Die Königsherrschaft von Abija und Asa, die im 1. Könige 15,1-24 kurz zusammengefasst werden, werden im 2. Chronik-Buch deutlich ausführlicher behandelt.

König Abija. wird uns als ein gottesfürchtiger Mann beschrieben, der sich samt seiner Männer auch in schwieriger Lage auf Gott verlässt (13,18) und so siegreich über das Nordreich bleibt. Nicht ganz untypisch für die Chronik-Bücher, wird hier manches, was in den Büchern 1. und 2.  Könige an negativen Dingen beschrieben wird, verschwiegen (siehe hier 1. Kö 15,3). Das ist aber keine Geschichtsfälschung. Der Fokus liegt hier einfach woanders … wir sehen hier Gottes Treue zu seinem Volk, die sich dann eben auch in deren Vertrauen auf Gott zeigt.

Ab Kapitel 14 lesen wir von König Asa. In Vers 2 lesen wir davon, dass er Stätten des Götzendienstes entfernte … das lässt ahnen, dass unter seinen beiden Vorgängern eben doch einiges schiefgelaufen war.

In Kapitel 15 lesen wir dann von der Reform Judas unter Asa basierend auf dem Prophetenwort von Asarja. Die Bedeutung von Buße wird hier sehr zentral gelehrt. Der Mensch ist vor Gott verantwortlich und Gott will, dass wir uns ihm immer wieder zuwenden. Gerade die unter uns, die gleichzeitig von der reformatorischen Theologie der absoluten Souveränität eines erwählenden Gottes überzeugt sind (so wie ich), sollten sich auch immer wieder auf solche Aussagen besinnen. Gott ist eben auch ein Gott, der uns zu echten Entscheidungen aufruft und uns für unser Verhalten zur Rechenschaft zieht und sich an echter Busse erfreut!

Asa ist in seinem Eifer für Gott sogar bereit, gegen seine eigene Mutter vorzugehen, die Gott untreu war. Seine erste und oberste Loyalität gilt Gott. Da macht er keine faulen Kompromisse!

  • Wir tun gut daran, das zu bedenken und uns zum Vorbild zu nehmen. Die Versuchung, Menschen zuliebe mal ein Auge zuzudrücken, ist groß. Und doch ist das falsch, wenn es um Gehorsam gegenüber Gott geht.
  • Natürlich wollen wir mit viel Liebe und Gnade handeln, aber eben niemals Dinge stillschweigend tolerieren, die Gottes Willen eindeutig entgegenstehen.

Ein negativer Beigeschmack zur ansonsten guten Herrschaft Asas bleibt dann aber doch – die abschließende Bemerkung in Vers 15,17 deutet an, dass es immer noch Orte für Götzendienst gab.

In Kapitel 16 sehen wir dann, dass Asa nicht ewiglich gut war. Auch er braucht einen Retter, denn auch er sündigt. Er gibt etwas vom Tempel an den König von Syrien (bzw Aram), um so seine Hilfe zu sichern. Dabei hätte er sich auf Gott verlassen sollen.

  • Aber auch das kennen wir sicher alle. Viel zu oft ist unser Gottvertrauen schwach und wir schmieden stattdessen unsere eigenen Pläne.
  • Oh Herr, vergib mir und stärke mein Vertrauen auf Dich, Du mein Helfer und Herr!

Asa kehrt nicht um. Der Prophet, der ihn zur Umkehr aufruft wird eingesperrt und selbst in seiner Krankheit sucht er nicht Gottes Hilfe, sondern Hilfe allein bei den Ärzten. Diese Aussage sollte uns nicht dazu verleiten, Ärzte zu meiden … aber wir sollten erkennen, wer letztendlich der Herr über Gesundheit und Krankheit und Leben und Tod ist. Der Herr kann dabei natürlich gute Ärzte gebrauchen, um uns zu heilen. Diese Gnade dürfen wir in Anspruch nehmen … aber eben nicht unabhängig von Gott, sondern in Anerkennung dessen, der uns letztendlich eben auch durch Ärzte heilen kann.

  • Tragisch ist hier vor allem, dass Asa die unbequeme Wahrheit nicht hören will.
  • Ich bete für uns alle, dass wir korrigier- und belehrbar sein mögen und uns lieber demütigen, als blind ins Verderben zu rennen!

Judas nächster König, Abija folgt seinem Vater Rehabeam als „schlechter“ König nach, doch dann kommt Asa an die Macht und mit ihm einer der wenigen (relativ) guten König Judas. Interessant ist, wie – je nach grundsätzlicher Bewertung (Gott wohlgefällig oder missfallend) – die Vorfahren benannt werden. Vater und Mutter bezeichnet dabei nicht zwingend die Eltern, sondern einfach Vorfahren.

Aber selbst der gute König (Asa) beendet nicht die falsche Anbetung auf den Höhen (eine Tradition der Heiden).

  • Letztendlich gibt es eben doch nur einen vollkommen guten König … und der sollte erst viele hundert Jahre später geboten werden …

In Kapitel 11 lesen wir, dass Rehabeam bereit ist, auf das Wort des Herrn durch den Propheten zu hören und wir sehen, dass das Südreich Juda (im Gegensatz zum Nordreich Israel) weiter den Tempeldienst pflegt. Die Leviten kommen somit alle in den Sünden, genauso wie alle, die wahrhaft zu Gott gehören. Von daher dürfen wir auch wissen, dass wenngleich die 10 Stämme im Norden letztendlich ausgetilgt werden, auch aus ihnen ein Überrest gerettet wird, denn diese fliehen zu Gottes Volk in Juda (11,16).

Die Wankelmütigkeit des menschlichen Herzens sehen wir auch an Rehabeam. Nach einer guten Phase, lesen wir dann in Kapitel 12 davon, dass er Gott untreu wird und in Folge dessen von Gott gedemütigt wird. Immerhin kehrt Rehabeam dann auch wieder um.

  • Möge der Herr uns auch immer wieder dazu bereit machen!

In diesem Kapitel wird berichtet, dass ein Prophet Gottes Wort verkündet. Doch Keiner nimmt ihn ernst. Erst will Jerobeam ihn mundtot machen und ihn dann wohl manipulieren.  Dann testet ein anderer Prophet die Berufung Gottes, indem er den Propheten von dem von Gott vorgegebene Weg abbringt.

Beide, Jerobeam und der zweite Prophet, erfahren, dass der erste Prophet Gottes Wort verkündet hat. Nur der erste Prophet selbst, ist sich da scheinbar nicht mehr sicher. Warum sonst hätte er der Lüge des zweiten Propheten geglaubt. Gott widerspricht sich nicht selbst.

  • Uns sollte das eine Warnung sein. Wenn wir uns von Lügen verführen lassen, kann das durchaus dazu führen, dass Gott uns dafür zur Rechenschaft ziehen wird. Wir sind dazu aufgefordert, auf Gottes Wort zu hören, ihm zu glauben und uns eben nicht verführen zu lassen. Das bezieht sich sicher nicht auf komplexe Sachverhalte, die wir noch nicht richtig verstehen – aber bestimmt auf die Dinge, die wir leicht verstehen und glauben könnten.

Zu Beginn von Kapitel 14 sehen wir, dass Abijas Krankheit dazu führt, dass Jerobeam die Prophetie über sein eigenes Ende als Strafe für sein Fehlverhalten hört. Interessant ist hier, dass nachdem vorher noch die Vorherbestimmung der Dinge der Zukunft durch Gott betont wurde, hier nun die menschliche Verantwortung betont wird. Diese beiden Lehren klingen zwar konträr, sind aber eben beide biblisch und wir sollten nie eine der anderen „opfern“.

Hier wird auch schon angekündigt, dass die 10 Nordstämme „Israel“ besiegt und vernichtet werden sollten.

Der kurze abschließende Bericht über die Regierungszeit von Rehabeam klingt fast wie die Berichte über Israel im Buch Richter. Die Lösung für das Problem der Gottlosigkeit und Untreue war also nicht einfach, dass Israel (bzw Juda) nun einen König hatte. Wichtig ist, wer dieser König ist. Preis den Herrn, dass wir Jesus als Richter und König haben!

  • Wir sollten uns da herausfordern lassen, ob wir treu tun, was dem HERRN gefällt. Natürlich dürfen wir auf seine Gnade vertrauen, aber eben nicht, wenn wir ihn nicht grundsätzlich als HERRN anerkennen.

Mit Kapitel 10 beginnt ein neuer Abschnitt im 2. Buch Chronik. Jetzt wird in schneller Folge ein König von Juda nach dem nächsten beschrieben. Und auch wenn wir hier viel Positives lesen, so geht es doch insgesamt steil bergab.

Die Hauptlehren würde ich so zusammenfassen:

  • Der Glaube und das daraus folgende Leben der Könige hat Bedeutung für das ganze Volk.
  • Gott segnet Glauben & Gehorsam und straft den Unglauben und den daraus folgenden Ungehorsam. Das geschieht nicht immer unmittelbar und doch sehen wir oftmals, recht direkte Zusammenhänge von dem, was die Könige tun und Gottes Segen und Strafe.
  • Selbst die besten Könige bringen dem Volk nur kurzfristig Segen, denn sie sind sterblich und auf sie folgt dann fast immer ein nicht so guter König.

Was wir hier also vor allem lernen sollten ist, dass wir einen ewigen und vollkommen guten König brauchen. Und wir erkennen, dass Gott Glauben und daraus folgenden Gehorsam sieht und segnet.

  • Wir sollten also voll Dankbarkeit auf Jesus sehen und zum anderen dürfen wir wissen, dass Gott unseren Glauben und unsere Werke sieht und segnet.

Das Problem beginnt schon damit, dass Rehabeam nicht auf die weisen Ältesten seines Vaters hört, sondern auf ein paar junge Männer. Ihr Rat ist dumm und führt letztendlich zur Reichsteilung.

Zu Beginn von Kapitel 12 sehen wir, dass Rehabeam nicht auf den Rat der Ältesten (oder der Alten) hört. Seine jungen Ratgeber sagen ihm dann, was er wohl hören wollte. Die Konsequenzen sind der Abfall der 10 Nordstämme. Interessant ist, dass die Dummheit Rehabeams als hier von Gott so bestimmt beschrieben wird (V.15). Das AT kennt also immer wieder sehr eindeutig die göttliche Prädestination!

Ab Vers 20 kommt dann der große Gegenspieler in den Fokus. Jerobeam hat Angst, dass die Israeliten bei den Festen in Jerusalem wieder zu Juda und Rehabeam überlaufen und „erfindet“ so seine eigene Religion.

  • Ähnliches erleben wir heute noch. Schlechte religiöse Führer sind mehr darum bemüht, die Anhänger an sich, als an Gott zu binden. So entstehen Sekten und so sind schon falsche Religionen entstanden. Ein guter religiöser Führer bringt Menschen Gott näher und hält sie zum Gehorsam zu Gott an. Möge der Herr uns solche Leiter schenken!

Zu Beginn von Kapitel 30 kommen nun Sprüche, die wohl nicht von Salomo kommen. So heißt es zu Beginn:

Dies sind die Worte Agurs, des Sohnes des Jake, aus Massa. Es spricht der Mann: Ich habe mich gemüht, o Gott, ich habe mich gemüht, o Gott, und muß davon lassen. 2 Denn ich bin der Allertörichtste, und Menschenverstand habe ich nicht.  3 Weisheit hab ich nicht gelernt, und Erkenntnis des Heiligen habe ich nicht.  4 Wer ist hinaufgefahren zum Himmel und wieder herab? Wer hat den Wind in seine Hände gefaßt? Wer hat die Wasser in ein Kleid gebunden? Wer hat alle Enden der Welt bestimmt? Wie heißt er? Und wie heißt sein Sohn? Weißt du das?

Dieser mangelnden Weisheit des Agurs wird dann die Weisheit aus Gottes Wort gegenüber gestellt:

5 Alle Worte Gottes sind durchläutert; er ist ein Schild denen, die auf ihn trauen.  6 Tu nichts zu seinen Worten hinzu, daß er dich nicht zur Rechenschaft ziehe und du als Lügner dastehst.“

Und dann kommt eine wichtige Ermahnung, vor allem für alle, die Gottes Wort weitergeben bzw lehren:

6 Tu nichts zu seinen Worten hinzu, daß er dich nicht zur Rechenschaft ziehe und du als Lügner dastehst.“

Dann folgen verschiedene Weisheiten, die teilweise etwas witzig klingen:

33 Denn wenn man Milch stößt, so wird Butter daraus, und wer die Nase hart schneuzt, zwingt Blut heraus, und wer den Zorn reizt, ruft Streit hervor.“

Auch solche Weisheiten hat das Buch der Sprüche parat 😊.

Aber wer dieses Kapitel liest, wird hier auch wichtige Lehren finden.

In den ersten 9 Versen von Sprüche 31 lesen wir einige Weisheiten, die König Lemuel von seiner Mutter mit auf den Weg bekommen hat.

Konkret wird Lemuel hier vor zwei Versuchungen gewarnt, vor denen im Buch der Sprüche schon mehrfach gewarnt wurde: Frauen und Alkohol. Beides kann den Kopf verdrehen und dafür sorgen, dass man nicht mehr weise und gerecht handelt.

Ab Vers 10 folgt dann das berühmte „Lob auf die tüchtige Hausfrau“.

Der Kontrast zu einer Frau, die Männer durch ihr Äußeres versucht, ist die tüchtige Ehefrau. Somit lenkt das Buch der Sprüche den Blick der Männer auf die inneren Werte der Frau. Diese zu erkennen bedarf eines wachen Verstands. Hier wird dann nicht treib-gesteuert gehandelt, sondern weise. So überraschend diese Passage nach all den kurzen Sprüchen auch sein mag, sie bildet doch das passende Ende des Buchs, an dessen Anfang ja ausführlich Warnungen vor den Verführungen durch Frauen standen. Hier bekommen die Männer nun gesagt, was eine gute Frau ausmacht … und sicher sind das auch hilfreiche Worte für Frauen.

  • Ich wünsche den Single-Männern, dass sie verstärkt auf diese Dinge bedacht sind.
  • Und den Frauen wünsche ich, dass sie sich daran orientieren und nicht an den oftmals recht unrealistischen Schönheitsidealen dieser Welt.

Bedenkenswert ist auch, dass hier eben nicht eine Hausfrau beschrieben wird … so wie es ja in manchen konservativ-christlichen Kreisen oftmals gefordert wird – sondern eben eine Frau, die ihre Rolle als Frau durchaus auch einer Arbeit nachgeht … und dabei immer das Beste der Familie im Blick hat!

  • Weisheit ist eben auch, sich nicht an bestimmten Zeitströmungen zu orientieren (einem Frauenbild der Frau am Herd … oder der komplett emanzipierten Frau), sondern an dem, was Gott selbst gut und lobenswert nennt!

Kapitel 9 bildet den Abschluss des Berichts über Salomo. Hier wird deutlich, dass der HERR Salomo neben der erbetenen Weisheit und Erkenntnis tatsächlich Reichtum, Macht und Ehre gegeben hat.

Das findet im Fazit in 9,22ff seinen deutlichsten Ausdruck. Das ist der Höhepunkt des AT. Salomo ist hier Herr der Herrn und König der König … ein echter Schatten des Herrn Jesus Christus. Aber seine Herrschaft ist eben nicht vollkommen und schon gar nicht ewige … und so folgt in Vers 31 der Verwies aus seinen Tod.

Kapitel 10 beschreibt die große Weisheit und den unvergleichlichen Reichtum Salomos. In gewisser Weise ist das nun der Höhepunkt des Alten Testaments.

  • Gott hat sich ein Volk erwählt, es groß und mächtig werden lassen, Er hat es in das gelobte Land gebracht, es hat einen König voller Weisheit und das Gesetz. Der König bringt die vorgeschriebenen Opfer und er und das ganze Volk liebt in Frieden und großer Fülle und Gott wohnt mitten unter dem Volk in einem herrlichen Tempel.

Das klingt fast nach dem Paradies und danach, dass Gottes Zusagen hier ihre Erfüllung finden. Doch schnell wird deutlich, dass dem nicht so ist. Dies ist nur ein Schatten der zukünftigen Herrlichkeit und nur von kurzer Dauer. Und doch ist es etwas, auf das Israel zurücksehen wird – verbunden mit der Hoffnung, dass es so mal wieder werden möge. Und das wird auch geschehen. Es wird sogar noch viel besser werden!

  • Jesus Christus ist die Weisheit (1 Korinther 1,30). Er ist der Erbe aller Dinge. Von daher übersteigen seine Weisheit und sein Reichtum bei weitem dem, was Salomo hatte. Seine Weisheit ist vollkommen und sein Reichtum bleibt ewige bestehen.

Zu Beginn von Kapitel 11 wird deutlich, dass nicht alles so gut war, wie es auf den ersten Blick ausgesehen haben mag. Die Luther 1984 beginnt mit dem nicht gerade verheißungsvollen Wort „Aber“. Das ist in diesem Kontext kein gutes Wort und so nimmt der Bericht eine dramatische Wendung. Die 1.000 Frauen – oder zumindest die Fremden unter ihnen, führen letztendlich dazu, dass sich Salomo von dem einen wahren Gott ab- und den Götzen seiner ausländischen Frauen zuwendet.

  • Viele Männer Gottes haben sich durch illegitime Beziehungen für ihren Dienst disqualifiziert. Und viele weitere Männer & Frauen, sind durch ungläubige Ehepartner von Gott weggekommen.
  • Lasst uns da immer wieder für einander beten, dass Gott uns bewahrt.

Vers 6 klingt stark nach den Worten zu Beginn der meisten Richterberichte. Nur im Falle Salomos dauert es noch eine Weile, bis (auch nur in einem Teil des Landes) die Feinde auftreten. Der Text stellt uns erst zwei äußere Feinde vor und macht dann deutlich, dass der echte Schaden durch einen Feind im Inneren (Jerobeam) kommen wird.

  • Wie schon häufiger zuvor, lässt der Text keinen Zweifel daran, dass Gott sowohl die äußeren, wie auch den inneren Feind selbst benutzt. Gott lässt das Unheil nicht nur zu, Er verursacht es als Strafe. Natürlich dürfen wir daraus nicht schließen, dass alles Unheil Strafe ist. Aber wir dürfen klar erkennen, dass Sünde zu Unheil führt und dass Gott nicht nur segnet, sondern als gerechter Gott eben auch straft.

Am Ende dieses Kapitels ist die zukünftige Teilung des Königreichs ist besiegelt und Salomo stirbt und so beginnt die Abwärtsspirale, die uns bis zum Ende des AT begleiten wird.

  • Interessant ist dabei auch, dass die Verheißung an David nun nicht mehr durch die 12 Stämme Israel weitergeht, sondern nur durch Juda (V.36)

Der Großteil von Kapitel 7 zeigt uns, dass es trotz des über allem stehenden Fazits (alles unter der Sonne ist letztendlich bedeutungslos) hier auf Erden Dinge gibt, die besser sind als andere. Es ist Weisheit, das zu erkennen und entsprechend zu leben.

Die Verse 20-22 haben mich besonders angesprochen, denn sie lehren eine grundlegende biblische Wahrheit und ziehen daraus eine Konsequenz, die sehr hilfreich ist:

„Denn es ist kein Mensch so gerecht auf Erden, dass er nur Gutes tue und nicht sündige. Nimm auch nicht zu Herzen alles, was man sagt, dass du nicht hören musst, wie dein Knecht dir flucht; denn dein Herz weiß, dass du andern auch oftmals geflucht hast.“

Am Ende klingt dann das Grundproblem durch, nämlich die Sündhaftigkeit des Menschen und das trotzdem Gott den Menschen ursprünglich aufrichtig gemacht hat:

„Schau, allein das hab ich gefunden: Gott hat den Menschen aufrichtig gemacht; aber sie suchen viele Künste.“

Auch Kapitel 8 klingt wieder ziemlich deprimierend. Das findet seinen Höhepunkt in der Aussage aus Vers 15: „Darum pries ich die Freude, dass der Mensch nichts Besseres hat unter der Sonne, als zu essen und zu trinken und fröhlich zu sein. Das bleibt ihm bei seinem Mühen sein Leben lang, das Gott ihm gibt unter der Sonne.“

  • Das erinnert an die Aussage aus 1. Kor 15,32: „Wenn die Toten nicht auferstehen, dann »laßt uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot!«“

Doch in diesem Kapitel lesen wir auch von einer Erkenntnis, die über den Horizont des „unter der Sonne“ hinauszugehen scheint. In den Versen 12-13 verkündet der Prediger seine Zuversicht, dass es sich lohnt, Gott zu fürchten:

12 Wenn ein Sünder auch hundertmal Böses tut und lange lebt, so weiß ich doch, daß es wohlgehen wird denen, die Gott fürchten, die sein Angesicht scheuen.  13 Aber dem Gottlosen wird es nicht wohlgehen, und wie ein Schatten werden nicht lange leben, die sich vor Gott nicht fürchten.“

Doch gleich danach scheint dieser kurze Blick über den Horizont auch schon wieder vorbei und wir sind wieder gefangen in der Nichtigkeit des Lebens unter der Sonne bzw in den Grenzen menschlicher Erkenntnis.

  • Mich erinnert das an Gespräche mit Agnostikern, die zwar behaupten es wäre so gut, mehr über Gott zu wissen, aber vollkommen verschlossen sind gegenüber den Dingen, die Gott über sich selbst offenbart hat.
  • Möge der Herr uns da die richtigen Worte schenken und denen, die unter der Nichtigkeit des Lebens unter der Sonne leiden, die Augen für die himmlische Botschaft öffnen.

Ich denke, dass ganz ähnlich wie das Buch Hiob, uns auch dieses Buch bewusst etwas „nerven“ will.

Kapitel 9 beginnt damit, dass der Prediger Gott als den Souverän erkennt … und doch bleibt dann seine Bewertung auf das beschränkt, was unter der Sonne ist. Und da macht halt Vieles wenig Sinn. Die Verse 7-10 klingen dann fast so wie das, was laut 1. Kor 15 die logische Konsequenz wäre, wenn es keine Auferstehung der Toten gäbe. Und so bleiben die Gedanken des Predigers vorerst weiter ziemlich trostlos.

Kapitel 10 würde gut in das Buch der Sprüche passen. Hier wird Weisheit nun doch sehr positiv beschrieben.

  • Selbst unter der Sonne gibt es eben Dinge, die besser sind, als andere.
  • Gleichzeitig muss uns bewusst sein, dass die wahre und vollkommene Weisheit nur in Jesus Christus zu finden ist. Durch ihn ändert sich alles.
  • Möge der HERR uns immer wieder wahre Weisheit schenken und den Blick, über die Grenzen eines Lebens „unter der Sonne“ hinaus.

Kapitel 11 bringt nochmals die menschliche Begrenztheit ins Blickfeld. Wir wissen nicht, was Gott tut … doch das sollte uns nicht passiv werden lassen. Das ist kein guter Weg. Deswegen hören wir hier den Aufruf zum Handeln und den Hinweis darauf, dass Gott uns sieht und richten wird.

  • Diese Worte mögen so manchem eine Hilfe sein, der Entscheidungsfaul ist und lieber nichts tut, als ggf einen Fehler zu machen.
  • Kevin DeYoung hat dazu mal ein sehr gutes Buch geschrieben „Just do something“ – seit kurze gibt es das auch auf Dt „Leg einfach los“ … das kann ich sehr empfehlen.
  • Besonders hilfreich finde ich Prediger 11, Vers 9: „Tu, was dein Herz gelüstet und deinen Augen gefällt; aber wisse, dass dich Gott um das alles vor Gericht ziehen wird.“

Das letzte Kapitel (Kapitel 12) zeigt uns nochmal in aller Krassheit die menschliche Begrenztheit, indem es uns die Leiden des Alters und unsere Sterblichkeit vor Augen führt.

Doch dann kommt ab Vers 9 das Nachwort. Hier löst sich die Spannung, die sich über 11,5 Kapitel aufgebaut hat. Das Buch Prediger gibt uns nicht die Antworten, um den Blick über die Grenze des „unter der Sonne“ hinaus zu schärfen. Und doch gibt es uns Fokus … im Leben hier auf Erden sollten wir Gott nie aus dem Auge verlieren.

  • Wir sollten IHN fürchten und dürfen auf Ihn vertrauen – und so können wir dann getrost durch das Leben gehen:

9 Es bleibt noch übrig zu sagen: Der Prediger war ein Weiser und lehrte auch das Volk gute Lehre, und er erwog und forschte und dichtete viele Sprüche.  10 Er suchte, daß er fände angenehme Worte und schriebe recht die Worte der Wahrheit.  11 Die Worte der Weisen sind wie Stacheln, und wie eingeschlagene Nägel sind die einzelnen Sprüche; sie sind von einem Hirten gegeben.  12 Und über dem allen, mein Sohn, laß dich warnen; denn des vielen Büchermachens ist kein Ende, und viel Studieren macht den Leib müde.  13 Laßt uns die Hauptsumme aller Lehre hören: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn das gilt für alle Menschen.  14 Denn Gott wird alle Werke vor Gericht bringen, alles, was verborgen ist, es sei gut oder böse.

  • Ich wünsche uns allen, dass wir das immer wieder klar im Blick haben und uns nicht gefangen nehmen durch die Dinge dieser Welt, die letztendlich eben doch nur nichtig und ein Haschen nach dem Wind sind!