12,13-17: „13 Und sie sandten zu ihm einige von den Pharisäern und von den Anhängern des Herodes, dass sie ihn fingen in Worten. 14 Und sie kamen und sprachen zu ihm: Meister, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und fragst nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen, sondern du lehrst den Weg Gottes recht. Ist’s recht, dass man dem Kaiser Steuern zahlt, oder nicht? Sollen wir sie zahlen oder nicht zahlen? 15 Er aber merkte ihre Heuchelei und sprach zu ihnen: Was versucht ihr mich? Bringt mir einen Silbergroschen, dass ich ihn sehe! 16 Und sie brachten einen. Da sprach er: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. 17 Da sprach Jesus zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Und sie wunderten sich über ihn.

Die in Vers erwähnten „sie“ sind wohl die „Hohenpriester und Schriftgelehrten und Ältesten“, die Jesus schon zur Quelle seiner Vollmacht befragt hatten und die Jesus dann durch das Gleichnis vom Weinberg scharf kritisiert hatte. Sie ziehen sich jetzt zurück, aber senden nun zuerst „einige von den Pharisäern und von den Anhängern des Herodes“ und dann eventuell danach auch noch die Sadduzäer, von denen wir dann im nächsten Abschnitt lesen. So wenig diese Gruppen miteinander zu tun hatten, so einte sie doch ihre Feindschaft gegen Jesus.

Während die Pharisäer den Kaiser als feindlichen Besatzer sahen, waren die Anhänger des Herodes dem Kaiser gegenüber sicher deutlich loyaler. Von daher ist die Frage nach der Steuer so gestellt, dass Jesus bei jeder Antwort eine Gruppe gegen sich aufbringen würde. Wir sehen hier auch, dass freundliche und ehrerbietige Worte nicht zwingend aufrichtig sind. Denn trotz aller der anerkennenden Worte: „Meister, wir wissen, dass du wahrhaftig bist und fragst nach niemand; denn du achtest nicht das Ansehen der Menschen, sondern du lehrst den Weg Gottes recht“ … kommen sie ja, um Jesus in seinen Worten zu fangen.

Auf die Frage, ob man dem feindlichen Besatzer (dem Kaiser) Steuern zahlen soll antwortet Jesus, indem er sich einen Silbergroschen geben kann, in den das Abbild des Kaisers geprägt ist. Damit stellt Jesus fest, dass Münzen, die das Abbild des Kaisers zeigen, wohl ihm gehören und deshalb zu geben seien.

  • Damit sagt Jesus erstmal, dass wir weltliche Ordnungen anerkennen und unseren Verpflichtungen ihnen gegenüber nachkommen sollen … und zwar auch, wenn sie letztendlich gottlos sind und viel Böses tun. Der römische Kaiser war ja kein guter Herrscher.
  • Das darf alle Christen sehr herausfordern, die meinen, dass wir gegen jeden Herrscher aufstehen sollten, der Dinge tut, die wir aus biblischer Sicht für falsch halten (oder die uns einfach nicht gefallen). Jesus sagt hier das Gegenteil. Paulus greift das in Römer 13,1ff ja dann auch nochmal auf. Ich finde es erschreckend, wie viele Christen bei diesen Bibelversen nicht innehalten, sondern einfach sofort andere Bibelverse zitieren, mit denen sie meinen, diese Aufforderungen ablehnen zu können. Natürlich sollen wir Böses beim Namen nennen und uns nicht blind allem ergeben. Aber Jesu Worte dürfen uns hier sehr herausfordern, nicht vorschnell gegen weltliche Ordnungen zu rebellieren.

Das wirklich entscheidende bei Jesu Worten ist dann aber der Nachsatz „So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!

Da stellt sich ja dann die Frage, was Gottes ist? Die Antwort – analog zum Silbergroschen – muss dann lauten: all das, auf dem das Abbild Gottes zu sehen ist. Und das sind wir. Denn Gott hat uns Menschen zu seinem Abbild geschaffen. Deshalb gehören wir Ihm und sollten uns Ihm ganz hingeben.

  • Das steht dann nicht im Konflikt zur Steuer an den Kaiser, sondern beinhaltet diese (weil Gottes Sohn sagt, dass man dem Kaiser die Steuer geben sollen). Aber vor allem sollten wir anerkennen, dass wir in allen Dingen Gott gehören und im Gehorsam ihm gegenüber und in Hingabe an ihn leben sollen.
  • Das ist die große Herausforderung, die Jesus uns in diesem Abschnitt gibt. Wir merken schnell, dass wir daran regelmäßig scheitern … und gerade deshalb brauchen wir Jesus. Denn Er allein hat sich ganz dem Vater hingegeben und damit den Anforderungen Gottes komplett Genüge getan. Und seine perfekte Gerechtigkeit wird jedem zugerechnet, der sich Ihm im Glauben zuwendet.
  • Lasst uns das tun und so Gottes Gnade empfangen.
  • Und dann lasst uns immer mehr danach streben, ein wirklich Gott hingegebenes Leben zu führen.

12,1-12: „1 Und er fing an, zu ihnen in Gleichnissen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun darum und grub eine Kelter und baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes. 2 Und er sandte, als die Zeit kam, einen Knecht zu den Weingärtnern, damit er von den Weingärtnern seinen Anteil an den Früchten des Weinbergs hole. 3 Sie nahmen ihn aber, schlugen ihn und schickten ihn mit leeren Händen fort. 4 Abermals sandte er zu ihnen einen andern Knecht; dem schlugen sie auf den Kopf und schmähten ihn. 5 Und er sandte noch einen andern, den töteten sie; und viele andere: die einen schlugen sie, die andern töteten sie. 6 Da hatte er noch einen, seinen geliebten Sohn; den sandte er als Letzten auch zu ihnen und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen. 7 Sie aber, die Weingärtner, sprachen untereinander: Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, so wird das Erbe unser sein! 8 Und sie nahmen ihn und töteten ihn und warfen ihn hinaus vor den Weinberg. 9 Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben. 10 Habt ihr denn nicht dieses Schriftwort gelesen (Psalm 118,22-23): »Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden. 11 Vom Herrn ist das geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen«? 12 Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen, und fürchteten sich doch vor dem Volk; denn sie verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte. Und sie ließen ihn und gingen davon.

Zu Beginn von Kapitel 12 ist Jesus wohl immer noch im Tempel und im Gespräch mit den Hohenpriestern und Schriftgelehrten und Ältesten. Nachdem die gegenseitigen Fragen nicht beantwortet worden waren, spricht Jesus jetzt zu ihnen. Sehr wahrscheinlich fanden diese Gespräche in der Öffentlichkeit statt. Das verschärft sicher die Konfrontation. Jesus redet nun durch ein Gleichnis von einem Eigentümer, der seinen gut gepflegten Weinberg an Weingärtner verpachtet. Schon das Bild des Weinbergs erinnert an Aussagen aus dem AT, in den Israel als Gottes Weinberg beschrieben wird. Von daher ist auch klar, dass der Eigentümer bildhaft für Gott steht.

Die Geschichte ist simpel. Die Weingärtner wollen dem Eigentümer keine Pacht zahlen und tun so, als würde der Weinberg ihnen gehören. Die vom Eigentümer gesandten Knechte werden entweder einfach verprügelt und davongejagt oder sogar getötet. Es braucht nicht viel Fantasie, um dabei an die Propheten zu denken, die Gott zu seinem Volk gesandt hatte und die alle vor allem von den Leitern abgelehnt wurden. Mit dem dann in der Geschichte erwähnten Sohn meint Jesus ziemlich offensichtlich sich selbst. Und er offenbart, dass er weiß, wie seine Feinde denken und was sie vorhaben und tun werden.

All das verbindet Jesus dann mit einer scharfen Warnung: „. 9 Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg andern geben“, die er dann durch ein Zitat aus Psalm 118 unterstreicht.

Spätestens damit macht Jesus deutlich, dass er hier nicht einfach eine nette Geschichte erzählt, sondern eben wirklich über Israel und seine Leiter spricht. Das verstehen auch die Hohenpriester, Schriftgelehrten und Ältesten: „Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen, und fürchteten sich doch vor dem Volk; denn sie verstanden, dass er auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte. Und sie ließen ihn und gingen davon.

Die Ironie in all dem ist, dass sie sich nun genau das vornehmen, was Jesus in dem Gleichnis bereits angekündigt hatte. Sie wollen den Sohn töten. Doch noch wagen sie es nicht, denn sie fürchten das Volk. Das müssen sie erst noch für ihr böses Tun gewinnen.

  • Natürlich spricht dieser Text erstmal nicht direkt zu uns. Wir stehen da am Rande und können erstmal staunen über Gottes große Geduld, wie er Knecht um Knecht und dann sogar noch seinen Sohn sendet, anstatt Söldner zu schicken und sein Gericht zu vollziehen.
  • Da auch wir unseren Eigentümer (unseren Schöpfer und Herrn) s oft ignorieren, hätten ja auch wir sein Gericht verdient gehabt. Von daher können wir Gott für seine große Geduld und Barmherzigkeit preisen – und nun den Sohn ehren und ihn anbeten.
  • Außerdem darf uns der Text aber auch dahingehend herausfordern, dass wir uns fragen sollten, wie wir damit umgehen, wenn uns Gott mit unseren Sünden konfrontiert. Nehmen wir die Boten an, die uns zur Korrektur rufen? Oder sind wir wie die Weingärtner, die die Knechte des Herrn ablehnten? Möge uns da der Herr korrekturbereit machen, so dass wir das Wohlwollen Gottes finden und nicht sein Gericht.

11,27-33: „27 Und sie kamen wieder nach Jerusalem. Und als er im Tempel umherging, kamen zu ihm die Hohenpriester und Schriftgelehrten und Ältesten 28 und fragten ihn: Aus welcher Vollmacht tust du das? Oder wer hat dir diese Vollmacht gegeben, dass du das tust? 29 Jesus aber sprach zu ihnen: Ich will euch auch eine Sache fragen; antwortet mir, so will ich euch sagen, aus welcher Vollmacht ich das tue. 30 Die Taufe des Johannes – war sie vom Himmel oder von Menschen? Antwortet mir! 31 Und sie bedachten bei sich selbst und sprachen: Sagen wir, sie war vom Himmel, so wird er sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt? 32 Oder sollen wir sagen, sie war von Menschen? – da fürchteten sie sich vor dem Volk. Denn sie hielten alle Johannes wirklich für einen Propheten. 33 Und sie antworteten und sprachen zu Jesus: Wir wissen’s nicht. Und Jesus sprach zu ihnen: So sage ich euch auch nicht, aus welcher Vollmacht ich das tue.

Zurück im Tempel wird Jesus mal wieder von den Hohenpriestern, Schriftgelehrten und Ältesten belagert, von denen wir ja schon wissen, dass sie es nicht gut mit Jesus meinen. Bei der Frage „Aus welcher Vollmacht tust du das? Oder wer hat dir diese Vollmacht gegeben, dass du das tust?“ bezieht sich das „DAS“ sicher konkret auf die Templereinigung vom Vortag, aber eventuell auch grundsätzlicher auf die großen Taten, die Jesus immer wieder vollbracht hat. Seine Ankläger können nicht leugnen, dass Jesus vollmächtig handelt. Die Frage ist nur, woher diese Vollmacht kommt. Es lässt sich erahnen, dass die Ankläger nur darauf warten, dass Jesus sich hier nun auf seinen himmlischen Vater beruft, um ihn dann als Gotteslästerer anzuklagen. Denn sie scheinen sich ja sehr sicher zu sein, dass Jesus nicht in der Vollmacht Gottes handelt. Ganz ähnlich wird Jesus ja auch heute von vielen Menschen nicht als ewiger und nun Mensch-gewordener Sohn Gottes anerkannt. Das gilt ja sowohl für manche Sekten wie auch für die Juden und Moslems. Die spannende Frage ist da eigentlich immer die Gleiche – wie erklären sie die einzigartige Vollmacht und den Anspruch Jesu. Und eigentlich muss dazu dann immer das abgelehnt oder verdreht werden, was die Bibel klar und deutlich berichtet.

Die Frage bleibt – woher sonst kommt Jesu Vollmacht. Wir wissen nicht, was die Ankläger da dachten. Glaubten sie wirklich, dass Jesus diese Macht vom Teufel hatte? Oder war ihnen das egal … Hauptsache sie werden Jesus irgendwie los?

Jesus lässt sich auf ihre Frage nicht direkt ein, sondern stellt eine gute Gegenfrage: „Die Taufe des Johannes – war sie vom Himmel oder von Menschen?“ Seine Feinde interessiert gar nicht, was die richtige Antwort ist. Sie überlegen rein strategisch, was die Konsequenz welcher Antwort ist. Das ist das eigentliche Drama. So viele Menschen interessieren sich nicht für die Wahrheit. Es geht ihnen immer nur darum, was ihnen gerade am Besten in den Kram passt.

  • Dabei verkennen sie, dass die Wahrheit wirklich freisetzen kann.
  • Und sie verkennen, dass sich die Wahrheit letztendlich durchsetzen wird.
  • Lasst uns da für uns selbst und für die Menschen das alte Kirchenlied beten: „O komm Du Geist der Wahrheit …“

Nach ihrer diplomatisch wohl abgewogenen Antwort: „Wir wissen’s nicht“ (die allerdings wohl durchaus zutreffend war), lässt Jesus dann auch ihre Frage unbeantwortet. Dabei verdeutlicht er, dass ihm sehr bewusst ist, dass sie seine Frage nicht beantworten wollten. Das klingt ja bei seinem Wort deutlich mit durch: „So sage ich euch auch nicht, aus welcher Vollmacht ich das tue.

  • Wie gut, dass Jesus seinen Jüngern und auch uns aber sehr wohl gesagt hat, warum er tut (tat) was er nun tun würde – so wie wir es in Mk 10,45 gelesen haben: „auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele“ … und das er alles in der Vollmacht seines Vaters tat.

11,12-25: „12 Und am nächsten Tag, als sie von Betanien weggingen, hungerte ihn. 13 Und er sah einen Feigenbaum von ferne, der Blätter hatte; da ging er hin, ob er etwas darauf fände. Und als er zu ihm kam, fand er nichts als Blätter; denn es war nicht die Zeit für Feigen. 14 Da fing Jesus an und sprach zu ihm: Nun esse niemand mehr eine Frucht von dir in Ewigkeit! Und seine Jünger hörten das. 15 Und sie kamen nach Jerusalem. Und Jesus ging in den Tempel und fing an auszutreiben die Verkäufer und Käufer im Tempel; und die Tische der Geldwechsler und die Stände der Taubenhändler stieß er um 16 und ließ nicht zu, dass jemand etwas durch den Tempel trage. 17 Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben (Jesaja 56,7): »Mein Haus soll ein Bethaus heißen für alle Völker«? Ihr aber habt eine Räuberhöhle daraus gemacht. 18 Und es kam vor die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und sie trachteten danach, wie sie ihn umbrächten. Sie fürchteten sich nämlich vor ihm; denn alles Volk verwunderte sich über seine Lehre. 19 Und abends gingen sie hinaus vor die Stadt. 20 Und als sie am Morgen an dem Feigenbaum vorbeigingen, sahen sie, dass er verdorrt war bis zur Wurzel. 21 Und Petrus dachte daran und sprach zu ihm: Rabbi, sieh, der Feigenbaum, den du verflucht hast, ist verdorrt. 22 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt Glauben an Gott! 23 Wahrlich, ich sage euch: Wer zu diesem Berge spräche: Heb dich und wirf dich ins Meer!, und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, dass geschehen werde, was er sagt, so wird’s ihm geschehen. 24 Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteil werden. 25 Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Übertretungen.

Vers 12 lässt vermuten, dass die Ereignisse, von denen wir heute lesen, am Montag der Woche von Jesu Kreuzigung geschahen. ES klingt so, als habe Jesus kein Frühstück bekommen und hofft nun auf dem Weg etwas zu essen zu finden. Wenngleich es eigentlich noch nicht die Zeit der Feigenernte ist, scheint der Feigenbaum aufgrund der vollen Blätter schon Früchte zu tragen. Aber das erweist sich als nicht zutreffend. Im Prinzip sollte das nicht überraschen und von daher überraschen Jesu Worte: „Nun esse niemand mehr eine Frucht von dir in Ewigkeit!“ Erst im Fortgang wird erkennbar, dass es sich beim Feigenbaum wohl einfach um ein Anschauungsobjekt handelte, durch das Jesus seine Jünger lehrte.

  • Der Feigenbaum schien etwas vorzugeben, was aber nicht da war. Und das findet Gottes Gericht.

Genau das sehen wir dann im Tempel. Hier scheint alles sehr lebendig zu sein. Es ist sehr viel los im Tempel. Aber was dort fehlt ist das, worum es geht. Denn der Tempel soll ein Bethaus sein. Stattdessen werden dort Geschäfte gemacht und der Tempel verkommt zu einer Räuberhöhle.

  • Das sollte uns eine Warnung sein, dass ein volles Gemeindehaus noch lange nicht bedeutet, dass darin auch wirklich geistliches Leben ist. Deswegen ist es so wichtig, dass wir uns immer wieder wirklich auf das besinnen, was wirklich zählt.
  • Gebet ist dabei sicher ein guter Indikator wahren geistlichen Lebens.

Jesus spricht das Versagen der Juden direkt an und setzt sich auch körperlich dafür ein, dem unheiligen Treiben ein Ende zu machen. Damit bringt er die religiösen Eliten weiter gegen sich auf. Nur wenige Tage später sollte das dann dazu führen, dass sie ihre häßliche Fratze vollends offenbarten, indem sie den Sohn Gottes, den sie anbeten hätten sollen, töteten.

Doch noch war es nicht so weit und so kehren Jesus und seine Jünger erstmal in ihre Unterkunft außerhalb der Stadt zurück. Am nächsten Morgen (jetzt wohl am Dienstag) kamen sie dann auf dem Weg nach Jerusalem wieder am Feigenbaum vorbei, der nun ganz verdorrt war. Die Jünger sind schockiert, welche unmittelbare und drastische Wirkung Jesu Worte hatten. Doch Jesus spricht jetzt nicht mehr über Gericht, sondern über die Kraft wahren Gebets. Genau das, was es im Tempel nicht gab, ist so wertvoll und wirkungsvoll.

Jesus lehrt seine Jünger, dass, wenn sie im Glauben beten, sie noch viel größere Dinge tun können, als einen Feigenbaum zum Verdorren zu bringen.

Jesu Worte: „Wer zu diesem Berge spräche: Heb dich und wirf dich ins Meer!, und zweifelte nicht in seinem Herzen, sondern glaubte, dass geschehen werde, was er sagt, so wird’s ihm geschehen. 24 Darum sage ich euch: Alles, was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteil werden“ werden immer mal wieder zur Rechtfertigung einer „name it & claim it“ Thelogie gebraucht. Und wir können sicher gut verstehen, warum das so ist. Denn ohne weiteren Kontext klingt das genau so.

Die Verse 25 und der wohl nicht ursprünglich dazugehörige Vers 26 (den Lurther84 nicht nennt) erinnern an das Vater Unser: „Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemanden habt, damit auch euer Vater im Himmel euch vergebe eure Übertretungen.

  • Hier lässt sich erahnen, dass das Größere, das wir im Glauben erbitten sollen und erhalten werden, nicht Luxusgüter sind, sondern wohl eher Sündenvergebung und ewiges Leben.
  • Was wir hier aber auf jeden Fall mitnehmen sollten ist, die Bedeutung wahren Gebets. Von daher wünsche ich uns allen eine gute Gebetszeit!

11,1-11: „​Und als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage und Betanien an den Ölberg, sandte er zwei seiner Jünger 2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und sobald ihr hineinkommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat; bindet es los und führt es her! 3 Und wenn jemand zu euch sagen wird: Warum tut ihr das?, so sprecht: Der Herr bedarf seiner, und er sendet es alsbald wieder her. 4 Und sie gingen hin und fanden das Füllen angebunden an einer Tür draußen am Weg und banden’s los. 5 Und einige, die dort standen, sprachen zu ihnen: Was macht ihr da, dass ihr das Füllen losbindet? 6 Sie sagten aber zu ihnen, wie ihnen Jesus geboten hatte, und die ließen’s zu. 7 Und sie führten das Füllen zu Jesus und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. 8 Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg, andere aber grüne Zweige, die sie auf den Feldern abgehauen hatten. 9 Und die vorangingen und die nachfolgten, schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! 10 Gelobt sei das Reich unseres Vaters David, das da kommt! Hosianna in der Höhe! 11 Und Jesus ging hinein nach Jerusalem in den Tempel und er besah ringsum alles, und spät am Abend ging er hinaus nach Betanien mit den Zwölfen.“

Mit Kapitel 11 sind wir in der letzten Woche vor Jesu Kreuzigung & Auferstehung angekommen. Der Bericht der hier beschriebenen Ereignisse wird am Palmsonntag bedacht. Jesus erweist hier gleich zu Beginn dieser Woche, dass er alles weiß und alles im Griff hat. So weiß er genau, was seine Jünger vorfinden werden und er ist sicher, dass sie ihm den Esel bringen werden. Er weiß selbst, dass noch nie jemand auf dem Eselsfüllen gesessen hat und er antizipiert die Anfrage der Menschen, wenn die Jünger den Esel losbinden: „Warum tut ihr das?“ und sagt seinen Jüngern, wie sie darauf antworten sollen: „Der Herr bedarf seiner“.

  • Jesus nennt sich hier HERR (Kyrios) und beschriebt damit seinen Herrschaftsanspruch.

Ich weiß nicht, was ich gedacht hätte, wenn Jesus mir diesen Auftrag gegeben hätte. Was auch immer die Jünger gedacht haben mögen, sie dürfen dann erleben, dass es genauso geschieht, wie Jesus es angekündigt hat. Ich denke, dass diese Lektion vor allem rückblickend ungemein hilfreich und ermutigend gewesen sein dürfte.

Und dann kommt der triumphale Einzug Jesu nach Jerusalem. Die Jünger selbst legen ihre Kleider als Sattel auf den Esel und die Menschen legen ihre Kleider auf den Boden und dazu noch gründe Zweige.

  • Der Einzug auf dem Esel erinnert an die Salbung ein Einsetzung Salomos (1. Kö 1,38)

Und vor allem jubeln sie ihm zu: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! 10 Gelobt sei das Reich unseres Vaters David, das da kommt! Hosianna in der Höhe!“ Damit zitieren sie Psalm 118. Der „Herr“ kommt also im Namen des „Herrn“.

Das „Hosianna“ ist der Ruf und die Bitte um Gottes Errettung. Hier wird voller Erwartung bejubelt, dass der König nach Jerusalem einzieht. Die Erwartung war sicher, dass Jesus jetzt – so wie einst Salomo – den Thron Davids besteigen wird. Doch Jesus würde den Hosianna-Ruf ganz anders beantworten.

  • Auch wir haben vielleicht manchmal falsche Erwartungen im Hinblick auf das, was Jesus uns bringen soll.
  • Doch die Rettung und den Segen, den er uns bringt, ist so viel besser und dauerhafter, als all die irdischen Dinge, auf die wir oft hoffen und für die wir vielleicht auch oft beten.

10,46-52: „46 Und sie kamen nach Jericho. Und als er aus Jericho wegging, er und seine Jünger und eine große Menge, da saß ein blinder Bettler am Wege, Bartimäus, der Sohn des Timäus. 47 Und als er hörte, dass es Jesus von Nazareth war, fing er an, zu schreien und zu sagen: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner! 48 Und viele fuhren ihn an, er solle stillschweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner! 49 Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn her! Und sie riefen den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost, steh auf! Er ruft dich! 50 Da warf er seinen Mantel von sich, sprang auf und kam zu Jesus. 51 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was willst du, dass ich für dich tun soll? Der Blinde sprach zu ihm: Rabbuni, dass ich sehend werde. 52 Jesus aber sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dir geholfen. Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach auf dem Wege.

Heute möchte ich nur ganz kurz auf diese wenigen Verse eingehen, die uns aber zwei wunderbare Männer zeigen.

Zum einen sehen wir den blinden Bartimäus. Er hört, dass Jesus von Nazareth in der Nähe ist. Und er nutzt die Chance und lässt sich von Nichts und Niemandem abhalten. Er schreit: „Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!“ und dann nochmal: „Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!

Er erkennt in Jesus von Nazareth also den verheißenen Sohn Davids. Und vor allem vertraut er darauf, dass Jesus in seiner Barmherzigkeit das Wunder tun kann und wird, ihn zu heilen.

  • In diesen Ruf dürfen wir immer und immer wieder mit einstimmen. Wir brauchen Jesu Barmherzigkeit im Anbetracht unserer Sünde. Und wir brauchen seine Barmherzigkeit, damit wir nicht blind bleiben gegenüber den Wahrheiten, die er uns in seinem Wort offenbart.
  • Vor allem aber brauchen wir seine Barmherzigkeit, damit wir IHN immer mehr erkennen, in seiner Barmherzigkeit, Liebe, Macht und Herrlichkeit!

Und dann sehen wir Jesus genau so: Voller Barmherzigkeit und in seiner einzigartigen göttlichen Macht heilt er den Blinden. Dabei lässt Jesus keinen Zweifel, dass seine Heilung zu denen kommt, die an Ihn glauben.

Und dann kann Bartimäus Jesus mit eigenen Augen sehen. Was er da sieht, ist so herrlich, dass er nicht mehr von seiner Seite weichen will. Er folgt Jesus nach!

  • Möge das auch immer mehr uns beschreiben. Dass Jesus uns die Augen für sich selbst immer weiter öffnet, so dass wir IHM immer entschiedener nachfolgen!

10,35-45: „35 Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, um was wir dich bitten werden. 36 Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue? 37 Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. 38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? 39 Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; 40 zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das steht mir nicht zu, euch zu geben, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.  41 Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. 42 Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. 43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; 44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. 45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Obwohl Jesus gerade davon gesprochen hatte, dass er leiden wird und auch die Jünger sich auf Verfolgung einstellen müssen und obwohl er gelehrt hatte: „31 Viele aber werden die Letzten sein, die die Ersten sind, und die Ersten sein, die die Letzten sind“, haben Jakobus und Johannes weiter große Ambitionen und wollen, dass Jesus ihnen die Ehrenplätze in seiner Herrlichkeit gibt. Es ist unklar, was genau sie mit „Herrlichkeit“ meinen. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie dabei noch an ein weltliches Reich mit einem Thron mitten in Jerusalem denken.

  • Wir sehen hier, wie leicht auch Menschen, die Jesus gut kennen und denen viel gelehrt wurde, noch in ihren Ambitionen gefangen sein können.
  • Das sollte uns eine Warnung sein … und ich weiß, dass ich diese Warnung immer mal wieder brauche.

Jesus entgegnet auf die Frage der beiden Jünger mit einer Rüge „Ihr wisst nicht, was ihr bittet.“ Und dann stellt er ihnen eine Frage, die die Jünger sehr wahrscheinlich noch nicht richtig verstanden haben: „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde?“. Der Kelch ist der Kelch voll mit Gottes Zorn und die Taufe ist Jesu Kreuzigung (und Auferstehung). Dabei ist diese Taufe in gewisser Weise das Original und die Basis für die Taufe, die wir empfangen, wenn wir zum Glauben kommen (und dabei die Taufe mit dem Heiligen Geist empfangen) und die wir dann bekennen, wenn wir uns in der Wassertaufe sichtbar mit dem für uns gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus identifizieren (siehe dazu auch Römer 6).

Die Jünger sagen locker „Ja, das können wir“, haben aber sich gar keine Vorstellung, wovon sie da reden. Jesu Aussage: „Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde“, ist etwas verwirrend, weil sie natürlich nicht genau das erleiden werden, was Jesus bevorsteht. Aber wahrscheinlich deutet er damit an, dass auch sie als Jesu Nachfolger viel Leid erleben werden und getötet werden, bevor sie in seine Herrlichkeit kommen. Letztendlich ist ihre Anfrage aber ohnehin verfehlt, weil die Platzzuweisung in der Ewigkeit nicht verhandelbar ist, sondern entsprechend der Vorherbestimmung Gottes geschieht.

Die anderen Jünger bekommen diese Diskussion mit und sind sauer. Da zeigt sich, dass sie alle ihre eigenen Ambitionen haben. Bei diesem Gespräch hat nur ein Einziger komplett reine Motive … und das ist Jesus. Bei uns Menschen ist selbst bei unserer Hingabe an den Herrn immer auch noch Fleischliches dabei und von daher sind unsere Motive und unser Handeln nie komplett heilig.

Jesus beendet die Diskussion mit einer ganz wichtigen Aussage, bei der er sowohl sein „Mission-Statement“ abgibt wie auch einen Auftrag an seine Jünger formuliert, der sich von diesem Mission-Statement ableitet: „Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. 43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; 44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. 45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Wenn unser Herr kam, um stellvertretend für Sünder zu sterben und sich dabei so hingebungsvoll in den Dienst von uns Menschen gestellt hat, dann sollen wir alle danach streben, ihm darin nachzufolgen und uns in das geistliche Wohl von Menschen investieren, koste es was es wolle.

  • Das ist wahre Größe!
  • Dabei ist Jesus der Größte und unser Vorbild (und natürlich auch noch viel mehr als das).
  • Und wir sollen ihm nacheifern.
  • Möge der HERR uns immer mehr dazu bereit machen!

10,28-34: „28 Da fing Petrus an und sagte zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. 29 Jesus sprach: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Brüder oder Schwestern oder Mutter oder Vater oder Kinder oder Äcker verlässt um meinetwillen und um des Evangeliums willen, 30 der nicht hundertfach empfange: jetzt in dieser Zeit Häuser und Brüder und Schwestern und Mütter und Kinder und Äcker mitten unter Verfolgungen – und in der zukünftigen Welt das ewige Leben. 31 Viele aber werden die Letzten sein, die die Ersten sind, und die Ersten sein, die die Letzten sind.
32 Sie waren aber auf dem Wege hinauf nach Jerusalem und Jesus ging ihnen voran; und sie entsetzten sich; die ihm aber nachfolgten, fürchteten sich. Und er nahm abermals die Zwölf zu sich und fing an, ihnen zu sagen, was ihm widerfahren werde: 33 Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Menschensohn wird überantwortet werden den Hohenpriestern und Schriftgelehrten, und sie werden ihn zum Tode verurteilen und den Heiden überantworten. 34 Die werden ihn verspotten und anspeien und geißeln und töten, und nach drei Tagen wird er auferstehen.

Jesu Worte an und über den reichen Jüngling machen Petrus und die Jünger nervös. Werden sie es in das Reich Gottes schaffen? Petrus verweist deshalb darauf, dass die Jünger ja zumindest teilweise getan haben, wozu der reiche Jüngling nicht bereit war „wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.“ Jesus sagt daraufhin Worte, die verdeutlichen, dass der Glaube an das Evangelium den guten werken vorausgehen muss. Wer wegen des Evangeliums Menschen verlässt oder Dinge aufgibt, der muss diesen Verlust nicht fürchten. Denn Jesus entlohnt die Seinen – oftmals schon hier auf Erden und dann vor allem in der Ewigkeit.

Doch dann sagt Jesus einen Halbsatz, der die Jünger sehr herausgefordert haben muss: „mitten unter Verfolgungen.“ Hier deutet Jesus an, dass die Nachfolge nicht nur bedeutet, dass wir etwas zurücklassen müssen (Familie, Äcker, Häuser), sondern, dass wir auch mit Verfolgung rechnen müssen. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Jünger dafür noch keine Kategorie hatten.

Und auch wir überlesen diese Worte leicht, weil sie sich oft nicht mit unserer Erfahrung decken. Wir erleben für den Glauben keinen Widerstand und keine Verfolgung. Aber uns muss klar sein, dass wir da die große Ausnahme sind. In der Kirchengeschichte und global betrachtet ist Verfolgung um des Glaubens Willen die Norm. Wir tun gut daran, uns das klar zu machen und uns auch selber zu fragen, ob wir einen Glauben haben, der bereit ist, alles aufzugeben, um Jesus nachzufolgen. Denn wenn nicht, sind wir nicht anders als der reiche Jüngling aus den Versen davor, der seinen Reichtum nicht aufgeben mochte.

Vers 31 knüpft dann eventuell an die Diskussion unter den Jüngern an, wir unter ihnen der Größte sei. Hier wird deutlich, dass wahre Größe bedeutet, sich zu den Niedrigen zu halten und zu erkennen, dass wir Gott nichts zu bringen haben, außer unserer Sünde … und uns dann an IHN klammern dürfen.

Ab Vers 32 spricht Jesus dann ein drittes Mal über sein bevorstehendes Leiden und Sterben. Vor dem Hintergrund seiner Worte an die Jünger über Verfolgung macht diese Ankündigung nun für die Jünger eventuell etwas mehr Sinn.

  • Bei all dem ist klar, dass Jesus alles im Griff hat. Er weiß nicht nur, was geschehen wird, er geht dem auch gezielt entgegen.
  • Und so dürfen wir ihm voller Zuversicht folgen im festen Vertrauen darauf, dass auf das Leiden die Herrlichkeit in der Gegenwart des Auferstandenen folgt.

10,13-27: „13 Und sie brachten Kinder zu ihm, damit er sie anrühre. Die Jünger aber fuhren sie an. 14 Als es aber Jesus sah, wurde er unwillig und sprach zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes. 15 Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. 16 Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie.
17 Und als er sich auf den Weg machte, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? 18 Aber Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein. 19 Du kennst die Gebote: »Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst niemanden berauben; ehre Vater und Mutter.« 20 Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. 21 Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach! 22 Er aber wurde unmutig über das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter. 23 Und Jesus sah um sich und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen! 24 Die Jünger aber entsetzten sich über seine Worte. Aber Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie schwer ist’s, ins Reich Gottes zu kommen! 25 Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme. 26 Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann dann selig werden? 27 Jesus aber sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist’s unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.

Die beiden Abschnitte 10,13-16 und 10,17-27 hängen viel enger miteinander zusammen, als man das auf den ersten Blick erkennen mag. Denn in beiden abschnitten geht es darum, wie Menschen in das Reich Gottes kommen. Woran der reiche Jüngling scheitert, das gelingt den Kindern.

Die Kinder, die zu Jesus gebracht werden, sind offensichtlich noch recht kleine Kinder. Allerdings wird das gleiche griechische Wort auch für das12-jährige Mädchen verwandt, die Jesus am Ende von Kap. 5 von den Toten auferweckt hatte. Die kleinen Kinder werden wohl zu Jesus gebracht und kommen dann selbst zu ihm. Die Jünger sehen das als Störung an. Immerhin soll Jesus doch auch mal eine Pause gegönnt werden. Das ist sicher gut gemeint. Außerdem hatten Kinder damals keinen hohen Stellenwert und wurden von daher noch viel eher abgewiesen.

Doch Jesus sieht hier eine Möglichkeit anhand der Kinder, eine wichtige Lektion zu lehren. Wichtig ist dabei, dass wir das Wort „wie“ nicht übersehen, wenn Jesus mit Blick auf die Kinder, die zu ihm kommen sagt: „Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ Er sagt also nicht, dass Kinder das Reich Gottes empfangen, einfach weil sie Kinder sind. Es geht ihm vielmehr darum, dass das unbekümmerte Kommen der Kinder, die nicht danach fragen, was sie tun müssen etc, ein Vorbild dafür ist, WIE wir zu Jesus kommen müssen, um in das Reich Gottes kommen zu können.

Die wirkliche Bedeutung diese Aussage wird dann durch den nachfolgenden Bericht erst so richtig deutlich. Da kommt ein vielversprechender Mann, der es zu viel gebracht hat zu Jesus. Er glaubt schon viel (z.B., dass es ewiges Leben gibt, dass wir das nicht einfach so haben und, dass Jesus uns den weg dahin weisen kann) und er erweist Jesus die Ehre, indem er vor ihm auf die Knie geht.

Doch dann kommt die falsche Frage: „Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe?“ Jesus greift zuerst die Anrede auf, um dem Jüngling eine wichtige Lehre zu vermitteln: „Niemand ist gut als Gott allein.“ Deswegen kann kein Mensch genug tun, um von sich aus das ewige Leben zu bekommen. Natürlich ist die Anrede „Guter …“ an Jesus gerichtet zutreffend. Er ist tatsächlich gut, weil ER Gott ist. Und damit ist er mehr als einfach nur ein guter Lehrer (Meister). Dann geht Jesus darauf ein, was der Jüngling tun müsse, um das ewige Leben dadurch zu bekommen. Er müsste alle Gebote halten (also vollkommen gut sein, was ja im Widerspruch zu dem steht, was Jesus eben gesagt – „niemand ist gut“). Der Jüngling meint es sicher sehr ernst und ist sehr bemüht, aber er überschätzt sich, wenn er behauptet, dass er das von klein auf getan habe.

Jesus geht da gar nicht weiter drauf ein, sondern zeigt ihm durch eine zweite Herausforderung, dass er eben nicht die Gebote hält. Denn der Aufruf: „Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach!“ stellt den Mann ja vor die Herausforderung zu zeigen, dass er wirklich keine anderen Götter hat. Und sofort erweist sich sein Reichtum als Götze: „Er aber wurde unmutig über das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter.

Anfänglich könnte man noch denken, dass das Problem nur der Reichtum ist und es Arme leichter haben, in das Reich Gottes zu kommen (in das wir hinein gerettet werden müssen und in dem wir dann das ewige Leben führen – diese Formulierungen werden in dem Dialog austauschbar verwandt). Doch tatsächlich ist es wohl eher so, dass die Menschen damals meinten, dass es am ehesten die Reichen schaffen würden, da ihr Reichtum eine Gunst Gottes war.  Das lässt sich durch die Frage der Jünger erahnen, die fragen: „26 Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann dann selig werden?

Jesus macht dann ganz deutlich, dass es grundsätzlich allen Menschen unmöglich ist, etwas zu tun, um das Reich Gottes so zu bekommen: „27 Jesus aber sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist’s unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.

Und das ist die gute Nachricht. Was uns unmöglich ist, kann Gott tun. Ja tatsächlich würde Gottes durch Jesus Christus tun, der allein vollkommen gut war und der tatsächlich alles aufgab, um Gott dem Vater treu zu sein. So würde Jesus stellvertretend für Sünder sterben und damit zeigen, dass er allein von sich aus ewiges leben hat. Und er gibt es dann jedem, der sich ihm einfach im Glauben zuwendet und einfach zu ihm kommt …. So wie die Kinder!

  • Ich wünsche uns, dass wir das jeden Tag neu ergreifen und uns ganz auf Jesus und sein Werk für uns verlassen!

10,1-12: „​1 Und er machte sich auf und kam von dort in das Gebiet von Judäa und jenseits des Jordans. Und abermals lief das Volk in Scharen bei ihm zusammen, und wie es seine Gewohnheit war, lehrte er sie abermals. 2 Und Pharisäer traten zu ihm und fragten ihn, ob ein Mann sich scheiden dürfe von seiner Frau; und sie versuchten ihn damit. 3 Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten? 4 Sie sprachen: Mose hat zugelassen, einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden. 5 Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Herzens Härte willen hat er euch dieses Gebot geschrieben; 6 aber von Beginn der Schöpfung an hat Gott sie geschaffen als Mann und Frau. 7 Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird an seiner Frau hängen, 8 und die zwei werden ein Fleisch sein. So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. 9 Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. 10 Und daheim fragten ihn abermals seine Jünger danach. 11 Und er sprach zu ihnen: Wer sich scheidet von seiner Frau und heiratet eine andere, der bricht ihr gegenüber die Ehe; 12 und wenn sich eine Frau scheidet von ihrem Mann und heiratet einen andern, bricht sie ihre Ehe.“

Jetzt geht Jesus nach Judäa. Das ist seine letzte Reise nach Judäa. Dort wird er schon bald gekreuzigt werden. Doch noch ist Zeit, die Maßen, die zu ihm kommen, nach seiner Gewohnheit zu lehren. Darum geht es Jesus immer mehr als ums Heilen. Er heilt aus Barmherzigkeit, aber er lehrt, weil er dazu gekommen ist (Mk 1,38), bevor er dann sein Leben am Kreuz als Lösegeld für Viele geben würde (Mk. 10,45).

Hier wird nun nichts darüber berichtet, was Jesus den Menschenmassen lehrte. Stattdessen lesen wir von einer Frage der Pharisäer, mit der Jesus dann konfrontiert wurde. Dabei heißt es, dass sie ihn damit „versuchten“, das heißt, dass sie es offensichtlich nicht gut mit ihm meinten und nicht einfach aus Interesse fragten, damit sie mehr so leben können, wie es Gott gefällt.

Die Frage ist simpel: „ob ein Mann sich scheiden dürfe von seiner Frau.“ Jesus fordert die Frager heraus, selbst zu überlegen, was die Schrift (bzw Mose) lehrt. Das ist ein sehr gutes und vorbildliches Prinzip. Wenn wir wissen wollen, was erlaubt und was verboten ist, aber auch, was weise und was unweise ist, dann sollten wir immer zuerst die Bibel fragen. Menschen können uns manchmal eine Hilfe sein, indem sie uns erklären, was die Bibel zu einer konkreten Frage lehrt. Aber letztendlich ist die Meinung von Menschen nicht so wichtig, sondern eben vor allem das, was Gott durch Sein Wort sagt.

Die Pharisäer offenbaren auf Jesu Aufforderung sofort, dass sie eine eigene Position haben: „Mose hat zugelassen, einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden.“ Das ist genau die Haltung, die wir bei Menschen immer wieder finden, wenn sie nicht nach Gottes Wort leben wollen. Sie reißen eine Bibelaussage aus ihrem Kontext und rechtfertigen damit das, was sie tun wollen.

Jesus lässt das nicht einfach so stehen, sondern weist die Pharisäer zurecht: „Um eures Herzens Härte willen hat er euch dieses Gebot geschrieben; 6 aber von Beginn der Schöpfung an hat Gott sie geschaffen als Mann und Frau. 7 Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und wird an seiner Frau hängen, 8 und die zwei werden ein Fleisch sein. So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. 9 Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.

Das biblische Grundverständnis der Ehe ist genau das. Die Ehe ist eine unauflösbare Vereinigung von einem Mann & einer Frau, so wie es in 1. Mose 2 beschrieben ist. Die Scheidung ist also nicht Gottes Wille, sondern eine Notordnung, die nur deshalb nötig ist, weil wir Sünder mit harten Herzen sind. Wer aber sofort nach der Notordnung ruft, will die Ordnung nicht hören.

Seinen Jüngern lehrt Jesus dann nochmal die gute Ordnung Gottes: „Wer sich scheidet von seiner Frau und heiratet eine andere, der bricht ihr gegenüber die Ehe; 12 und wenn sich eine Frau scheidet von ihrem Mann und heiratet einen andern, bricht sie ihre Ehe.“ Es gibt also keine Scheidung und Wiederheirat ohne Ehebruch. In Matthäus 19 lesen wir dazu noch weitere Erklärungen. Da wird deutlich, dass der Ehebruch auch darin liegen kann, dass ein Ehepartner innerhalb der Ehe mit einer anderen Person schläft. Auch das ist Ehebruch. In einem solchen Fall ist dann wohl die Scheidung möglich und eben kein Ehebruch, weil dieser bereits stattgefunden hat.

  • Als Christen sollten wir aber niemals schnell nach Ausnahmen und Notordnungen fragen, sondern immer danach streben, Gottes Willen zu erkennen und zu tun.
  • Genau dabei will Jesus seinen Jüngern hier helfen, während die Pharisäer daran nicht wirklich interessiert sind.