Ich weiß nicht, wie es Euch beim Lesen dieser ständigen reden und Widerreden geht. Ich denke, dass wenn Sie Euch ermüden, sie bereits etwas von dem in Euch erreicht haben, wozu diese Reden hier stehen. Wir sehen Hiobs Machtlosigkeit inmitten seines Leidens, die vielen Fragen, die er hat, und seine Verzweiflung. Und wir müssen miterleben, wie seine „Freunde“ immer frustrierter versuchen, weil sie zu einfache Antworten haben. Sie wollen Hiob einfach dazu bringen, dass er Busse tut und so bei Gott wieder Annahme findet. Aber das ist eben zu kurz gedacht und wird dem Leidenden nicht gerecht.
- Wir lernen hier für Zeiten langen Leidens.
- Und wir lernen für Zeiten, zu denen wir anderen zur Seite stehen. Jesus Christus lehrt uns, dass wir mit den Weinenden weinen sollen.
Das Buch Hiob gehört zur biblischen Weisheitsliteratur … und wir sehen hier ein Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn es an Weisheit mangelt. Gerade in eigenen Leidensphasen, aber auch in der Begleitung Anderer sollten wir Gott um Weisheit bitten.
Genug der Vorrede. Wir kommen zu den Kapiteln 25-27.
In Kap. 25 lesen wir die kurze letzte Rede des Bildad. Er betont einfach nochmal die Heiligkeit Gottes, der nichts und niemand gewachsen ist. Letztendlich ist diese letzte Rede von einem der drei Freunde die Kurzzusammenfassung aller Reden: Im Verständnis der Freude ist entweder Gott gerecht und Hiob leidet deswegen oder Hiob hat Recht und dann ist Gott ungerecht. In gewisser Weise haben sie mit Option a) ja Recht …. Nur ist Hiobs Leiden eben nicht die Konsequenz seiner Sünden – und genau da liegt das Dilemma. Die Freunde haben einfach eine verkürzte Sicht der Realität und werden so der Situation nie gerecht (mit Ausnahme ihres Schweigens zu Beginn).
Nach einer kurzen Erwiderung auf die Worte seiner Freunde, geht Hiob auf den Charakter Gottes ein. In gewisser Weise bestätigt er das Verständnis seiner Freunde von einem allmächtigen Gott. Aber er geht einen Schritt weiter und betont, dass es viel gibt, was wir über Gott nicht wissen. Das ist die Demut, die er sicher auch in seinem langen Leiden gelernt hat.
In Kapitel 27 macht Hiob dann noch einmal klar, dass er sich unschuldig weiß und drückt nochmals seine Sehnsucht danach aus, dass Gott ihm doch helfen möge. Dabei dreht er den Spieß um und bittet, dass Gott doch deutlich machen möge, dass seine Freunde auf (gedanklich) falschen Wegen sind.
- Ich preise Gott, dass ER der Gott aller Wahrheit ist und eines Tages alle Dinge vor ihm vollkommen offenbar sein werden.
- Das wird uns nicht nur schöne, warme Gefühle geben … und doch ist es gut, dass alle Schuld und alle Missverständnisse ans Licht kommen werden.
In Kapitel 28 kommt Hiob dann auf wahre Weisheit zu sprechen. Das ist in vielerlei Weise das zentrale Kapitel des Buchs und endet mit der Antwort: „Siehe, die Furcht des Herrn, das ist Weisheit, und meiden das Böse, das ist Einsicht.“
Damit antwortet er selbst auf die Frage, die er gestellt hat und die in gewisser Weise das Thema des ganzen Kapitels ist: „28:12 Wo will man aber die Weisheit finden? Und wo ist die Stätte der Einsicht? / 28:20 Woher kommt denn die Weisheit? Und wo ist die Stätte der Einsicht?“
- Die vollkommene Quelle aller Weisheit ist Gott selbst. Wer IHN mehr fürchtet, als alles in dieser Welt … wer mehr auf ihn vertraut, als auf alles Andere … wer IHN immer mehr erkennt, der erlangt Weisheit.
- Das ist die Weisheit, die Salomo von Gott erbeten und erhalten hat. Das ist die Weisheit, um die wir Gott bitten sollen, wenn uns Weisheit mangelt (Jak 1,5) und das ist die perfekte Weisheit, die sich uns in Christus offenbart hat (1. Kor 1,30).
Hiob litt darunter, dass seine Freunde ohne göttliche Weisheit sprachen. Sie hätten Gott fragen sollen und vorsichtiger sein sollen, in der Erkenntnis, dass ihnen Weisheit mangelt, um auf Hiobs Fragen Antworten zu haben.