10,40-42: „Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt hat. 41 Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, der wird eines Propheten Lohn empfangen. Wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, der wird eines Gerechten Lohn empfangen. 42 Und wer dieser Geringsten einen nur mit einem Becher kalten Wassers tränkt in eines Jüngers Namen, wahrlich ich sage euch: es wird ihm nicht unbelohnt bleiben.

Nachdem Jesus seine Jünger zur bedingungslosen Loyalität ihm gegenüber aufgerufen hat, sagt er ihnen hier nun zu, wie sehr er sich mit ihnen identifiziert. Sie vertreten ihn so, dass, wer sie aufnimmt, letztendlich ihn aufnimmt. Das ist im Hinblick auf die Apostel eine wichtige Lehre auch für uns heute.

  • Wenn Menschen die Apostel bzw die apostolische Lehre ablehnen und meinen trotzdem gut mit Jesus unterwegs zu sein, dann täuschen sie sich.
  • Man kann die Apostel nicht hat gegen Jesus ausspielen, im Sinne der Ablehnung dessen, was zum Beispiel Paulus gesagt bzw geschrieben hat und gleichzeitig ein Nachfolger Jesu sein. Denn wer die Apostel nicht aufnimmt, der nimmt auch Jesus nicht auf.

Dann verallgemeinert Jesus diese Lehre noch etwas weiter, indem er davon spricht, wie Menschen Boten Gottes (Propheten) als solche aufnehmen sollen. Wer das tut, der wird auch seinen Lohn finden, denn der Bote und derjenige, der den Boten und seine Botschaft aufnimmt, nehmen letztendlich beide Jesus auf.

Ähnlich ist es mit Menschen, die im Sinne Gottes leben („die Gerechten“). Wer sie aufnimmt, wird bei Jesus Lohn finden.

Letztendlich geht es also darum, dass Loyalität zu Jesus sich immer auch daran zeigt, wie man die Jünger Jesu behandelt. Denn sie sind Teil seines Leibes. Er identifiziert sich ganz mit ihnen. Wer ihnen Gutes tut, wird bei Jesus Anerkennung finden.

  • Von daher lasst uns für Jesus leben und die ehren, die ihm treu dienen!

10,34-39: „Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert. 35 Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen gegen seinen Vater und die Tochter gegen ihre Mutter und die Schwiegertochter gegen ihre Schwiegermutter. 36 Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. 37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt denn mich, der ist mein nicht wert. 38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und folgt mir nach, der ist mein nicht wert. 39 Wer sein Leben findet, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der wird’s finden.

In diesem Abschnitt sagt Jesus etwas, dass für seine Zuhörer wahrscheinlich ähnlich überraschend und schockierend war, wie für viele Leser des Matthäusevangeliums heute. Jesus erklärt, dass ER nicht gekommen ist, um Frieden zu bringen (sondern das Schwert). Das mag seltsam klingen, denn ER ist ja auch der Friedefürst. Aber den Frieden, den Jesus bringt, ist Friede mit Gott, durch den wir dann auch Frieden in unseren Herzen tragen. Von Menschen werden wir Widerstand erfahren, wenn wir uns klar zu Jesus bekennen. Dieser Widerstand und solche Feindschaft kann bis in Familien hinein gehen. Dabei sollten wir Christen immer darauf bedacht sein, Frieden zu stiften und womöglich zu wahren. Aber dabei dürfen wir ne das Evangelium verleugnen und das Evangelium wird dazu führen, dass manche Menschen uns hassen werden. Unsere erste Liebe muss immer Jesus gehören und als seine Nachfolger sollten wir bereit sein für ihn das zu tun, was er zuvor für uns getan hat. So wie Jesus sein Kreuz auf sich nahm und dann daran für uns starb, sollten wir nun auch bereit sein, uns ihm so hinzugeben, dass wir – wenn nötig – bereit sind, für ihn zu sterben.

  • Im Wissen um Widerstand in der Welt ist es umso wichtiger, dass wir zumindest in der Gemeinde und als Christen in Liebe und Frieden miteinander leben. Vor allem aber dürfen wir Christen wissen, dass wir Frieden mit Gott haben.

Jesus macht deutlich, dass unsere Positionierung ihm gegenüber entscheidend ist und eben auch große Veränderung mit sich bringt. Das kann auch bedeuten, dass alte Loyalitäten weichen müssen. Dafür schenkt er uns neue, indem er uns zu Kindern Gottes und zu Gliedern an Seinem Leib (der Gemeinde) macht.

  • Von daher ist auch klar, dass Christen in eine Gemeinde gehören und das heißt ganz sicher mehr, als ab und zu einen Gottesdienst zu besuchen. Gemeinde ist die Gemeinschaft der Gläubigen, die in enger Verbundenheit miteinander leben.

10,26b-33: „Es ist nichts verborgen, das es nicht offenbar werde, und ist nichts heimlich, das man nicht wissen werde. 27 Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was ihr hört in das Ohr, das predigt auf den Dächern. 28 Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, und die Seele nicht können töten; fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. 29 Kauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig? Dennoch fällt deren keiner auf die Erde ohne euren Vater. 30 Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupte alle gezählt. 31 So fürchtet euch denn nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge. 32 Wer nun mich bekennet vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater. 33 Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.

Vers 26b kann erstmal sehr bedrohlich klingen: „Es ist nichts verborgen, das es nicht offenbar werde, und ist nichts heimlich, das man nicht wissen werde.“ Aber das ist die Wahrheit. Gott sieht und weiß alles. Vor ihm können wir nichts verbergen. Das mussten schon Adam und Eva erkennen, nachdem sie in die Sünde gefallen waren, und so ist es bis heute.

Dabei ist das aber nicht nur bedrohlich, sondern auch gut. Gott ist da und eines Tages wird auch ER und Seine göttliche Wahrheit für alle offenbar werden. Darum geht es dann auch im Fortgang.

In Vers 27 lesen wir den sehr klaren Auftrag des Herrn: „Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern“ – dieser Auftrag galt den Aposteln und er gilt auch uns heute.

Jesus weiß darum, was uns immer wieder davon abhält, das zu tun, wozu ER uns hier aufgerufen hat, nämlich unsere Menschenfurcht. Der Weg die Menschenfurcht zu überwinden ist die Erkenntnis Gottes und damit eine gesunde Gottesfurcht.

  • Ich wünsche uns allen, dass wir immer mehr darin wachsen, Gott mehr zu fürchten und mehr zu lieben als irgendetwas oder irgendjemand anderes.

Dabei ist Jesus aber eben kein distanzierter Richter, der unsere Performance aus sicherer Entfernung betrachtet, sondern ein treusorgender Vater. Wie wunderbar sind diese Worte: „. 29 Kauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig? Dennoch fällt deren keiner auf die Erde ohne euren Vater. 30 Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupte alle gezählt. 31 So fürchtet euch denn nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge.

Jesus steht den Seinen vor dem Vater als unser Mittler und Fürsprecher zur Seite. Aber das gilt eben nur denen, die sich zu Ihm bekennen.

Deswegen dürfen und sollten wir immer wieder zu dem fliehen, der uns durch und durch kennt. Gerade auch in Schwachheit und Sünde sollten wir uns nie versuchen vor ihm zu verstecken, sondern zu ihm kommen, um bei Ihm Gnade und Barmherzigkeit zu empfangen.

10,16-26a: „Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben. 17 Hütet euch vor den Menschen; denn sie werden euch überantworten vor ihre Rathäuser und werden euch geißeln in ihren Schulen. 18 Und man wird euch vor Fürsten und Könige führen um meinetwillen, zum Zeugnis über sie und über die Heiden. 19 Wenn sie euch nun überantworten werden, so sorget nicht, wie oder was ihr reden sollt; denn es soll euch zu der Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt. 20 Denn ihr seid es nicht, die da reden, sondern eures Vaters Geist ist es, der durch euch redet. 21 Es wird aber ein Bruder den andern zum Tod überantworten und der Vater den Sohn, und die Kinder werden sich empören wider die Eltern und ihnen zum Tode helfen. 22 Und ihr müsset gehaßt werden von jedermann um meines Namens willen. Wer aber bis an das Ende beharrt, der wird selig. 23 Wenn sie euch aber in einer Stadt verfolgen, so flieht in eine andere. Wahrlich ich sage euch: Ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende kommen, bis des Menschen Sohn kommt. 24 Der Jünger ist nicht über seinen Meister noch der Knecht über den Herrn. 25 Es ist dem Jünger genug, daß er sei wie sein Meister und der Knecht wie sein Herr. Haben sie den Hausvater Beelzebub geheißen, wie viel mehr werden sie seine Hausgenossen also heißen! 26 So fürchtet euch denn nicht vor ihnen.

Der Auftrag an die Jünger ist sehr herausfordernd: Jesus sendet seine Jünger „wie Schafe mitten unter die Wölfe“. Das ist ganz offensichtlich eine gefährliche Mission. Andererseits sollten wir nie vergessen, dass Jesus der gute Hirte ist, der immer auf uns Acht hat. Das entlässt uns aber nicht aus der Verantwortung, weise zu agieren. Einerseits sollen wir „klug wie die Schlangen“ sein. Andererseits sollen wir uns dabei makellos verhalten und eben „unschuldig wie die Tauben sein.“

Jesus redet hier also ganz offen davon, dass seine Jünger Widerstand und Leid erleben werden. Aber in all dem müssen sie sich nicht sorgen, denn Jesus sagt ihnen zu, dass er für sie sorgen wird und ihnen geben wird, was sie brauchen – gerade auch die richtigen Worte.

  • Es ist nicht ganz klar, ob das ganz konkrete Ankündigungen für die Apostel sind oder ob diese Worte auch ganz allgemein für alle Jünger gelten.
  • Anfänglich klingt es so, als wären hier nur die Apostel gemeint, aber der Hinweis auf das Kommen des Menschensohns in Vers 23 gibt dann doch eine viel größere Perspektive.

Und so dürfen wir getrost unserem Herrn folgen, im Wissen darum, dass er bei uns ist, uns gebrauchen wird und uns letztendlich sicher nach Hause bringen wird.

10,1-15: „1 Und er rief seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen Macht über die unsauberen Geister, daß sie sie austrieben und heilten allerlei Seuche und allerlei Krankheit. 2 Die Namen aber der zwölf Apostel sind diese: der erste Simon, genannt Petrus, und Andreas, sein Bruder; Jakobus, des Zebedäus Sohn, und Johannes, sein Bruder; 3 Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus, der Zöllner; Jakobus, des Alphäus Sohn, Lebbäus, mit dem Zunamen Thaddäus; 4 Simon von Kana und Judas Ischariot, welcher ihn verriet. 5 Diese zwölf sandte Jesus, gebot ihnen und sprach: Gehet nicht auf der Heiden Straße und ziehet nicht in der Samariter Städte, 6 sondern gehet hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel. 7 Geht aber und predigt und sprecht: Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. 8 Macht die Kranken gesund, reinigt die Aussätzigen, weckt die Toten auf, treibt die Teufel aus. Umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst gebt es auch. 9 Ihr sollt nicht Gold noch Silber noch Erz in euren Gürteln haben, 10 auch keine Tasche zur Wegfahrt, auch nicht zwei Röcke, keine Schuhe, auch keinen Stecken. Denn ein Arbeiter ist seiner Speise wert. 11 Wo ihr aber in eine Stadt oder einen Markt geht, da erkundigt euch, ob jemand darin sei, der es wert ist; und bei demselben bleibet, bis ihr von dannen zieht. 12 Wo ihr aber in ein Haus geht, so grüßt es; 13 und so es das Haus wert ist, wird euer Friede auf sie kommen. Ist es aber nicht wert, so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden. 14 Und wo euch jemand nicht annehmen wird noch eure Rede hören, so geht heraus von demselben Haus oder der Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen. 15 Wahrlich ich sage euch: Dem Lande der Sodomer und Gomorrer wird es erträglicher gehen am Jüngsten Gericht denn solcher Stadt.

Zu Beginn des 10. Kapitels werden die 12 Jünger namentlich vorgestellt, bevor wir dann von ihrer Aussendung lesen. Das ist hier wahrscheinlich nicht erst ihre Berufung, sondern einfach eine namentliche Vorstellung für uns Leser.

Die ersten vier genannten Apostel wurden auch schon in Kapitel 4,18ff genannt. Mit Ausnahme von Andreas, sind die anderen drei (Petrus, Johannes & Jakobus) auch im Fortgang die Kerngruppe der Jünger, also quasi die Leiter der Apostel. Die Apostel sind dabei die in besonderer Weise von Jesus gesandten, die laut Paulus zusammen mit den Propheten das Fundament der Gemeinde legen sollten, deren Eckstein Jesus selbst ist (siehe dazu Epheser 2,20; 3,5; 4,11)

Jesus gibt den Aposteln die Fähigkeit, große Wunder zu tun. Diese Wunder sind kein Selbstzweck und auch keine Fähigkeit, die Jesus grundsätzlichen allen seinen Nachfolgern gibt. Vielmehr sind diese Wundertaten Zeichen, die spezifisch die Apostel ausweisen (2. Kor 12,12). Die Hauptaufgabe der Apostel ist aber das Predigen vor allem der zentralen Botschaft vom kommenden Reich Gottes (dem Evangelium), denn das Reich Gottes kommt durch Jesus und dadurch, dass er durch seinen Tod und seine Auferstehung Menschen durch den Glauben zu Teilhabern dieses Reiches macht.

Wir sehen hier also, dass die Apostel tun und verkündigen sollten, was zuvor schon Jesus selbst getan und verkündigt hatte. Sie tragen Jesu Dienst quasi weiter und multiplizieren ihn. Natürlich kann nur Jesus das vollbringen, was die Grundlage der Verkündigung ist (stellvertretend für Sünder sterben und wiederaufersetehen) aber die Verkündigung unterstützt durch Zeichen und Wunder wird von den Aposteln weitergeführt. Die hier beschriebene Aussendung ist wohl so eine Art Praktikum. Nach Jesu Himmelfahrt würde ihnen dann diese Aufgabe dauerhaft zufallen.

Jesus gibt den Aposteln schon hier wichtige Erklärungen für ihren Dienst. Sie sollen nicht längerfristig da bleiben, wo man sie nicht hören will.

  • Für uns heißt das, dass wir nicht Anderen penetrant mit Evangelisation auf die Nerven gehen sollen. Wer das Evangelium ablehnt, den sollen wir in Ruhe lassen. Das schützt die Reputation der Evangeliumszeugen und es hilft uns, uns denen zuzuwenden, die die Botschaft hören wollen.
  • Diese Aussage gilt natürlich nur bedingt im Hinblick auf Menschen, mit denen wir ganz natürlich dauerhaft zu tun haben (Familie, Nachbarn, Kollegen). Aber auch da ist es sicher nur bedingt sinnvoll, immer und immer wieder das Gleiche zu verkünden, wenn sie es nicht hören wollen. In 1. Petrus 3 gibt Petrus dazu christlichen Ehefrauen von ungläubigen Männern den Rat, sie nicht durch beständige Rede, sondern durch ihr Lebenszeugnis zu gewinnen zu suchen.
  • Bei all dem sollten wir aber vor allem sehen, dass Jesus seine Jünger sendet, damit sie das Evangelium verkünden. Und dazu sind auch wir auch heute noch berufen!

9,35-38: „35 Und Jesus ging ringsum in alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen. 36 Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben. 37 Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. 38 Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende.

Vers 35 fasst den Dienst Jesu zusammen. Er „lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen.“

Das Evangelium vom Reich ist die gute Nachricht, dass das Reich Gottes nahe gekommen ist, weil mit Jesus der König dieses Reichs nahe gekommen ist. Wer diesen König anerkennt, wird aus dem Reich der Finsternis heraus in das Reich Gottes gerettet, wo wir ewig leben und uns an Gott erfreuen können. Neben der Verkündigung des Evangeliums lehrte Jesus die Menschen aber auch noch weitergehend, so dass sie mehr verstanden, wer sie sind, wer Gott ist und was Gottes Wille ist.

Die Verkündigung war eindeutig Jesu Fokus. Aber als allmächtiger und barmherziger Herr heilte er eben auch viele Menschen. Das haben wir ja gerade in den Versen davor gesehen.

Etwas überraschend mag klingen, was Jesus dann sagt: „Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter.“ Da könnte man sich ja fragen, warum er den beiden vormals Blinden geboten hatte, dass sie niemandem etwas von ihm sagen sollten. Aber die Antwort ist nicht allzu kompliziert. Diese Männer verkündeten Jesus als mächtigen Wunderheiler aber eben nicht als den König über Gottes Reich. In anderen Worten – sie sprachen zwar über Jesus aber sie verkündeten nicht das Evangelium.

  • Das ist auch heute oft ein Problem. Da wird Menschen viel über Jesus gesagt und vielleicht finden dann Menschen Jesus auch ganz toll und haben die Erwartung, dass er ihnen Gutes tun kann. Aber sie kennen das Evangelium nicht und so suchen und finden sie nicht das, was sie vor allem brauchen -> Rettung!

Was Jesus noch viel mehr bewegt als die Krankheiten und Gebrechen der Menschen, ist ihre allgemeine Verlorenheit. Das kommt in Vers 36 zum Ausdruck, wo wir lesen: „Und als er das Volk sah, jammerte es ihn; denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben.

Und dann kommt der Auftrag an seine Jünger: „Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. 38 Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende

  • Die Ernte ist auch heute noch groß. Möge uns Gott eine ähnliche Herzenshaltung geben, wie die, die Jesus hatte und mögen wir dann intensiv darum beten, dass der Herr der Ernte Arbeiter in seine Ernte sende.
  • Wichtig ist aber auch, dass wir erkennen, wer der Herr der Ernte ist. Wir können keine Ernte produzieren, denn Gottes Wort ist der Same, den Gott selbst aufgehen lässt und Gott ist es, der das Gedeihen schenkt und so die Ernte schenkt. Wir sind dabei die Arbeiter Gottes.

9,27-34: „Und da Jesus von da weiterging, folgten ihm zwei Blinde nach, die schrieen und sprachen: Ach, du Sohn Davids, erbarme dich unser! 28 Und da er heimkam, traten die Blinden zu ihm. Und Jesus sprach zu ihnen: Glaubt ihr, daß ich euch solches tun kann? Da sprachen sie zu ihm: HERR, ja. 29 Da rührte er ihre Augen an und sprach: Euch geschehe nach eurem Glauben. 30 Und ihre Augen wurden geöffnet. Und Jesus bedrohte sie und sprach: Seht zu, daß es niemand erfahre! 31 Aber sie gingen aus und machten ihn ruchbar im selben ganzen Lande. 32 Da nun diese waren hinausgekommen, siehe, da brachten sie zu ihm einen Menschen, der war stumm und besessen. 33 Und da der Teufel war ausgetrieben, redete der Stumme. Und das Volk verwunderte sich und sprach: Solches ist noch nie in Israel gesehen worden. 34 Aber die Pharisäer sprachen: Er treibt die Teufel aus durch der Teufel Obersten.“

Hier lesen wir von zwei Blinden, die ganz offensichtlich von Jesus gehört haben und von ihm geheilt werden wollen. Jesus fragt sie direkt, ob sie glauben, dass Jesus dieses Wundertun kann. Und dann zeigt er, dass er sich derer erbarmt, die an ihn glauben.

Diese Heilung hat offensichtlich symbolische Bedeutung. Denn wir alle sind von Natur aus geistlich blind. Aber wenn Gottes uns schenkt, dass wir anfangen, auf Jesus zu vertrauen, dann dürfen wir wissen, dass wir Erbarmen gefunden haben.

Viele Menschen, die von Jesus geheilt werden, können nicht davon schweigen. Die Blinden haben volle Herzen und bezeugen Jesus … obwohl Jesus das eigentlich nicht will.

  • Jesus will nicht primär als Heiler gesehen werden. Aber er heilt, weil er kann und weil er barmherzig ist.

Dann lesen wir auch noch von der Heilung eines bis dahin Stummen & Besessenen. Auch er fängt auch an zu reden, nachdem Jesus ihn geheilt hat.

  • Möge uns das ein Vorbild sein. Wenn Jesus uns geistliche Erkenntnis (Glauben) geschenkt hat und von der Macht der Finsternis befreit hat, dann sollten auch wir ihn mutig und froh aller Orten bekennen.

Eigentlich schockierend ist das, was wir dann in Vers 34 lesen, nämlich dass die Pharisäer so völlig verkennen, woher Jesu Macht kommt.

  • Sie sind die tatsächlich Blinden in diesem Bericht.
  • Solche Menschen haben es so dringend nötig, dass Jesus auch ihnen das Herz auftut, so dass sie Erkennen können, wer er wirklich ist!

9,18-26: „Da er solches mit ihnen redete, siehe, da kam der Obersten einer und fiel vor ihm nieder und sprach: HERR, meine Tochter ist jetzt gestorben; aber komm und lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig. 19 Und Jesus stand auf und folgte ihm nach und seine Jünger. 20 Und siehe, ein Weib, das zwölf Jahre den Blutgang gehabt, trat von hinten zu ihm und rührte seines Kleides Saum an. 21 Denn sie sprach bei sich selbst: Möchte ich nur sein Kleid anrühren, so würde ich gesund. 22 Da wandte sich Jesus um und sah sie und sprach: Sei getrost, meine Tochter; dein Glaube hat dir geholfen. Und das Weib ward gesund zu derselben Stunde. 23 Und als er in des Obersten Haus kam und sah die Pfeifer und das Getümmel des Volks, 24 sprach er zu ihnen: Weichet! denn das Mägdlein ist nicht tot, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn. 25 Als aber das Volk hinausgetrieben war, ging er hinein und ergriff es bei der Hand; da stand das Mädglein auf. 26 Und dies Gerücht erscholl in dasselbe ganze Land.

In den Versen 18-26 lesen wir von zwei eng miteinander verbundenen Berichten über Wundertaten Jesu. Was hier verwundert ist, dass Matthäus nur davon berichtet, dass der Oberste zu Jesus kommt und ihn bittet, seine gerade gestorbene Tochter zum Leben zu erwecken. Es handelt sich hier eindeutig um die gleiche Begebenheit. Der Mann ist also der Synagogenvorsteher Jairus. Bei Markus sehen wir, dass der Bericht wirklich zwei Teile hat. Jairus kommt zuerst, als seine Tochter noch lebt. Dann erfährt er, dass sie gestorben ist. Daraufhin ruft Jesus ihn dazu auf, ihm zu vertrauen. In diesem Kontext wird er wohl das gesagt haben, was Matthäus hier berichtet: „lege deine Hand auf sie, so wird sie lebendig.“ Diese Worte sind genauso wie der Umstand, dass der Vater eben tatsächlich Jesus zutraut, dass er seine Tochter zum Leben zurückbringen kann, wirklich erstaunlich.

  • Ich wünsche uns allen ein solches Gottvertrauen, in den Gott, dem wirklich nichts unmöglich ist.

Ähnliches Gottvertrauen erweist dann auch die Frau. Sie hat offensichtlich von Jesus gehört und vertraut darauf, dass Jesus ihr wirklich helfen kann. Dabei scheint sie überzeugt davon zu sein, dass schon allein die Berührung seiner Kleidung ausreicht, um eine 12 Jahre dauernde Erkrankung hinter sich zu lassen.

  • Was uns wirklich ermutigen sollte ist, dass beide Erwartungen (die des Obersten, wie auch die der Frau) tatsächlich erfüllt werden.

Erst wird die frau schlagartig geheilt und dann zeigt Jesus, dass der Tod für ihn nicht anders ist als der schlaf. Er erweckt das tote Mädchen zum Leben.

  • Jesus hat Macht selbst über den Tod. Dabei ist das nur ein schattenhaftes Abbild seiner Macht. Denn Er verheißt uns nicht einfach die Auferweckung vom Tod, so dass wir noch etwas länger leben können, sondern die Auferstehung zum ewigen Leben.
  • Glaubst du das?

9,14-17: „Indes kamen die Jünger des Johannes zu ihm und sprachen: Warum fasten wir und die Pharisäer so viel, und deine Jünger fasten nicht? 15 Jesus sprach zu ihnen: Wie können die Hochzeitleute Leid tragen, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es wird aber die Zeit kommen, daß der Bräutigam von ihnen genommen wird; alsdann werden sie fasten. 16 Niemand flickt ein altes Kleid mit einem Lappen von neuem Tuch; denn der Lappen reißt doch wieder vom Kleid, und der Riß wird ärger. 17 Man faßt auch nicht Most in alte Schläuche; sonst zerreißen die Schläuche und der Most wird verschüttet, und die Schläuche kommen um. Sondern man faßt Most in neue Schläuche, so werden sie beide miteinander erhalten.

Ab Vers 14 lesen wir von einem Besuch der Jünger des Johannes (des Täufers). Diese sind Jesus gegenüber sicher deutlich weniger kritisch eingestellt. Und doch haben auch sie eine Anfrage. Weniger an Jesus direkt, sondern vor allem im Hinblick auf Jesu Jünger. Diesen scheint es an der nötigen Frömmigkeit zu fehlen, da sie wohl nicht die typischen Fastentage hielten. Dabei ging es wohl um Regelungen, die nicht direkt im Alten Testament zu finden sind, aber dennoch unter den Juden gängige Praxis waren. Im AT war wohl nur ein Fastentag am großen Versöhnungstag vorgeschrieben. (3. Mose 23,26ff). Aber fromme Juden fasteten zweimal pro Woche.

Jesus nutzt diese Frage, um zu lehren. Er betont, dass wahre Frömmigkeit damit beginnt, sich an Jesus zu erfreuen. Deshalb wäre es absurd, wenn seine Jünger fasten und trauern würden, während Jesus selbst noch bei ihnen ist. Interessant ist, dass Jesus sich als den Bräutigam bezeichnet. Das ist eine Selbstbezeichnung Gottes aus Jesaja 62. Weiterhin finde ich es interessant, dass Jesus das Fasten als Ausdruck der Trauer beschreibt, die bei der Anwesenheit des Bräutigams fehl am Platze, aber noch seinem Weggang angemessen ist.

  • Wir sehen Fasten ja oft als einen Weg, uns mehr auf Gott auszurichten. Aber es ist hilfreich, sich auch die Dimension der Trauer vor Augen zu führen. Denn das Fasten kann ein Ausdruck unserer Trauer über unsere Sünde sein. So suchen wir im Fasten bewusst wieder die Gegenwart und Hilfe Gottes. Aber all das war damals eben nicht dran.

In den Versen 16-17 gibt Jesus dann zwei Illustrationen dafür, dass mit ihm und seiner Lehre etwas Neues begonnen hat. Eine neue Zeit ist angebrochen, in der die Kategorien der jüdischen Religion nicht passen. Er illustriert das anhand der Gleichnisse von den Weinschläuchen und Kleidern.

Das passt sicher auch sehr gut zu dem, was Jesus durch die Bergpredigt verdeutlicht hat. Er führt die Menschen hinein in ein tieferes Verständnis Gottes. Das bedeutet dann auch, dass es weniger darum geht, bestimmte Frömmigkeitsübungen auszuführen, sondern den tieferen Sinn dahinter zu erkennen. Gott will, dass wir wirklich in Beziehung mit ihm leben und uns ihm ganz hingeben.

  • Und so bete ich für uns alle, dass Jesus immer mehr Raum in unseren Leben einnimmt und alle Lebensbereiche von IHM so (um)gestaltet werden, dass ER in und durch uns alle Ehre bekommt!

9,9-13: „9 Und da Jesus von dannen ging, sah er einen Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus; und er sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf und folgte ihm. 10 Und es begab sich, da er zu Tische saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tische mit Jesu und seinen Jüngern. 11 Da das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isset euer Meister mit den Zöllnern und Sündern? 12 Da das Jesus hörte, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.

Ab Vers 9 lesen wir den Bericht von der Berufung des Matthäus, der im Markusevangelium und im Lukasevangelium als Levi benannt ist. Es war nicht ungewöhnlich, dass ein Mann mehrere Namen hatte. Wahrscheinlich war Matthäus ein Levit, was den Umstand, dass er anstatt als Mitglied des Priesterstammen für das Volk vor Gott einzutreten, für die Römer sein Volk ausnahm, besonders betont. Matthäus benennt sich in seinem eigenen Evangelium stattdessen mit dem Namen, unter dem er bei den Christen bekannt war.

Matthäus hört Jesu ruf: „Folge mir“ und ließ sich nicht lange bitte. Er stand auf, verließ seinen Posten und folgte Jesus.

  • Das ist immer die richtige Reaktion, wenn Jesus ruft. Und wir sollten uns freuen, wenn wir das erleben.

Im Fokus steht hier weniger die Bekehrung des Matthäus, sondern die Reaktion der Pharisäer darauf, dass Jesus sich Matthäus in die Nachfolge rief und dann mit Zöllnern und Sündern zu Tisch saß. Das ärgert sie und sie schimpfen darüber.

  • Bevor wir die Menschen dafür zu schnell verurteilen, sollten wir uns fragen, was wir wohl getan hätten, wenn Jesus kommen, dann aber an unserer Gemeinde vorbeigehen würde, um sich mit Menschen aus den Sexclubs im Bahnhofsviertel zu treffen.
  • Oder vielleicht auch, wenn der Pastor keine Zeit für Dich hat, weil er sich um Leute kümmern will, die Dir nicht würdig erscheinen …

Jesus nutzt die Situation, um eine ganz wichtige Sache zu lehren. Nämlich, für wen er gekommen ist. Er ist nicht für Leute gekommen, die sich von sich aus für fromm und gerecht halten. Wer meint, gesund und gerecht zu sein, braucht ja keinen Retter. Dabei sollten wir aber natürlich erkennen, dass kein Mensch wirklich gerecht ist. Nur erkennen das eben nicht alle Menschen.

Letztendlich sind alle Menschen Sünder und brauchen deswegen Jesus. Und ER ist für alle Menschen gekommen, die das anerkennen und sich IHM im Glauben zuwenden.

  • Wenn Du das noch nie getan hast, dann bitte erkenne, wie sehr Du Jesus brauchst.
  • Bitte Ihn, Dich zu retten. Er wird es tun – denn dazu ist er gekommen!