Ähnlich wie Jesaja, adressiert auch der Prophet Jeremia vor allem das Südreich Juda, Er tut das aber deutlich später – lange nach der Zerstörung des Nordreichs Israels im Jahr 722 v.Chr. durch die Assyrer. Damals hatte ja Jesaja seinen Dienst getan. Jeremia kam über hundert Jahre später und erlebte die Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier in drei Feldzügen zwischen ~605-586 v.Chr.

Die ersten 3 Verse geben uns den historischen Kontext durch die Benennung der Könige von Juda. Jeremia begann seinen Dienst ca. 625 v.Chr. und ab Vers 4 lesen wir von seiner Berufung. Seine Reaktion klingt ganz anders, als das forsche „hier bin ich, sende mich“ von Jesaja (Kap. 6). Jeremia klingt hier eher wie Mose, der ja auch Gründe vorbrachte, warum er nicht taugt. Doch der Herr ermutigt Jeremia und sagt ihm gleich zweimal zu, dass er sein Beschützer und Retter sein wird (V.8 & 19).

Ganz zentral ist Vers 10, in dem der HERR Jeremia sagt, was sein Dienst tun soll: „10 Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, daß du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.“ Das belegt der Herr dann durch zwei symbolische Zeichen.

Nun sind wir nicht Jeremia – aber auch wir dürfen wissen, dass der Herr bei uns ist und uns rettet, wenn wir auf ihn vertrauen und ihm dienen.

  • Lasst uns das tun und dabei von Jeremia lernen, der diesen Dienst treu tat, trotz erheblicher Widerstände und Leiden.

Zu Beginn lesen wir schon zum vierten Mal, dass das Herrn Wort zu Jeremia geschah (nach 1,4 & 1,11; 1,13). Jetzt kommen Worte der Anklage gegen Juda für seine Untreue. Diese soll Jeremia öffentlich in Jerusalem verkünden.

  • Ich kann mir vorstellen, wie sehr Jeremia hier herausgefordert war und wie wichtig es für ihn war, darum zu wissen, dass der HERR ihm zugesagt hatte, bei ihm zu sein und sein Retter zu sein (1,8; 1,19).

Jeremia klagt das Böse, das Unrecht, den mangelnden Glauben und die Bündnisse mit anderen Völkern an (auf die Juda mehr vertraute, als auf Gott). Vor allem aber klagt er Juda dafür an, dass sie ihre „Götter“ wechseln, was nicht einmal die Heiden tun, obwohl die den einen wahren Gott nicht einmal kennen (V.10f). Juda hingegen tauscht seinen (einen wahren) Gott für Götzen ein, die nicht helfen können.

Vers 19b sollte uns da eine Warnung sein: „Und du mußt innewerden und erfahren, was es für Jammer und Herzeleid bringt, den HERRN, deinen Gott zu verlassen und ihn nicht zu fürchten, spricht Gott, der HERR Zebaoth.

  • Ihr Lieben: lasst uns treu beim Herrn bleiben, damit es uns wohl ergehe.

Die zweite Hälfte des Kapitels klagt dann die Untreue Judas an, indem Jeremia das Verhalten Judas mit dem eines triebgesteuerten Tieres während der Brunft vergleicht und das dann klar und deutlich als Hurerei benennt.

  • Lasst uns nie vergessen, dass der Herr Jesus der wahre Bräutigam ist und lasst uns ihm treu sein und auf ihn warten.
  • Dabei sollten wir immer wieder bedenken, dass alle anderen uns ohnehin nicht wirklich helfen können.
  • Deswegen sollten unsere Herzen ungeteilt dem einen wahren Gott gehören!

Die ersten 5 Verse in Kapitel 3 setzen die Anklage gegen die „Hurerei“ Israels (das bezieht sich hier sicher nicht allein oder vor allem auf das Nordreich, sondern auf alle Nachfahren Jakobs/Israels.

Ab Vers 6 unterscheidet Jeremia dann zwischen den beiden Reichen und macht deutlich, dass die Scheidung Gottes vom Nordreich (V.8; deren Vernichtung durch Assyrien), dem Südreich eine Warnung hätte sein sollen.

Doch auch die Menschen im Südreich haben Herzen, die den Herrn nicht wirklich lieben (V.10). Vers 12 ist dann ein Hoffnungsschimmer – auch für das vernichtetet Nordreich, denn Gott beschreibt sich selbst, als einen gnädigen Gott, der denen vergibt, die sich zu ihm bekehren.

  • Das ist natürlich auch eine Botschaft für Juda … und für uns!

Auf den Ruf zur Umkehr in Vers 14 folgt dann die Zusage Gottes, dass er einige retten wird. Die Verse 14-18 sind wirklich eine großartige Zusage.

Vers 19f zeigt aber eben auch, dass selbst die größten Verheißungen bei vielen im Volk zu keiner Umkehr führen.

Und doch streckt der Herr seine Hand immer noch aus und verheißt seine Gnade.

  • Das darf auch uns Trost und Hoffnung sein. Wir haben einen sehr geduldigen und gnädigen Gott.
  • Lasst uns immer wieder zu IHM kommen und auf seine Verheißungen vertrauen.

Zu Beginn von Kapitel 4 lesen wir vom Weg der wahren Bekehrung. Diese besteht immer aus einem „Weg“ von Falschen und einem „Hin“ zum Herrn.

Grundlegend ist dabei die Beschneidung des Herzens, von der dann viele hundert Jahre später ja auch Paulus in Römer 2 spricht. Die Beschneidung, die wirklich zählt ist eben nie einfach der Ritus der Beschneidung der Vorhaut am 8. Tage. Das ist nur ein Abbild der Beschneidung, die wirklich nötig ist, um wahrhaft zum Herrn zu gehören. Dabei ist das etwas, das einerseits nur der HERR tun kann … und eben doch auch ein Auftrag an uns.

Ab Vers 5 kommen dann sehr bedrohliche Worte über den kommenden Feind Judas. Die Sprache ist sehr lebendig und gerade deshalb beängstigend. Man hört die Posaune und die warnenden Rufe.

Jeder vernünftige Mensch würde in einer solchen Situation fliehen und jeder, der etwas über Gott weiß, sollte ihn spätestens jetzt um Hilfe anrufen. Doch die Menschen klagen nur, doch sie kehren nicht um.

  • Möge der HERR uns immer wieder wahre Buße schenken und nicht nur eine billige Reue, die die Konsequenzen der Sünde beklagt, aber nicht die Sünde selbst.