Mensch der Hohepriester ist.
- Tatsächlich ist das ganz typisch für Feinde des Evangeliums … auch heute noch.
- Aber natürlich sind auch Christen immer mal wieder recht scheinheilig. Da sind wir alle herausgefordert.
Dann sehen wir, wie Paulus klug agiert und die Sadduzäer gegen die Pharisäer ausspielt, in dem er auf etwas zu sprechen kommt, was zwischen diesen beiden jüdischen Gruppen sehr umstritten war – nämlich die Frage nach der Auferstehung. Diese wurde von den Sadduzäern abgelehnt, während die Pharisäer dazu glaubten, was Paulus inzwischen im Hinblick auf Jesus sogar sicher wusste. Paulus betont diese sichere Hoffnung als einen Kernaspekt des Evangeliums, womit er ja grundsätzlich Recht hat. Die Wirkung ist dann ein Konflikt unter den Juden ausbricht und sich die Pharisäer erstmal hinter Paulus stellen. Wiederum kommt es zu einem Tumult, der dazu führte, dass die Soldaten Paulus lieber wieder in Sicherheit brachte.
Dort hat Paulus in der folgenden Nacht eine Gotteserscheinung. Der Herr sprach zu ihm: „Sei getrost! Denn wie du für mich in Jerusalem Zeuge warst, so musst du auch in Rom Zeuge sein.“
- Und so darf Paulus wissen, dass inmitten des Chaos und der verschiedenen Gruppen, er immer noch sicher in Gottes Hand ist und Gott mit ihm noch etwas vorhat.
- Diese Zuversicht dürfen wir Christen alle haben. Gott sitzt im Regiment und er will auch uns gebrauchen bis zu dem Tag, an dem der Herr uns zu sich holt.