Zu Beginn der Bergpredigt lesen wir die Seligpreisungen. Diese beschreiben letztendlich die Herzenshaltung und Lebenseinstellung, durch die unser Christ-sein sichtbar wird.
Unser Auftrag ist es eben nicht, hier auf Erden gut dazu stehen – das gelingt wahrscheinlich am besten durch Anpassung. Wir sollten eine Ewigkeitsperspektive haben und deshalb hier auf Erden bewusst Salz und Licht sein, also Menschen die ihr Umfeld prägen und sich auch mal gegen den Strom stellen.

  • Wir sollten so leben, dass wir uns nicht dieser Welt anpassen, sondern sie prägen und ihr Orientierung geben. Das wird Widerstand provozieren und doch liegt darauf großer Segen. Genau das verheißt Jesus hier ja

Dann folgen Worte (V.17-20), die von zentraler Bedeutung für das richtige Verständnis der Bergpredigt sind.  Die Wichtigkeit dieser Aussage ist kaum zu überschätzen. Es geht eben letztendlich nicht darum, dass wir gut genug leben, um dadurch Gottes Annahme zu finden – denn das schaffen wir nicht. Vor Gott bestehen können wir nur deshalb, weil Jesus das Gesetz für alle seine Nachfolger erfüllt hat.

Jesus hat alles für uns getan, damit wir vor Gott bestehen können. Wer meint noch etwas selber tun zu wollen und es dann letztendlich auch ohne Jesus zu schaffen, der bekommt von Jesus dann auch gleich erklärt, was er tun müsste. Er müsste eine Gerechtigkeit haben, die „besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer“.
Was das konkret bedeutet, wird dann im Fortgang klar. Wir alle müssen erkennen, dass wir daran scheitern werden … diese Gerechtigkeit können wir nicht selbst erwerben, sie muss uns von Christus zugerechnet werden – d.h. sie kommt nicht aus uns heraus, sondern kommt von außen (durch den Glauben) zu uns.

Der Abschnitt, der mit 5,21 begonnen hatte, setzt sich bis zum Ende des Kapitels fort. In diesem Abschnitt der Bergpredigt erklärt Jesus, was der tatsächliche Anspruch Gottes ist.
All diese Aussagen sind für uns sicher eine große Herausforderung, und doch dürfen wir wissen, dass es gut für uns ist, so zu leben:

  • Wir wollen uns um die Reinheit nicht nur unserer Handlungen, sondern auch unserer Gedanken bemühen.
  • Wir wollen uns darum bemühen, immer ehrlich zu sein, denn wir können darauf vertrauen, dass Gott letztendlich den Gehorsam segnet.
  • Wir wollen auch denen in Liebe und Gnade begegnen, die uns Unrecht tun, denn das verhindert eine Eskalation und rd bezeugt unser Wissen darum, dass der HERR uns auch geliebt hat und uns gnädig war, als wir noch seine Feinde waren und uns eben auch nicht unsere Sünden anrechnet.

Als Christen sollten wir also danach streben, dem Anspruch Gottes gerecht zu werden und dabei dürfen wir gelichzeitig wissen, dass unsere Annahme bei Gott nicht davon abhängt, denn Jesus hat für uns bereits das Gesetz erfüllt, so dass wir aus Gnade allein, durch den Glauben allein bei Gott Annahme finden.

Zu Beginn von Kapitel 6 kommt Jesus im Fortgang seiner Bergpredigt auf drei Bereiche zu sprechen, in denen er jeweils betont, dass wir für Gott leben sollen. Dabei geht es hier konkret um unser Geben, Beten und Fasten. Dieses sollte immer mit Blick auf den Herrn getan werden und eben nicht zum Showeffekt.

  • Diese Erinnerung brauchen wir immer wieder, denn es ist sehr leicht, Dinge irgendwann nur noch aus Routine zu tun oder gar, um vor den Menschen gut da zu stehen.
  • Gott will keine Religiosität, sondern wahren Glauben – eine echte Beziehung.

Auch im Rest des Kapitels geht es um gelebten Glauben. Der Herr ruft uns dazu auf, Gott zu vertrauen, auch wenn es ums Geld geht und um sonstige Dinge im Leben. Wir dürfen Gott vertrauen und müssen von daher nicht selber Besitztümer horten und uns Sorgen machen.

Letztendlich ist dieses Kapitel eine echte Herausforderung für uns alle, denn wir müssen uns fragen, für wen wir leben? Leben wir wirklich bewusst für Gott? Und auf wen vertrauen wir? Auf Gott?

  • Möge das immer mehr so sein!

Die Ermahnung zu Beginn von Kapitel 7, dass wir nicht richten sollen wird manchmal so erklärt, als wäre jegliches Richten untersagt.

In gewisser Weise stimmt das. Denn in letzter Instanz ist Gott allein der Richter. Andererseits sind wir alle dazu aufgerufen, Urteile zu treffen und ggf zu ermahnen und zu widersprechen. Das sollte mit der richtigen Herzenshaltung geschehen. Dazu gehört, sich selber im Blick zu haben: „7:5  zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach sieh zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst.“

Was mich an den Versen 7,1ff & 12 besonders herausfordert ist, dass wir sowohl im Richten, wie auch im Handeln gegenüber Anderen immer uns selber als Referenz im Blick haben sollten.

  • Wir sollten an Andere keinen strengeren Maßstab anlegen, als bei uns selbst und wir sollten Andere nicht schlechter behandeln, als wir selber behandelt werden wollen.

Immanuel Kant hat diesen „kategorischen imperativ“ ja auch außerhalb christlicher Kreise bekannt gemacht. Und tatsächlich wäre es für alle Menschen gut, wenn sie nach diesem Grundsatz leben würden. Gerade als Christen sollten wir das vormachen. Und doch muss ich eingestehen, dass ich viel zu oft nicht so handle. Deshalb brauche ich die Ermahnung, die Jesus hier ausspricht.

Die Verse 7-11 wirken ein bisschen wir ein Einschub. Gott liebt seine Kinder und erhört Gebet … und dann geht es ab Vers 12 weiter mit der Ermahnung, dass wahrer Glaube immer mehr sein muss als ein Lippenbekenntnis oder große „Showveranstaltungen“. Gott will nicht einfach nur Lippenbekenntnisse und ein paar spektakuläre Aktionen. ER will unsere Herzen und er will Beziehung.

Und so endet auch Kapitel 7 (ähnlich wie Kap. 6) – und damit auch die Bergpredigt – mit einem Aufruf, auf Gott zu vertrauen und unser Leben auf IHM zu gründen.