3,17-26: „17 Nun, liebe Brüder, ich weiß, dass ihr’s aus Unwissenheit getan habt wie auch eure Oberen. 18 Gott aber hat erfüllt, was er durch den Mund aller seiner Propheten zuvor verkündigt hat: dass sein Christus leiden sollte. 19 So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden getilgt werden, 20 damit die Zeit der Erquickung komme von dem Angesicht des Herrn und er den sende, der euch zuvor zum Christus bestimmt ist: Jesus. 21 Ihn muss der Himmel aufnehmen bis zu der Zeit, in der alles wiedergebracht wird, wovon Gott geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Anbeginn. 22 Mose hat gesagt (5.Mose 18,15; 18,19): »Einen Propheten wie mich wird euch der Herr, euer Gott, erwecken aus euren Brüdern; den sollt ihr hören in allem, was er zu euch sagen wird. 23 Und es wird geschehen, wer diesen Propheten nicht hören wird, der soll vertilgt werden aus dem Volk.« 24 Und alle Propheten von Samuel an, wie viele auch danach geredet haben, die haben auch diese Tage verkündigt. 25 Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, den Gott geschlossen hat mit euren Vätern, als er zu Abraham sprach (1.Mose 22,18): »Durch dein Geschlecht sollen gesegnet werden alle Völker auf Erden.« 26 Für euch zuerst hat Gott seinen Knecht Jesus erweckt und hat ihn zu euch gesandt, euch zu segnen, dass ein jeder sich bekehre von seiner Bosheit.

Im zweiten Teil seiner Rede im Tempel spricht Petrus nun nicht mehr über die Heilung des Gelähmten. Vielmehr kehrt er zurück zu seinem Hauptthema und spricht nun über Jesus. Dabei erklärt er nun, dass Jesu Tod nicht einfach nur das Ergebnis des bösen Handels der Menschen war. Das hätte man nach seinen Worten in Vers 13-15 ja noch denken können. Und natürlich ist es richtig, dass die Menschen sich schwer versündigt haben, als sie Jesus verleugnet und dahingegeben haben. Aber sie taten das letztendlich in Erfüllung eines großen Plans, den Gott schon lange zuvor gemacht hatte. So lesen wir in Vers 18: „18 Gott aber hat erfüllt, was er durch den Mund aller seiner Propheten zuvor verkündigt hat: dass sein Christus leiden sollte.

Zugleich mindert das nicht die echte Schuld der Menschen. Deswegen ruft Petrus sie nun zur Buße: „19 So tut nun Buße und bekehrt euch, dass eure Sünden getilgt werden“.

  • Wir sehen hier also, wie Gottes souveränes Handeln nach seinem ewigen Ratschluss, die menschliche Verantwortung nicht aus-, sondern mit einschließt.
  • Das ist für unseren Verstand kaum zu erfassen. In unserem Denken kommen wir schnell dazu zu sagen, dass, wenn Gott völlig souverän seinen ewigen Plan ausführt und dabei die Menschen gebraucht, die Jesus getötet haben, diese ja nicht schuld sein können. Oder wir denken, dass Gott das so nicht gewollt hat, aber er dann als überlegener „Schachspieler“ einen perfekten nächsten Zug macht … aber dann reagiert Gott auf uns, anstatt alles vorher so geplant zu haben.

Beide Positionen werden von Christen vertreten. Doch beide Positionen denken zu menschlich und übersehen dabei, was Gottes Wort tatsächlich lehrt.

  • Meine Ermutigung für uns ist, dass wir nicht zu schnell unseren Gedanken Raum geben, sondern immer erst sehr sorgfältig lesen und bedenken, was Gottes Wort tatsächlich lehrt.

Nach dem Ruf zur Buße fährt Petrus fort und erklärt, was die Buße bewirken wird: „20 damit die Zeit der Erquickung komme von dem Angesicht des Herrn und er den sende, der euch zuvor zum Christus bestimmt ist: Jesus.

Doch bevor Jesus wiederkommt, musste er in den Himmel auffahren. In allem steht hier ein „musste“ bzw „muss“. Denn alles musste so kommen, wie es Gott durch die Propheten angekündigt hatte. Dabei ist Jesus sowohl die Erfüllung von Prophetie, wie auch selbst ein Prophet, der uns Gottes Perspektive und Gottes Pläne verkündet hat. Petrus zitiert hier gegenüber den Juden mehrfach das Alte Testament, so dass sie das auch erkennen können.

Zentral ist dabei auch der Aufruf, den Mose im Blick auf Jesus gesagt hatte: „den sollt ihr hören in allem, was er zu euch sagen wird.“ Wer Buße tut und auf Jesus hört, wird also Erquickung erleben! Diese Erquickung kommt vom Herrn. Und sie kommt eines Tages in der Person des Christus, der da ist, JESUS! Wenn Jesus wiederkommt, bringt er aber nicht nur Erquickung. Er bringt auch Gericht und Verderben über alle, die nicht auf ihn hören. (Und es wird geschehen, wer diesen Propheten nicht hören wird, der soll vertilgt werden aus dem Volk.) Auch das hatten die Propheten des AT bereits verkündet.

Petrus verkündet also das, was schon das AT lehrt. Gott verheißt Segen denen, die auf den Retter vertrauen und Fluch denen, die ihn ablehnen. Und so konfrontiert Petrus seine Zuhörer. Der Aufruf am Ende ist klar: „dass ein jeder sich bekehre von seiner Bosheit.

  • Möge diese Botschaft auch heute noch viele Menschen erreichen. Und möge der Herr uns den Mut und die Klarheit geben, andere Menschen zu zur Buße und zum Glauben zu rufen, wie Petrus es damals im Tempel tat … wohlgemerkt, in der Stadt, in der Jesus nur 50 Tage zuvor in Kooperationen zwischen allen Mächtigen getötet worden war!

3,11-16: „11 Als er sich aber zu Petrus und Johannes hielt, lief alles Volk zu ihnen in die Halle, die da heißt Salomos, und sie wunderten sich sehr. 12 Als Petrus das sah, sprach er zu dem Volk: Ihr Männer von Israel, was wundert ihr euch darüber oder was seht ihr auf uns, als hätten wir durch eigene Kraft oder Frömmigkeit bewirkt, dass dieser gehen kann? 13 Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unsrer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr überantwortet und verleugnet habt vor Pilatus, als der ihn loslassen wollte. 14 Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und darum gebeten, dass man euch den Mörder schenke; 15 aber den Fürsten des Lebens habt ihr getötet. Den hat Gott auferweckt von den Toten; dessen sind wir Zeugen. 16 Und durch den Glauben an seinen Namen hat sein Name diesen, den ihr seht und kennt, stark gemacht; und der Glaube, der durch ihn gewirkt ist, hat diesem die Gesundheit gegeben vor euer aller Augen.

Die Heilung des ehemals Gelähmten erweckt dann so große Aufmerksamkeit, dass Petrus merkt, dass sich hier nun die Möglichkeit ergibt, über den zu reden, in dessen Namen er den Mann geheilt hat. Er greift das Wunder auf und betont sofort, dass dieses Wunder nicht auf sich selbst oder Johannes zurückzuführen ist. Und dann fängt er an, über Jesus zu sprechen, wobei er bewusst weit ausholt und eben nicht darauf zu sprechen kommt, dass Jesus hinter der Heilung steht, sondern wer dieser Jesus überhaupt ist: „Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unsrer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr überantwortet und verleugnet habt vor Pilatus, als der ihn loslassen wollte. 14 Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und darum gebeten, dass man euch den Mörder schenke; 15 aber den Fürsten des Lebens habt ihr getötet. Den hat Gott auferweckt von den Toten; dessen sind wir Zeugen.

Das ist ein sehr bemerkenswertes Statement, denn er sagt hier sehr viel sehr Wichtiges über Jesus aus.

  • Jesus ist der Knecht des einen wahren Gottes, den die Juden alle als den Gott ihrer Erzväter kennen.
  • Diesen Knecht hat Gott verherrlicht(!)
  • Diesen Knecht haben die Juden überantwortet und verleugnet als Pilatus ihn loslassen wollte.
  • Dann bezeichnet er Jesus als „den Heiligen und Gerechten“ und sagt, dass die Juden ihn verleugnet haben und lieber einen Mörder freigesetzt haben als ihn.
  • Dann wird Jesus als „Fürsten des Lebens“ bezeichnet, den die Juden getötet haben.
  • Und schließlich wird Jesu Auferstehung verkündet, die offenbar weit bezeugt und so allgemein bekannt war.

Es lohnt sich, all diese Aussagen mal für einen Moment zu durchdenken. Es ist noch nicht lange her, dass Petrus selber noch keine echte Vorstellung davon hatte, wem genau er nachfolgte. Und jetzt erkennt und verkündet er all das!

Erst nach all diesem großartigen Zeugnis über die Person Jesu erwähnt Petrus, was dieser Jesus nun mit dem Geheilten zu tun hat: „16 Und durch den Glauben an seinen Namen hat sein Name diesen, den ihr seht und kennt, stark gemacht; und der Glaube, der durch ihn gewirkt ist, hat diesem die Gesundheit gegeben vor euer aller Augen.

Der Glaube hat den ehemals Gelähmten geheilt. Das ist wie bei den vielen Heilungen zu Jesu Lebzeiten auf Erden auch hier wieder sowohl Ausdruck von Jesu Barmherzigkeit wie eben auch ein Zeichen, dass uns erkennen lassen soll, dass Jesus auf eine noch viel umfassendere Weise der Heiland ist. Der Glaube an Jesus, der zugleich durch Jesus gewirkt ist, rettet / heilt. Hier sehen wir die Bedeutung des Glaubens – allein durch Glauben (sola fide) und wir sehen, dass selbst der Glaube nicht unser Werk ist, sondern etwas, das Jesus in uns wirken muss. So ist also selbst unser Glaube ein Geschenk Gottes, so dass unsere Rettung letztendlich in der Gnade Gottes begründet ist (sola gratia). In Epheser 2,1-10 führt Paulus diese zentrale biblische Lehre sehr deutlich aus. Aber auch hier sehen wir diese Lehre sehr deutlich.

  • Von daher danke ich Gott für meinen Glauben, denn er wäre nicht mein Glaube, wenn Gott ihn nicht in mir gewirkt hätte.

Und so führt Petrus seine Zuhörer von seinem Zeugnis über Jesus, hin zur Erklärung der Heilung bis dahin, dass er verkündet, was letztendlich heilt und rettet.

  • Ich wünsche uns von Herzen, dass wir erkennen, wer Jesus wirklich ist und vor allem, dass auch wir klar vor Augen haben, wie sehr auch wir diesen Heiland brauchen.
  • Dann lasst uns ihn dankbar und froh anbeten, so wie der Geheilte es tat.
  • Und lasst uns ihn mutig bezeigen, so wie Petrus es hier tut.

3,1-10: „​1 Petrus aber und Johannes gingen hinauf in den Tempel um die neunte Stunde, zur Gebetszeit. 2 Und es wurde ein Mann herbeigetragen, lahm von Mutterleibe; den setzte man täglich vor die Tür des Tempels, die da heißt die Schöne, damit er um Almosen bettelte bei denen, die in den Tempel gingen. 3 Als er nun Petrus und Johannes sah, wie sie in den Tempel hineingehen wollten, bat er um ein Almosen. 4 Petrus aber blickte ihn an mit Johannes und sprach: Sieh uns an! 5 Und er sah sie an und wartete darauf, dass er etwas von ihnen empfinge. 6 Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher! 7 Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich wurden seine Füße und Knöchel fest, 8 er sprang auf, konnte gehen und stehen und ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott. 9 Und es sah ihn alles Volk umhergehen und Gott loben. 10 Sie erkannten ihn auch, dass er es war, der vor der Schönen Tür des Tempels gesessen und um Almosen gebettelt hatte; und Verwunderung und Entsetzen erfüllte sie über das, was ihm widerfahren war.

Petrus und Johannes folgen weiterhin den jüdischen Traditionen und gehen zu der mittleren der drei täglichen Gebetszeiten (Sonnenaufgang, 15 Uhr, Sonnenuntergang) zum Gebet in den Tempel. Das macht auch Sinn, denn die Apostel haben sich als etwas anderes gesehen als einfach als Juden, die dem jüdischen Messias folgen.

  • In gewisser Weise kann man sicher sagen, dass alle Christen heute eben Teil des einen Gottesvolkes ist. Die einen, weil sie so wie Petrus und Johannes Juden sind, die dem Messias folgen und andere, so wie wohl die allermeisten unter uns, weil wir aufgrund des von den Juden ausgegangenen Zeugnisses mit hinzugerufen wurden.

Auf dem Weg in den Tempel begegnen Petrus und Johannes einem gelähmten Bettler. Petrus muss sich bewusst gewesen sein, dass Gott hier nun durch ihn ein Wunder tun kann (wir haben ja in 2,43 gesehen, dass die Apostel Zeichen und Wunder taten). Und so spricht er den Gelähmten vollmächtig ins Leben: „Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher!

Und tatsächlich. Petrus zieht ich  hoch und der eben noch Gelähmte wird fähig, zu stehen, zu gehen und sogar zu springen. Wohlgemerkt, in Vers 2 wird berichtet, dass er vom Mutterleib an gelähmt war. Das ist also mehr als eine Heilung. Der Mann hat ja nie richtig laufen gelernt. Er hatte nie die Muskulatur, um gehen, stehen und springen zu können. Doch Gott ist nichts unmöglich und so wirkt er dieses große Wunder durch die einfachen Worte des Apostels.

Der Gelähmte weiß woher dieses Wunder kommt. Er lobt und preist nicht Petrus, sondern Gott. Das ist deshalb bemerkenswert, weil Petrus ja nicht direkt auf Gott verwiesen hatte, sondern auf Jesus Christus von Nazareth. Der ehemals Gelähmte scheint also zu erkennen, dass Jesus tatsächlich der Christus – der von Gott gesalbte und gesandte ist. Ob er sogar versteht, dass Jesus Gott ist, können wir nicht mit Sicherheit wissen.

Das Volk sieht den Mann und erkennt ihn. Und die Reaktion ist genauso, wie wir es erwarten würden … und wie wohl auch wir reagieren würden:  Sie sind verwundert und entsetzt.

  • Gottes große Macht so zu erleben, versetzt Menschen in (Ehr-)Furcht. Das haben wir ja auch schon zu Jesu Lebzeiten gesehen. Als Jesus zum Beispiel den Sturm gestillt hatte, waren die Jünger ja auch mit noch mehr Furcht erfüllt als zuvor, als sie dachten, dass sie im Sturm sterben würden.
  • Ich wünsche uns, dass wir, wenn wir von Gottes großen Wundern lesen, ebenfalls Staunen und mit Ehrfurcht erfüllt werden … und es dann dem ehemals Gelähmten gleichtun und Gott loben und preisen!

2,42-47: „Sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. 43 Es kam aber Furcht über alle Seelen und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. 44 Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. 45 Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. 46 Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen 47 und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

Auch zu diesem Text habe ich vor einiger Zeit eine Predigt gehalten, nämlich im Zusammenhang mit der Einführung unseres „Gemeindeverständnisses“: https://www.youtube.com/watch?v=NWMDhNyvXq8

Wir sehen hier, wie die erste christliche Gemeinde miteinander lebte. Die nun über 3000 Geschwister lebten enge Gemeinschaft. Dabei wurde diese Gemeinde geleitet und gelehrt durch die Apostel. Die apostolische Lehre war das Fundament der Gemeinde und das wurde regelmäßig gelegt. Für die Christen war klar, dass sie diese Lehre brauchten und so kamen sie regelmäßig zusammen, um auf die apostolische Lehre zu hören.

  • Ich habe heute bei manchen Christen den Eindruck, dass sie meinen das nicht mehr zu brauchen. Sie machen den GoDi Besuch entweder zu etwas recht Optionalem oder sie kommen zwar regelmäßig, kommen aber eigentlich nicht, um zu lernen.
  • Andererseits bin ich so dankbar, dass ich in unserer Gemeinde den Eindruck habe, dass ganz viele Geschwister sehr begierig darauf sind, aus der Bibel (und damit die apostolische Lehre) gelehrt zu werden.

Neben dem Hören auf die Lehre kommen die Gläubigen aber auch bewusst für die Gemeinschaft.

  • Auch das wird heute oft nicht wirklich gepflegt. Wer die Versammlungen der Gemeinde verpasst, entzieht sich ja nicht nur der Lehre, sondern auch der Gemeinschaft. Und manche Christen suchen sich zwar online Lehre (auch wenn das schon schwierig ist, denn wenn dann eine Predigt zu herausfordernd wird, macht man das Gerät einfach aus) – aber was sie dann vor allem verpassen, ist die gelebte Gemeinschaft der Gemeinde
  • Auch dazu bin ich wiederum sehr dankbar für viele Geschwister in unserer Gemeinde, die nicht nur begierig auf die Lehre hören, sondern dann auch noch lange da bleiben, um Gemeinschaft zu leben.

Das dritte Element, das hier erwähnt wird, ist das Brotbrechen. Das ist an dieser Stelle wohl die Bezeichnung für das Abendmahl. Allerdings wird das Brotbrechen in Apg 27,35 wohl eher im Sinne einer gemeinsamen Mahlzeit verstanden. Von daher ist auch umstritten, ob in Vers 46 das Abendmahl gemeint ist. Aufgrund der Aussage aus 1. Kor 11,22 und des ganzen Abschnitts in 1. Kor 11 gehe ich davon aus, dass das Abendmahl tatsächlich ein Mahl für die ganze Gemeinde ist, während es in Vers 46 wohl eher einfach um gemeinsame Mahlzeiten geht, bei den die Gläubigen großzügig miteinander das Essen teilten und Gemeinschaft pflegten.

Unter Christen ist auch immer wieder umstritten, ob man das Abendmahl bei jedem Gottesdienst feiern sollte. Auch das beantwortet die Bibel nicht eindeutig. Die Apostelgeschichte sagt uns ja an den meisten Stellen nicht, was wir tun sollen, sondern sie berichtet einfach davon, was die Menschen damals taten. Das ist übrigens ein wichtiges Prinzip bei der Auslegung von Geschichtstexten. Wir sollten immer klar trennen, ob etwas normativ ist (als eine Anweisung gibt) oder deskriptiv (also einfach etwas beschreibt).

Im Hinblick auf das Abendmahl können wir aus dem normativen Text in 1. Kor 11 erkennen, dass es wohl weniger entscheidend ist, wann und wie oft wir das Abendmahl feiern, als vielmehr, wie wir es feiern (als Gemeinde und würdig, in Erkenntnis des Leibes Christi, in guter Ordnung und Ehrbarkeit)

Über die frühe Gemeinde, von der wir in Apg 2,42ff lesen, erfahren wir weiter, dass die Menschen eine gewisse Ehrfurcht vor ihr hatten, wobei die Wunder und Zeichen der Apostel sicher eine Rolle spielten.

  • Bemerkenswert ist, dass die Zeichen und Wunder nicht von allen Gläubigen vollbracht wurden, sondern nur von den Aposteln. Tatsächlich werden sie in 2. Kor 12,12 als Erkennungszeichen der Apostel beschrieben.

Ab Vers 44 lesen wir dann vom starken Zusammenhalt der ersten Christen und von ihrer Fürsorge füreinander. In diesem Zusammenhang wird dann auch das gemeinsame Brotbrechen in den Häuser und im Tempel erwähnt, was darauf hindeutet, dass hier einfach miteinander gegessen wurde, wobei die wohlhabenderen Geschwister offenbar den Ärmeren etwas abgaben.

Diese „Anziehende Gemeinschaft“ wirkt dann auch anziehend, so dass täglich Menschen gerettet und der Gemeinde hinzugefügt wurden.

  • Nur am Rande sei gesagt, dass die Menschen immer in die Gemeinde hinein gerettet wurden.
  • Ich bin dankbar, dass wir das auch bei uns oft erleben. Diejenigen, die zum Glauben finden, sind dann oft auch gleich ganz engagiert in der Gemeinschaft der Gemeinde dabei!

Mein Gebet für uns ist, dass dieser Blick auf die erste Gemeinde auch uns dazu inspiriert, so miteinander und unter Gottes Wort zu leben …  und dass der HERR das auch bei uns gebraucht, um viele Menschen zu retten.

2,37-41: „Als sie aber das hörten, ging’s ihnen durchs Herz und sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun? 38 Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes. 39 Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird. 40 Auch mit vielen andern Worten bezeugte er das und ermahnte sie und sprach: Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht! 41 Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen.

Die Pfingstpredigt bleibt nicht ohne Wirkung. Petrus hatte auf das Herz der Menschen gezielt, als er ihnen verdeutlicht hatte, wen sie letztendlich getötet hatten. Aber natürlich hätte die Predigt nichts bewirkt, wenn Gott nicht durch seinen Geist die Herzen der Menschen dafür empfänglich gemacht hätte. Das hat er offensichtlich getan, denn „als sie aber das hörten, ging’s ihnen durchs Herz“. Und so rufen sie zu Petrus die Frage, die sich jeder Prediger und Evangelist erhofft: „liebe Brüder, was sollen wir tun?

Petrus antwortet nicht ganz mit den Worten, mit denen Jesus einst seinen Dienst begonnen hatte: „Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15). Petrus greift diese Worte auf, aber er verbindet sie mit dem letzten Auftrag, den er und die anderen Jünger von Jesus erhalten hatten: „gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ (Mt 28,19f). Das war ja gerade erst 10+ Tage gewesen. Und so ruft Petrus eben auch zur Umkehr (Buße), damit die Menschen von ihren sündigen Wegen umkehren und Jesus nachfolgen. Und er ruft dazu auf, dass sie ihre Jüngerschaft (ihren Glauben) dadurch sichtbar bekennen, dass sie sich taufen lassen. Wir sehen hier dann auch, dass der Taufauftrag an die Jünger (Mt 28,19) einhergeht, mit der Taufaufforderung an diejenigen, die zu Jüngern geworden sind.

  • Petrus verheißt jedem, der Buße tut und sich zu Jesus bekennt zwei Dinge:
    • die Vergebung der Sünden
    • und den Heiligen Geist, den sie empfangen werden.

Das was also gerade so spektakulär über die Jünger gekommen war (der Heilige Geist), sollen nun auch alle neuen Gläubigen empfangen. Bemerkenswert ist dabei, dass wir hier dann aber nichts lesen von sichtbaren Feuerzungen und das Reden in fremden Sprachen.

  • Das scheinen also nicht Phänomene zu sein, die immer mit der Erfüllung durch den Heiligen Geist einhergehen.

Aber die Vergebung der Sünden und den Empfang des Heiligen Geistes sagt Petrus nun allen Gläubigen aller Generationen und aller Orte zu. Darum geht es in Vers 39: „Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.

  • Manche Leute meinen hiermit die Kindertaufe rechtfertigen zu können bzw darin sogar eine Anordnung zur Kindertaufe zu sehen. Das ist aber exegetisch meines Erachtens nicht haltbar. Zum einen geht es hier ziemlich deutlich darum, dass die Verheißung jedem gilt, den der Herr dazu ruft (es braucht also einen persönlichen Ruf zum Glauben) und dann geht es darum, dass Vergebung und Heiliger Geist verheißen werden. Hier geht es nicht um eine Aufforderung, die eigenen Kinder taufen zu lassen.
  • Zum anderen geht es hier auch gar nicht um die eigenen Kinder, sondern einfach um die nachfolgenden Generationen. Das griechische Wort (teknois) kann beide Bedeutungen haben. In Apg 13,32f wird es zum Beispiel auch im Sinne von Nachfahren gebraucht. Das macht gerade im Zusammenhang mit der zweiten Aussage in Vers 39 auch viel mehr Sinn. Da geht es ja zweifellos um die räumliche Dimension der Verheißung … und dazu passt die zeitliche. Die Verheißung gilt also allen Generationen und allen Völkern … sie gilt jedem, der jemals irgendwo vom Herrn zum Glauben gerufen wird.
  • Und damit gilt die Verheißung auch uns.
  • Wenn wir zum Glauben gerufen wurden dürfen auch wir wissen, dass unsere Sünden vergeben sind und Gott uns seinen Heiligen Geist gegeben hat. Halleluja!

Petrus predigte offensichtlich noch viel mehr als das, was uns hier berichtet wird (40 Auch mit vielen andern Worten bezeugte er das und ermahnte sie).

  • Es ist gut, dass auch bei den weiteren Predigtberichten in der Apostelgeschichte zu bedenken. Alles, was wir dort berichtet bekommen, ist gesagt worden. Gottes Wort ist absolut zuverlässig. Aber nicht alles, was gesagt wurde, wird uns berichtet. Das würde den Rahmen sprengen. Wir erfahren genau das, was wir wissen müssen.

Was wir hier erfahren ist, dass Petrus in seiner Predigt nicht einfach nur wissen vermittelte. Er versucht zu überzeugen und er ruft die Menschen zum Glauben: „Auch mit vielen andern Worten bezeugte er das und ermahnte sie und sprach: Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht!

Und viele folgten seiner Aufforderung: „41 Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; und an diesem Tage wurden hinzugefügt etwa dreitausend Menschen.

Das Glauben der Evangeliums-Botschaft führt zum Bekenntnis des Glaubens in der Taufe und die Taufe führt zur Aufnahme (Hinzufügung) derer, die getauft wurden. Dabei geht es offensichtlich um die Hinzufügung zur Gemeinde.

  • Wenn Du glaubst und deinen Glauben noch nicht in der Taufe bezeugt hast, dann möchte ich Dir Mut machen, diesen Schritt zu gehen. Denn dazu ruft uns die Bibel auf!
  • Und wenn Du noch nicht Teil einer lokalen Gemeinde bist, dann gehe auch diesen Schritt.
  • Morgen werden wir mehr darüber nachdenken, was es wirklich bedeutet, Teil einer Gemeinde zu sein.

Apg 2,14-36: „Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, liebe Männer, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, und lasst meine Worte zu euren Ohren eingehen! 15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde am Tage; 16 sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5): 17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben; 18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen. 19 Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf; 20 die Sonne soll in Finsternis und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe der große Tag der Offenbarung des Herrn kommt. 21 Und es soll geschehen: wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.« 22 Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus von Nazareth, von Gott unter euch ausgewiesen durch Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst – 23 diesen Mann, der durch Gottes Ratschluss und Vorsehung dahingegeben war, habt ihr durch die Hand der Heiden ans Kreuz geschlagen und umgebracht. 24 Den hat Gott auferweckt und hat aufgelöst die Schmerzen des Todes, wie es denn unmöglich war, dass er vom Tode festgehalten werden konnte. 25 Denn David spricht von ihm (Psalm 16,8-11): »Ich habe den Herrn allezeit vor Augen, denn er steht mir zur Rechten, damit ich nicht wanke. 26 Darum ist mein Herz fröhlich, und meine Zunge frohlockt; auch mein Leib wird ruhen in Hoffnung. 27 Denn du wirst mich nicht dem Tod überlassen und nicht zugeben, dass dein Heiliger die Verwesung sehe. 28 Du hast mir kundgetan die Wege des Lebens; du wirst mich erfüllen mit Freude vor deinem Angesicht.« 29 Ihr Männer, liebe Brüder, lasst mich freimütig zu euch reden von dem Erzvater David. Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist bei uns bis auf diesen Tag. 30 Da er nun ein Prophet war und wusste, dass ihm Gott verheißen hatte mit einem Eid, dass ein Nachkomme von ihm auf seinem Thron sitzen sollte, 31 hat er’s vorausgesehen und von der Auferstehung des Christus gesagt: Er ist nicht dem Tod überlassen, und sein Leib hat die Verwesung nicht gesehen. 32 Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dessen sind wir alle Zeugen. 33 Da er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist und empfangen hat den verheißenen Heiligen Geist vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr hier seht und hört. 34 Denn David ist nicht gen Himmel gefahren; sondern er sagt selbst (Psalm 110,1): »Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten, 35 bis ich deine Feinde zum Schemel deiner Füße mache.« 36 So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat.

Über die Pfingstpredigt des Petrus durfte ich bei der letzten E21 Hauptkonferenz predigen. Dabei habe ich auch noch die Reaktion der Menschen (V.37-41) betrachtet, über die ich morgen gesondert mit uns nachdenken möchte. Die Predigt kann hier gefunden werden: https://www.youtube.com/watch?v=DG_JmVjPA3I&list=PLbGMeEgx97z9vQWInA8yPh4zerBbXa6kI&index=2,

Gleich zu Beginn greift Petrus die Verwunderung des Volkes über das Sprachenwunder auf und erklärt, dass die Jünger nicht betrunken sind, sondern, dass hier nun das anfängt, was der Prophet Joel einst angekündigt hatte. Petrus zitiert dabei den Propheten, um deutlich zu zeigen, auf was er sich bezieht und wie sich das nun anfängt, zu erfüllen. Die von Joel angekündigte Ausgießung des Heiligen Geistes auf alle Gläubigen hat begonnen. Deswegen ist es eben auch nicht nur Petrus oder einige wenige Apostel, sondern die Zahl der Jünger, die durch den Geist prophetisch reden und das umfasst auch Frauen, so wie es Joel angekündigt hatte.

Die Frage, wie vollständig sich die Prophetie von Joel bereits an Pfingsten erfüllt hat bzw in wie weit sie auch bis heute schon erfüllt ist, ist umstritten. Unzweifelhaft ist aber, dass die Erfüllung mit Jesu Kommen, mit seinem Sterben, seiner Himmelfahrt und dann vor allem mit der Ausgießung des Geistes an Pfingsten begonnen hat.

Petrus schließt sein Zitat aus dem Propheten Joel mit den Worten: „Und es soll geschehen: wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.“. Das ist die Kernbotschaft. Das ist der Aufruf. Wer den Namen des Herrn anruft, soll (wird) gerettet werden! Im Fortgang erklärt Petrus dann, wer der Herr ist bzw was sein Name ist. Und dabei kommt er ab Vers 22 direkt auf Jesus zu sprechen. Er spricht von Jesu Leben (V.22); von Jesu Sterben (V.23), von Jesu Auferstehung (V.24-32) und von Jesu Himmelfahrt (V.33-35). In all dem erweist sich, dass er tatsächlich von Gott gesandt und von Gott bestätigt ist. Er ist der Retter und Herr, dessen Namen wir anrufen müssen, um gerettet zu werden.

Petrus erklärt dabei das Evangelium. Jesu Tod geschah nach Gottes perfektem Plan und doch zugleich durch das böse Treiben böser Menschen.  Wir sehen hier also, dass GOTT in seiner Allmacht selbst das Böse gebraucht, um Gutes zu tun. Das ist ungemein tröstlich zu wissen inmitten einer Welt, in der viel Böses geschieht.

Und dann spricht Petrus über Jesu Auferstehung und zeigt aus Psalm 16, dass David dies bereits angekündigt hatte. Hier sehen wir auch einen Hinweis auf die hermeneutische Methode, die Petrus uns lehrt. Anstatt Psalm 16 wortwörtlich so zu verstehen, dass David selbst auferstehen wird, sollten wir den Psalm christologisch auslegen und sehen, wie er sich in Jesus erfüllt hat. David sprach bzw schrieb als Prophet (V.30), wobei seine Prophetie eben christologisch gelesen werden muss.

Im Zuge der Worte über Jesu Himmelfahrt, die Petrus wiederum in Erfüllung eines Psalmwortes (aus Ps 110) versteht, kommt er dann nochmal kurz auf das Pfingstwunder zurück (V.33). Doch sein Fokus liegt inzwischen voll und ganz auf dem Evangelium.

  • Ich finde das eine sehr lehrreiche Predigt-(zusammenfassung). Petrus greift das auf, was die Menschen gerade bewegt, aber er bleibt nicht dabei stehen, sondern er spricht dann über das Evangelium.
  • Das sollten auch wir immer im Blick haben. Was Menschen nicht primär brauchen, ist eine Antwort auf irgendwelche Fragen, die sie haben mögen. Letztendlich wollen wir immer darauf bedacht sein ihnen das zu sagen, was sie unbedingt hören und glauben müssen, denn nur wer den Namen des Herrn anruft, wir gerettet werden.

Die Pfingstpredigt mündet deshalb in der Verkündigung des Herrn: „36 So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat.

  • Möge der Herr uns Mut und Weisheit geben, ihn auch so zu verkünden.
  • Und möge ER uns Erkenntnis geben, so dass auch wir verstehen, wie wir Christus aus der ganzen Schrift verkünden können.

Apg 2,1-13: „​1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. 2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. 3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, 4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. 5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. 6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. 7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? 8 Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? 9 Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, 10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, 11 Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden. 12 Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? 13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein.

Der Pfingsttag war der 50. Tag nach dem Passafest. Pfingsten war bei den Juden auch als Wochenfest oder Fest der Ernte bekannt und war damit ein bedeutender jüdischer Feiertag. Das erklärt, warum so viele fremde Menschen in Jerusalem waren. Es waren Pilger, die zum Fest in die Stadt gekommen waren. Und dann kommt plötzlich ein mächtiger Wind. Das ist ein Wortspiel, denn sowohl im hebräischen, wie auch im griechischen steht hier für Wind ein Wort, dass auch mit „Geist“ oder auch mit „Atem“ übersetzt werden kann. Und dann kommen „Feuerzungen“ auf die Jünger. Das erinnert an die Ankündigung durch Johannes den Täufer, dass Jesus mit Feuer taufen würde und die Zungen hängen sicher auch damit zusammen, wie sich der Heilige Geist dann gleich manifestieren wird, nämlich durch das Sprechen in fremden Zungen (= Sprachen).

  • Ich finde es interessant, dass diejenigen, die die Zungenrede auch heute noch ganz eng mit dem Empfangen des Heiligen Geistes verbinden sich nicht darüber wundern, dass wir heute keine Feuerzungen mit sehen?
  • Das wirft ja zumindest die Frage auf, ob hier eventuell etwas heilsgeschichtlich ganz Besonderes und mehr oder minder Einmaliges geschieht.

Hier empfangen wohl alle Jünger – die 120 und nicht nur die 12 und Männer und Frauen – die Gabe, in nicht erlernten Sprachen zu reden. Es wird immer mal wieder diskutiert, ob die Zungenrede (glōssolalia) die Fähigkeit ist, in erlernten menschlichen Sprachen (glōssa) zu sprechen oder ob es sich dabei um ekstatische „Engelssprachen“ handelt.

Hier geht es aber ziemlich offensichtlich um das Sprechen in fremden, menschlichen Sprachen. Vers 4 verdeutlich dabei, dass es sich um ein „Sprechwunder“ und nicht – wie manchmal anhand von Vers 6 behauptet – um ein Hörwunder handelt. Menschen aus allen möglichen Ländern und Sprachen hören nun die Jünger das Evangelium in ihrer Sprache verkünden.

Die Hörer erkennen sofort, dass das ein Wunder ist, denn ihnen ist klar, dass die meisten Jünger einfach Menschen aus Galiläa sind, die sicher nicht all diese Sprachen sprechen konnten.

Viel wichtiger als die Sprachen aber war die Botschaft der Jünger, denn sie verkündeten die „großen Taten Gottes“ und damit ist ziemlich sicher vor allem das Evangelium von Jesus Christus gemeint.

  • Mal ganz unabhängig von den Sprachen, sollte der Heilige Geist uns auch dazu stärken, mutig unseren Glauben zu bezeugen. Das sollten wir von Gott erbitten (Herr, gib uns Freimut) und dann sollten wir aktiv werden.

Die Jünger tun das und viele hören sie.

Aber manche hören die fremden Sprachen, verstehen nichts und denken, dass die Jünger einfach betrunken seien.

  • Das können wir sicher nachvollziehen. Wenn ich plötzlich Arabisch oder Mandarin sprechen würde, würden sich zum Beispiel meine Familienmitglieder wundern, was ich da Komisches rede.

Diese Verwunderung bereitet dann die Steilvorlage für die Pfingstpredigt, die wir uns am Montag ansehen werden.

Apg 1,15-26: „Und in den Tagen trat Petrus auf unter den Brüdern – es war aber eine Menge beisammen von etwa hundertzwanzig – und sprach: 16 Ihr Männer und Brüder, es musste das Wort der Schrift erfüllt werden, das der Heilige Geist durch den Mund Davids vorausgesagt hat über Judas, der denen den Weg zeigte, die Jesus gefangen nahmen; 17 denn er gehörte zu uns und hatte dieses Amt mit uns empfangen. 18 Der hat einen Acker erworben mit dem Lohn für seine Ungerechtigkeit. Aber er ist vornüber gestürzt und mitten entzweigeborsten, sodass alle seine Eingeweide hervorquollen. 19 Und es ist allen bekannt geworden, die in Jerusalem wohnen, sodass dieser Acker in ihrer Sprache genannt wird: Hakeldamach, das heißt Blutacker. 20 Denn es steht geschrieben im Psalmbuch (Psalm 69,26; 109,8): »Seine Behausung soll verwüstet werden, und niemand wohne darin«, und: »Sein Amt empfange ein andrer.«  21 So muss nun einer von diesen Männern, die bei uns gewesen sind die ganze Zeit über, als der Herr Jesus unter uns ein- und ausgegangen ist 22 – von der Taufe des Johannes an bis zu dem Tag, an dem er von uns genommen wurde –, mit uns Zeuge seiner Auferstehung werden. 23 Und sie stellten zwei auf: Josef, genannt Barsabbas, mit dem Beinamen Justus, und Matthias, 24 und beteten und sprachen: Herr, der du aller Herzen kennst, zeige an, welchen du erwählt hast von diesen beiden, 25 damit er diesen Dienst und das Apostelamt empfange, das Judas verlassen hat, um an den Ort zu gehen, wohin er gehört. 26 Und sie warfen das Los über sie und das Los fiel auf Matthias; und er wurde zugeordnet zu den elf Aposteln.

Petrus agiert sofort als Leiter der Apostel bzw der im Obergemach versammelten Christenheit. Das hat sicher auch etwas mit der Beauftragung durch Jesus in Johannes 21 zu tun, vielleicht aber auch einfach mit der Persönlichkeit von Petrus, der sicher ein typischer Leitertyp war.

Wenn hier nun von 120 Brüdern die Rede ist (es ist nicht ganz klar, ob diese Zahl Brüder und Schwestern umfasste), dann stellt sich die Frage, ob das gleich die Zahl derer war, die sich nach Jesu Himmelfahrt zum Beten ins Obergemach zurückgezogen hatten oder ob die Zahl über die Tage anwuchs. Wie dem auch sei – Petrus ergreift das Wort, weil er meint, dass es einen neuen 12. Apostel geben sollte.

Dazu sieht er zurück auf das, was aus Judas Iskariot geworden war. Judas war ein richtiger Apostel, aber er hat das Amt verloren und dann verlor er auch sein Leben. Der Bericht hier klingt erstmal sehr anders, als der aus Matthäus 27, wo die Rede davon ist, dass Judas sich erhängt hat. Aber das ist nur ein scheinbarer Widerspruch, für den es leichte Erklärungen gibt. Zum Beispiel waren die Felder oft an Hängen wie Treppen angelegt. Ein Baum stand dann evtl an einer Klippe zur nächstniedrigeren Stufe, so dass es ein idealer Ort war, um sich an einem starken Zweig eines solchen Baums zu erhängen. Dann kann der Zweig abgebrochen sein oder das Seil, mit dem sich Judas erhängt hatte, wurde abgeschnitten, so dass sein Körper nach unten stürzte.

  • Wir tun auf jeden Fall gut daran, der Schrift zu vertrauen. Interessant ist ja auch, dass es in der frühen Christenheit keinerlei Versuche gab, die Berichte aus dem Matthäusevangelium und aus der Apostelgeschichte zu harmonisieren. Trotzdem waren die ersten Christen von der absoluten Vertrauenswürdigkeit der biblischen Schriften überzeugt.

Dass ein neuer Apostel berufen werden soll, ergibt sich für Petrus aus der Schrift. Dazu greift er auf Aussagen aus zwei Psalmen zurück, die er in Judas erfüllt sieht. Interessant ist dabei die Formulierung: „es musste das Wort der Schrift erfüllt werden, das der Heilige Geist durch den Mund Davids vorausgesagt hat über Judas“. Ähnliche Aussagen finden wir zum Beispiel auch im Hebräerbrief 3,7. Petrus erkennt also ohne Umschweife an, dass David nur der Kanal war, durch den Gott selbst (der Heilige Geist) gesprochen hat. Und Petrus erkennt an, dass David so prophetisch über Geschehnisse gesprochen hat, die mit Jesus zu tun haben. Die Psalmen zeugen letztendlich also von Jesus und all dem, was mit seinem Leben, seinem Verrat, seiner Kreuzigung und seiner Auferstehung zusammenhängt.

  • Wir tun gut daran, unsere Bibeln so zu lesen … immer mit dem Blick auf das Evangelium von Jesus Christus. Denn alle Schrift zeigt von Ihm!

Ab Vers 21 lesen wir dann die Anforderungen, die Petrus an einen Apostel stellte: Einer der Männer, „die bei uns gewesen sind die ganze Zeit über, als der Herr Jesus unter uns ein- und ausgegangen ist 22 – von der Taufe des Johannes an bis zu dem Tag, an dem er von uns genommen wurde –, mit uns Zeuge seiner Auferstehung werden.

  • In wie weit das auch Gottes Kriterien waren, ist nicht ganz klar. Auf Paulus trifft das später ja nur bedingt zu.
  • Es lässt aber zumindest erkennen, dass das Apostelamt ein Amt nur für die erste Generation war. Von daher halte ich es einfach für falsch, wenn sich Leute heute noch als Apostel im ursprünglichen Sinne bezeichnen.

Es werden dann zwei Männer als Kandidaten aufgestellt und dann wird unter Gebet gelost. Das mag uns komisch vorkommen aber tatsächlich war das ein alt-testamentliches Prinzip. Wiederum ist hier aber nicht ganz klar, ob Gott tatsächlich einen Ersatz für Judas wollte, ob die Kandidaten auch seine Kandidaten waren und ob Er die Lose dann so geführt hat. Möglich ist das auf jeden Fall und wir lesen hier nichts davon, dass Gott das so nicht gewollt hätte.

  • Wir werden aber nirgends dazu ermutigt, heute noch Entscheidungen durch Lose herbeizuführen. Wir haben den Heiligen Geist und wir haben Geschwister, durch die uns Gott Rat geben kann. Aber beten sollten wir auch heute noch … und so bewusst Gottes Willen suchen.

Matthias wird schließlich zum Ersatz für Judas. Allerdings ist von ihm dann im Rest der Bibel nie wieder die Rede, was aber natürlich auch auf die meisten anderen Apostel zutrifft.

Apg 1,9-14: „Und als er das gesagt hatte, wurde er zusehends aufgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf vor ihren Augen weg. 10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. 11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen. 12 Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der heißt Ölberg und liegt nahe bei Jerusalem, einen Sabbatweg entfernt. 13 Und als sie hineinkamen, stiegen sie hinauf in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten: Petrus, Johannes, Jakobus und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus. 14 Diese alle waren stets beieinander einmütig im Gebet samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern.

In Vers 3 wurde bereits berichtet, dass Jesus sich nach seiner Auferstehung für 40 Tage zeigte. Hier lesen wir dann davon, wie Jesus am Ende dieser Zeit in den Himmel auffährt. Lukas gibt hier noch etwas mehr Details als in seinem ersten Himmelfahrtsbericht in Lukas 24,50ff.

Wir können uns sicher vorstellen, wie die Jünger voller Staunen und mit allen möglichen Emotionen hinter Jesus her sahen. In diese Situation hinein stehen dann plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern. Diese Beschreibung gleicht anderen Beschreibungen von Engelserscheinungen, bei denen diese im ersten Moment nicht als Engel erkannt werden (wie zum Beispiel beim Bericht von dem bzw den Engeln am leeren Grab am Ostermontag). Die Engel sagen den Jüngern dann etwas, auf das wir bis heute warten, nämlich, dass Jesus so wiederkommen wird, wie er gen Himmel gefahren ist. Sie sagen den Jüngern aber auch, wo Jesus bis dahin ist – er wurde im Himmel aufgenommen. Im dritten Bericht von der Himmelfahrt, der prophetischen Beschreibung in Daniel 7 (ab Vers 13) wird beschrieben, wie Jesus im Himmel ankommt und ihm dort von Gott Vater gegeben wird, „Macht, Ehre und Reich, dass ihm alle Völker und Leute aus so vielen verschiedenen Sprachen dienen sollten. Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.“

Wir wissen also, dass unser HERR vom Himmel her regiert, bis er eines Tages wiederkommen und dann sein Reich auch sichtbar hier auf Erden aufrichten wird. Bis dahin sind die Jünger und mit ihnen auch wir dazu aufgefordert, nicht einfach sehnsuchtsvoll gen Himmel zu schauen, sondern hier auf Erden als seine Zeugen zu agieren, so wie Jesus es seinen Jüngern gerade in Vers 8 gesagt hatte.

  • Das ist unser Auftrag. Wir sollen nicht in den Himmel gucken oder darüber spekulieren, wann genau Jesus wiederkommt, sondern die Zeit auskaufen, um noch möglichst viele Menschen zum Glauben zu rufen!

Für die Jünger war die Zeit aber noch nicht ganz gekommen, denn noch sollten sie auf die Ausgießung des Heiligen Geistes warten. Wenn wir in Vers 12 lesen, dass „Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berg, der heißt Ölberg und liegt nahe bei Jerusalem, einen Sabbatweg entfernt.“ klärt das den Ort der Himmelfahrt (den Ölberg). Der Hinweis auf den Sabbatweg (also die am Sabbat maximal erlaubte Entfernung, die man gehen darf) könnte vermuten lassen, dass sich die Himmelfahrt an einem Samstag (Sabbat) abgespielt hat. Allerdings bringen uns die 40 Tage seit Ostern zu einem Donnerstag, weshalb wir Christi Himmelfahrt jeweils an einem Donnerstag feiern.

Auf jeden Fall zogen sich die Jünger zurück in einer Obergemach und beteten einmütig miteinander, zusammen mit einigen Frauen. Die 11 verbliebenden Jünger werden uns hier nochmals namentlich vorgestellt, so wie Lukas das zuletzt in Lk 6,14-16 getan hatte, nur das jetzt eben Judas Iskariot fehlt. Von den Frauen haben wir immer wieder gehört. Das waren wahrscheinlich Ehefrauen der verheirateten Jünger und noch einige mehr, inklusive auch der Mutter Jesu.

Die letzte Bemerkung (und seinen Brüdern) ist spektakulär. Denn bisher waren diese ja keine Jünger, sondern hatten Jesus für verrückt geworden gehalten (Joh 7,5). Doch offenbar war der auferstandene Jesus auch ihnen erschienen. Zumindest sind sie jetzt bei den Jüngern und den Frauen und beten mit ihnen stets einmütig.

Das muss eine sehr innige Gemeinschaft gewesen sein. Es ist schwer abschätzbar, was in dieser Zeit in ihnen vorging. Waren sie betrübt darüber, dass die Zeit mit Jesus hier auf Erden nun zumindest erstmal vorbei war? Waren sie voller Erwartung und Vorfreude darauf was geschehen würde, wenn der Heilige Geist auf sie kommen würde? Oder waren sie einfach verwirrt, weil sie all das noch nicht so richtig einordnen konnten? Sie tun auf jeden Fall das, was auch wir immer wieder tun sollten: sie beten.

  • Möge der Herr uns auch immer wieder und immer mehr zu einer Gemeinschaft machen, die einmütig im Gebet ist und die bereit dazu ist zu tun, was uns der Herr sagt.

1,1-8: „Den ersten Bericht habe ich gegeben, lieber Theophilus, von all dem, was Jesus von Anfang an tat und lehrte 2 bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den Heiligen Geist Weisung gegeben hatte. 3 Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes. 4 Und als er mit ihnen zusammen war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr, so sprach er, von mir gehört habt; 5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. 6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel? 7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat; 8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

Gleich mit den ersten Worten wird deutlich, dass die Apostelgeschichte an das anknüpft, denn das war der erste Bericht, den Lukas für Theophilus „von all dem, was Jesus von Anfang an tat und lehrte 2 bis zu dem Tag, an dem er aufgenommen wurde, nachdem er den Aposteln, die er erwählt hatte, durch den Heiligen Geist Weisung gegeben hatte.“ geschrieben hatte (vergl. Lk 1,1-4).

Auch Vers 4f greift noch zurück auf das Ende des Lukasevangeliums, dabei wird hier nun explizit der Pfingsttag und damit das Kommen des Heiligen Geistes angekündigt.

Ab Vers 6 lesen wir dann etwas, von dem wir bisher noch nicht gehört haben, nämlich von dem Gespräch der Jünger mit dem auferstandenen Herrn. Die Jünger fragen Jesus, ob er nun das „Reich Israel“ wieder aufrichten wird. Damit bringen die Jünger sicher ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass Jesus Israel nun doch noch aus der römischen Besatzung befreien wird und Israel wieder zu einem eigenständigen Reich machen wird. Jesus geht auf diese Frage und Erwartungshaltung gar nicht weiter ein, sondern lenkt den Fokus seiner Jünger auf das, was sie nun tun sollen und was wirklich dazu führen wird, dass das Reich Gottes sich weiter ausbreitet: „ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

Ich denke, dass auch wir leicht falsche Erwartungen und Hoffnungen haben können. Und so tun auch wir gut daran, immer wieder auf Gottes Wort zu hören, damit wir den Fokus auf das richten, was Gott durch uns tun will.

  • Wir wollen zum Beispiel oft Gesundheit, eine gute Karriere, Familie etc. … doch das sollte nicht unser Fokus sein. Jesus sagt uns: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ (Mt 6,33)

Was Jesus in Apg 8 sagt ist dabei nicht einfach ein Auftrag. Es ist eine Vorhersage (ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde). Genau das werden wir dann im Rest der Apostelgeschichte sehen. In Kapitel 2 lesen wir von der Empfängnis des Heiligen Geistes, dann folgt die Verkündigung des Evangeliums in Jerusalem (und wohl auch im restlichen Judäa) bis zum Anfang von Kap. 8. Dann geht das Evangelium weiter nach Samaria (Kap. 8) und dann breitet sich das Evangelium durch die Missionsreisen des Paulus (ab Kap 13) bis an die Enden der damals bekannten Erde aus.

  • Ihr Lieben: auch wir sollten uns darum bemühen, dass das Evangelium weiter geht … da wo wir sind und bis an die Ende der Erde.