2,12-23: „12 Und Gott befahl ihnen im Traum, daß sie sich nicht sollten wieder zu Herodes lenken; und sie zogen durch einen anderen Weg wieder in ihr Land. 13 Da sie aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des HERRN dem Joseph im Traum und sprach: Stehe auf und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und flieh nach Ägyptenland und bleib allda, bis ich dir sage; denn es ist vorhanden, daß Herodes das Kindlein suche, dasselbe umzubringen. 14 Und er stand auf und nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich bei der Nacht und entwich nach Ägyptenland. 15 Und blieb allda bis nach dem Tod des Herodes, auf daß erfüllet würde, was der HERR durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: „Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ 16 Da Herodes nun sah, daß er von den Weisen betrogen war, ward er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Kinder zu Bethlehem töten und an seinen ganzen Grenzen, die da zweijährig und darunter waren, nach der Zeit, die er mit Fleiß von den Weisen erlernt hatte. 17 Da ist erfüllt, was gesagt ist von dem Propheten Jeremia, der da spricht: 18 „Auf dem Gebirge hat man ein Geschrei gehört, viel Klagens, Weinens und Heulens; Rahel beweinte ihre Kinder und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war aus mit ihnen.“ 19 Da aber Herodes gestorben war, siehe, da erschien der Engel des HERRN dem Joseph im Traum in Ägyptenland 20 und sprach: Stehe auf und nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und zieh hin in das Land Israel; sie sind gestorben, die dem Kinde nach dem Leben standen. 21 Und er stand auf und nahm das Kindlein und sein Mutter zu sich und kam in das Land Israel. 22 Da er aber hörte, daß Archelaus im jüdischen Lande König war anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete er sich, dahin zu kommen. Und im Traum empfing er Befehl von Gott und zog in die Örter des galiläischen Landes. 23 und kam und wohnte in der Stadt die da heißt Nazareth; auf das erfüllet würde, was da gesagt ist durch die Propheten: Er soll Nazarenus heißen.“
In diesem Abschnitt lesen wir gleich dreimal davon, wie Gott Menschen durch Träume Wegweisung gibt. Dabei wirkt Gott zum Schutz und Wohl seines eingeborenen Sohnes.
Vom ersten Traum lesen wir in Vers 12. Im Traum spricht Gott erst den Weisen den Auftrag, nicht zu Herodes zurückzukehren. Somit scheitert der Plan des Herodes, der durch die Weisen erfahren wollte, wer und wo der neue König der Juden ist, damit er diesen dann aus dem Weg schaffen könnte.
In Vers 13 lesen wir dann gleich von einem 2. Traum. Der (bzw ein) Engel des Herr erscheint Josef im Traum und sagt ihm, dass er mit Frau und Kind nach Ägypten fliehen solle, um so Jesu Leben zu retten. Nachdem in Kapitel 1 die Verbindung von Jesus zu Abraham und David betont wurde, sehen wir hier viele Parallelen zwischen Jesus und Mose. So wie bei Mose, ist auch das Leben von Jesus durch einen tyrannischen Machthaber gefährdet, der einen Kindermord anordnet. Und wie bei Mose sind es auch hier die Eltern, die aktiv werden, um den Sohn zu retten. Und so wie Mose und das Volk Israel, so sollte auch Jesus später wieder aus Ägypten zurückkehren. Dabei lesen wir hier ein Zitat aus Hosea 11,1. Das ist im ersten Moment überraschend, denn in Hosea 11 sieht Hosea eigentlich zurück auf den Exodus zur Zeit von Mose. Doch Matthäus versteht, dass der Exodus nur ein Schatten dieses Ereignisses aus dem Leben Jesu ist. Wir sehen also, dass Matthäus die Propheten und letztendlich die ganze Geschichte Israels konsequent im Bezug auf Jesus auslegt. Das scheint die zentrale hermeneutische Methode in der Auslegung des AT zu sein, die uns das NT lehrt und wir tun gut daran dem zu folgen.
Matthäus deutet hier an, dass Jesus der wahre Israel ist. So wie Mose und das Volk lange zuvor, so war auch er durch einen königlich angeordneten Kindermord eine existenzielle Bedrohung. Vom brutalen Kindesmord unter Herodes lesen wir dann ab Vers 16. Matthäus zeigt wiederum auf, dass dies in Erfüllung einer Prophetie aus dem Alten Testament geschah.
In Vers 19 lesen wir schließlich von einem 3. Traum. Wiederum erscheint der Engel dem Josef im Traum und sagt ihm, dass er nun mit Maria und Jesus nach Israel zurückkehren kann. Ob es dann noch ein weiterer Traum war, durch den Josef verstand, dass er nicht nach Jerusalem bzw Bethlehem, sondern nach Galiläa gehen sollte, ist nicht ganz klar. Interessant ist, dass es für Josef und Maria wohl vor dem Traum eine echte Option war, nach Judäa zurückzukehren. Denn eigentlich waren sie ja nur wegen einer Volkszählung aus Galiläa dahin gegangen. Da wir aber darüber nichts weiter erfahren, ist es wohl von keiner größeren Bedeutung. Fakt ist, dass sie genau da landen, wo Gott sie haben wollen. Denn auch dadurch, dass Jesus in Nazareth aufwuchs, erfüllte sich eine AT Prophetie.
Bemerkenswert ist auf jeden Fall, dass Gott letztendlich durch Träume und Engel so führt, dass sich alle seine Verheißungen erfüllen und uns dabei Jesus als den wahren und besseren Israel offenbart.
- Das darf und staunen lassen über unseren Gott, der alles tut entsprechend dem Ratschluss seines vollkommenen Willens.
- Auf diesen Gott können wir bedingungslos vertrauen!