Im Bibel-Blog geht es morgen weiter mit einer Abschnitt-für-Abschnitt Betrachtung der Apostelgeschichte.
Bibel Blog
Wie gestern schon erwähnt, bin ich persönlich nicht davon überzeugt, dass diese Verse tatsächlich zum Markusevangelium und damit in die Bibel gehören. Es wirkt eher so, als hätte jemand verschiedene Aussagen aus den drei anderen Evangelien und aus der Apostelgeschichte zusammengestellt, um dem Markusevangelium einen – aus seiner Sicht besseren – Abschluss zu verschaffen.
Die Aussagen zu Maria von Magdala decken sich mit Aussagen aus dem Johannesevangelium. Die Worte über die zwei Jünger erinnern an die Emmausjünger aus Lukas 24, genauso wie die Aussage zur Offenbarung Jesu gegenüber den 11. Die Aussendung aus Vers 15 ist dann wohl eine Mischung aus den folgenden Versen in Lk 24 und dem Auftrag aus Mt 28,18ff.
Vers 16 klingt wie Apg 2, wobei die Aussage zur Taufe meines Erachtens über das hinausgeht, was die Bibel lehrt, weil es so klingen könnte, als wäre die Taufe heilsnotwendig.
Die Zeichen aus Vers 17ff erinnern dann an spätere Berichte aus der Apostelgeschichte, wobei der Text hier Dinge sagt, die wir nicht aus der Apostelgeschichte kennen „wenn sie etwas Tödliches trinken, wird’s ihnen nicht schaden“
15,42-16,8: „42 Und als es schon Abend wurde und weil Rüsttag war, das ist der Tag vor dem Sabbat, 43 kam Josef von Arimathäa, ein angesehener Ratsherr, der auch auf das Reich Gottes wartete, der wagte es und ging hinein zu Pilatus und bat um den Leichnam Jesu. 44 Pilatus aber wunderte sich, dass er schon tot sei, und rief den Hauptmann und fragte ihn, ob er schon lange gestorben sei. 45 Und als er’s erkundet hatte von dem Hauptmann, gab er Josef den Leichnam. 46 Und der kaufte ein Leinentuch und nahm ihn ab und wickelte ihn in das Tuch und legte ihn in ein Grab, das war in einen Felsen gehauen, und wälzte einen Stein vor des Grabes Tür. 47 Aber Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Joses, sahen, wo er hingelegt wurde.
1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben. 2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. 3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? 4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. 5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. 6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. 7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. 8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.“
Heute sehen wir die Jüngerinnen nach Jesu Tod am Grab. Erst am Abend des Karfreitags bei Jesu Grablegung durch Josef von Arimathäa und dann am Ostermorgen. Wenn Josef von Arimathäa war als Ratsherr ein Mitglied des Hohen Rates, der Jesus zuvor verurteilt hatte. Hier sehen wir, dass es also auch im Hohen Rat Menschen gab, die nicht gegen Jesus waren. Ob Josef ein Jünger war oder einfach jemand, der gewisse Hoffnungen auf Jesus setzte und zumindest anerkannte, dass ihm die Ehre eines ordentlichen Begräbnisses gegeben werden sollte, ist nicht klar. Es war aber sicher ein mutiger Schritt, Pilatus um den Leichnam zu bitten.
Pilatus ließ sich erst versichern, dass Jesus wirklich tot war – was alle Erklärungen, dass Jesu Auferstehung einfach damit zu begründen sei, dass er nur scheintot war, als unzutreffend erweist.
Dann lägt er Jesus vor Anbruch der Dunkelheit ins Grab. Mit dem Sonnenuntergang begann nach jüdischer Zählweise der nächste Tag und damit der Sabbat, an dem jeder zuhause sein musste. Josef rollte noch einen schweren Stein vor das Grab und die Jüngerinnen sahen das alles mit an, sicher um am Morgen nach dem Sabbat, Jesus die letzte Ehre erweisen zu können.
Und so endet dann dieser traurige Karfreitag.
- Wer selber schon mal einen lieben Menschen beerdigen musste, der kann sich vorstellen, welche Leere die Frauen verspürt haben müssen. Der Sabbat war sicher ein Tag mit wenigen Worten und viel Trauer.
Dann kommt der Morgen des 1. Tages der Woche. Der Sabbat war ja der 7. Tag – entsprechend der Schöpfung. Und mit dem Sonntag begann die nächste Woche. Früh am Morgen machten sich die Frauen nun auf, um Jesu Leichnam mit wohlriechenden Ölen zu salben. Auf dem Weg überlegen sie noch, wie sie den schweren Stein wohl weggerollt bekommen. Doch dann kommt alles ganz anders. Der Stein ist weggerollt und das Grab ist leer. Wir lesen hier nun von einem Jüngling, der hell leuchtende Kleider anhat. Aus den Parallelberichten wissen wir, dass das einer von zwei Engeln am Grab waren. Die Frauen erschraken und erkannten in ihm offensichtlich nicht gleich einen Engel. Er versucht die Frauen zu beruhigen und sagt dann etwas, das für die Frauen im ersten Moment keinen Sinn macht: „Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. 7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.“
Die erste Reaktion der Frauen wird dann in Vers 8 beschrieben: „Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.“
Wir wissen wiederum aus den Parallelberichten, dass diesem Entsetzen und dieser Furcht bald große Freude folgte. Aber Markus berichtet hier erstmal nur das. Was wirklich interessant ist, ist, dass bei vielen Manuskripten des Markusevangeliums Vers 8 den Abschluss bildet. Das wirkt in gewisser Weise unbefriedigend. Von daher erscheint es mir sehr plausibel, dass die nachfolgenden Verse 9-20 eine spätere Ergänzung sind, um dem Evangelium einen „besseren“ Schluss zu geben. Andererseits ergibt es eigentlich keinen Sinn, diese wegzulassen, wenn sie schon von Anfang an dazugehörten und mit Vers 8 zu enden. Von daher erscheint es mir viel plausibler, dass Vers 8 tatsächlich das Ende des Berichts sind, so seltsam das auch erstmal scheinen mag.
Tatsächlich wäre Vers 8 dann eine große Herausforderung an uns. Wenn zu Beginn in Kap. 1, Vers 1 die Rede vom „Anfang des Evangeliums“ war, dann kommt das hier der Anfang zu einem Ende. Und damit die gute Nachricht sich weiter ausbreiten kann, müssen wir nun aktiv werden, so dass auch Verwunderung und Furcht noch bei vielen Menschen große Freude werden kann!
Markus 15,33-41: „33 Und zur sechsten Stunde kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. 34 Und zu der neunten Stunde rief Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 35 Und einige, die dabeistanden, als sie das hörten, sprachen sie: Siehe, er ruft den Elia. 36 Da lief einer und füllte einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf ein Rohr, gab ihm zu trinken und sprach: Halt, lasst sehen, ob Elia komme und ihn herabnehme! 37 Aber Jesus schrie laut und verschied. 38 Und der Vorhang im Tempel zerriss in zwei Stücke von oben an bis unten aus. 39 Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen! 40 Und es waren auch Frauen da, die von ferne zuschauten, unter ihnen Maria von Magdala und Maria, die Mutter Jakobus‘ des Kleinen und des Joses, und Salome, 41 die ihm nachgefolgt waren, als er in Galiläa war, und ihm gedient hatten, und viele andere Frauen, die mit ihm hinauf nach Jerusalem gegangen waren.“
Nachdem wir bisher die Menschen betrachtet haben, die Jesus ans Kreuz brachten bzw ihn am Kreuz verspotteten, kommt jetzt das Kreuz und seine kosmische Bedeutung in den Blick.
In Vers 33 lesen wir von drei Stunden Finsternis mitten am Tag. Das lässt sich natürlich nicht erklären. Hier wird symbolisch sichtbar, dass Gottes Wohlwollen nicht mehr bei Jesus ist. Denn Licht ist in der Bibel immer ein Zeichen für Gottes Wohlwollen („Lass Dein Angesicht leuchten über uns“ … „die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie“ etc). Finsternis ist hingegen ein Symbol für Gottes Zorn und der Abwesenheit seines Wohlwollens. Das ist dann auch der Grund für Jesu Ausruf: „Eli, Eli, lama asabtani? = Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
- Jesus ruft nicht mehr „Abba, lieber Vater“, sondern er ruft zu Gott ganz distanziert und erklärt, dass er eine große Distanz erlebt. Zum ersten Mal in aller Ewigkeit sind Vater und Sohn (bzw zum ersten Mal seit seiner Empfängnis sind Jesus und Gott der Vater) nicht in perfekter Harmonie. Jesus trägt die Sünde der Welt und die Sünde trennt von Gott bzw seinem Wohlwollen.
All das verstehen die Schaulustigen nicht, die Jesu Ruf nach Gott „Eloi“ falsch verstehen und vermuten, dass Jesus nach Elia ruft. Der war ja entrückt worden und die Juden meinten, dass er eines Tages wieder kommen würde. Von daher schauen sie gespannt, ob das jetzt geschehen wird.
Und dann stirbt Jesus – wohl deutlich schneller, als das oft bei Kreuzigungen der Fall war. Aber er war sicher schon durch die Folter stark geschwächt … deswegen musste ja vorher auch Simon von Kyrene das Kreuz für ihn tragen.
Markus beschreibt dann etwas, dass zum Zeitpunkt des Todes an einem anderen Ort geschieht. Jesus wurde ja außerhalb Jerusalems gekreuzigt. Doch dann geht der Blick zum Tempel und dabei in den innersten Bereich, nämlich zum Vorhang zwischen dem Heiligen und dem Allerheiligsten.
- Dieser Vorhang war wie ein riesiges „Zutritt verboten“ Schild. Nur der Hohepriester durfte einmal im Jahr und auch erst nach einem aufwendigen Reinigungs- und Opferritual dort durchgehen. Denn hinter dem Vorhang war symbolisch der Ort der Gegenwart des Heiligen Gottes, in dessen Gegenwart sündige Menschen nicht bestehen können.
Was der Zerriss des Vorhangs, von oben nach unten (so als würde er vom Himmel her zerrissen werden) zum Ausdruck bringt ist, dass durch Jesu Tod nur der Zugang zu Gott offen ist.
- Am Kreuz wird also symbolisch sichtbar, was Jesus zuvor angekündigt und was die Apostel später verkündet haben. Jesus nimmt am Kreuz den gerechten Zorn über unsere Sünden auf sich, so dass wir (durch den Glauben an Jesus Christus) Zugang zu Gott haben können.
Ab Vers 39 kommen schließlich noch einige letzte Menschen ins Blickfeld, die anders als die zuvor betrachteten Menschen, Jesus nicht ablehnen und verspotten.
Der Hauptmann – der sicher schon viele Menschen sterben gesehen hatte – erkennt, dass Jesus kein normaler Mensch ist, sondern wahrlich Gottes Sohn ist. Wieviel er dabei verstand und was genau wer damit meinte, wissen wir nicht.
Und dann sehen wir die Frauen, die Jesus treu gefolgt waren und deren Hingabe an Jesus auch mit seinem Tod nicht aufhört. Doch noch verstehen sie nicht, warum Jesus sterben muss.
- Wir tun gut daran, wie der Hauptmann anzuerkennen, dass Jesus wirklich Gottes Sohn ist.
- Und wir sollten, wie die Frauen, Jesu hingegeben leben.
- Aber vor allem sollten wir erkennen, dass das was da am Kreuz geschieht, keine Katastrophe ist, sondern das, was nötig war, damit wir mit Gott versöhnt ewige leben können.
- Deswegen sollten wir den anbeten, der sich am Kreuz für uns hingibt.
Markus 15,16-32: „Die Soldaten aber führten ihn hinein in den Palast, das ist ins Prätorium, und riefen die ganze Abteilung zusammen 17 und zogen ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm auf 18 und fingen an, ihn zu grüßen: Gegrüßet seist du, der Juden König! 19 Und sie schlugen ihn mit einem Rohr auf das Haupt und spien ihn an und fielen auf die Knie und huldigten ihm. 20 Und als sie ihn verspottet hatten, zogen sie ihm den Purpurmantel aus und zogen ihm seine Kleider an.
Und sie führten ihn hinaus, dass sie ihn kreuzigten. 21 Und zwangen einen, der vorüberging, mit Namen Simon von Kyrene, der vom Feld kam, den Vater des Alexander und des Rufus, dass er ihm das Kreuz trage. 22 Und sie brachten ihn zu der Stätte Golgatha, das heißt übersetzt: Schädelstätte. 23 Und sie gaben ihm Myrrhe in Wein zu trinken; aber er nahm’s nicht. 24 Und sie kreuzigten ihn. Und sie teilten seine Kleider und warfen das Los, wer was bekommen solle. 25 Und es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten. 26 Und es stand über ihm geschrieben, welche Schuld man ihm gab, nämlich: Der König der Juden. 27 Und sie kreuzigten mit ihm zwei Räuber, einen zu seiner Rechten und einen zu seiner Linken. 28 29 Und die vorübergingen, lästerten ihn und schüttelten ihre Köpfe und sprachen: Ha, der du den Tempel abbrichst und baust ihn auf in drei Tagen, 30 hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuz! 31 Desgleichen verspotteten ihn auch die Hohenpriester untereinander samt den Schriftgelehrten und sprachen: Er hat andern geholfen und kann sich selber nicht helfen. 32 Ist er der Christus, der König von Israel, so steige er nun vom Kreuz, damit wir sehen und glauben. Und die mit ihm gekreuzigt waren, schmähten ihn auch.“
Nach der Verurteilung kommt es nun zur Kreuzigung. Dabei sehen wir verschiedene Menschen, die ganz offensichtlich gar nicht ahnen, wer dort gekreuzigt wird. Die Soldaten, denen Jesus nach der Verurteilung zur Vollstreckung des Urteils übergeben wird, treiben ihren Spott mit Jesus, von dem sie gehört haben, dass er sich als König der Juden bezeichnet. So kleiden sie ihn wie einen König, wobei die Krone aber eine Dornenkrone ist. Ihre „Grüße“ verbinden sie mit harten Schlägen. Sie quälen den Herrn Jesus also, einfach nur deshalb, weil sie meinen die Macht dazu zu haben. Dabei verkennen sie, dass sie nicht einmal einen Atemzug tun könnten, wer Gott ihnen das nicht ermöglichen würde.
Der einzige Mensch, von dem wir in diesem Abschnitt lesen, der Jesus nicht verspottet ist Simon von Kyrene, der gezwungen wird, das Kreuz Jesu zu tragen. Markus erwähnt hier nicht explizit, dass das nötig war, weil Jesus schon so geschwächt war, dass er das nicht mehr selber tun konnte. Viele Ausleger gehen davon aus, dass Simon und seine Söhne später gläubig wurden. Das macht Sinn – denn sonst wäre die Erwähnung der Namen seiner Söhne an dieser Stelle schon sehr seltsam. Wir dürfen davon ausgehen, dass die ersten Leser genau wussten, wer diese Söhne waren.
Dann wird Jesus von den Soldaten gekreuzigt und wir lesen, dass für die Soldaten die einzige Bedeutung dieser Kreuzigung die Frage danach war, wer Jesu Kleider bekommen sollte.
- Es ist schockierend zu sehen, wie komplett sie verkennen, worum es hier am Kreuz wirklich geht.
- Und doch erleben wir das ja bis heute. Für viele Menschen ist das Kreuz nichts anders als ein Modeartikel. Auch sie verkennen komplett, was es damit auf sich hat.
Interessant ist, dass am Kreuz ein Schild angebracht wird, dass ironischer Weise richtig erklärt, wer da hängt: Der König der Juden – der Messias.
Dann lesen wir von den beiden Räubern, die mit Jesus gekreuzigt wurden. Auch sie verspotten Jesus und das, obwohl sie ja auch selber diese grausame Strafe ertragen müssen. Was Markus nicht schreibt, ist, dass der eine Dieb etwas später erkennen wird, wer Jesus wirklich ist. Ganz offensichtlich leidet Jesus anders als andere Menschen, so dass der Dieb daran und evtl an den kosmischen Phänomenen erkennt, dass Jesus tatsächlich der Sohn Gottes ist.
- Das darf uns Hoffnung geben, dass Menschen auch noch kurz vor ihren Tod erkennen können, wer Jesus wirklich ist und so gerettet werden.
Und schließlich lesen wir weiter von Menschen, die Jesus am Kreuz hängen sehen und keinerlei Mitleid haben, sondern ihn einfach weiter verspotten. Dabei zitieren sie ihn falsch – was darauf hindeutet, dass sie von Jesus wussten. Und sie versuchen Jesus mit ihren Sprüchen: „hilf dir nun selber und steig herab vom Kreuz!“ & „Er hat andern geholfen und kann sich selber nicht helfen. 32 Ist er der Christus, der König von Israel, so steige er nun vom Kreuz, damit wir sehen und glauben.“
- Uns muss klar sein, dass es für Jesus ein Leichtes gewesen wäre, genau das zu tun.
- Doch Jesu Liebe für die Verlorenen ist so groß, dass er dieser Versuchung nicht nachgibt, sondern sein Leben für uns Sünder lässt.
- Was für eine Liebe!
15,1-15: „Und alsbald am Morgen hielten die Hohenpriester Rat mit den Ältesten und Schriftgelehrten und dem ganzen Hohen Rat, und sie banden Jesus, führten ihn ab und überantworteten ihn Pilatus. 2 Und Pilatus fragte ihn: Bist du der König der Juden? Er aber antwortete und sprach zu ihm: Du sagst es. 3 Und die Hohenpriester beschuldigten ihn hart. 4 Pilatus aber fragte ihn abermals: Antwortest du nichts? Siehe, wie hart sie dich verklagen! 5 Jesus aber antwortete nichts mehr, sodass sich Pilatus verwunderte. 6 Er pflegte ihnen aber zum Fest einen Gefangenen loszugeben, welchen sie erbaten. 7 Es war aber einer, genannt Barabbas, gefangen mit den Aufrührern, die beim Aufruhr einen Mord begangen hatten. 8 Und das Volk ging hinauf und bat, dass er tue, wie er zu tun pflegte. 9 Pilatus aber antwortete ihnen: Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden losgebe? 10 Denn er erkannte, dass ihn die Hohenpriester aus Neid überantwortet hatten. 11 Aber die Hohenpriester reizten das Volk auf, dass er ihnen viel lieber den Barabbas losgebe. 12 Pilatus aber fing wiederum an und sprach zu ihnen: Was wollt ihr denn, dass ich tue mit dem, den ihr den König der Juden nennt? 13 Sie schrien abermals: Kreuzige ihn! 14 Pilatus aber sprach zu ihnen: Was hat er denn Böses getan? Aber sie schrien noch viel mehr: Kreuzige ihn! 15 Pilatus aber wollte dem Volk zu Willen sein und gab ihnen Barabbas los und ließ Jesus geißeln und überantwortete ihn, dass er gekreuzigt werde.“
Am Morgen schleppen die jüdischen Eliten vor den römischen Statthalter. Da Judäa von den Römern besetzt war, durfte nur er ein Todesurteil aussprechen und vollstrecken. Pilatus fragt Jesus „Bist du der König der Juden? Bist du der König der Juden?“ sicher auch deshalb, weil das ein Vorwurf war, der Jesus gemacht wurde. Schließlich hatte er sich als der Christus bekannt. Das bedeutet der „Gesalbte“ und wurde von den Juden als ein Titel für einen besonderen König verstanden, nämlich den verheißenen Nachfolger von König David. Jesus bestätigt dies, auch wenn Pilatus natürlich nicht wirklich versteht, was es bedeutet, dass Jesus der König der Juden und tatsächlich der König aller Könige ist. Denn sein Reich ist nicht von dieser Welt.
Aber hier geht es ja darum, dass seine Feinde ihn verurteilen wollen. Für sie ist dieser Titel nur ein Vorwand, Jesus als Aufrührer anzuklagen, der eine Gefahr für die allgemeine Ordnung ist. In diese Richtung gingen dann sicher auch die weiteren Anschuldigungen und Anklagen, denn die Anklage der Gotteslästerung wäre für Pilatus irrelevant. Auf alle weiteren Anklagen entgegnet Jesus nichts mehr.
Pilatus meinte die Frage nach Jesu Schuld bzw Unschuld ganz elegant lösen zu können, indem er einer Tradition folgend anbot, anlässlich des höchsten jüdischen Feiertags einen jüdischen Gefangenen freizulassen. Er bot ihnen den Aufrührer und Mörder Barabbas an und eben Jesus. Pilatus war sich bestimmt sicher, dass das Volk keinesfalls einen Mörder würde frei herumlaufen lassen. Und Jesus war immerhin erst vor einigen Tagen unter dem Jubel vieler Menschen nach Jerusalem gekommen. Von daher ist der Schachzug des Pilatus eigentlich clever. Ohne sich gegen die jüdischen Eliten stellen zu müssen meint er so, „das Problem“ lösen zu können.
Was Pilatus unterschätzt ist, wie gut die Hohenpriester, Ältesten, Schriftgelehrten und der ganze Hohe Rat darin sind, das Volk aufzuwiegeln. Er erkennt zwar richtig, dass Jesus unschuldig ist und dass sie ihn aus Neid anklagten, aber er verkennt ihren Einfluß. Und so kommt Pilatus in eine ganz dumme Situation. Er hat gedacht, dass er das Volk zu seinen Zwecken instrumentalisieren könne. Doch jetzt kommt er selber unter Druck, so dass er Jesus letztendlich kreuzigen lassen muss, obwohl er von seiner Unschuld überzeugt ist.
- Natürlich ist all das nicht einfach das Ergebnis von menschlichen Taktierereien und gescheiterten Strategien, sondern Gottes Wille, mit dem er seinen ewigen Ratschluss ausführt. Und das ist gut so. Denn ohne all dieses Unrecht wären wir alle noch in unseren Sünden. Jesus erträgt all dieses Unrecht also nicht einfach, weil die Menschen ein böses Spiel mit ihm treiben, dem er ausgeliefert ist, sondern weil er genau dazu Mensch geworden ist (Mk 10,45).
- Das ist die zentrale Wahrheit, die wir hier nicht aus dem Blick verlieren dürfen.
Und gerade weil das so ist, tun wir gut daran, uns in allen Dingen Gott anzuvertrauen, anstatt uns sehr menschlich clevere Strategien auszudenken. Stimmungen kippen sehr schnell.
- Wer sich vor allem auf Menschen verlässt, der wird immer wieder erleben, dass Menschen nicht sonderlich zuverlässig sind.
- Unser Herr und Gott hingegen ist absolut vertrauenswürdig und er ist allmächtig.
- Ihm dürfen und sollten wir uns anbefehlen – jeden Tag und in allen Dingen.
14,66-72: „Und Petrus war unten im Hof. Da kam eine von den Mägden des Hohenpriesters; 67 und als sie Petrus sah, wie er sich wärmte, schaute sie ihn an und sprach: Und du warst auch mit dem Jesus von Nazareth. 68 Er leugnete aber und sprach: Ich weiß nicht und verstehe nicht, was du sagst. Und er ging hinaus in den Vorhof, und der Hahn krähte. 69 Und die Magd sah ihn und fing abermals an, denen zu sagen, die dabeistanden: Das ist einer von denen. 70 Und er leugnete abermals. Und nach einer kleinen Weile sprachen die, die dabeistanden, abermals zu Petrus: Wahrhaftig, du bist einer von denen; denn du bist auch ein Galiläer. 71 Er aber fing an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht, von dem ihr redet. 72 Und alsbald krähte der Hahn zum zweiten Mal. Da gedachte Petrus an das Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er fing an zu weinen.“
Im Abschnitt davor haben wir gesehen, wie Jesus nach Verhaftung und während der Anklagen derer, die ihn töten wollen, mutig und klar seine Identität bekennt. Hier sehen wir nun als starken Kontrast Petrus, der seine eigene Identität genauso wie den Herrn Jesus gegenüber einer unbedeutenden Magd verleugnet.
Auch dieser feige Akt geschieht in Erfüllung einer vorherigen Vorhersage. In diesem Fall nicht durch die AT Schriften, sondern durch Jesus selbst. In gewisser Weise ist es tröstlich zu sehen, dass selbst so etwas unseren Herrn nicht überrascht und schockiert. Er kennt uns in unserer Schwachheit und er steht uns bei, selbst in solchen Momenten.
Denn tatsächlich sind wir ja oft nicht anders als Petrus. Wenn es eng wird, sind auch wir oft feige. Von daher ist es gut, dass wir Gott um Bekennermut bitten. Petrus tat das später zusammen mit anderen Christen (Apg 4,29). Er hatte seine Lektion gelernt. Trotzdem gab es auch später wieder Situationen, in denen der große Apostel Petrus (oft auch Kephas genannt) feige war und durch seine Taten das verleugnete, von dem er eigentlich überzeugt war (Gal 2,11).
- Möge der Herr uns stärken, so dass wir uns treu zu ihm bekennen.
- Gleichzeitig, lasst uns den Herrn Jesus Christus rühmen, der uns trotz unserer Schwachheit liebt und sein Leben dafür gab, dass wir für all unser Versagen Vergebung finden können.
14,53-65: „Und sie führten Jesus zu dem Hohenpriester; und es versammelten sich alle Hohenpriester und Ältesten und Schriftgelehrten. 54 Petrus aber folgte ihm nach von ferne, bis hinein in den Palast des Hohenpriesters, und saß da bei den Knechten und wärmte sich am Feuer. 55 Aber die Hohenpriester und der ganze Hohe Rat suchten Zeugnis gegen Jesus, dass sie ihn zu Tode brächten, und fanden nichts. 56 Denn viele gaben falsches Zeugnis ab gegen ihn; aber ihr Zeugnis stimmte nicht überein. 57 Und einige standen auf und gaben falsches Zeugnis ab gegen ihn und sprachen: 58 Wir haben gehört, dass er gesagt hat: Ich will diesen Tempel, der mit Händen gemacht ist, abbrechen und in drei Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist. 59 Aber ihr Zeugnis stimmte auch so nicht überein. 60 Und der Hohepriester stand auf, trat in die Mitte und fragte Jesus und sprach: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich bezeugen? 61 Er aber schwieg still und antwortete nichts. Da fragte ihn der Hohepriester abermals und sprach zu ihm: Bist du der Christus, der Sohn des Hochgelobten? 62 Jesus aber sprach: Ich bin’s; und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels. 63 Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach: Was bedürfen wir weiterer Zeugen? 64 Ihr habt die Gotteslästerung gehört. Was ist euer Urteil? Sie aber verurteilten ihn alle, dass er des Todes schuldig sei. 65 Da fingen einige an, ihn anzuspeien und sein Angesicht zu verdecken und ihn mit Fäusten zu schlagen und zu ihm zu sagen: Weissage uns! Und die Knechte schlugen ihn ins Angesicht.“
Der Bericht von Jesu Verhör vor dem Hohen Rat wird – bevor er richtig beginnt – mit einem kurzen verweis darauf unterbrochen, dass Petrus Jesus mit Sicherheitsabstand gefolgt war und nun im Innenhof des Palastes war. Petrus kommt dann erst wieder ab Vers 66 in den Blick.
Ab Vers 55 lesen wir dann vom Verhör durch den Hohenpriester. Dabei wird gleich deutlich, dass das ganze Verhör eine Farce ist. Denn das Urteil steht bereits fest. Die angeblichen Zeugen widersprechen sich gegenseitig und zitieren Jesu Worte falsch.
- Aber natürlich steht das Todesurteil nicht primär deshalb fest, weil der Hohe rat das schon vorher so entschieden hatte, sondern weil Gott Vater und Sohn das vor Grundlegung der Welt so beschlossen hatten.
- Selbst das böse Treiben der Menschen – das real ist und für das sie eines Tages zur Rechenschaft gezogen werden – unterliegt dem Plan Gottes.
- Das ist sehr tröstlich. Wenn das selbst bei dem größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte (der Tötung von Jesus) so war, dann dürfen wir wissen, dass das auch bei allem, was wir so erleben, nicht anders ist. GOTT hat alles im Griff!
Hier sehen wir dann, dass Jesus selbst dafür sorgt, dass er verurteilt wird. Denn er bekennt auf die Anfrage des Hohenpriesters hin nun das, was Markus im ersten Vers seines Evangeliums geschrieben hatte (Mk 1,1: „Dies ist der Anfang des Evangeliums von Jesus Christus, dem Sohn Gottes.“) und was später Petrus durch den Heiligen Geist bekannt hatte (Mk 8,29: „Du bist der Christus!“). Jesus ergänzt dazu noch: „und ihr werdet sehen den Menschensohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen mit den Wolken des Himmels.“
Jesus sagt die Wahrheit – aber der Hohepriester erkennt das nicht. Stattdessen meint er, dass diese Gotteslästerung ist. Tatsächlich ist es natürlich genau andersherum. Der Hohepriester lästert Gott. Und alle anderen stimmen ihm zu. Doch die Mehrheit hat eben nicht immer Recht.
Und dann verspotten sie den ewigen Gottessohn und schlagen ihn.
- Hier wird nichts weiter über Jesus berichtet, aber ich kann mir gut vorstellen, dass er auch schon hier für seine Peiniger betet „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“
- Möge der HERR uns immer wieder die Erkenntnis schenken, wer er tatsächlich ist … auf das wir ihn mehr lieben und anbeten.
14,43-52: „43 Und alsbald, während er noch redete, kam herzu Judas, einer von den Zwölfen, und mit ihm eine Schar mit Schwertern und mit Stangen, von den Hohenpriestern und Schriftgelehrten und Ältesten. 44 Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen genannt und gesagt: Welchen ich küssen werde, der ist’s; den ergreift und führt ihn sicher ab. 45 Und als er kam, trat er alsbald zu ihm und sprach: Rabbi!, und küsste ihn. 46 Die aber legten Hand an ihn und ergriffen ihn. 47 Einer aber von denen, die dabeistanden, zog sein Schwert und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm ein Ohr ab. 48 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ihr seid ausgezogen wie gegen einen Räuber mit Schwertern und mit Stangen, mich zu fangen. 49 Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen und habe gelehrt, und ihr habt mich nicht ergriffen. Aber so muss die Schrift erfüllt werden. 50 Da verließen ihn alle und flohen. 51 Ein junger Mann aber folgte ihm nach, der war mit einem Leinengewand bekleidet auf der bloßen Haut; und sie griffen nach ihm. 52 Er aber ließ das Gewand fahren und floh nackt davon.“
Nachdem ich die letzten Tage zu verschiedenen Predigt- und Lehrdiensten unterwegs war und deshalb komplett offline war, geht es nun heute weiter mit dem Bericht von Jesu Gefangennahme. Unmittelbar nachdem Jesus in der ihm eigenen Kenntnis aller Dinge gesagt hatte, dass sein Verräter kommt (V.42), lesen wir hier nun davon, dass Judas auftaucht. Er wird hier noch als einer von den Zwölfen bezeichnet, was nochmal verdeutlicht, wie radikal seine Abkehr von Jesus ist. Er führt Jesu Feinde an, die noch dazu bewaffnet sind, so als müsste man damit rechnen, dass Jesus kämpfen wollen würde. Und Judas hatte ihnen nicht nur zugesagt, Jesus zu verraten. Wir lesen hier, dass er auch noch Anweisungen gegeben hatte, was sie mit Jesus tun sollten: „Welchen ich küssen werde, der ist’s; den ergreift und führt ihn sicher ab.“
Und dann geschieht der widerliche Verrat, mit einem Kuss und einer freundlichen Ansprache. Spannend finde ich hier den Kontrast zwischen Judas und dem Jünger, der das Schwert ergreift und dem Knecht des Hohenpriesters das Ohr abschlug,
Judas verrät Jesus mit der Geste von Bruderliebe (dem Kuss) – während der andere Jünger seine Liebe zu Jesus durch einen Akt der Gewalt zeigt. Doch auch das will Jesus nicht. Hier wird nicht berichtet, was wir in Lukas 22 lesen – nämlich, dass Jesus das Ohr sogar noch heilte, bevor er dann abgeführt wurde.
Jesus konfrontiert seine Feinde und zeigt dabei auf, wie absurd und feige ihre Aktion ist. Er war schließlich tagtäglich bei ihnen im Tempel. Aber da haben sie ihn nicht verhaftet. Stattdessen kommen sie des Nachts und schwer bewaffnet zu diesem Ort außerhalb der Stadt, an den Jesus sich wohl jeden Abend zurückzog. Doch all das geschieht laut Jesus letztendlich nicht einfach nur deshalb, weil seine Feinde sich das so überlegt haben, sondern in Erfüllung der göttlichen Verheißung. Allerdings ist nicht ganz klar, auf welche Verheißung sich Jesus dabei bezieht.
Ganz im Sinne von Sacharja 13,7 fliehen dann die Jünger. Das beinhaltet ganz offensichtlich auch erstmal Petrus, der eben ja noch vollmundig verkündet hatte, dass er sicher an Jesu Seite bleiben würde (14,29).
- So ist das oft mit Dingen, die wir Gott vollmundig versprechen. Die Worte sind oft schnell gemacht … aber so vieles von dem, was wir uns ernsthaft vornehmen, scheitert dann doch, weil wir oft zu feige, zu schwach oder zu unentschlossen sind.
Bei der Flucht der Jünger kommt es dann für einen unbenannten Jünger zu einer peinlichen Szene. Er hatte des Abends nur ein Leingewand an und das wird ihm bei der Flucht vom Leib gerissen. Viele Ausleger gehen davon aus, dass dieses Detail nur von dem berichtet werden würde, der das selber so erlebt hat. Die anderen Evangelien erwähnen das nicht … von daher erscheint es plausibel, dass es sich dabei um den jungen Markus handelt, der später dieses Evangelium verfasst hat.
- Was wir hier aber vor allem sehen ist, dass Jesus mutig und treu den weg zum Kreuz geht, während die Jünger alle feige fliehen.
- Gerade weil wir oft sind, wie diese Jünger ist es so wunderbar, dass unser Retter und Herr so ganz anders ist und sich – FÜR UNS – verraten, verhaften und dann verurteilen und kreuzigen ließ.
14,32-42: „32 Und sie kamen zu einem Garten mit Namen Gethsemane. Und er sprach zu seinen Jüngern: Setzt euch hierher, bis ich gebetet habe. 33 Und er nahm mit sich Petrus und Jakobus und Johannes und fing an zu zittern und zu zagen 34 und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet! 35 Und er ging ein wenig weiter, warf sich auf die Erde und betete, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm vorüberginge, 36 und sprach: Abba, mein Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst! 37 Und er kam und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Simon, schläfst du? Vermochtest du nicht, eine Stunde zu wachen? 38 Wachet und betet, dass ihr nicht in Versuchung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach. 39 Und er ging wieder hin und betete und sprach dieselben Worte 40 und kam zurück und fand sie abermals schlafend; denn ihre Augen waren voller Schlaf, und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten. 41 Und er kam zum dritten Mal und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen? Es ist genug; die Stunde ist gekommen. Siehe, der Menschensohn wird überantwortet in die Hände der Sünder. 42 Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, der mich verrät, ist nahe.“
Der Garten Gethsemane liegt auf dem Ölberg, zu dem Jesus nach dem Abendmahl mit seinen Jüngern gegangen war. Hier will er nun beten. Die Jünger sollen auf ihn warten. Nur seine drei engsten Weggefährten nimmt er noch weiter mit. Denn als vollkommender Mensch ist Jesus in seiner Seele „betrübt bis an den Tod“. Er weiß, wie schwer das wird, was ihm nun bevorsteht. Denn auf Jesus kommen ja nicht nur immense körperliche Leiden zu, sondern vor allem das Leid, dass die völlige Harmonie zwischen ihm und seinem himmlischen Vater zum ersten Mal überhaupt zerstört sein wird, wenn er die Sünden der Welt auf sich nimmt.
Doch auch sie sollen dann zurückbleiben. Jesus sagt ihnen „bleibt hier und wachet!“ Jesus sucht nun das ganz persönliche Gespräch mit seinem himmlischen Vater. Hier betet er noch ganz intim „Abba, mein Vater“ – kurze Zeit später am Kreuz klingt es dann viel distanzierter, wenn er ausruft „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“. Der Kelch, den der Vater – wenn möglich – von ihm nehmen soll, ist der Zorneskelch, der über Jesus am Kreuz ausgegossen werden würde.
- Natürlich wäre es dem Vater möglich gewesen, seinem Sohn den Kelch zu ersparen. Aber dann wären wir weiter unter Gottes Zorn. Und das wollte weder der Vater noch der Sohn.
- Interessant ist hier die unterschiedlichen Dimensionen des Willens von Jesus Christus zu sehen. In seiner menschlichen Natur fürchtet er das Kreuz und würde diesem gerne entgehen. Zugleich ist es sein Wille, dass der Wille des Vaters geschehe, der ja nach seiner göttlichen Natur auch sein Wille ist.
- Und so ist Jesus bereit, sich für uns opfern zu lassen.
Doch noch hat er das nicht vollständig durchgebetet. Nachdem er feststellen musste, dass seine engsten Jünger inzwischen (Jesus hatte wohl eine Stunde gebetet) eingeschlafen waren und nachdem er sie nochmals ermahnte, wachsam zu sein („Wachet und betet, dass ihr nicht in Versuchung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach“), wendet Jesus sich noch zweimal dem Vater im Gebet zu.
- Jesu Vorbild im beharrlichen Gebet darf uns wirklich herausfordern.
- Und andererseits ist es dann tröstlich zu sehen, dass auch die engsten Jünger so schwach waren, dass sie immer wieder einschliefen, anstatt auch selber im Gebet auszuharren.
Schließlich sehen wir, dass Jesus entschieden vorangeht. Er weiß, dass seine Stunde geschlagen hat und geht zielgerichtet seinem Verräter und damit seiner Verhaftung und Kreuzigung entgegen.
- Hier sehen wir die immense Stärke unseres demütigen Retters und Herrn. Er gibt sich ganz dem göttlichen Willen hin.
- HERR, gib uns die Kraft, die ähnlich entschieden zu folgen, wo auch immer Du uns hinführst!