12,3-8: „3 Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich’s gebührt zu halten, sondern dass er maßvoll von sich halte, ein jeder, wie Gott das Maß des Glaubens ausgeteilt hat. 4 Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, 5 so sind wir viele ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied, 6 und haben verschiedene Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Ist jemand prophetische Rede gegeben, so übe er sie dem Glauben gemäß. 7 Ist jemand ein Amt gegeben, so diene er. Ist jemand Lehre gegeben, so lehre er. 8 Ist jemand Ermahnung gegeben, so ermahne er. Gibt jemand, so gebe er mit lauterem Sinn. Steht jemand der Gemeinde vor, so sei er sorgfältig. Übt jemand Barmherzigkeit, so tue er’s gern.“

In den Versen 3-8 beginnt die Erklärung, wie ein Leben als ein Gott hingegebenes lebendiges Opfer aussehen soll. Dabei geht Paulus hier nun darauf ein, wie Christen, die ihnen von Gott gegebenen Gnadengaben zum Wohl der Gemeinde einsetzen sollen.

Dabei ist grundlegend, dass wir uns nicht mit unseren Gaben brüsten und sie so missbrauchen. Stattdessen sollten wir demütig anerkennen, dass jede Gabe ein Geschenk Gottes ist, das uns zum Wohle Aller gegeben wurde. Gleichzeitig haben wir immer auch Defizite und sind deshalb in der Gemeinde immer in einer gegenseitigen Abhängigkeit. Das ist Gott-gewollt und sollte die Einheit fördern. Paulus warnt davor, diese Abhängigkeit zu missachten und sich selbst zu wichtig zu nehmen. Das bringt fast immer Streit, Probleme und Niedergang mit sich. Deshalb sollten wir die Gaben dazu einsetzen, um die Einheit des einen Leibes Christi – der Gemeinde – zu fördern.

Schließlich erwähnt Paulus einige Gaben. Interessant ist, dass dabei prophetische Rede, ein geistliches Amt, die Gabe des Lehrens, des Ermahnens/Ermutigens, des Gebens (Spenden), die Leitung der Gemeinde und das Ausüben von Barmherzigkeit genannt werden. Das sind ja einerseits sehr unterschiedliche Gaben, andererseits stellt sich bei manchen Gaben die Frage, ob sie sich nicht stark überschneiden. So haben Gemeindevorsteher ja ein Amt inne und das erfordert, dass man zumindest auch eine gewisse Lehrbegabung hat.

Aber hier geht es natürlich nicht darum, bestimmte Ämter hervorzuheben oder eine Wertung abzugeben. Paulus sagt einfach – was auch immer Deine Gaben sind, setze sie zur Erbauung der Gemeinde des Herrn ein.

  • Ich halte diese Lehre für ganz wichtig. Manche Christen meinen gaben zu haben, aber sehen nicht die Verantwortung, damit in der Gemeinde zu dienen.
  • Manche trennen ihren Dienst für Gott vom Dienst in der Gemeinde – obwohl die Bibel diese Trennung nicht kennt.
  • Wieder andere dienen mit ihren Gaben nur sehr minimal … und das ist dann sicher eben nicht das, wozu der Herr uns aufruft.
  • Und wieder andere meinen keine Gaben zu haben … in diesem Fall wäre meine Ermutigung, sich einfach da einzubringen, wo andere einen sehen können und wo Bedarf ist – und den gibt es immer.

Lasst uns so – in Anbetracht der Großen Gnade & Barmherzigkeit Gotts – uns Gott ganz hingeben!

12,1-2: „​1 Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. 2 Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.

Mit Kapitel 12 beginnt der 2. Hauptteil des Briefs. Nachdem das Evangelium von der Gnade und Barmherzigkeit Gottes klar erklärt wurde, geht es nun darum, den Gläubigen zu erklären, was die Konsequenz des Glaubens ist. Damit kommt Paulus auf den zweiten Aspekt des „Glaubens-Gehorsams“ zusprechen, den er mittels dieses Briefs aufrichten möchte (1,5 & 16,26).

Gleich in den ersten zwei Versen wird dabei ganz deutlich, dass Paulus nun den Fokus von den Dingen, die es zu Glauben gilt, hin zu den Dingen, die wir tun sollten, ändert. Nach Doktrin kommt jetzt Ethik. Nach dem, „was Gott getan hat“, kommt nun das „wie wir deshalb leben sollten“.

Und weil Gott in Jesus Christus Alles getan hat, was das Gesetz forderte und uns damit freigesetzt hat von einem aussichtslosen Streben nach Werkegerechtigkeit, sollten wir nun als diejenigen, die Gottes Barmherzigkeit erlebt haben, unsere Leben als „lebendige Opfer“ bzw in Sinne eines dauerhaften Gottesdienstes für Gott leben.

  • Wir sind nun frei davon, ständig Opfer für unsere Sünden bringen zu müssen. Gerade das sollte uns nun dankbar und bereit dazu machen, uns Gott ganz hinzugeben und für IHN und zu Seiner Ehre zu leben.

Das werden wir aber nun dann tun, wenn wir uns immer wieder neu und immer mehr durch Gottes Geist verändern lassen. Stillstand ist dabei keine Option. Etwas wird uns prägen und verändern. Wenn wir nicht Acht geben, wird uns unsere Umwelt prägen, so dass wir uns ihr anpassen. Das ist in dieser Welt fast immer gefährlich. Natürlich kann es Umgebungen und Menschen geben, die uns positiv prägen, aber das ist eher selten der Fall, wenn wir uns nicht bewusst darum bemühen. Was uns aber letztendlich prägen sollte, sind nicht Menschen, sondern Gott selbst. Er tut das, in dem wir seinem Wort Raum geben und dieses durch seinen Geist verstehen und dann auch immer mehr im Leben umsetzen!

Nach dieser allgemeinen, aber sehr wichtigen Aussage, wird Paulus im Folgenden konkreter. Im Prinzip ist der Rest des Römerbriefs dann eine Konkretisierung der ersten beiden Verse aus Kap 12.

Ich werde ab morgen eine Woche offline sein. Mit Römer 12 geht es – so Gott will – danach weiter.

11:33-36: „O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!  34 Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen?«  35 Oder »wer hat ihm etwas zuvor gegeben, daß Gott es ihm vergelten müßte?«  36 Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Der wunderbare Lobpreis am Ende des 11. Kapitels bildet einen sehr passenden Abschluss zur Diskussion über Gottes Plan in der Erwählung und Rettung von Juden und Heiden und auch für den ganzen ersten Teil des Römerbriefs, indem es ja vor allem um Gottes gnädiges Rettungshandeln geht.

Wenn wir anfangen etwas zu verstehen davon, was Gott für uns Christen getan hat, obwohl wir – wie überhaupt alle Menschen – nur sein Gericht verdient hätten, dann sollte unsere Reaktion Lobpreis sein.

Deswegen finde ich es sehr bedauerlich, wenn Christen sich gerade über die Themen freie Gnadenwahl Gottes / Erwählung und den Ruf zum Glauben bitter bekämpfen. Da wo unsere Erkenntnis herausgefordert ist, sollten wir vor allem Gott loben und preisen. Natürlich darf man und sollte man auch über theologische Fragen nachdenken und man kann das auch mal engagiert diskutieren, so dass man miteinander in der Erkenntnis der göttlichen Wahrheit wächst, aber das sollte immer zu Lobpreis führen und nicht zu Streit und Ärger.

Das umso mehr, je mehr wir erkennen, was Paulus am Ende von Kapitel 11 schreibt. Die Weisheit Gottes übersteigt unsere Weisheit und Erkenntnis um ein Vielfaches, Gottes Wege sind GUT und WUNDERBAR und zugleich für uns auf dieser Seite der Herrlichkeit in letzter Instanz doch nur bruchstückhaft zu erkennen.

Von daher möchte ich enden einfach damit, dass wir den Lobpreis nochmals für sich sprechen lassen: „O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!  34 Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen?«  35 Oder »wer hat ihm etwas zuvor gegeben, daß Gott es ihm vergelten müßte?«  36 Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

11,25-32: „25 Ich will euch, liebe Brüder, dieses Geheimnis nicht verhehlen, damit ihr euch nicht selbst für klug haltet: Verstockung ist einem Teil Israels widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden zum Heil gelangt ist; 26 und so wird ganz Israel gerettet werden, wie geschrieben steht (Jesaja 59,20; Jeremia 31,33): »Es wird kommen aus Zion der Erlöser, der abwenden wird alle Gottlosigkeit von Jakob. 27 Und dies ist mein Bund mit ihnen, wenn ich ihre Sünden wegnehmen werde.« 28 Im Blick auf das Evangelium sind sie zwar Feinde um euretwillen; aber im Blick auf die Erwählung sind sie Geliebte um der Väter willen. 29 Denn Gottes Gaben und Berufung können ihn nicht gereuen. 30 Denn wie ihr zuvor Gott ungehorsam gewesen seid, nun aber Barmherzigkeit erlangt habt wegen ihres Ungehorsams, 31 so sind auch jene jetzt ungehorsam geworden wegen der Barmherzigkeit, die euch widerfahren ist, damit auch sie jetzt Barmherzigkeit erlangen. 32 Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme.

Die Grundfrage vom Beginn des 9. Kapitels nach der Treue Gottes im Hinblick auf sein erwähltes Volk findet hier seine Antwort. Die Kernaussage ist klar – Gott wirkt in allem, um seine Erwählten zu retten. Dabei hat die Ablehnung des Evangeliums dazu gedient, dass das Evangelium zu den Heiden kam und die Bekehrung vieler Heiden wird wiederum dazu führen, dass Juden „eifersüchtig“ werden und dann ebenfalls gerettet werden.

Gott rettet dabei alle, die er dazu auserwählt hat. Das klingt sowohl in Vers 25 (die Fülle der Heiden), wie auch in Vers 28 klar durch. Sehr umstritten ist, wie die Aussagen „so wird ganz Israel gerettet werden“ und „Denn Gott hat alle eingeschlossen in den Ungehorsam, damit er sich aller erbarme“ zu verstehen ist.

Manche Ausleger weisen darauf hin, dass im AT häufiger die Formulierung „ganz Israel“ gebraucht wird und dabei sehr eindeutig nicht jeder Einzelne gemeint ist. Aber es wäre halt komisch, wenn Paulus hier eine völlig unspezifische Aussage macht.

Passender erscheinen mir zwei andere Optionen: Es werden alle dazu erwählten Juden (und in Vers 28 Juden und Heiden) gerettet … oder Israel wird als die Gemeinschaft der Kinder der Verheißung verstanden (siehe Röm 9,6ff & Gal 6,16).

  • Das Ganze ist kompliziert und Gottes Wille im Hinblick auf Erwählung und Rettung ist für uns nicht immer komplett nachvollziehbar … und das ist auch okay.
  • Gott ist Gott und wir sind es nicht und deshalb sollten wir in aller Demut und Dankbarkeit einfach Gott loben und darauf vertrauen, dass ER alles gut und richtig macht.

11,17-24: „17 Wenn aber nun einige von den Zweigen ausgebrochen wurden und du, der du ein wilder Ölzweig warst, in den Ölbaum eingepfropft worden bist und teilbekommen hast an der Wurzel und dem Saft des Ölbaums, 18 so rühme dich nicht gegenüber den Zweigen. Rühmst du dich aber, so sollst du wissen, dass nicht du die Wurzel trägst, sondern die Wurzel trägt dich. 19 Nun sprichst du: Die Zweige sind ausgebrochen worden, damit ich eingepfropft würde. 20 Ganz recht! Sie wurden ausgebrochen um ihres Unglaubens willen; du aber stehst fest durch den Glauben. Sei nicht stolz, sondern fürchte dich! 21 Hat Gott die natürlichen Zweige nicht verschont, wird er dich doch wohl auch nicht verschonen. 22 Darum sieh die Güte und den Ernst Gottes: den Ernst gegenüber denen, die gefallen sind, die Güte Gottes aber dir gegenüber, sofern du bei seiner Güte bleibst; sonst wirst du auch abgehauen werden. 23 Jene aber, sofern sie nicht im Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden; denn Gott kann sie wieder einpfropfen. 24 Denn wenn du aus dem Ölbaum, der von Natur wild war, abgehauen und wider die Natur in den edlen Ölbaum eingepfropft worden bist, wie viel mehr werden die natürlichen Zweige wieder eingepfropft werden in ihren eigenen Ölbaum.

Ab Vers 17 greift Paulus das Bild der Zweige und der Wurzel aus Vers 16 weiter auf und spricht hier nun von Gottes Volk als Ölbaum. Dabei wird deutlich, dass Gottes Volk aus Menschen aus vielen Völkern besteht, wenngleich es mit Israel seinen Anfang nimmt und auch als internationales Volk noch Israel genannt werden kann.

Was Menschen zu wahren Juden macht ist eben nicht die ethnische Abstammung (Röm 2,28f: „Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, auch ist nicht das die Beschneidung, die äußerlich am Fleisch geschieht; 29 sondern der ist ein Jude, der es inwendig verborgen ist, und das ist die Beschneidung des Herzens, die im Geist und nicht im Buchstaben geschieht“ … siehe auch Römer 9,6: „Denn nicht alle sind Israeliten, die von Israel stammen

Paulus führt hier nun aus, wie in den einen Ölbaum Zweige eingepfropft werden und andere ausgebrochen werden. In diesem Sprachbild ist der Baum Gottes Volk und die Zweige sind Menschen. Die einen werden wegen ihres Unglaubens ausgebrochen und verworfen. Andere werden wegen ihres Glaubens eingepfropft. Aber jeder sollte auf seinen eigenen Glauben Acht haben und sich nicht über Andere erheben.

  • Hier sehen wir ein sehr hilfreiches Beispiel, wie bei Paulus die menschliche Verantwortung und Gottes Souveränität Hand in Hand gehen.
  • Wir sollen uns nicht über andere erheben, weil unsere Erlösung einfach ein Gnadenwerk Gottes ist.
  • Gleichzeitig appelliert Paulus hier eindeutig an die menschliche Verantwortung.

Was Paulus hier auch verdeutlicht ist, dass es eben auch eine Hoffnung für Israel gibt. Sie sind die natürlichen Zweige, die einst ausgebrochen wurden, die aber eben auch wieder eingepfropft werden können.

11,11-16: „11 So frage ich nun: Sind sie gestrauchelt, damit sie fallen? Das sei ferne! Sondern durch ihren Fall ist den Heiden das Heil widerfahren, damit Israel ihnen nacheifern sollte. 12 Wenn aber schon ihr Fall Reichtum für die Welt ist und ihr Schade Reichtum für die Heiden, wie viel mehr wird es Reichtum sein, wenn ihre Zahl voll wird. 13 Euch Heiden aber sage ich: Weil ich Apostel der Heiden bin, preise ich mein Amt, 14 ob ich vielleicht meine Stammverwandten zum Nacheifern reizen und einige von ihnen retten könnte. 15 Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird ihre Annahme anderes sein als Leben aus den Toten! 16 Ist die Erstlingsgabe vom Teig heilig, so ist auch der ganze Teig heilig; und wenn die Wurzel heilig ist, so sind auch die Zweige heilig.

Zu Beginn von Vers 11 stellt Paulus die nächste Frage, die er mit „das sei ferne!“ beantwortet, nämlich die Frage danach, ob das „Straucheln“ der Juden letztendlich einfach dazu führen wird, dass sie verloren gehen.

Und dann zeigt Paulus auf, dass Gott mit der Verstockung eines Teils Israels ein größeres Ziel verfolgt. Denn ihr Unglaube führt dazu, dass viele Heiden gerettet werden. Dabei ist wiederum Gott der Handelnde: den Heiden „widerfährt“ das Heil.

Und das wird eine Auswirkung auf Israel haben, denn sie sollen dann den zum Glauben gekommenen Heiden nacheifern. Vers 12 ist dann nicht ganz einfach zu verstehen. Die ersten beiden Aussagen „Wenn aber schon ihr Fall Reichtum für die Welt ist und ihr Schade Reichtum für die Heiden“ sind wohl identisch und scheinen einfach eine Wiederholung zur Betonung zu sein. Dann folgt die Aussage: „wie viel mehr wird es Reichtum sein, wenn ihre Zahl voll wird.“ Das wirft nun die Frage auf, was genau es bedeutet, dass ihre „Zahl voll wird“. Manche Ausleger meinen, dass dies bedeutet, dass alle Juden gerettet werden. Doch das scheint nicht die Zuversicht zu sein, die Paulus hat, wenn er dann schreibt, dass er hofft, dass sein Amt zur Rettung „von einigen von ihnen“ führen möge.

Die Vollzahl bedeutet auf jeden Fall, dass alle, die Gott erwählt hat, auch wirklich gerettet werden. Und es bedeutet wohl auch, dass es noch zur Bekehrung unter Juden kommen wird. All das wirkt Gott durch seinen geheimen Ratschluss, indem er erst Juden verstockt hat, dann Heiden gerettet hat und dann Juden rettet.

Dabei sieht Paulus Juden und Heiden nicht als zwei klar zu trennende Gruppen. Sie sind verbunden – sie sind ein Teig bzw ein Gewächs. Der Ursprung ist Gott, dann kamen, entsprechend der göttlichen Verheißung, die (bzw einige) Nachkommen Abrahams, dann die zum Glauben gekommenen Heiden und dann die (bzw einige) zum Glauben gereizte Juden hinzu.

  • Von daher gibt es keinen Grund darauf, auf andere herabzusehen. Das galt für die Juden und Heiden und das gilt auch für uns.
  • Wenn wir Glauben haben, dürfen wir Gott loben und preisen und wir dürfen den Glauben aller Welt bezeugen, im Vertrauen darauf, dass Gott in all dem wirkt, um die Vollzahl zu retten.

11,1-10: „1 So frage ich nun: Hat denn Gott sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Denn ich bin auch ein Israelit, vom Geschlecht Abrahams, aus dem Stamm Benjamin. 2 Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er zuvor erwählt hat. Oder wisst ihr nicht, was die Schrift sagt von Elia, wie er vor Gott tritt gegen Israel und spricht (1.Könige 19,10): 3 »Herr, sie haben deine Propheten getötet und haben deine Altäre zerbrochen, und ich bin allein übrig geblieben und sie trachten mir nach dem Leben«? 4 Aber was sagt ihm die göttliche Antwort? (1.Könige 19,18): »Ich habe mir übrig gelassen siebentausend Mann, die ihre Knie nicht gebeugt haben vor dem Baal.« 5 So geht es auch jetzt zu dieser Zeit, dass einige übrig geblieben sind nach der Wahl der Gnade. 6 Ist’s aber aus Gnade, so ist’s nicht aus Verdienst der Werke; sonst wäre Gnade nicht Gnade. 7 Wie nun? Was Israel sucht, das hat es nicht erlangt; die Auserwählten aber haben es erlangt. Die andern sind verstockt, 8 wie geschrieben steht (Jesaja 29,10): »Gott hat ihnen einen Geist der Betäubung gegeben, Augen, dass sie nicht sehen, und Ohren, dass sie nicht hören, bis auf den heutigen Tag.« 9 Und David spricht (Psalm 69,23-24): »Lass ihren Tisch zur Falle werden und zu einer Schlinge und ihnen zum Anstoß und zur Vergeltung. 10 Ihre Augen sollen finster werden, dass sie nicht sehen, und ihren Rücken beuge allezeit.«

Zu Beginn von Kapitel 11 stellt Paulus – wie so oft – eine Frage, die er dann selbst beantwortet: „Hat denn Gott sein Volk verstoßen?“ Und wie schon mehrfach zuvor lautet seine Antwort auf diese Frage „Das sei ferne!

Das erklärt er dann weiter und betont dabei zwei Dinge:

  • Gott ist treu und seine Erwählung ist unverrückbar! Deshalb hat er sein Volk auch nicht verstoßen. Aber die Erwählung galt nie jedem einzelnen Juden. Sie galt immer nur einem gläubigen Überrest und der wird auch gerettet werden.
  • Rettung geschieht aus Gnade allein und hat deshalb nichts mit Werken zu tun. Die Bibel lehrt nie Erlösung durch Gnade UND Werke. Es ist „sola gratia“ … Gnade allein. Diese Gnade wird dann Konsequenzen haben und so folgen ihr die Werke, die aber eben nie die Grundlage, sondern immer die Konsequenz der Erwählung und der von Gott allein bewirkten Bekehrung sind.

Die Verse 7-10 führen das weiter aus. In diesem ganzen Abschnitt ist Gottes souveränes Handeln im Blick. Der Fokus ändert sich dann im Fortgang. Aber hier lesen wir nun erstmal von Erwählung und Verstockung, wobei Paulus aus dem AT zeigt, dass das keine neuen Konzepte sind.

Mir ist klar, dass sich viele Christen schwer mit diesen Konzepten tun … aber wir tun gut daran, alles anzuerkennen und zu glauben, was uns Gottes Wort lehrt.

Und wir dürfen wissen – und werden im Fortgang auch noch klar erkennen – dass Gott in allem planvoll handelt, so dass Gutes darauf hervorgeht.

10,14-21: „Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? 15 Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht (Jesaja 52,7): »Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen!« 16 Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht (Jesaja 53,1): »Herr, wer glaubt unserm Predigen?« 17 So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi. 18 Ich frage aber: Haben sie es nicht gehört? Doch, es ist ja »in alle Lande ausgegangen ihr Schall und ihr Wort bis an die Enden der Welt« (Psalm 19,5). 19 Ich frage aber: Hat es Israel nicht verstanden? Als Erster spricht Mose (5.Mose 32,21): »Ich will euch eifersüchtig machen auf ein Nicht-Volk; und über ein unverständiges Volk will ich euch zornig machen.« 20 Jesaja aber wagt zu sagen (Jesaja 65,1): »Ich ließ mich finden von denen, die mich nicht suchten, und erschien denen, die nicht nach mir fragten.« 21 Zu Israel aber spricht er (Jesaja 65,2): »Den ganzen Tag habe ich meine Hände ausgestreckt nach dem Volk, das sich nichts sagen lässt und widerspricht.«

Ab Vers 14 zeigt Paulus, wie es zu dem Bekenntnis kommen kann, das nötig ist, um gerettet zu werden (9 Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. (…) 13 Denn »wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden«).

Paulus erklärt dazu in einer logischen Kette, dass das „Anrufen“ Gottes „Glauben“ braucht; dass der Glaube voraussetzt, dass man von dem „hört“, an den man glauben soll; dass es dazu nötig ist, dass jemand die Botschaft „predigt“, der wiederum dazu „gesandt“ werden muss.

  • Grundlegend ist also, dass Freudenboten ausgesandt werden.

Doch dann kommt eine etwas überraschende Wende, denn Paulus sagt, dass das Problem nicht ist, dass es keine Freudenboten gäbe. Vielmehr ist das Problem für den Unglauben bei vielen Juden einfach der, dass sie das Evangelium ablehnen und ihm somit nicht gehorsam sind.

Die Juden rufen also Jesus nicht zur Rettung an, weil sie nicht an ihn glauben, obwohl er ihnen verkündigt wurde.

  • Grundlegend betont Paulus nochmals die Bedeutung der Verkündigung, und zwar nicht irgendeiner frommen Botschaft, sondern des Evangeliums von Jesus Christus: „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.
  • Deshalb ist es so wichtig, das Evangelium zu verkünden.
  • Und das sollte nicht nur in Predigten in einer Gemeinde geschehen, sondern tagtäglich, da wo wir Christen die Möglichkeit dazu haben.

Paulus schließt diesen Abschnitt damit ab, dass er erklärt, dass das Problem der Juden aber nicht das ist, dass ihnen niemand das Evangelium verkündet habe. Ihr Problem sind ihre harten Herzen. Dabei wird dann aber deutlich, dass auch das Teil von Gottes gutem Plan ist, denn so kam das Evangelium zu den Heiden, und so wird ER die Juden letztendlich eifersüchtig machen und so auch noch viele retten.

  • Für uns ist wichtig festzuhalten, dass Rettung immer die Erkenntnis unserer Erlösungsbedürftigkeit (wir können nicht durch gute Werke / Treue ggb dem Gesetz vor Gott bestehen) und Erkenntnis des Retters, Jesus Christus voraussetzt. Diese zeigt sich in einem veränderten Herzen und einem veränderten Zeugnis. Von daher sollten wir in der Evangelisation nicht zu schnell und eindimensional auf Lippenbekenntnisse bedacht sein, sondern den Herzen predigen.
  • Dabei sollten wir bewusst immer wieder Gott selbst sprechen lassen, in dem wir sein Wort weitersagen und das Evangelium verkünden, denn das ist die Kraft Gottes, durch die Menschen gläubig und gerettet werden.

10,1-13: „​Liebe Brüder, meines Herzens Wunsch ist und ich flehe auch zu Gott für sie, dass sie gerettet werden. 2 Denn ich bezeuge ihnen, dass sie Eifer für Gott haben, aber ohne Einsicht. 3 Denn sie erkennen die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und suchen ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten und sind so der Gerechtigkeit Gottes nicht untertan. 4 Denn Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht. 5 Mose nämlich schreibt von der Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt (3.Mose 18,5): »Der Mensch, der das tut, wird dadurch leben.« 6 Aber die Gerechtigkeit aus dem Glauben spricht so (5.Mose 30,11-14): »Sprich nicht in deinem Herzen: Wer will hinauf gen Himmel fahren?« – nämlich um Christus herabzuholen –, 7 oder: »Wer will hinab in die Tiefe fahren?« – nämlich um Christus von den Toten heraufzuholen –, 8 sondern was sagt sie? »Das Wort ist dir nahe, in deinem Munde und in deinem Herzen.« Dies ist das Wort vom Glauben, das wir predigen. 9 Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. 10 Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet. 11 Denn die Schrift spricht (Jesaja 28,16): »Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.« 12 Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen. 13 Denn »wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden« (Joel 3,5).

Zu Beginn von Kap. 10 betet Paulus für die (noch) ungläubigen Juden, die er liebt und deren Streben nach Gerechtigkeit er anerkennt. Doch dieses hoffnungslose Streben geht einher mit der Ablehnung des Retters, durch den allein wir gerecht gemacht werden können. Dieses Denken war für die Juden damals – und ist für alle Menschen, die nach ihrer eigenen Gerechtigkeit streben – anstößig. Dabei ist sowohl die Person wie auch das Werk Jesus der „Stein des Anstoßes“.

Ab Vers 5 erklärt Paulus, was nötig ist, um bei Gott angenommen zu werden. Nämlich die Einsicht, dass wir uns nicht selber retten können und einen Erlöser brauchen, und dass Jesus Christus dieser Erlöser ist. Jeder, der das im Herzen glaubt und diesen Glauben auch bekennt, wird gerettet werden.

  • Ich finde diesen Zweiklang (Herzen-Mund) sehr hilfreich, weil wahrer rettender Glaube mehr ist, als nur ein Lippenbekenntnis … es ist eine Sache des Herzens … aber wenn das Herz davon voll ist, wird der Mund auch davon reden. Heimliches Christsein geht also genauso wenig, wie ein reines Lippenbekenntnis des Glaubens, das nicht mit einem veränderten Herzen einhergeht.