Ab Vers 12 sehen wir, wie schon in Kapitel 1, dass Engel (und Träume) eine zentrale Rolle spielen und von Gott zum Schutz von Jesus und seiner Familie eingegeben werden.

In Vers 12 gibt Gott erst den Weisen den Auftrag, nicht zu Herodes zurückzukehren und dann erscheint ein Engel Josef im Traum und sagt ihm, dass er mit Frau und Kind nach Ägypten fliehen solle, um so Jesu Leben zu retten.

Nachdem in Kapitel 1 die Verbindung von Jesus zu Abraham und David betont wurde, sehen wir hier viele Parallelen zwischen Jesus und Mose. So wie bei Mose, ist auch das Leben von Jesus durch einen tyrannischen Machthaber gefährdet, der einen Kindermord anordnet. Und wie bei Mose sind es auch hier die Eltern, die aktiv werden, um den Sohn zu retten.

Nach der Flucht nach Ägypten und der Engelsbotschaft, dass nun eine Rückkehr möglich ist, kommt das etwas überraschende Zitat aus Hosea 11,1. Hier sehen wir, dass Matthäus die Propheten und letztendlich die ganze Geschichte Israels konsequent im Bezug auf Jesus auslegt. Das scheint die zentrale hermeneutische Methode in der Auslegung des AT zu sein, die uns das NT lehrt und wir tun gut daran dem zu folgen.

Matthäus deutet hier an, dass Jesus der wahre Israel ist. So wie Mose und das Volk lange zuvor, so war auch er durch einen königlich angeordneten Kindermord eine existenzielle Bedrohung. Und wie Israel, so wurde auch Jesus aus Ägypten herausgerufen. Was hier (noch) nicht steht ist, dass ER allein dann aber eben auch das Gesetz Israels erfüllt hat und somit der Erbe der Bundesverheißungen ist. Das wird Jesus dann zu Beginn der Bergpredigt andeuten (Mt 5,17ff).

  • Und weil Jesus der „wahre Israel“ ist, dürfen wir wissen, dass wir – wenn wir durch den Glauben an IHN zu IHM gehören, eben auch Erben der Verheißung sind und somit dem Volk Gottes hinzugetan wurden.

Kapitel 2 beginnt mit der Nach-Weihnachtsgeschichte vom Besuch der Weisen (sie waren wohl keine Könige und wir wissen auch nicht, wie viele es waren) aus dem Morgenland. Der Stern, dem sie folgen, scheint ein übernatürliches Ereignis zu sein, aber natürlich kann man nicht ausschließen, dass Gott auch einen Kometen in seinem natürlichen Erscheinen gebraucht hat, um diese Männer nach Judäa zu bringen.

Herodes ist alarmiert und stellt Nachforschungen an. Dabei wird das AT durchforscht und so festgestellt, dass der König der Juden in Bethlehem geboren werden soll. Hier – wie dann immer wieder im Matthäusevangelium lesen wir von der Erfüllung von Prophetien aus dem AT.

Jesus ist nun in einem Haus und die Weisen gehen zu ihm, beschenken ihn und beten ihn an. Hier bleibt kein Zweifel bestehen, dass das Jesus-Kind tatsächlich der neue König ist, auch wenn wir hier noch nicht erkennen können, welcher Natur sein Reich sein wird.

Nach der Ahnengalerie kommt ab Vers 16 Jesus in den Blick. Dabei wird hier deutlich, dass hier die Ahnengalerie des Josef vorgestellt wurde: „16 Jakob zeugte Josef, den Mann der Maria, von der geboren ist Jesus, der da heißt Christus.“ Diese Formulierung verdeutlicht auch schon, dass Josef eben nicht den Jesus gezeugt hat, denn hier wird die sonstige Formulierung ja bewusst durchbrochen.

Vers 17 fasst dann die drei Epochen nochmal zusammen. Wobei die Betonung der jeweils 14 Generationen zwar auf das zutrifft, was Matthäus hier benennt aber da er ja nicht alle Vorfahren erwähnt muss uns klar sein, dass es tatsächlich mehr Generationen gab. Trotzdem ist die Angabe der Zahl irgendwie bedeutungsvoll … evtl einfach, um dieses Ahnenregister besser auswendig lernen zu können.

Ab Vers 18 kommt dann die Advents- und Weihnachtsgeschichte nach Matthäus. Über diesen Abschnitt habe ich gerade an Heiligabend gepredigt. Josef geht es anfangs so, wie heute noch vielen liberalen (ungläubigen) Theologen. Für ihn macht Marias Behauptung keinen Sinn, dass sie vom Heiligen Geist schwanger sei. Er will sie verlassen aber dann erscheint ihm ein Gottesbote. Der bestätigt nicht nur die jungfräuliche Empfängnis und sagt Josef sowohl, dass er den Sohn „Jesus“ nennen soll und sagt dann auch, dass dieser Sohn der verheißene Immanuel ist.

Wir sehen hier aber auch etwas Wunderbares über den Charakter Gottes. Er sorgt für Maria, in dem er einen Engel zu Josef schickt, damit dieser die Maria nicht verlässt. So bewahrt er die Beiden vor dem Zerbruch ihrer Beziehung und er stellt sicher, dass Jesus mit Vater und Mutter aufwachsen kann.

Vor allem aber sehen wir gleich in den ersten Versen des NT, dass das NT eben nicht etwas ganz Neues ist, sondern die bis dahin im AT beschriebene Geschichte Gottes mit den Menschen fortsetzt.

  • Durch den Glauben an den Retter und Herrn Jesus Christus können auch wir Teil dieser besonderen Geschichte sein bzw. werden!

Der Anfang des NT und damit der Anfang des Matthäusevangeliums wirkt auf uns heute extrem langweilig und zäh. Denn hier steht ein Ahnenregister am Anfang, Aber für jüdische Leser, für die Matthäus vor allem schrieb, müssen die ersten Worte sehr spannend gewesen sein. Gleich zu Beginn lesen wir, dass Jesus der Nachfolger von David und Abraham ist. Er steht damit in der Ahnenreihe der beiden Männer, denen Gott große Verheißungen gegeben hatte. Seit dem 1. Mose 12 warten die Menschen auf den Nachkommen Abrahams, durch den Gott alle Völker segnen würde. Und seit 2. Samuel 7 warten die Juden auf den legitimen Nachfolger Davids, der für alle Ewigkeit regieren soll. Matthäus bringt nun Jesus in Verbindung mit diesen beiden Männern.

Der dann folgende Stammbaum Jesu verdeutlicht noch weiter, wie Jesus sich in die Geschichte des AT einfügt und der ist, in dem die AT Verheißungen ihre Erfüllung finden. Beachtenswert sind dabei zumindest zwei Aspekte. Zum einen die Erwähnung von vier Frauen. Und zum anderen gewisse Auslassungen.

Die ersten drei sind dabei Vorfahrinnen Davids und die 4. War seine illegitime Geliebte. Dier Erwähnung von Frauen in der Ahnenfolge ist an sich schon extrem ungewöhnlich. Diese 4 Frauen sind noch dazu wohl alles Ausländerinnen und ihre Geschichten sind alle etwas anrüchig. Über diese 4 Frauen haben wir im Advent 2020 eine Predigtserie gehabt, die in unserem Predigtarchiv zu finden ist. Es handelt sich um:

V.3: Tamar (1 Mose 38) – die sich als Hure verkleidete, um durch ihren Schwiegervater schwanger zu werden, der sie zuvor verstoßen hatte.

V.5: Die Hure Rahab (Josua 2) – die trotz ihres unrühmlichen Berufs zur Heldin wurde, weil sie sich gegen ihre Landsleute stellte und den feindlichen Juden geholfen hat.

V.5: Rut (Buch Rut) – die als Moabiterin für Juden eigentlich Tabu war, aber gleich zwei jüdische Männer heiratete und dabei vor der zweiten Hochzeit einen ausgeklüngelten Plan ihrer Schwiegermutter ausführte.

V.6: Frau des Uria (Batseba) – die von David zum Ehebruch missbraucht wurde und deren Ehemann dann indirekt von David getötet wurde, um ihn aus dem Weg zu räumen.

In allem sehen wir hier Gottes gute Fügung, der sich eben nicht an Konventionen hält, sondern in seiner Gnade alle Dinge gut führt.

Außerdem fällt im Ahnenregister auf, dass hier einige Ahnen fehlen, die zum Bsp im Buch der 1. Chronik aufgelistet werden. Das Register ist also nicht vollständig. Es fällt auch auf, dass nach David andere Namen auftauchen als im Ahnenregister bei Lukas. Wahrscheinlich haben wir hier die Vorfahren des Josef, zu dem Matthäus wohl Zugang hatte. Zumindest lesen wir bei ihm gerade zu Beginn den Weihnachtsbericht aus der Perspektive Josefs, während Lukas ja eher Maria im Fokus hat.

Josefs ist ja eigentlich kein wirklicher Vorfahre Jesu. Aber juristisch ist er das. Von daher stammt Jesus wohl von David nicht über Salomo ab, der hier erwähnt wird, sondern über Davids Sohn Nathan (Lk 3,31).

  • Hier steckt also sehr viel drin. Das was für uns erstmal sehr langweilig klingen mag, ist also zumindest für Juden wirklich spannend.
  • Und auch wir sollten staunen, über den Gott, der die ganze Geschichte führt und gebraucht, denn es ist Seine Geschichte mit uns Menschen.

 

 

Nach einiger Bedenkzeit und aufgrund mehrerer Ermutigungen habe ich mich entschieden, den Bibel-Blog weiterzuführen. Dabei will ich in 2022 etwas kürzere Abschnitte betrachten und dabei parallel zum Bibel-Entdecken Kurs einige NT Bücher betrachten.

Damit hoffe ich, den Teilnehmern des Kurses dabei zu helfen, die Bücher auch wirklich zu lesen. Und vielleicht motiviert es ja auch noch andere, bei Bibel-Entdecken dabei zu sein. Hier gibt es weitere Informationen zum Kurs und die Anmeldemöglichkeit:

Kursangebote

Ihr Lieben,

für das Jahr 2022 habe ich bewusst noch keinen Bibelleseplan herausgegeben. Ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr mal sehr viel langsamer zu lesen und über kurze Abschnitte intensiver nachzudenken. Das eignet sich dann ggf nicht unbedingt für ein Blog-Format.

Ich kläre für mich gerade noch, ob ich stattdessen dieses Jahr einfach regelmäßig kurze Audio-Podcast Andachten einstelle oder evtl doch weiter blogge, ohne mich da vorher auf fixe Abschnitte festzulegen.

Von daher möchte ich Euch ermutigen vorerst auch ohne Blog weiter eifrig Gottes Wort zu studieren und darin wunderbare schätze zu finden.