4,21-34: „21 Und er sprach zu ihnen: Zündet man etwa ein Licht an, um es unter den Scheffel oder unter die Bank zu setzen? Keineswegs, sondern um es auf den Leuchter zu setzen. 22 Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden soll, und ist nichts geheim, was nicht an den Tag kommen soll. 23 Wer Ohren hat zu hören, der höre! 24 Und er sprach zu ihnen: Seht zu, was ihr hört! Mit welchem Maß ihr messt, wird man euch wieder messen, und man wird euch noch dazugeben. 25 Denn wer da hat, dem wird gegeben; und wer nicht hat, dem wird man auch das nehmen, was er hat.
26 Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft 27 und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht wie. 28 Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. 29 Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.
30 Und er sprach: Womit wollen wir das Reich Gottes vergleichen, und durch welches Gleichnis wollen wir es abbilden? 31 Es ist wie ein Senfkorn: wenn das gesät wird aufs Land, so ist’s das kleinste unter allen Samenkörnern auf Erden; 32 und wenn es gesät ist, so geht es auf und wird größer als alle Kräuter und treibt große Zweige, sodass die Vögel unter dem Himmel unter seinem Schatten wohnen können. 33 Und durch viele solche Gleichnisse sagte er ihnen das Wort so, wie sie es zu hören vermochten. 34 Und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen; aber wenn sie allein waren, legte er seinen Jüngern alles aus
.“

Nach dem ausführlicheren Bericht über das Sämann-Gleichnis, folgen hier gleich noch drei weitere Gleichnisse, durch die Jesus über seinen Dienst und das Reich Gottes lehrt. In den Versen 21-25 lesen wir dabei ein Gleichnis, das sehr ähnlich zu dem klingt, was Jesus zu Beginn der Bergpredigt sagt. Allerdings macht Jesus in der Bergpredigt klar, dass dort seine Jünger das Licht sein sollen, während er hier wohl eher sich selbst oder das Wort Gottes als das Licht beschreibt. Den durch das Wort wird dann alles offenbar – letztendlich dann, wenn Jesus selbst wiederkommt. Wenngleich also die Gleichnisse tiefe Wahrheiten für manche Menschen, nämlich die, die nicht glauben, verbirgt, so wird doch letztendlich die göttliche Wahrheit für alle Welt offenbar werden.

  • Da (im Gericht) wird dann offenbar werden, ob uns auch noch das genommen wird, was wir haben oder ob wir noch viel mehr dazu empfangen werden (in der Herrlichkeit).

Noch ist vieles verborgen, was eines Tages sichtbar werden wird. Das macht Jesus dann mit den nächsten beiden Gleichnissen deutlich, wenn er von dem Samen spricht, der einfach irgendwann aufgeht und vom kleinen Senfkorn, aus dem etwas Großes erwächst.

  • Das erste Gleichnis vom Säen und Schlafen ist eine große Ermutigung für uns in unserem „Säen“. Unsere Aufgabe ist es den Samen (also das Wort Gottes bzw. das Evangelium) klar und unverfälscht weiterzusagen.
  • Dann haben wir unser Werk getan. Und während wir schlafen und nichts mitbekommen, wird der Same oftmals seine Kraft entfalten, so dass Frucht entsteht. Wir sind also nicht für die Frucht verantwortlich, sondern für das Säen.

Das nächste Gleichnis zeigt dann, dass der Same (das Evangelium) uns vielleicht klein und unscheinbar erscheinen mag, aber tatsächlich ein enormes Potential hat. Das werden wir auch am Sonntag bei der Predigt zu 1. Kor 1,18-31 bedenken.

Markus 4,1-20: „​1 Und er fing abermals an, am See zu lehren. Und es versammelte sich eine sehr große Menge bei ihm, sodass er in ein Boot steigen musste, das im Wasser lag; er setzte sich, und alles Volk stand auf dem Lande am See. 2 Und er lehrte sie vieles in Gleichnissen; und in seiner Predigt sprach er zu ihnen: 3 Hört zu! Siehe, es ging ein Sämann aus zu säen. 4 Und es begab sich, indem er säte, dass einiges auf den Weg fiel; da kamen die Vögel und fraßen’s auf. 5 Einiges fiel auf felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte, und ging alsbald auf, weil es keine tiefe Erde hatte. 6 Als nun die Sonne aufging, verwelkte es, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. 7 Und einiges fiel unter die Dornen, und die Dornen wuchsen empor und erstickten’s, und es brachte keine Frucht. 8 Und einiges fiel auf gutes Land, ging auf und wuchs und brachte Frucht, und einiges trug dreißigfach und einiges sechzigfach und einiges hundertfach. 9 Und er sprach: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
10 Und als er allein war, fragten ihn, die um ihn waren, samt den Zwölfen, nach den Gleichnissen. 11 Und er sprach zu ihnen: Euch ist das Geheimnis des Reiches Gottes gegeben; denen aber draußen widerfährt es alles in Gleichnissen, 12 damit sie es mit sehenden Augen sehen und doch nicht erkennen, und mit hörenden Ohren hören und doch nicht verstehen, damit sie sich nicht etwa bekehren und ihnen vergeben werde.
13 Und er sprach zu ihnen: Versteht ihr dies Gleichnis nicht, wie wollt ihr dann die andern alle verstehen? 14 Der Sämann sät das Wort. 15 Das aber sind die auf dem Wege: wenn das Wort gesät wird und sie es gehört haben, kommt sogleich der Satan und nimmt das Wort weg, das in sie gesät war. 16 Desgleichen auch die, bei denen auf felsigen Boden gesät ist: wenn sie das Wort gehört haben, nehmen sie es sogleich mit Freuden auf, 17 aber sie haben keine Wurzel in sich, sondern sind wetterwendisch; wenn sich Bedrängnis oder Verfolgung um des Wortes willen erhebt, so fallen sie sogleich ab. 18 Und andere sind die, bei denen unter die Dornen gesät ist: die hören das Wort, 19 und die Sorgen der Welt und der betrügerische Reichtum und die Begierden nach allem andern dringen ein und ersticken das Wort, und es bleibt ohne Frucht. 20 Diese aber sind’s, bei denen auf gutes Land gesät ist: die hören das Wort und nehmen’s an und bringen Frucht, einige dreißigfach und einige sechzigfach und einige hundertfach
.“

Zu Beginn lesen wir das „Sämann“-Gleichnis – oder auch und evtl besser – das Gleichnis „Vom vierfachen Ackerfeld“. Das hier von Jesus benutzte Bild verstand damals sicher jeder. Ausgesät wurde die Saat ja per Hand und da viel der Same an alle möglichen Stellen.

  • Auf Wege, die festgetreten waren. Hier war der Same dann einfach Vogelfutter.
  • Auf felsigen Boden, auf dem der Same vielleicht sogar kurz aufging, aber eben nur kurz.
  • Unter Unkraut, das den Samen bzw die eventuell entstehende Pflanze bald erdrückte.
  • Und dann natürlich den Samen, der dahin fiel, wo er hin sollte, und das vollbrachte, wozu er letztendlich gesät worden war – das ist der Same der aufgeht und Frucht bringt.

Den Jüngern ist sofort klar, dass Jesus das nicht sagte, um tatsächlich über die Arbeit eines Bauern zu erklären. Sie wissen, Jesus gebraucht diese bildhafte Sprache, als Gleichnis. Aber sie verstehen noch nicht, warum Jesus in Gleichnissen spricht und sie verstehen auch noch nicht, was Jesus damit sagen will. Und so erklärt Jesus (ab Vers 10), wozu er Gleichnisse gebraucht. Die Gleichnisse, die so hilfreich sein können, um tiefe geistliche Wahrheiten zu verdeutlichen, haben zugleich den Effekt, dass sie für die Ungläubigen diese Wahrheiten verdecken. Es braucht also Glauben, um Gleichnisse verstehen zu können oder wie es in 1. Korinther 2,10ff heißt, wir brauchen den Heiligen Geist, um geistliche Wahrheiten verstehen zu können.

Ab Vers 13 erklärt Jesus seinen Jüngern dann das Gleichnis.

Sämann ist jeder, der Gottes Wort verkündet. Damals war Jesus selbst der Sämann, aber natürlich wird diese Funktion von jedem ausgeübt, der den Samen des Evangeliums sät. Der Same ist das Wort Gottes (V.14) … die erste Lehre ist also, dass das was wir auszusehen haben damit Frucht entstehen kann, immer das Wort Gottes sein muss.

  • Das Wort Gottes allein ist der Same, aus dem echte Frucht hervorgehen kann.
  • Möge der Herr uns immer wieder das Vertrauen in die Kraft seines Wortes schenken, so dass wir es mutig und unverfälscht weitersagen.

Unsere Aufgabe ist dabei zu säen. Was dann aus der Saat wird, liegt nicht an uns, sondern daran was Gott mit dem Boden tut, auf den die Saat fällt. Das heißt natürlich nicht, dass wir nicht sowohl den Verstand wie auch das Herz ansprechen sollen und Menschen eindringlich zum Glauben rufen sollen. Aber dabei sollten wir immer im Blick haben, dass unser Auftrag eben nicht der ist, Menschen irgendwie zu bekehren, sondern ihnen treu das Wort Gottes zu sagen und dann Gott zu bitten, dass die Gute Saat doch aufgehen möge.

Im Gleichnis sehen wir vier Böden:

  • einer lehnt das Wort direkt ab – die Vögel nehmen es weg … es dringt nicht ein.
  • andere nehmen das Wort auf, ohne dass es tiefe Wurzeln schlägt und Frucht bringt. Nach einem Strohfeuer stirbt es ab.
  • Wieder andere nehmen das Wort auf, doch es steht dann mitten unter allen möglichen anderen Dingen, die letztendlich dafür sorgen, dass die Pflanze erstickt.
  • Doch manchmal wird der Same tief eindringen und dann kann eine starke Pflanze wachsen und viel Frucht bringen.

Die Frucht allein zeigt dabei, ob ein Mensch tatsächlich bekehrt ist. Deshalb zeigt sich die wahre Bekehrung nicht zwingend in einem Übergabegebet und ersten freudigen oder auch tränenreichen Reaktionen, sondern im Leben.

3,31-35: „Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. 32 Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir. 33 Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? 34 Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! 35 Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

Die Verse 31-35 scheinen an den kurzen Bericht aus Vers 20-21 anzuknüpfen, wo ja auch schon Angehörige von Jesus erwähnt wurden, die zu ihm gekommen waren, um ihn zu holen, weil sie meinten, dass er von Sinnen wäre. Ihr Missverständnis darüber, wer Jesus wirklich ist, war nicht so bösartig und gefährlich wie das derer, die ihn zu einem Verbündeten Satans erklärten (V.22-30), aber letztendlich erkannten eben auch seine Angehörigen (noch) nicht, wer Jesus wirklich war.

Das ist umso verwunderlicher, als wir hier in Vers 31 lesen: „Und es kamen seine Mutter und seine Brüder.“ Zumindest Maria hatte ja schon im Vorfeld seiner Geburt und kurz nach seiner Geburt bezeugt bekommen, wer ihr Sohn wirklich ist. Und immerhin heißt es ja in Lukas 2, dass sie sich diese Worte zu Herzen nahm. Aber ganz offensichtlich kam dann das öffentliche Wirken Jesu für sie so überraschend, dass sie damit zumindest anfangs noch nichts anfangen konnte. Und so kommt sie mit Jesu Halbbrüdern von Nazareth nach Kapernaum. Über die Brüder Jesu erfahren wir später (Mk 6,3), dass er wohl vier hatte: „Jakobus und Joses und Judas und Simon“.

Als Jesus berichtet wird, dass seine Familie draußen vor der Tür steht – eventuell konnten auch sie wegen der vielen Menschen nicht gleich zu ihm kommen – sagt Jesus etwas, dass im ersten Moment wenig wertschätzend klingt: „Wer ist meine Mutter und meine Brüder? 34 Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! 35 Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

Schließlich heißt es ja im 5. Gebot, dass wir Vater und Mutter ehren sollen. Und natürlich hält Jesus die Gebote. Er hat seine Mutter also niemals respektlos behandelt. Hier geht es Jesus darum, etwas ganz Wichtiges zu lehren. Nämlich, dass seine Familie letztendlich eben die sind, die an ihn glauben und das dadurch zeigen, dass sie danach streben, Gottes Willen zu tun.

  • Wenn wir also durch den Glauben, der sich im Gehorsam offenbart, Christen sind, dann stehen wir Jesus näher, als selbst seine Blutsverwandtschaft, die nicht an ihn glaubt.
  • Ist das nicht eine erstaunliche und großartige Wahrheit?

Wir wissen, dass später mindestens zwei der Halbbrüder Jesu zu seinen Jüngern wurden und sogar Bibelbücher verfasst haben (Jakobus und Judas). Von daher sind sie also in zweifacher Hinsicht Brüder Jesu – nach dem Fleisch und auch durch den Glauben.

  • Was wir hier auch noch erkennen sollten ist, dass auch uns jeder Christ näher stehen sollte, selbst als unsere engsten Angehörigen, die nicht gläubig sind. Wiederum heißt das nicht, dass wir unsere ungläubigen Familienangehörigen nicht liebevoll und mit Respekt behandeln sollen – es sollte vielmehr einen Einfluss darauf haben, wie wir mit denen umgehen, die durch den Glauben unsere Brüder und Schwestern sind. In Gemeinden sagt man das ja leicht – aber behandeln wir einander dann auch so?
  • Ich denke, dass uns das herausfordern darf.

3,22-30: „Die Schriftgelehrten aber, die von Jerusalem herabgekommen waren, sprachen: Er hat den Beelzebul, und: Er treibt die bösen Geister aus durch ihren Obersten. 23 Jesus aber rief sie zusammen und sprach zu ihnen in Gleichnissen: Wie kann der Satan den Satan austreiben? 24 Wenn ein Reich mit sich selbst uneins wird, kann es nicht bestehen. 25 Und wenn ein Haus mit sich selbst uneins wird, kann es nicht bestehen. 26 Erhebt sich nun der Satan gegen sich selbst und ist mit sich selbst uneins, so kann er nicht bestehen, sondern es ist aus mit ihm. 27 Niemand kann aber in das Haus eines Starken eindringen und seinen Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken fesselt; erst dann kann er sein Haus berauben. 28 Wahrlich, ich sage euch: Alle Sünden werden den Menschenkindern vergeben, auch die Lästerungen, wie viel sie auch lästern mögen; 29 wer aber den Heiligen Geist lästert, der hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewiger Sünde schuldig. 30 Denn sie sagten: Er hat einen unreinen Geist.

In diesem Abschnitt lesen wir nun über eine weitere Anklage gegen Jesus. Bisher wurde er schon angeklagt, weil seine Jünger nicht fasten und weil er angeblich den Sabbat nicht richtig gehalten hat. Jetzt wird die Anklage nochmal deutlich schärfer, denn jetzt wird Jesus als ein Handlanger des Teufels angeklagt. Die Begründung dafür klingt seltsam – nämlich, dass er die Macht zur Austreibung böser Geister vom Oberen der bösen Geister empfangen habe und mit Beelzebul zusammenhängt.

Tatsächlich macht das aber wiederum Sinn, wenn man ausschließt, dass Jesus wirklich in der Kraft Gottes handelt. Dann bleibt nur noch der Teufel als ein mächtiger Gebieter, der den bösen Geistern etwas gebieten könnte.

  • Wir erleben das in anderer Weise auch immer mal wieder. Da wo Gott definitorisch ausgeschlossen wird, muss man halt andere Erklärungen für das finden, was man sich nicht erklären kann.

Jesus verdeutlicht in seiner Antwort, wie absurd die Anklage ist. Satan würde doch nicht gegen sich selbst arbeiten. Die Mächte der Finsternis halten zusammen in ihrem Kampf gegen Gott, sonst könnten sie gar nichts ausrichten.

  • Vor dem Hintergrund der gestrigen Predigt zur Einheit der Gemeinde aus 1. Kor 1,10-17 (https://www.youtube.com/watch?v=5sVRU6-r-Og&t=1186s) finde ich es bedenkenswert, dass auch die Feinde Gottes Einheit als wichtig anerkennen … um wie viel mehr sollten wir uns darum bemühen.

Durch ein Gleichnis beschreibt Jesus sich als den noch Stärkeren, der den Starken (Satan) bindet, so dass er die bösen Geister austreiben kann. Ich finde diese Aussage gerade auch vor dem Hintergrund von Offb 20,2 sehr interessant, wo es ja über Jesus heißt: „Und er ergriff den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und der Satan, und fesselte ihn für tausend Jahre.“

Viele Christen erwarten das ja erst noch in der Zukunft. Ich bin da vorsichtig, mich zu eindeutig festzulegen … aber ich tendiere aus verschiedenen Gründen zum Amillenianismus – also der Position, dass das 1000-jährige Reich für den langen Zeitraum zwischen Jesu erstem Kommen und seiner Rückkehr steht und wir deshalb nicht noch ein zukünftiges 1000-jähriges Reich erwarten müssen. Diese Bibelstelle wäre ein (zugegebenermaßen eher nebensächliches) Argument für diese Position.

Jesus geht es hier aber natürlich nicht darum, unsere Neugier im Hinblick auf Abläufe der letzten Tage zu stillen. Er warnt hier davor, sein Handeln und das Wirken des Heiligen Geistes dem Satan zuzuschieben. Eine solche Lästerung gegen das offensichtliche Wirken Jesu und des Heiligen Geistes und der damit einhergehende Unglaube sind unvergebbar.

  • Immer mal wieder fragen mich Christen besorgt, ob sie evtl diese Sünde begangen haben.
  • Ich bin mir nicht sicher, ob wir heute überhaupt noch diese Sünde begehen können oder ob das nur zur Zeit von Jesu direktem Wirken auf Erden möglich war.
  • Aber ganz sicher kann kein echter Christ etwas tun, dass ihn verloren gehen lässt. Das sagt uns Gottes Wort klar und deutlich.

3,13-21: „Und er ging auf einen Berg und rief zu sich, welche er wollte, und die gingen hin zu ihm. 14 Und er setzte zwölf ein, die er auch Apostel nannte, dass sie bei ihm sein sollten und dass er sie aussendete zu predigen 15 und dass sie Vollmacht hätten, die bösen Geister auszutreiben. 16 Und er setzte die Zwölf ein und gab Simon den Namen Petrus; 17 weiter: Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, und gab ihnen den Namen Boanerges, das heißt: Donnersöhne; 18 weiter: Andreas und Philippus und Bartholomäus und Matthäus und Thomas und Jakobus, den Sohn des Alphäus, und Thaddäus und Simon Kananäus 19 und Judas Iskariot, der ihn dann verriet.
20 Und er ging in ein Haus. Und da kam abermals das Volk zusammen, sodass sie nicht einmal essen konnten. 21 Und als es die Seinen hörten, machten sie sich auf und wollten ihn festhalten; denn sie sprachen: Er ist von Sinnen.

Jesus hatte ja bereits einzelne Männer in seine Nachfolge berufen. Inzwischen ist die Zahl seiner Jünger weiter stark angewachsen. Nun ist es an der Zeit, dass er eine kleine Gruppe in besonderer Weise beruft und bevollmächtigt, als seine Botschafter und Repräsentanten zu agieren – deswegen nennt er sie auch Apostel.

Diese Männer sollten immer bei ihm sein und wurden von ihm ausgesandt zu predigen und mit Vollmacht ausgerüstet, böse Geister auszutreiben. Damit wird deutlich, dass sie tun sollten, was Jesus selbst tat. Sie waren tatsächlich seine Repräsentanten, durch die Jesus seinen Dienst zum einen ausbreiten würde und durch die er dafür sorgte, dass sein Werk auch nach seiner Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt weitergeführt werden sollte. Was hier noch nicht erwähnt wird ist dann ihr Zeugnis, durch das Jesus uns bis heute verkündet wird.

Die Zahl 12 erinnert natürlich sofort an den 12 Stämme Israels. Und die Zahl 12 steht für die Vollzahl. Einige Namen werden in den Parallelberichten anders benannt. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen gibt Jesu manchen der Jünger neue Namen – Simon heißt jetzt Petrus. Und manchmal gibt es dann auch noch unterschiedliche Übersetzungen je nach Sprach, so heißt Petrus im aramäischen, Kephas.

Bemerkenswert ist dabei natürlich, dass Jesus auch Judas Iskariot in den Kreis der Apostel beruft. Aus dem Johannesevangelium wissen wir, dass Jesus wusste, dass Judas ihn verraten würde. Und genau dazu beruft er ihn also in den Kreis der Apostel. Ich kann mir gar nicht so richtig vorstellen, wie das für Jesus gewesen sein muss, bewusst den Mann in seinen engsten Jüngerkreis zu berufen, der ihn dann später verraten würde, so dass er den fürchterlichen Tod am Kreuz erleiden würde.

Noch ist Jesus allerdings sehr populär, und viele Menschen sammeln sich um ihn. Nur seine Angehörigen finden das alles seltsam und denken, dass Jesus von Sinnen ist. Das finde ich wirklich interessant, weil das darauf hindeuten, dass Jesus in den ersten 30 Jahren nichts getan hat, was seine Angehörigen dazu hätte bringen können, das zu erwarten, was jetzt geschah.

  • Aber vielleicht ist das auch für uns eine hilfreiche Warnung, dass auch für uns das Wissen um Jesus nicht zwingend bedeutet, dass wir eine wirkliche Wertschätzung für ihn haben.
  • Und viele Kinder, die Jesus in gewisser Weise von kleinauf kennen, können dann eben auch manchmal nichts mit dem anfangen, was Jesus gelehrt und getan hat.
  • Möge der HERR es schenken, dass wir JESUS klar erkennen und ihn mit dankbaren und frohen Herzen anbeten.

3,1-12: „1 Und er ging abermals in die Synagoge. Und es war dort ein Mensch, der hatte eine verdorrte Hand. 2 Und sie lauerten darauf, ob er auch am Sabbat ihn heilen würde, damit sie ihn verklagen könnten. 3 Und er sprach zu dem Menschen mit der verdorrten Hand: Tritt hervor! 4 Und er sprach zu ihnen: Soll man am Sabbat Gutes tun oder Böses tun, Leben erhalten oder töten? Sie aber schwiegen still. 5 Und er sah sie ringsum an mit Zorn und war betrübt über ihr verstocktes Herz und sprach zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus; und seine Hand wurde gesund. 6 Und die Pharisäer gingen hinaus und hielten alsbald Rat über ihn mit den Anhängern des Herodes, wie sie ihn umbrächten.
7 Aber Jesus entwich mit seinen Jüngern an den See und eine große Menge aus Galiläa folgte ihm; auch aus Judäa 8 und Jerusalem, aus Idumäa und von jenseits des Jordans und aus der Umgebung von Tyrus und Sidon kam eine große Menge zu ihm, die von seinen Taten gehört hatte. 9 Und er sagte zu seinen Jüngern, sie sollten ihm ein kleines Boot bereithalten, damit die Menge ihn nicht bedränge. 10 Denn er heilte viele, sodass alle, die geplagt waren, über ihn herfielen, um ihn anzurühren. 11 Und wenn ihn die unreinen Geister sahen, fielen sie vor ihm nieder und schrien: Du bist Gottes Sohn! 12 Und er gebot ihnen streng, dass sie ihn nicht offenbar machten.

Die ersten 6 Verse gehören inhaltlich zum Ende von Kapitel 2, denn auch hier geht es wieder darum, dass der Sabbat um des Menschen willen gemacht ist und nicht der Mensch um des Sabbats willen. Und auch darum, dass Jesus – der Menschensohn – ein Herr auch über den Sabbat ist. Jesu Feinde warten nur darauf, dass Jesus am Sabbat das große Wunder tut und einem leidenden Menschen in Barmherzigkeit und göttlicher Vollmacht heilt. Doch zynischer Weise tun sie das nicht, um ihn dann dafür anzubeten, sondern um ihn verklagen zu können.

Wie so oft packt Jesus den Stier bei den Hörnern und verdeutlicht, um was es hier tatsächlich geht. Was soll man am Sabbat tun? Gutes oder Böses? Jesus will etwas richtig Gutes tun. Seine Widersacher hingegen planen etwas richtig Böses. Doch selbst als Jesus dies so pointiert fragt, rücken seine Feinde nicht von ihren bösen Plänen ab. Jesus zeigt, dass er sich von nichts und niemanden einschüchtern und aufhalten lässt und so heilt er den Menschen mit der verkrüppelten Hand.

Hinter all dem steht aber vor allem, wie GOTT selbst das Böse gebraucht, um seinen guten Plan auszuführen. Denn nur weil die Menschen das Böse planen und dann auch ausführen – nämlich die Tötung Jesu – wird dieser, wie von Gott geplant, stellvertretend für Sünder (wie seine Feinde, wie der Mensch mit der verdorrten Hand und wie Dich und mich) sterben, so dass jeder, der an ihn glaubt, Vergebung und ewiges Leben empfangen kann.

Ab Vers 7 sehen wir, dass es neben den Feinden Jesu aber vorerst noch sehr sehr viele Menschen gab, die ihm nachfolgten. Dabei lesen wir hier, dass sie kamen, weil sie von Jesu Taten gehört hatten. Doch Jesus will diese Menschen vor allem lehren, denn dazu ist er gekommen. Doch wir sehen hier eben auch, dass Jesus weiter in göttlicher Vollmacht und voller Barmherzigkeit viele Menschen heilt und von bösen Geistern befreit. Die bösen Geister wussten genau, mit wem sie es zu tun hatten: mit Gottes Sohn. Sie kannten ihn, aber sie liebten ihn nicht. Die Menschen hingegen liebten Jesus, aber sie kannten ihn noch nicht wirklich. Deshalb wollte Jesus sie noch weiter lehren, damit sie ihn besser kennenlernen und erkennen konnten, was er für sie tun musste. Denn sonst hätten sie nur ihre falschen Erwartungen auf ihn projiziert. Das ist auch der Grund, warum die bösen Geister schweigen mussten.

  • Möge der HERR unser Lesen des Markusevangeliums gebrauchen, damit wir JESUS immer besser kennenlernen und IHN immer mehr lieben!

2,18-28: „Und die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten viel; und es kamen einige, die sprachen zu ihm: Warum fasten die Jünger des Johannes und die Jünger der Pharisäer, und deine Jünger fasten nicht? 19 Und Jesus sprach zu ihnen: Wie können die Hochzeitsgäste fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? Solange der Bräutigam bei ihnen ist, können sie nicht fasten. 20 Es wird aber die Zeit kommen, dass der Bräutigam von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten, an jenem Tage. 21 Niemand flickt einen Lappen von neuem Tuch auf ein altes Kleid; sonst reißt der neue Lappen vom alten ab und der Riss wird ärger. 22 Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der Wein die Schläuche und der Wein ist verloren und die Schläuche auch; sondern man soll neuen Wein in neue Schläuche füllen.
23 Und es begab sich, dass er am Sabbat durch ein Kornfeld ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. 24 Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? 25 Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er in Not war und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: 26 wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit Abjatars, des Hohenpriesters, und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? 27 Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. 28 So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat.

Ab Markus 2,18 folgen zwei kurze Berichte darüber, wie Jesus damit konfrontiert wird, dass seine Jünger nicht das tun, was viele fromme Juden der damaligen Zeit taten: Fasten & den Sabbat halten. Jesus antwortet auf beide Anfragen, indem er erklärt, dass mit seinem Kommen eine neue Zeit begonnen hat.

Das Fasten war vom AT Gesetz nur einmal jährlich fest vorgeschrieben. Doch die Praxis war, dass man zweimal wöchentlich fastete und das Leben von Johannes dem Täufer war ja fast so etwas, wie ein Dauerfasten. Von daher ist die Anfrage sicher erstmal gut nachvollziehbar. Jesus antwortet mit einem Vergleich, durch den er seine Identität offenbarte. Im AT wird Gott gelegentlich mit einem Mann gleichgesetzt, der Israel als seine Frau liebt und wieder heiratet (siehe Hosea & Jesaja). Jesus ist der Bräutigam, durch den Gott zu seiner Braut kommt. Bei einem solchen Anlass ist es völlig unangemessen, zu fasten. Denn Fasten hat mit Trauer und sehnsüchtigem Warten zu tun. Jesus sagt dann, dass eine Zeit dafür kommen wird, wenn er seinen Jüngern entrissen wird.

  • Für uns stellt sich die Frage, was das denn nun für uns bedeutet. In gewisser Weise ist es sicher sehr legitim, zu fasten. Wir warten auf Jesu Wiederkehr – wir bitten und fasten. Andererseits dürfen wir wissen, dass Jesus seit Pfingsten durch seinen Geist bei uns ist, alle Tage.
  • Von daher ist das Fasten sicher eine geistliche Disziplin auch für uns hier und heute … aber andererseits auch nichts, was wir machen müssen.

Ab Vers 23 kommt dann eine zweite Frage – nämlich zum Sabbat. Hier ist die Anfrage nicht nur die nach einer gängigen Praxis, sondern danach, warum Jesu Jünger scheinbar das Gesetz missachten. Es ist nicht wirklich klar, ob das was die Jünger taten, am Sabbat wirklich nicht erlaubt war. Aber Jesus lässt sich auf diese Diskussion gar nicht ein. Er nutzt die Anfrage vielmehr, um wiederum über sich selbst zu lehren. Zum anderen lehrt er auch über den Zweck der Gesetze. Gottes Gesetz ist für uns Menschen zu unserem Besten gegeben und nicht, um uns zu geißeln.  Das trifft auch auf den Sabbat zu: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht“.

  • Das heißt für uns konkret anzuerkennen, dass es ein Geschenk Gottes ist, dass er uns Ruhe gibt. Das tut er durch den Tag & Nacht Rhythmus, und das tut er durch den Wochenrhythmus. Dabei ist die wirkliche Ruhe dann aber nicht auf der Couch zu finden, sondern bei dem, der sich zu uns (und in die Gemeinschaft seines Leibes / der Gemeinde) ruft, um bei ihm Ruhe zu finden (Mt 11,28ff).

Jesus ist dabei der HERR über den Sabbat. Das war für die Zuhörer sicher eine krasse Aussage. Denn allen war klar, dass GOTT der HERR über den Sabbat ist. Jesus nimmt also für sich in Anspruch, Gott zu sein oder zumindest, für Gott sprechen zu können. Und natürlich ist das genau richtig. Wenngleich Jesus in allem das Gesetz erfüllt und nie gesündigt hat, muss uns doch klar sein, dass wir niemals das Gesetz gegen Gott ausspielen können. Aber wir sollten anerkennen, dass GOTT das Recht hat, uns das Gesetz zu geben. Und weil er es immer gut mit uns meint, sollten wir eben auch nach seinem Gesetz leben … denn es ist uns zu unserem Besten gegeben.

2,13-17: „Und er ging wieder hinaus an den See; und alles Volk kam zu ihm und er lehrte sie. 14 Und als er vorüberging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm nach. 15 Und es begab sich, dass er zu Tisch saß in seinem Hause, da setzten sich viele Zöllner und Sünder zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern; denn es waren viele, die ihm nachfolgten. 16 Und als die Schriftgelehrten unter den Pharisäern sahen, dass er mit den Sündern und Zöllnern aß, sprachen sie zu seinen Jüngern: Isst er mit den Zöllnern und Sündern? 17 Als das Jesus hörte, sprach er zu ihnen: Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“

Kapernaum liegt direkt am See Genezareth. Nach der Heilung des Gelähmten geht wieder raus aus der Stadt (oder evtl besser dem Ort) an den See. Die Menschenmassen werden – sicher auch gerade wegen der Heilungswunder – immer größer und Jesus lehrt sie. Und dann kommt er an einem Zollhaus vorbei, in dem Levi sitzt. Im Matthäusevangelium lesen wir, dass er auch Matthäus hieß, so dass wir wissen können, dass aus dem Zöllner Levi später der Apostel Matthäus werden sollte. Jesus ruft ihn direkt in Seine Nachfolge. Und Levi folgt. Das ist ein dramatischer Bekehrungsbericht. Der Jude Levi (der Name ist ja eindeutig jüdisch, wahrscheinlich war er sogar ein Levit), der sein eigenes Volk im Auftrag der Römer ausbeutete, wendet sich von seinem lukrativen Geschäft ab und dem jüdischen Messias zu. Vielleicht ist das ein bisschen so, als würden Leute aus unserer Gemeinde vom Bahnhof zur Gemeinde an einem der Sexclubs einem Zuhälter zurufen, komm zu Jesus und komm mit zur Gemeinde. Und der schließt seinen Sexclub zu und kommt mit.

Und dann geht Jesus zu ihm zum Essen. Dabei lädt Levi auch noch andere Zöllner und ausgegrenzte („Sünder“) ein, damit auch sie Jesus kennenlernen können. Es muss ein evangelistisches Fest gewesen sein. Nur den Schriftgelehrten unter den Pharisäern gefällt das nicht. Sie wollen Jesus für sich haben und sind empört, dass er sich mit solchen Leuten abgibt „Isst er mit den Zöllnern und Sündern?

Dabei verkennen sie komplett, wer sie selber sind. Denn, wenn Jesus zu ihnen gegangen wäre und mit ihnen gegessen hätte, wären zwar keine Zöllner dabei gewesen … aber eben auch nur Sünder. Jesus entgegnet diesen Selbtsgerechten, dass er ihnen nichts zu bieten hat, denn „Die Starken bedürfen keines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“

  • Das ist auch für uns sehr herausfordernd, denn auch wir sind immer wieder versucht, uns in unserem Denken über andere zu erheben. Dann übersehen wir, dass wir nicht wirklich wesentlich besser sind als andere Menschen. Keiner von uns hat es verdient, dass Jesus zu uns kommt. Das ist pure Gnade. Denn wir alle sind Sünder.
  • ABER – preis den Herrn – Jesus kam eben gerade für Menschen wie uns … für Sünder.
  • Von daher sind wir alle aufgefordert, unsere Selbstgerechtigkeit abzulegen und einzugestehen, dass wir Sünder sind. Und dann sollten wir Jesus nachfolgen, so wie einst Levi, indem wir auf sein Wort hören und danach leben.

2,1-12: „​1 Und nach einigen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war. 2 Und es versammelten sich viele, sodass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort. 3 Und es kamen einige zu ihm, die brachten einen Gelähmten, von vieren getragen. 4 Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, machten ein Loch und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag. 5 Als nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben. 6 Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: 7 Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein? 8 Und Jesus erkannte sogleich in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? 9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher? 10 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: 11 Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim! 12 Und er stand auf, nahm sein Bett und ging alsbald hinaus vor aller Augen, sodass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben so etwas noch nie gesehen.

Nachdem Jesus das Evangelium in den umliegenden Orten gepredigt hatte (1,38) kehrt er nach Kapernaum zurück. In der Luther1984 heißt es dann einfach, dass Jesus im Hause war. Tatsächlich bedeutet das aber wohl, dass Jesus wieder zuhause war, woraus sich schließen lässt, dass Jesus nun in Kapernaum wohnt.

Und dann kommen die vier Freunde, die einen Gelähmten auf seinem Bett auf das Dach des Hauses tragen. Auch wenn das wohl ein Flachdach war, zu dem eine Treppe hinaufführte, so ist auch sicher schon ein ziemlicher Kraftakt gewesen. Und auch wenn das Haus sicher nicht aus Stein war, so war doch das Abdecken des Dachs keine ganz einfache und schnelle Sache. Das ist schon eine große Hingabe für den gelähmten Freund und eben auch Ausdruck eines großen Glaubens. Denn all das hätten die Freunde nicht getan, wenn sie nicht große Erwartungen gehabt hätten.

Jesus lobt dann auch ganz explizit den Glauben der Freunde … und das kommt dann ihrem gelähmten Freund zugute, zu dem Jesus dann sagt: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“ Diese Aussage wäre heute ein großer Skandal, weil es natürlich völlig politisch inkorrekt ist, einen Gelähmten als Sünder zu bezeichnen. Das war damals kein Thema. Den Leuten war klar, dass der Gelähmte ein Sünder war (so wie überhaupt alle Menschen, mit Ausnahme von Jesus). Der Skandal damals war, dass Jesus sich angemaßt hatte, dem Gelähmten die Vergebung der Sünden zuzusprechen.

Die Schriftgelehrten erkennen richtigerweise, dass dies nur Gott zusteht und gehen deshalb (fälschlicher Weise) davon aus, dass Jesus hier gotteslästerlich redet. Jesus weiß um die Gedanken der Menschen und stellt eine evtl erstmal etwas seltsam klingende Frage: „Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh umher?“ Natürlich kann man beides einfach so sagen. Aber während kein Mensch einfach sehen kann, ob die Sünden dann wirklich vergeben wurden, ist sofort erkennbar, ob der Gelähmte plötzlich in der Lage ist zu gehen, oder nicht. Deswegen ist das eine eben schnell gesagt und nicht überprüfbar, während das andere eben nur dann gesagt werden kann, wenn man auch wirklich heilen kann. Und so erklärt Jesus dann: „Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten: 11 Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim!

Hier bezeugt Jesus sich selbst mit dem messianischen Titel aus Daniel 7 (Menschensohn) und dann heilt er den bisher Gelähmten. Das ist für die Menschen ein Schock. Auch damals gab es so etwas eigentlich nicht.

  • Und so wie die Menschen damals, sollten auch wir staunen und erkennen, dass Jesus der Allmächtige ist.

1,40-45: „Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. 41 Und es jammerte ihn und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will’s tun; sei rein! 42 Und sogleich wich der Aussatz von ihm und er wurde rein. 43 Und Jesus drohte ihm und trieb ihn alsbald von sich 44 und sprach zu ihm: Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst; sondern geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis. 45 Er aber ging fort und fing an, viel davon zu reden und die Geschichte bekannt zu machen, sodass Jesus hinfort nicht mehr öffentlich in eine Stadt gehen konnte; sondern er war draußen an einsamen Orten; doch sie kamen zu ihm von allen Enden.“

Wenngleich Jesus also vor allem gekommen war, um das Evangelium an vielen Orten zu predigen (V.38), trieb er auch weiter böse Geister aus (V.39) und heilte Kranke. Letzteres sehen wir ab Vers 40. Dabei sehen wir, dass der Aussätzige (also wohl ein Lepra-Kranker) großen Glauben hat. Er fragt Jesus nicht einfach, ob dieser ihn heilen könnte. Er postuliert: „Willst du, so kannst du mich reinigen.

  • Dieser Glaube ist vorbildlich. Tatsächlich können auch wir das so sagen und beten. Wenn Jesus will, kann er jede Krankheit heilen. Er will das nicht immer, weil er manchmal anderes vorhat. Wir tun gut daran darauf zu vertrauen, dass Gottes Wille immer perfekt ist, auch wenn er eben manchmal nicht dem entspricht, was wir wollen und für gut halten würden.

Wir sehen hier nun Jesu große Barmherzigkeit und sein Mitgefühl. Und so heilt er den Aussätzigen. Die Art und Weise wie er das tut, ist wiederum bemerkenswert. Er hätte ja einfach nur ein Wort aus sicherer Distanz sprechen können. Aber er tut etwas, was man absolut nicht machen sollte, wenn man es mit Aussätzigen zu tun hat. „und er streckte die Hand aus, rührte ihn“. Aussatz ist sehr ansteckend. Deswegen mussten sich die Aussätzigen in sicherer Entfernung von allen anderen Menschen aufhalten. Wahrscheinlich hatte diesen Mann schon länger niemand mehr berührt. Doch Jesus rührt ihn an. Und anstatt sich dabei beim Aussatz anzustecken, ist es umgekehrt. Jesu Heil wird auf diesen Mann übertragen.

  • Wiederum sehen wir Jesu göttliche Vollmacht. Er allein kann heil machen. Und ER macht jeden heil, den er heil machen will.

Wir sehen dann, dass Jesus die Regelungen des rituellen Gesetzes ernst nimmt. Der Mann soll das tun, was nach 3. Mose 14 bei der Heilung von Aussatz vorgesehen war. Andererseits hatte Jesus mit der Berührung des Aussätzigen natürlich etwas getan, was das Gesetz eigentlich untersagt. (3. Mose 13,45f). Jesus ist jetzt eigentlich „unrein“ … wobei das natürlich nicht zutrifft. Vielmehr ist jetzt auch der vormals Aussätzige wieder rein.

Doch das ist wahrscheinlich nicht der Hauptgrund, warum Jesus dem Aussätzigen sagt, dass er niemanden etwas von dieser Heilung sagen soll. Jesus hatte gerade schon in Kapernaum erlebt was passiert war, als sich die Heilung dort herumgesprochen hatte. Viele waren gekommen, um von ihm geheilt zu werden … und das würde auch jetzt wieder passieren, so dass Jesus seiner eigentlichen Aufgabe als Prediger nicht nachkommen konnte. Deswegen bleibt er jetzt an einsamen Orten. Und sicher hat das auch damit zu tun, dass er nicht wollte, dass die Menschen in ihm einfach einen Heiler sehen. Denn letztendlich hatte er einen ganz anderen Auftrag … und noch verstanden die Menschen nicht den ultimativen Grund, zu dem Gott in Jesus Menschen geworden war (siehe Markus 10,45).

Der Geheilte kann das natürlich alles noch nicht nachvollziehen und so redet er dann doch von dem, was Jesus getan hat. Das ist einerseits nachvollziehbar – wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über. Und doch handelt er gegen Jesu ausdrücklichen Willen.

  • Das darf uns eine Herausforderung sein, dass wir immer das tun, was Gott uns sagt, auch wenn wir nicht verstehen, warum ER uns etwas so sagt … verbietet oder aufträgt.