1,12-18a: „12 Ich lasse euch aber wissen, liebe Brüder: Wie es um mich steht, das ist nur mehr zur Förderung des Evangeliums geraten. 13 Denn dass ich meine Fesseln für Christus trage, das ist im ganzen Prätorium und bei allen andern offenbar geworden, 14 und die meisten Brüder in dem Herrn haben durch meine Gefangenschaft Zuversicht gewonnen und sind umso kühner geworden, das Wort zu reden ohne Scheu. 15 Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht: 16 diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege; 17 jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft. 18 Was tut’s aber? Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber.“
Dann wird Paulus sehr persönlich und gibt einen Einblick in seine Situation. Dabei interpretiert er diese aber auch gleich aus einer beeindruckenden Evangeliumsperspektive. Er trägt Fesseln, aber seine Inhaftierung hat seinem Aposteldient keinen Abbruch getan. Ganz im Gegenteil – sie dient zur Förderung des Evangeliums. Denn wenngleich Paulus im Gefängnis sitzt und so das Evangelium nicht zu verschiedene Personen weitertragen kann, kommen mit jedem Wechsel der Wachen neue Menschen zu ihm, denen der das Evangelium weitersagen kann … und das scheint durchaus Frucht gebracht zu haben.
Außerdem hat sein Umgang mit seiner Gefangenschaft wohl auch noch den positiven Nebeneffekt, dass andere Christen nun den Dienst außerhalb des Gefängnisses weiterführen, den Paulus nicht mehr tun kann. Manche tun das mit falschen Motiven, um ihrer eigenen Anerkennung willen. Aber auch das stört Paulus nicht allzu sehr. Die Hauptsache für ihn ist, dass das Evangelium verkündet wird und das macht ihn froh.
Damit zeigt er, dass seine Hoffnung und Freude nicht von den unmittelbaren Umständen abhängen müssen. Er verleugnet dabei in keinster Weise, dass seine Umstände schwer sind. Aber er sieht, wie Gott gerade eben auch diese Umstände gebraucht und er so auch im Gefängnis seinen Dienst ausüben kann.
- Ich wünsche uns, dass wir auch eine solche Evangeliumsperspektive einnehmen können, die es uns ermöglicht, unsere Umstände – gerade wenn sie rein menschlich betrachtet evtl schwierig sein mögen – aus Gottes Sicht zu bewerten.
- Gott hat mit allem etwas vor und so können wir uns an allem freuen, was Gott tut oder zulässt.