Ähnlich wie auch schon in den letzten Psalmen, beschreibt der Psalmist auch in diesem Psalm eine Zeit, zu der Israel von Feinden bedrängt und besiegt wurde. Inmitten der Tränen über die Niederlage, erinnert der Psalmist Gott daran, wie er das Volk Israel aus Ägypten ins gelobte Land gebracht und ausgebreitet hat.

Gerade im Hinblick auf Gottes großartiges Wirken in der damaligen Zeit stellt sich nun die Frage: „Warum hast du denn seine Mauer zerbrochen, dass jeder seine Früchte abreißt, der vorübergeht?“. Letztendlich fragt der Psalmist also: Sollte Gott nicht ein Interesse an dem Volk haben, das er aus Gnade allein gerettet und aufgerichtet hat?

Und genau das ist ja auch der Fall … auch wenn das eben nicht bedeutet, dass Gott als ein liebender Vater nicht auch mal sein Volk diszipliniert.
Doch der Psalmist weiß darum, dass Gott der gute Vater ist und so vertraut er gerade auch in aller Not auf Gott und bekennt: „Deine Hand schütze den Mann deiner Rechten, den Sohn, den du dir großgezogen hast.“
Das führt zum Entschluss: „So wollen wir nicht von dir weichen. Lass uns leben, so wollen wir deinen Namen anrufen.“ … und zu einem weiteren abschließenden Gebet: „Herr, Gott Zebaoth, tröste uns wieder;“ „laß leuchten dein Antlitz, so genesen wir.“
AMEN!

  • Möge das auch immer unser Gebet und unsere Zuversicht sein – gerade auch dann, wenn wir mal Leid und Widerstand erleben.

Der historische Hintergrund dieses Psalms scheint recht deutlich zu sein. Jerusalem und der Tempel wurden zerstört – was auf den Beginn der Babylonischen Gefangenschaft hinweist.
Der Psalmist bittet Gott um Hilfe. Dabei erhebt er keinen Anspruch an Gott, sondern appelliert an Gottes Interesse an seiner eigenen Ehre.
Das könnte so klingen, wie ein geschickter strategischer Schachzug, oder aber – und ich denke, dass das hier der Fall ist – der Psalmist ist tatsächlich ein solch Gott-liebender Mensch, dass ihm die Ehre Gottes wirklich wichtig ist und er es nicht ertragen kann, dass Gottes Name durch Israels Feinde verspottet und gelästert wird.

Wie dem auch sei, der Psalmist fleht Gott um Hilfe an. Wir wissen heute, dass die Babylonische Gefangenschaft 70 Jahre währte. Von daher wurde dieses Gebet nicht sehr schnell beantwortet. Und doch hat Gott eingegriffen und das Südreich entsprechend Seiner Verheißung wiederhergestellt.

Zum Abschluss dankt der Psalmist Gott – und das wahrscheinlich schon bevor Gott tatsächlich eingegriffen hat. Er tut das, weil ER Gott so gut kennt, dass er darauf vertraut, dass Gott tun wird, was er verheißen hat und deshalb seinem Volk letztendlich zur Hilfe kommen wird.

  • Können wir Gott danken, auch wenn unsere Gebete noch nicht erhört wurden?

Vertrauen wir darauf, dass Gott alles gut machen wird?

  • Ich wünsche mir für mich selbst und uns alle, dass wir alle immer mehr lernen Gott in allen Dingen zu vertrauen und ihm deshalb immer auch zu danken!

Psalm 78 ist ein ausführlicher Rückblick auf die Geschichte von Gott mit seinem Volk.
Der Psalmist zeigt uns den treuen, gnädigen, sein Volk rettenden und versorgenden Gott – und er zeigt uns ein Volk, das immer wieder gegen Gott rebelliert, sündigt und untreu ist.

Es ist bemerkenswert, wie Gott zwar die Schuld Israels nicht ignoriert, sondern darüber immer wieder zornig wird und Israel richtet … aber in all dem doch auch immer wieder ein Gott der Gnade ist. Seine Gnade ist dabei aber nicht universell. Viele erleben die rettende Gnade Gottes nicht und so endet der Bericht auch mit dem Hinweis, „Er verwarf das Zelt Josefs und erwählte nicht den Stamm Ephraim,“ … aber dann heißt es:

68 sondern erwählte den Stamm Juda, den Berg Zion, den er lieb hat. 69 Er baute sein Heiligtum wie Himmelshöhen, wie die Erde, die er gegründet hat für immer, 70 und erwählte seinen Knecht David und nahm ihn von den Schafhürden; 71 von den säugenden Schafen holte er ihn, dass er sein Volk Jakob weide und sein Erbe Israel. 72 Und er weidete sie mit aller Treue und leitete sie mit kluger Hand.“

Gottes Gnade ist also ein freies Geschenk und nicht der Anspruch, den wir an IHN haben. In der Tat haben wir alle nur seinen Zorn verdient. Denn trotz seiner großen Liebe zu uns und all seiner Hilfe und Geduld, wenden wir uns – so wie Israel – immer wieder von ihm ab.
Und doch sind wir dann manchmal schnell dabei, im Angesicht von Leid Gott anzuklagen und in Frage zu stellen. Stattdessen sollten wir anerkennen, dass wir größeres Leid verdient hätten.

Dass wir leben und Gutes erleben ist allein der allgemeinen Gnade Gottes zuzurechnen.

Und wenn wir dann auch noch erfahren durften, wie Gott uns mit seiner erwählenden Liebe Glauben geschenkt und uns bedingungslose Zusagen für die Ewigkeit gegeben hat, dann sollte uns das unbeschreiblich froh und dankbar machen.

  • Möge Gott uns dabei helfen, dass wir aus der Geschichte Israels lernen und uns als treuer und dankbarer erweisen und entschiedener für Gott leben!

Dieser Psalm ist thematisch ganz ähnlich zu Psalm 74. Wiederum klagt Asaf sein Leid und wiederum fragt er sich, warum Gott nicht eingreift. Dieses Mal ist er sich offenbar noch klarer darüber, dass Gott allmächtig ist und fragt sich, warum Gott Dinge so führt, dass seine Umstände so schwer sind. Er hat den Eindruck, dass Gott sich geändert hat (V.11) – zumindest deshalb, weil er scheinbar keine Gnade zeigt, wo er doch sonst gnädig war.

Doch in all seinen Klagen und Zweifeln bleibt der Psalmist demütig! Er macht keine definitiven Aussagen und sondern stellt Fragen.

  • Ich denke, dass uns das ein Vorbild sein sollte. Wir wollen unsere Begrenzung akzeptieren und nicht über Gott urteilen
  • Aber wir dürfen auch mal fragen und Zweifel haben und müssen diese nicht verstecken. Gerade dann, wenn wir sie aussprechen ist die Chance gut, dass wir Antworten finden.

Doch dann bedenkt der Psalmist die Taten des Herrn aus der Vergangenheit (V.12ff). Gerade das gibt ihm wieder Zuversicht. Der Gott, der in aller Geschichte treu getan hat, was er verheißen hat, wird sich nicht ändern. Und so gibt der Psalmist zumindest indirekt die Antwort auf seine eigene Frage.

  • Es ist immer wieder gut über Gottes Handeln in der Geschichte nachzudenken. Denn das hilft uns, Gott besser kennen zu lernen, so wie wir ja auch unser Vertrauen in Menschen auf das Gründen, was wir von ihnen wissen.

Gott hat sein Volk durch Mose aus der Feindschaft und Sklaverei gerettet. Und er hat uns verheißen, dass einer, größer als Mose, uns eines Tages aus der Sklaverei der Sünde und aus aller Feindschaft dieser Welt befreien wird. Noch müssen wir uns gedulden.

  • In Christus haben wir die Zusage und im Heiligen Geist auch einen Unterpfand.
  • Und eines Tages werden wir dann das endgültige gnädige Eingreifen des Herrn erleben. „Kamm Herr Jesus, komm“!