9,38-50 „38 Johannes sprach zu ihm: Meister, wir sahen einen, der trieb böse Geister in deinem Namen aus, und wir verboten’s ihm, weil er uns nicht nachfolgt. 39 Jesus aber sprach: Ihr sollt’s ihm nicht verbieten. Denn niemand, der ein Wunder tut in meinem Namen, kann so bald übel von mir reden. 40 Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. 41 Denn wer euch einen Becher Wasser zu trinken gibt deshalb, weil ihr Christus angehört, wahrlich, ich sage euch: Es wird ihm nicht unvergolten bleiben.
42 Und wer einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, dass ihm ein Mühlstein an den Hals gehängt und er ins Meer geworfen würde. 43 Wenn dich aber deine Hand zum Abfall verführt, so haue sie ab! Es ist besser für dich, dass du verkrüppelt zum Leben eingehst, als dass du zwei Hände hast und fährst in die Hölle, in das Feuer, das nie verlöscht. 44 45 Wenn dich dein Fuß zum Abfall verführt, so haue ihn ab! Es ist besser für dich, dass du lahm zum Leben eingehst, als dass du zwei Füße hast und wirst in die Hölle geworfen. 46 47 Wenn dich dein Auge zum Abfall verführt, so wirf’s von dir! Es ist besser für dich, dass du einäugig in das Reich Gottes gehst, als dass du zwei Augen hast und wirst in die Hölle geworfen, 48 wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht verlöscht. 49 Denn jeder wird mit Feuer gesalzen werden. 50 Das Salz ist gut; wenn aber das Salz nicht mehr salzt, womit wird man’s würzen? Habt Salz bei euch und habt Frieden untereinander!

Die beiden kurzen Abschnitte, die wir heute betrachten, haben einige Rückbezüge auf das, was in den Abschnitten davor berichtet wurde. Das beginnt schon mit den Worten des Johannes bezüglich des Mannes, der in Jesu Namen böse Geister austrieb. Weil dieser nicht mit den Jüngern nachfolgte, verboten die Jünger ihm, böse Geister in Jesu Namen auszutreiben. Ich frage mich, ob da nicht eventuell auch eine gewisse Eifersucht eine Rolle spielte. Immerhin waren die Jünger ja selber gerade erst daran gescheitert, einem Kind einen bösen Geist auszutreiben (9,18). Johannes war da zwar nicht dabei, aber er fungiert hier wohl einfach als Sprecher der Jünger.

Was nicht ganz klar wird ist, ob der Mann nur den Jüngern nicht nachfolgte oder auch Jesus nicht nachfolgen wollte. Wie dem auch sei, Jesus betont, dass sie diesen Mann nicht daran hindern soll und erwähnt drei Gründe:

  1. Denn niemand, der ein Wunder tut in meinem Namen, kann so bald übel von mir reden.
  2. 40 Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.
  3. 41 Denn wer euch einen Becher Wasser zu trinken gibt deshalb, weil ihr Christus angehört, wahrlich, ich sage euch: Es wird ihm nicht unvergolten bleiben.

Der 1. Punkt ist pure Logik. Der 2. sollte aber nicht zu pauschal verstanden werden. Natürlich ist es richtig, dass es im Hinblick auf Jesus nur zwei Optionen gibt. Entweder wir gehören zu ihm oder wir sind gegen ihn. Aber das kann natürlich auch sehr schnell falsch verstanden werden, weil es sicher viele Menschen gibt, die Jesus nicht explizit ablehnen oder ihn vielleicht sogar ganz gut finden … und trotzdem nicht wirklich zu ihm gehören

Der dritte Aspekt klingt recht ähnlich wie das, was Jesus schon im Hinblick auf die Annahme des Kindes in Vers 37 gesagt hatte. In beiden Fällen ist dann auch die Rede von einem Lohn bzw dem Angenommen werden.

Was wir hier auf jeden Fall mitnehmen sollten, ist dass wir nicht zu „klein“ von Jesu Nachfolgern denken sollten. Wir müssen nicht alle ganz eng gemeinsam unterwegs sein, um zu Jesus zu gehören. Von daher sollten wir auch bei Menschen, die in manchen (nicht grundlegenden) Dingen etwas anders unterwegs sind nicht zu schnell denken, dass sie deshalb nicht trotzdem auch zu Jesus gehören.

Vers 42 knüpft dann wohl bei Vers 36 an, denn hier ist ja nun die Rede von einem dieser „Kleinen“, was uns an das Kind aus Vers 36f erinnert. Der ganze Abschnitt bis Vers 50 ist extrem krass, denn Jesus warnt hier ja sehr klar vor der Hölle und erklärt, dass wir bis zum Extremsten gehen müssen, um nicht zu sündigen, denn sonst würden wir in der Hölle landen.

Was Jesus hier tut, ist meines Erachtens etwas, dass die Jünger dringend verstehen mussten. Er zeigt ihnen, wie unmöglich es für uns ist, der Hölle zu entgehen. Denn selbst wenn wir uns die Hände und Füße abhauen und uns die Augen ausreißen werden wir weiter sündigen. Er hatte ja schon in Kapitel 7 gesagt, dass der Ursprung aller Sünde eben nicht Hand, Fuß und Auge sind … sondern unser Herz. Und das können wir uns wohl kaum rausreißen.

Noch hatten die Jünger ja nicht verstanden, warum Jesus ans Kreuz gehen musste. Sie verstehen offensichtlich noch nicht, dass Jesu Vorbild und seine Lehre nicht ausreichen, um der Hölle zu entkommen. Das macht Jesus hier nun hier sehr deutlich. Und weil es für uns unmöglich ist, der Hölle zu entkommen, muss Gott eingreifen, dem nichts unmöglich ist.

Deswegen sandte er seinen Sohn, der für unsere die gerechte Strafe für unsere Sünde trägt, so dass wir samt Händen, Füßen und Augen nicht in der Hölle landen, sondern für alle Ewigkeit bei Gott sein können.

  • Ich hoffe, dass Dir diese Worte (neu) zeigen, warum Jesus am Kreuz „die Hölle“ auf sich nahm, damit wir sie nicht ertragen müssen.

Vers 50 ist dann ein interessanter Abschluss dieser Passage. Man fragt sich, warum Jesus an dieser Stelle zum Frieden untereinander aufruft. Auch das ist wahrscheinlich ein Rückbezug auf den Rangstreit der Jünger aus Vers 33-35. Da wollten sie groß sein, anstatt ihre Niedrigkeit anzuerkennen und sich ganz Jesus zuzuwenden, der für sie (und uns) die absolute Erniedrigung am Kreuz ertragen würde.

9,30-37: „30 Und sie gingen von dort weg und zogen durch Galiläa; und er wollte nicht, dass es jemand wissen sollte. 31 Denn er lehrte seine Jünger und sprach zu ihnen: Der Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände der Menschen und sie werden ihn töten; und wenn er getötet ist, so wird er nach drei Tagen auferstehen. 32 Sie aber verstanden das Wort nicht und fürchteten sich, ihn zu fragen.
33 Und sie kamen nach Kapernaum. Und als er daheim war, fragte er sie: Was habt ihr auf dem Weg verhandelt? 34 Sie aber schwiegen; denn sie hatten auf dem Weg miteinander verhandelt, wer der Größte sei. 35 Und er setzte sich und rief die Zwölf und sprach zu ihnen: Wenn jemand will der Erste sein, der soll der Letzte sein von allen und aller Diener. 36 Und er nahm ein Kind, stellte es mitten unter sie und herzte es und sprach zu ihnen: 37 Wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf; und wer mich aufnimmt, der nimmt nicht mich auf, sondern den, der mich gesandt hat.

Jesus nimmt sich nun nochmal Zeit, nur seine Jünger zu lehren. Dabei kündigt er hier nun ein zweites Mal seine Kreuzigung und Auferstehung an. Doch für die Jünger macht das immer noch keinen Sinn. Doch sie wagen nicht, Jesus danach zu fragen, was es damit auf sich hat.

Und dann haben sie ein anderes Thema, dass sie miteinander besprechen und bei dem sie wiederum Jesus nicht einbeziehen wollen. Denn sie hatten darüber gesprochen, wer von ihnen der Größte ist. Das ist schon interessant. Jesus kündigt seine Erniedrigung durch seinen Tod am Kreuz an … und seine Jünger reden über ihre Größe.

  • Das darf uns herausfordern, Stolz und Großmannsstreben keinen Raum zu geben. Schließlich hatte Jesus ja gerade erst am Ende von Kap. 8 gesagt, dass wer ihm nachfolgen will, sich selbst verleugnen soll.
  • Aber das haben ja nicht nur die Jünger sehr schnell aus dem Blick verloren. Uns geht es da ja oft nicht besser.

Jesus weiß natürlich, was seine Jünger geredet haben. Er hat ja schon mehrfach bewiesen, dass er sogar die Gedanken der Menschen kennt. Und so packt er den Stier nochmal bei den Hörnern und lehrt hier ganz deutlich: „Wenn jemand will der Erste sein, der soll der Letzte sein von allen und aller Diener.

Und dann veranschaulicht er das, indem er deutlich macht, dass es unsere Aufgabe ist, auch ein Kind (das damals nichts galt) um Jesu Willen aufzunehmen. Wer so demütig ist und das um Jesu Willen tut, der ist in Gottes Augen groß und nimmt Jesus und damit auch Gott Vater wahrlich auf.

  • Möge das auch immer mehr unser Verhalten prägen, so dass wir nicht nach dem Großen streben, sondern uns zu den Kleinen und Schwachen halten und so zeigen, dass wir Jesus Christus nachfolgen.

9,14-29: „14 Und sie kamen zu den Jüngern und sahen eine große Menge um sie herum und Schriftgelehrte, die mit ihnen stritten. 15 Und sobald die Menge ihn sah, entsetzten sich alle, liefen herbei und grüßten ihn. 16 Und er fragte sie: Was streitet ihr mit ihnen? 17 Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. 18 Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten’s nicht. 19 Er aber antwortete ihnen und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir! 20 Und sie brachten ihn zu ihm. Und sogleich, als ihn der Geist sah, riss er ihn. Und er fiel auf die Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund. 21 Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist’s, dass ihm das widerfährt? Er sprach: Von Kind auf. 22 Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, dass er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! 23 Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst – alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. 24 Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! 25 Als nun Jesus sah, dass das Volk herbeilief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn hinein! 26 Da schrie er und riss ihn sehr und fuhr aus. Und der Knabe lag da wie tot, sodass die Menge sagte: Er ist tot. 27 Jesus aber ergriff ihn bei der Hand und richtete ihn auf, und er stand auf. 28 Und als er heimkam, fragten ihn seine Jünger für sich allein: Warum konnten wir ihn nicht austreiben? 29 Und er sprach: Diese Art kann durch nichts ausfahren als durch Beten.“

Dieser Abschnitt beinhaltet einige wirklich schwierige Fragen. Zum Beispiel die Frage danach, was es mit diesem Geist auf sich hat. Da hier eindeutig von einem Geist die Rede ist, den Jesus dann auch austreibt, kann es sich nicht einfach um einen Krampfanfall handeln. In unserer Zeit und Gesellschaft wird ja die geistliche Dimension komplett abgelehnt. Da muss man dann für alles eine medizinische Erklärung finden, die dann oft rein symptomatisch beschrieben wird, weil sich keine medizinisch eindeutigen Erklärungen finden lassen.

  • Die Herausforderung für uns ist, dass wir oft einfach nicht wissen, ob etwas medizinisch erklärbar ist oder ob es dahinter eine geistliche Dimension gibt. Deswegen sollten wir hier vorsichtig sein.
  • Sonst sagen wir jedem, der mit psychischen Problemen zu kämpfen hat, dass hier ein geistliches Problem vorliegt. Das wird dann sicher nicht jedem gerecht.
  • Andererseits kann es eben auch wirklich falsch sein, geistliche Kämpfe einfach nur mit Medikamenten lösen zu wollen.
  • Hier braucht es viel Weisheit und ich gebe zu, dass ich mich da oft überfordert fühle.

Jesus erkennt hier sofort, dass das Problem geistlicher Natur ist und führt die Unfähigkeit der Jünger, dem Jungen zu helfen, auf ihren Unglauben zurück. Zuvor hatten die Jünger ja bereits vollmächtig böse Geister ausgetrieben. Aber hier können sie es nicht. Wahrscheinlich ist das Problem, dass sie es nun nicht mehr in absoluter Abhängigkeit von Jesus, sondern aus eigener Kraft versuchen. Dazu passt auch Jesu Aussage, dass die Austreibung nur durch Gebet gelingen kann.

  • Das darf uns herausfordern, dass auch wir uns nicht unmerklich von Jesus lösen und geistliche Dinge aus menschlicher Kraft zu tun versuchen. Ich weiß, wie leicht das passiert. Beim Schreiben jeder Predigt muss ich mich immer wieder neu daran erinnern, dass es für ein tiefes geistliches Verständnis und eine vollmächtige Verkündigung mehr braucht, als das, was ich zu bieten habe. Auch hier braucht es Gebet.
  • Und das gilt überhaupt für jede geistliche Arbeit und im Prinzip für alle Aspekte unseres Lebens als Christen.

Der Vater appelliert dann an Jesus: „Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns!“ Jesus verdeutlicht, dass ihm im Glauben alles möglich ist. Von daher ist die Aussage „Wenn du aber etwas kannst“ fehl am Platze. Der Vater ist schnell dabei, die Schwäche seines Glaubens einzugestehen und so ruft er Worte aus, die auch für uns immer wieder ein sehr gutes Gebet sein können: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben“.

Das reicht Jesus und er treibt den Geist aus. Aber mehr noch – er gebietet ihm auch, nicht wieder zurückzukehren. Auch das scheint ja eine reale Gefahr zu sein, wie wir aus wie wir aus Mt 12,43f wissen.

  • Möge uns dieser Bericht in unserem Vertrauen auf Jesus stärken, dem nichts unmöglich ist und mögen wir mehr und mehr lernen, in echter Abhängigkeit von ihm zu leben.

9,1-13: „​1 Und er sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie sehen das Reich Gottes kommen mit Kraft.
2 Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus, Jakobus und Johannes und führte sie auf einen hohen Berg, nur sie allein. Und er wurde vor ihnen verklärt; 3 und seine Kleider wurden hell und sehr weiß, wie sie kein Bleicher auf Erden so weiß machen kann. 4 Und es erschien ihnen Elia mit Mose und sie redeten mit Jesus. 5 Und Petrus fing an und sprach zu Jesus: Rabbi, hier ist für uns gut sein. Wir wollen drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine. 6 Er wusste aber nicht, was er redete; denn sie waren ganz verstört. 7 Und es kam eine Wolke, die überschattete sie. Und eine Stimme geschah aus der Wolke: Das ist mein lieber Sohn; den sollt ihr hören! 8 Und auf einmal, als sie um sich blickten, sahen sie niemand mehr bei sich als Jesus allein. 9 Als sie aber vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus, dass sie niemandem sagen sollten, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn auferstünde von den Toten. 10 Und sie behielten das Wort und befragten sich untereinander: Was ist das, auferstehen von den Toten? 11 Und sie fragten ihn und sprachen: Sagen nicht die Schriftgelehrten, dass zuvor Elia kommen muss? 12 Er aber sprach zu ihnen: Elia soll ja zuvor kommen und alles wieder zurechtbringen. Und wie steht dann geschrieben von dem Menschensohn, dass er viel leiden und verachtet werden soll? 13 Aber ich sage euch: Elia ist gekommen und sie haben ihm angetan, was sie wollten, wie von ihm geschrieben steht
.“

Da Vers 2 betont, dass das, was dann folgt, 6 Tage später stattfand, gehört Vers 1 wohl noch zu Jesu Worten über die Nachfolge vom Ende des 8. Kapitels. Die Bedeutung dieses Verses ist dann aber erstmal verwirrend, da man es im Kontext von Kapitel 8 so verstehen könnte, dass Jesus vom Tag des Gerichts und seiner Wiederkunft spricht. Doch diesen Tag wird ja keiner der damals Anwesenden erreichen, ohne zuvor gestorben zu sein.

Doch im Kontext von dem, was folgt und mit Blick auf Jesu Aussage von Vers 31, wo ja Jesu Auferstehung nach seinem vorherigen Leiden und Sterben im Fokus steht, ist die Ankündigung von Vers 1 wohl im Hinblick auf Jesu Auferstehung zu deuten.

Der Bericht in den Versen 2-13 gibt uns dann eine Vorschau in die Herrlichkeit des Auferstandenen, denn hier wird er verklärt. Jesus nimmt Petrus, Jakobus und Johannes mit auf einen Berg. Das sieht erstmal danach aus, dass er seine drei engsten Freunde mit zu einer Gebetszeit nimmt. Doch dann geschieht etwas fantastisches. Jesus wird verklärt und strahlt hell – wahrscheinlich so ähnlich wie es manchmal über Engel berichtet wird. Und dann tauchen mit Elia und Mose zwei der allerwichtigsten Menschen des Alten Testaments auf. Das alles war für die Jünger einfach zu viel. Es war herrlich … und zugleich fehlte ihnen das Verständnis davon, was das alles zu bedeuten hatte.

Was wir dann lesen, sollte uns eine Warnung sein, zu schnell Erfahrungen geistlich zu deuten und daraus Schlüsse zu ziehen. Denn selbst der große Apostel Petrus kommt hier auf eine Idee, die nicht dem entspricht, was Gott von ihm will. Petrus will den Moment festhalten und Hütten bauen, so dass man einfach da oben auf dem Berg in der Herrlichkeit bleiben kann. Doch das ist nicht dran. Was er dort erlebt, ist nur eine Vorschau auf das, was eines Tages kommen wird.

  • Uns geht es in gewisser Weise sicher manchmal ähnlich. Wir haben Erlebnisse, die so schön sind, dass wir sie festhalten wollen oder uns danach zurücksehnen. Dabei ist all das Gute und Schöne, was wir in dieser Welt erleben, bestenfalls ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns noch bevorsteht. Deswegen sollten wir solche Erfahrungen und Erlebnisse einfach dankbar aus Gottes Hand nehmen und zugleich darauf bedacht sein, dass es eines Tages noch viel besser wird. Das hilft uns dann voranzugehen, anstatt vor allem wehmütig zurückzusehen auf das, was einst war.

Petrus denkt also noch ans Hütten bauen und versteht noch nicht, dass nicht er Hütten auf einem Berg bauen muss, sondern Jesus uns Wohnungen bereitet, so dass wir eines Tages in seiner Herrlichkeit sein können.

Gottes Stimme aus einer Wolke beendet die Träumerei des Petrus. Denn Gott spricht: „Das ist mein lieber Sohn; den sollt ihr hören!“ -> Das gilt auch uns – wir sollen auf die Stimme von Gottes lieben Sohn hören.

Für die Jünger galt das natürlich noch viel unmittelbarer. Und sofort sind Elia und Mose verschwunden. Der, der allein Gottes lieber Sohn ist, ist Jesus. Er steht über allen. Er führt die Jünger dann wieder vom Berg hinab und gebietet ihnen, niemandem von dem zu erzählen, was sie da oben erlebt haben. Das stelle ich mir sehr herausfordernd vor. Denn wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über. Jesus sagt ihnen, dass sie darüber schweigen sollen, bis er von den Toten aufersteht. Wie schon zuvor (8,31ff), macht das für die Jünger keinen Sinn. Sie haben dafür keine Kategorie und fragen sich wahrscheinlich, ob das mal wieder ein Sprachbild ist, dass Jesus gebraucht … so wie mit dem Sauerteig der Pharisäer etc.

Das Sehen des Elia auf dem Berg provoziert bei den Jüngern noch eine weitere Frage. Wird Elia nochmal dauerhafter zurückkommen? Das war doch im AT verheißen. Jesus antwortet darauf, dass Elia tatsächlich schon gekommen ist, um „alles wieder zurechtbringen“. Damit bezieht er sich wohl auf Johannes den Täufer, die ja die Menschen zur Buße gerufen hat und der dann von den Menschen getötet wurde.

  • Ich kann mir gut vorstellen, dass die Jünger nach diesem Ausflug erstmal sehr verwirrt waren und vieles nicht wirklich einordnen und verstehen konnten.
  • Das geht es im Leben ja auch oft so. Doch so wie bei den Jüngern wird auch bei uns der Tag kommen, wo wir dann rückblickend vieles verstehen und Gott dafür preisen mögen.
  • Deshalb lasst uns in Erwartung der zukünftigen Herrlichkeit leben und darauf vertrauen, dass auch die Dinge, die heute für uns noch keinen Sinn ergeben, eines Tages für uns Sinn machen werden.
  • So können wir getrost in Richtung Zukunft gehen.

8,27-38: „27 Und Jesus ging fort mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Und auf dem Wege fragte er seine Jünger und sprach zu ihnen: Wer, sagen die Leute, dass ich sei? 28 Sie antworteten ihm: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer; einige sagen, du seist Elia; andere, du seist einer der Propheten. 29 Und er fragte sie: Ihr aber, wer, sagt ihr, dass ich sei? Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Du bist der Christus! 30 Und er gebot ihnen, dass sie niemandem von ihm sagen sollten.
31 Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. 32 Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren. 33 Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh weg von mir, Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.
34 Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Wer mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. 35 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird’s erhalten. 36 Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme an seiner Seele Schaden? 37 Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse? 38 Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem abtrünnigen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.

Jetzt ist die Zeit gekommen, dass Jesus seine Jünger herausfordert, sich zu positionieren. Zuerst fragt er sie einfach, was die Leute sagen, wer er sei. Was sie antwortet, deckt sich mit dem, was wir schon in Mk 6,15 gelesen haben. Aber dann wird Jesus persönlich und fragt „Ihr aber, wer, sagt ihr, dass ich sei?“ Und so bekennt Petrus Jesus als den Christus. Das ist ein großer Schritt.

Jesus ermahnt die Jünger – wie zuvor die Geister, die er ausgetrieben hat, dass sie seine Identität noch nicht preisgeben sollen. Ab Vers 31 sehen wir dann auch, warum die Jünger noch nicht bereit dazu sind. Denn noch denken sie viel zu menschlich von Jesus. Deswegen ist für sie der Gedanke, dass der Christus sterben soll, nicht akzeptabel. Petrus meint nun, Jesus sogar zurechtweisen zu müssen. Was Jesus dann zu ihm sagt, wird Petrus sicher nie vergessen haben: „Geh weg von mir, Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.

Petrus ist natürlich nicht der Satan … aber Jesus erkennt, dass Satan ihn durch Petrus versucht. Doch Jesus lässt sich nicht beirren. Er weiß, welchen Weg er zu gehen hat. Denn aus göttlicher Perspektive ist das Kreuz eben keine tragische Niederlage, sondern eine Notwendigkeit und der Ort des ultimativen Sieges.

Ab Vers 34 erklärt Jesus dann, was es heißt, Christ zu sein. Wir sollen ihm nachfolgen, koste es was es wolle. Weil er bereit ist, für uns zu sterben, sollen wir nun auch bereit sein, für ihn zu sterben. Denn selbst wenn wir für ihn sterben, kann man uns nicht das Leben nehmen, das wirklich zählt – das ewige Leben.

  • Von Natur aus leben wir viel zu kurzsichtig. Deswegen suchen wir kurzfristigen gewinn und klammern uns an dieses Leben. Doch Jesus erklärt, dass es sich lohnt, gegebenenfalls alles zu verlieren, wenn wir IHN haben. Denn er gibt uns das, was wirklich zählt und was uns niemand nehmen kann.
  • Die Nachfolge ist also lohnenswert. Doch zugleich kostet sie uns auch etwas. Das verschweigt Jesus nicht. Auch wenn unsere Rettung aus der freien Gnade kommt, zeigt sich unsere Rettung in einem Leben, bei dem wir uns selbst verleugne und unser Kreuz auf uns nehmen.

Es ist sicher eine hilfreiche Frage für jeden von uns, wenn wir uns überlegen, wo uns dieser Aufruf besonders herausfordert!

Leider kommt dieser Abschnitt erst heute … auch wenn ich den Abschnitt schon gestern gelesen hatte …

8,14-26: „14 Und sie hatten vergessen, Brot mitzunehmen, und hatten nicht mehr mit sich im Boot als ein Brot. 15 Und er gebot ihnen und sprach: Schaut zu und seht euch vor vor dem Sauerteig der Pharisäer und vor dem Sauerteig des Herodes. 16 Und sie bedachten hin und her, dass sie kein Brot hätten. 17 Und er merkte das und sprach zu ihnen: Was bekümmert ihr euch doch, dass ihr kein Brot habt? Versteht ihr noch nicht, und begreift ihr noch nicht? Habt ihr noch ein verhärtetes Herz in euch? 18 Habt Augen und seht nicht, und habt Ohren und hört nicht, und denkt nicht daran: 19 Als ich die fünf Brote brach für die fünftausend, wie viel Körbe voll Brocken habt ihr da aufgesammelt? Sie sagten: Zwölf. 20 Und als ich die sieben brach für die viertausend, wie viel Körbe voll Brocken habt ihr da aufgesammelt? Sie sagten: Sieben. 21 Und er sprach zu ihnen: Begreift ihr denn noch nicht?
22 Und sie kamen nach Betsaida. Und sie brachten zu ihm einen Blinden und baten ihn, dass er ihn anrühre. 23 Und er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn hinaus vor das Dorf, tat Speichel auf seine Augen, legte seine Hände auf ihn und fragte ihn: Siehst du etwas? 24 Und er sah auf und sprach: Ich sehe die Menschen, als sähe ich Bäume umhergehen. 25 Danach legte er abermals die Hände auf seine Augen. Da sah er deutlich und wurde wieder zurechtgebracht, sodass er alles scharf sehen konnte. 26 Und er schickte ihn heim und sprach: Geh nicht hinein in das Dorf!

Nachdem Jesus schon vor der Speisung der 4000 erleben musste, wie wenig die Jünger über seine Fähigkeiten verstanden hatten und dann über den feindlichen Unglauben der Pharisäer seufzte, lesen wir hier nochmals davon, wie Jesus über den Unglauben bzw das noch nicht Verstehen der Jünger betrübt ist.

Jesus greift die Angriffe der Pharisäer auf und warnt vor ihnen. Die Jünger bleiben an seinem Wortbild des „Sauerteigs“ hängen und denken, dass es Jesus mal wieder ums Brot geht. Jesu Antwort ist eine harte Ermahnung an seine Jünger „… Versteht ihr noch nicht, und begreift ihr noch nicht? Habt ihr noch ein verhärtetes Herz in euch? 18 Habt Augen und seht nicht, und habt Ohren und hört nicht, und denkt nicht daran …“ und dann in Vers 21 nochmals: „… Begreift ihr denn noch nicht? …

  • Bevor wir uns nun zu schnell gedanklich neben Jesus stellen und auf die Jünger herabsehen, sind wir gut beraten, uns selbst zu hinterfragen. Geht es uns nicht oft ganz ähnlich? Wir wissen eigentlich schon viel, wir haben viel gehört und gesehen … und doch zeigen wir mit unserem Leben, dass wir oftmals fast noch nichts verstanden haben.
  • Ich zumindest muss das im Hinblick auf mich selber immer wieder feststellen. Dabei geht es dann oft gar nicht um theologische Erkenntnis, sondern darum, wirklich zu verstehen, was Jesus mir in konkreten Situationen meines Lebens durch Sein Wort zu sagen hat. Manchmal sind das biblische Zusagen, die mich eigentlich ganz ruhig machen sollten … aber ich bin unruhig. Oder es sind klare Aufforderungen, denen ich nicht nachkomme.

In seiner großen Barmherzigkeit und Geduld ermahnt Jesus die Jünger aber nicht nur, er erinnert sie auch daran, wie er mächtig er ist und, dass ein Mangel an Brot sicher kein Problem für ihn ist.

Die nachfolgende Heilung des Blinden hat durchaus symbolische Bedeutung. Denn so wie der Blinde erst nur sehr unklar sieht und dann erst später wirklich klar sieht, verstehen auch die Jünger vieles noch nicht richtig und ihnen werden die Augen des Herzens erst Stück für Stück weiter geöffnet.

  • So ist es ja auch bei uns … und so dürfen wir beten: „Herr, öffne Du uns die Augen“

8,1-13: „​1 Zu der Zeit, als wieder eine große Menge da war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich und sprach zu ihnen: 2 Mich jammert das Volk, denn sie haben nun drei Tage bei mir ausgeharrt und haben nichts zu essen. 3 Und wenn ich sie hungrig heimgehen ließe, würden sie auf dem Wege verschmachten; denn einige sind von ferne gekommen. 4 Seine Jünger antworteten ihm: Wie kann sie jemand hier in der Wüste mit Brot sättigen? 5 Und er fragte sie: Wie viel Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. 6 Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte und brach sie und gab sie seinen Jüngern, damit sie sie austeilten, und sie teilten sie unter das Volk aus. 7 Und sie hatten auch einige Fische, und er dankte und ließ auch diese austeilen. 8 Sie aßen aber und wurden satt und sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll. 9 Und es waren etwa viertausend; und er ließ sie gehen.
10 Und alsbald stieg er in das Boot mit seinen Jüngern und kam in die Gegend von Dalmanuta. 11 Und die Pharisäer kamen heraus und fingen an, mit ihm zu streiten, versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel. 12 Und er seufzte in seinem Geist und sprach: Was fordert doch dieses Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, ich sage euch: Es wird diesem Geschlecht kein Zeichen gegeben werden! 13 Und er verließ sie und stieg wieder in das Boot und fuhr hinüber.

Jesus ist wohl immer noch in eher heidnischem Gebiet. Hier wiederholt sich nun das „Brot & Fisch-Wunder“. Auslöser ist wiederum Jesu Barmherzigkeit & Fürsorge (ihn jammerts). Die Jünger haben noch nichts dazu gelernt und denken wiederum im Rahmen dessen, was uns Menschen möglich ist und scheinen vergessen zu haben, wie Jesus zuvor 5000 Männer mit noch weniger versorgt hatte.

  • Die Jünger sind da so, wie wir auch immer mal wieder. Wir wissen einerseits um Jesu Macht und haben seine treue Versorgung auch oft genug erlebt – aber dann verlieren wir das wieder komplett aus dem Blick und meinen, Dinge mit unseren Möglichkeiten regeln zu müssen.

Jesus tut dann wiederum ein Wunder und versorgt die 4000 mit 7 Broten und einigen Fischen. Wie schon zuvor lesen wir auch hier nichts darüber, dass die Menschen sich über das Wunder wundern. Wahrscheinlich haben sie gar nicht mitbekommen, was Jesus da für sie getan hat.

  • Auch das hat Bezug zu uns. Denn ganz oft nehmen wir sicher gar nicht wahr, wie mächtig und treu Gott für uns sorgt.

Dann kehrt Jesus in das jüdische Gebiet auf der Westseite des Sees zurück und trifft dort auf Pharisäer. Von ihnen lesen wir, dass sie ein Wunder (Zeichen vom Himmel) fordern, aber das nicht aus einer Haltung des Glaubens und der frohen Erwartung tun, sondern im Streit, als Versuchung und Forderung. Sie kommen also im Unglauben.

  • Nachdem Jesus also schon erleben musste, dass seine Jünger aus dem Blick verloren hatten, was Jesus zu tun vermag, erlebt er hier nun Menschen, die nicht nur vergesslich sind, sondern ihm sogar feindlich gesinnt sind.
  • Während Jesus seinen Jüngern dann wiederum zeigt, was er zu tun im Stande ist, werden solche Menschen keine Wunder zu sehen bekommen. Letztendlich werden sie diese ohnehin nicht annehmen.

7,31-37 „31 Und als er wieder fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte. 32 Und sie brachten zu ihm einen, der taub und stumm war, und baten ihn, dass er die Hand auf ihn lege. 33 Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel und 34 sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf! 35 Und sogleich taten sich seine Ohren auf und die Fessel seiner Zunge löste sich, und er redete richtig. 36 Und er gebot ihnen, sie sollten’s niemandem sagen. Je mehr er’s aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus. 37 Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.

Jesus zieht weiter, bleibt aber im heidnischen Gebiet. Dabei ist er jetzt wohl wieder im Gebiet, wo er einst die Legion Dämonen ausgetrieben und in eine Schweineherde gesandt hatte. Auch hier kommen wieder Menschen zu ihm, die sich von IHM ein Heilungswunder erhoffen. Sie bringen einen taubstummen Mann. Sie meinen, dass Jesus ihn durch hand-auflegen heilen könnte. Tatsächlich hat Jesus ja auch schon einfach durch ein Wort geheilt und sogar dadurch, dass eine Frau nur sein Gewandt berührt hat. Es geht also nicht darum, was genau Jesus tut.

Jesus will aus der Heilung kein Spektakel machen und so nimmt er den Mann zur Seite. Dieses Mal heilt Jesus auf ungewöhnliche Weise: Er „legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel und 34 sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf!“ Sofort ist der taubstumme geheilt!

Dann heißt es: „Und er gebot ihnen, sie sollten’s niemandem sagen.“ Es ist unklar, ob das der Taubstumme und seine Freunde sind, der Taubstumme und Jesu Jünger oder wer außer dem Taubstummen hier angesprochen ist, da es ja zuvor heißt, dass er (nur) ihn aus der Menge beiseite genommen hatte.

Letztendlich lässt sich aber dieses Wunder natürlich nicht geheim halten. Wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über. Und so sagen die Menschen: „: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hörend und die Sprachlosen redend.“ Das mag ein bewusst gewählter Bezug zur Messias-Prophetie aus Jesaja 35 sein. Auf jeden Fall wird anerkannt, dass Jesus alles wohl gemacht hat.

  • Die Menschen damals haben das dann bald vergessen. Und so wenden sich dann ja schon bald Viele von Jesus ab.
  • Wir tun gut daran, uns immer wieder daran zu erinnern, dass Jesus wirklich alles wohl gemacht hat. Gerade auch dann, wenn wir durch schwere Zeiten gehen und nicht sofort Jesu Eingreifen erleben. Es ist dann gut zu wissen, wie JESUS ist. Dann fällt es uns leichter auch das aus Jesu Hand zu nehmen, was uns erstmal weniger gut gefällt.

7,24-30: „24 Und er stand auf und ging von dort in das Gebiet von Tyrus. Und er ging in ein Haus und wollte es niemanden wissen lassen und konnte doch nicht verborgen bleiben, 25 sondern alsbald hörte eine Frau von ihm, deren Töchterlein einen unreinen Geist hatte. Und sie kam und fiel nieder zu seinen Füßen 26 – die Frau war aber eine Griechin aus Syrophönizien – und bat ihn, dass er den bösen Geist von ihrer Tochter austreibe. 27 Jesus aber sprach zu ihr: Lass zuvor die Kinder satt werden; es ist nicht recht, dass man den Kindern das Brot wegnehme und werfe es vor die Hunde. 28 Sie antwortete aber und sprach zu ihm: Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde unter dem Tisch von den Brosamen der Kinder. 29 Und er sprach zu ihr: Um dieses Wortes willen geh hin, der böse Geist ist von deiner Tochter ausgefahren. 30 Und sie ging hin in ihr Haus und fand das Kind auf dem Bett liegen, und der böse Geist war ausgefahren.

Jetzt geht Jesus in den Norden in das Gebiet von Tyrus, das – wenn ich mich nicht irre – wohl nicht mehr zu Galiläa gehört. Warum Jesus sich dort verbergen wollte, ist mir nicht klar. Vielleicht wollte Jesus Zeit nur mit seinen Jüngern haben. Oder er wollte einfach, dass ihn niemand erkennt, so dass er nicht als der „Heiler“ angesehen wird, sondern einfach predigen kann … oder er brauchte tatsächlich einfach mal eine Pause. Immerhin ist Jesus ja auch ganz Mensch.

Wie dem auch sei – es sprach sich dann doch herum, dass Jesus da war und er heilen kann und so kam dann eine Mutter, die Jesu Hilfe suchte, damit er ihre Tochter von einem bösen Geist befreit. Jesu Reaktion klingt sehr hart: „Lass zuvor die Kinder satt werden; es ist nicht recht, dass man den Kindern das Brot wegnehme und werfe es vor die Hunde“. Letztendlich verdeutlicht Jesus, dass er zuerst für die Juden gekommen ist. Das erkennt die Frau auch ohne Wenn und Aber an. Aber sie wagt es trotzdem, Jesus zu entgegnen: „Ja, Herr; aber doch fressen die Hunde unter dem Tisch von den Brosamen der Kinder.

Ich finde diese Demut sehr bemerkenswert. Diese Frau fordert nichts, sondern erklärt ihre Hoffnung, trotzdem von Jesu Güte profitieren zu können.

  • Uns muss klar sein, dass wir ja genauso wie die Frau zu den Heiden gehören. Von daher sind auch wir Menschen, die von den Verheißungen profitieren, die ursprünglich nur Israel galten, aber deren erben wir nun durch den Glauben an Jesus eben auch sein dürfen.
  • Wir dürfen von der Frau aber nicht nur Demut lernen, sondern eben auch die Beharrlichkeit im Bitten. Sie lässt sich nicht einfach abweisen. Es ist gut möglich, dass Jesus mit seiner Antwort den Glauben der Frau getestet hat. Und die Frau erweist ihren Glauben dadurch, dass sie weiter bittet. So sollten auch wir beharrlich im Gebet bleiben, auch wenn wir nicht gleich die Hilfe erfahren, um die wir bitten. Vielleicht will Jesus uns helfen, zu lernen, wirklich an IHM festzuhalten.

Schließlich erbarmt sich Jesus dieser Frau. Dabei sollten wir nicht übersehen, dass Jesu Hilfe immer Ausdruck seines Erbarmens ist. Auch die Juden haben keinen Anspruch auf Jesu Hilfe. Wer auch immer von Jesus profitiert, tut das allein aus Gnade!

Diese Frau darf genau das erleben. Jesus heilt ihre Tochter.

  • Und auch wir dürfen Jesu Kraft erfahren, wenn wir uns IHM im Glauben zuwenden. Das ist die Rettung, die wir alle brauchen!

7,1-23: „​1 Und es versammelten sich bei ihm die Pharisäer und einige von den Schriftgelehrten, die aus Jerusalem gekommen waren. 2 Und sie sahen einige seiner Jünger mit unreinen, das heißt: ungewaschenen Händen das Brot essen. 3 Denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, wenn sie nicht die Hände mit einer Hand voll Wasser gewaschen haben, und halten so die Satzungen der Ältesten; 4 und wenn sie vom Markt kommen, essen sie nicht, wenn sie sich nicht gewaschen haben. Und es gibt viele andre Dinge, die sie zu halten angenommen haben, wie: Trinkgefäße und Krüge und Kessel und Bänke zu waschen. 5 Da fragten ihn die Pharisäer und Schriftgelehrten: Warum leben deine Jünger nicht nach den Satzungen der Ältesten, sondern essen das Brot mit unreinen Händen? 6 Er aber sprach zu ihnen: Wie fein hat von euch Heuchlern Jesaja geweissagt, wie geschrieben steht (Jesaja 29,13): »Dies Volk ehrt mich mit den Lippen; aber ihr Herz ist fern von mir. 7 Vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts sind als Menschengebote.« 8 Ihr verlasst Gottes Gebot und haltet der Menschen Satzungen. 9 Und er sprach zu ihnen: Wie fein hebt ihr Gottes Gebot auf, damit ihr eure Satzungen aufrichtet! 10 Denn Mose hat gesagt (2.Mose 20,12; 21,17): »Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren«, und: »Wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben.« 11 Ihr aber lehrt: Wenn einer zu Vater oder Mutter sagt: Korban – das heißt: Opfergabe soll sein, was dir von mir zusteht –, 12 so lasst ihr ihn nichts mehr tun für seinen Vater oder seine Mutter 13 und hebt so Gottes Wort auf durch eure Satzungen, die ihr überliefert habt; und dergleichen tut ihr viel. 14 Und er rief das Volk wieder zu sich und sprach zu ihnen: Hört mir alle zu und begreift’s! 15 Es gibt nichts, was von außen in den Menschen hineingeht, das ihn unrein machen könnte; sondern was aus dem Menschen herauskommt, das ist’s, was den Menschen unrein macht. 16 17 Und als er von dem Volk ins Haus kam, fragten ihn seine Jünger nach diesem Gleichnis. 18 Und er sprach zu ihnen: Seid ihr denn auch so unverständig? Merkt ihr nicht, dass alles, was von außen in den Menschen hineingeht, ihn nicht unrein machen kann? 19 Denn es geht nicht in sein Herz, sondern in den Bauch und kommt heraus in die Grube. Damit erklärte er alle Speisen für rein. 20 Und er sprach: Was aus dem Menschen herauskommt, das macht den Menschen unrein; 21 denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus böse Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, 22 Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Missgunst, Lästerung, Hochmut, Unvernunft. 23 Alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und machen den Menschen unrein.

In diesem langen Abschnitt lehrt Jesus eine sehr wichtige Wahrheit. Wahre Anbetung ist nichts, was man durch Gesetze regeln kann. Es ist eine Herzenssache.

Jesu Jünger wurden von den Pharisäern und einigen Schriftgelehrten dafür kritisiert, dass sie sich nicht an die Satzungen der Ältesten hielten. Dies waren von Menschen gemachte Gesetze, die in der Regel weitergehende Ausführungen von biblischen Geboten waren, wie zum Beispiel die Satzungen zu den Reinigungsriten, die hier konkret im Blick sind. Sie sollten die Menschen davor schützen, dem Gesetzesbruch auch nur Nahe zu kommen. Sich selbst solche Regelungen als Hilfe aufzuerlegen, mag durchaus sinnvoll sein. Wenn zum Beispiel ein junger Mann Probleme mit Pornografie hat, kann es weise sein, wenn er im Sommer bewusst Orte meidet, die ihn da besonders herausfordern. Ein Bekannter erzählte mir mal, dass er deshalb nicht ins Freibad geht und im Sommer bestimmte Parks meidet. Das ist ja durchaus ein gutes Bestreben – denn er wollte der Versuchung fliehen. Problematisch wird so etwas nur dann, wenn man seine eigenen Regeln dann auch anderen als Gesetz auferlegt.

Und natürlich sollte man immer darauf bedacht sein, solche persönlichen „Spielregeln“ als Mittel zum Zweck zu sehen. Letztendlich geht es darum, dass wir unsere Herzen so auf den Herrn ausrichten sollten, dass wir ihm gehorchen wollen, weil wir ihm vertrauen, dass er es mit den Geboten gut mit uns meint.

Andere Satzungen waren noch problematischer, denn sie offenbarten einen Mangel an Bereitschaft, wirklich den „Geist des Gesetzes“ zu erfüllen, indem sie Wege bereiteten, wie man meinte dem Buchstaben des Gesetzes gerecht werden zu können. Die Frage nach dem Korban fällt in diese Kategorie. Das spricht Jesus hier dann direkt an.

Die erste wichtige Kernbotschaft ist das, was Jesus durch das Zitat aus dem Propheten Jesaja (Jes 29,13) ansprucht: »Dies Volk ehrt mich mit den Lippen; aber ihr Herz ist fern von mir. Vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren solche Lehren, die nichts sind als Menschengebote.«

  • Die Kernfrage ist also immer, ob unsere Herzen dem Herrn gehören.

Ab Vers 14 geht Jesus dann lehrmäßig in die Offensive. Nachdem er bis dahin die Anklagen der Pharisäer widerlegt hatte, lehrt er jetzt selbst zur Frage der Reinheit. Dabei betont er, woher wahre Unreinheit kommt – nämlich nicht von außen in uns hinein, sondern aus unserem Innersten – aus unserem Herzen. Das ist das große Thema des ganzen Abschnitts: es geht um unsere Herzen. Die Herzen sind das Problem. Unsere Herzen sind von Natur aus fern von Gott, denn sie wollen Gott nicht lieben, dienen und anbeten.

Deswegen ist Reinheit nichts, was wir durch äußere Regelungen erreichen können. Was wir wirklich brauchen, ist eine grundsätzliche Herzensveränderung. Anstelle unsere harten, verhärteten Herzen, brauchen wir Herzen, die erfüllt sich von der Liebe Gottes. Diese „Herztransplation“ muss Gott bei uns durchführen. Wir brauchen neue Herzen. Die bekommen wir mit der Bekehrung.

Und auch als Christen brauchen wir dann immer wieder eine Reinigung unserer Herzen. Dafür dürfen wir beten und dazu sollten wir uns immer wieder dem HERRN zuwenden. Gerade das Bekennen unserer Sünden kann da ein ganz wichtiger Schritt sein. So lehrt 1. Joh 1,9: „Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.