Zu Beginn des Kapitels hören wir Jesu Lehre von der Ehescheidung. Christen sind zu Treue aufgerufen. Das soll sich auch im Bezug auf die Ehe zeigen. Deshalb ist Scheidung nicht in Gottes Sinne. Im Gegensatz zum Bericht in Matthäus 19, erwähnt Markus hier nur das grundlegende Prinzip und geht deshalb wohl auch nicht auf die Sonderfälle ein, in denen eine Scheidung ggf biblisch legitimiert sein könnte.

  • Ich denke, dass es für uns gut und wichtig ist, den klaren Willen Gottes zu hören und zu verstehen und eben nicht gleich nach „Ausnahmen“ zu fragen. Erst wenn wir die klaren Aussagen und grundsätzlichen biblischen Prinzipien verstanden haben und diese akzeptieren, hat man die richtige Basis, um auch mal über Sonderfälle nachzudenken. Im Bezug auf die Rechtmäßigkeit der Scheidung sollten wir von daher immer zuerst das Jesu-Wort bedenken: „Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden“.

Dann erklärt Jesus, dass wahre Nachfolge bedeutet, ein kindliches Gott-Vertrauen zu haben. Der Aufruf, dass wir das Reich Gottes empfangen müssen, wie die Kinder macht deutlich, dass es hier nicht darum geht, dass alle Kinder gerettet sind, sondern dass die Kinder eine Einstellung zeigen, die grundlegend für die Rettung ist. Das ist hier konkret die Einstellung des kindlichen Vertrauens.

Von daher ist der Bericht von der Begegnung Jesu mit dem reichen Jüngling hier sicher auch aus thematische Gründen angesiedelt. Der reiche Jüngling kommt mit einer komplett anderen Haltung und schaut auf das, was er getan hat und tun soll. Jesus erklärt ihm, dass kein Mensch gut ist (V.18), deshalb brauchen wir alle mehr als nur einen „guten Meister“. Ins Reich Gottes kommen wir von uns aus genauso wenig, wie ein Kamel durch ein Nadelöhr (V.25). Wir brauchen einen Retter, der uns souverän retten muss. Rettung ist allein Gottes Wirken. Wir haben keinen Anteil daran. Selbst unser Glaube und unsere Reaktion auf den Ruf des Evangeliums muss von Gott gewirkt sein. Gerade deshalb haben Christen jeden Grund zur Dankbarkeit für Gottes souveräne Gnade und keinen Anlass für Stolz und Hochmut gegenüber Ungläubigen.

Allerdings macht Jesus eben auch deutlich, dass jeder Versuch unsere Erlösung selber zu bewirken, zum Scheitern verurteilt ist. Unsere sündige Natur wird nie bereit sein, Jesus bedingungslos nachzufolgen – der Jüngling steht hier exemplarisch für jeden Menschen (und wohl gemerkt; kein Mensch ist gut!) – es ist ihm genauso unmöglich in das Reich Gottes einzuziehen, wie jedem Anderen … wenn nicht Gott selbst eingreift.

Petrus erkennt nun, dass er anders ist als der Jüngling. Und in der Tat ist Nachfolge eben sowohl nur deshalb möglich, weil Gott das in uns wirkt und zum anderen dann auch unsere Aufgabe. Nachfolgen können wir erst, wenn Gott uns bekehrt hat, dann ist es aber auch unser Auftrag und in unserer Nachfolge offenbaren wir, ob wir tatsächlich neue Menschen sind, die eben nicht mehr nach den Regeln dieser Welt leben.

Interessant ist dabei, dass Jesus die Jünger als „meine Kinder“ bezeichnet. Mit Gottes Hilfe sind sie im kindlichen Vertrauen zu Jesus gekommen und das macht sie zu Jesu Jüngern.

Die ersten 12 Verse sind sehr klare Worte des Herrn Jesus zu Ehe & Scheidung. Hier wird deutlich, dass Scheidung gegen Gottes Willen ist – es aber einen biblisch legitimen Scheidungsgrund geben kann (Ehebruch). Dabei sollte aber auch hier immer danach gefragt werden, inwieweit man nicht grundsätzlich selbst in einem solchen Fall danach streben sollte, dem Sünder zu vergeben und die Ehe wenn irgend möglich weiterzuführen – ganz im Sinne dessen, was wir gestern am Ende von Kapitel 18 gelesen haben.

Grundsätzlich ist die Ehe ein Bund fürs Leben – der schon in der Einsetzung der Ehe aus dem 1. Mose 2 gründet. Jesus erklärt dabei, dass zwei Eheleute, nachdem sie den Bund der Ehe eingegangen sind, kein Recht zur Scheidung haben, weil Gott ihre Verbindung jetzt genauso ansieht, wie die von ihm zusammengeführte Ehe zwischen Adam und Eva.

  • Von daher sollten Christen die Scheidung niemals als eine legitime Option ansehen – sondern bestenfalls als eine Notordnung, die nur in sehr spezifischen Fällen greift.

Ab Vers 13 kommen nochmals Kinder in den Fokus. Wie schon zu Beginn von Kapitel 18 nimmt Jesus sie auch hier wieder als Vorbilder. Wer so wie ein Kind – voll Vertrauen und ohne viel Abwägen – zu Jesus kommt, dem gehört das Himmelreich.

  • Möge der Herr uns immer wieder ein solches Gottvertrauen schenken!

Das Gleichnis vom reichen Jüngling offenbart dann andererseits, dass unser Zugang zum ewigen Leben eben nie etwas ist, das wir uns durch unsere Werke verdienen können. Das ist uns Menschen unmöglich und Gott muss das schenken.

  • Hier ist Demut gefragt … und es sollte uns Christen dankbar machen!
  • Während der reiche Jüngling fragt, was er tun muss … kommen die Kinder einfach zu Jesus. Tun können wir niemals genug. Das muss Gott tun. Wir dürfen einfach voll Vertrauen zu Jesus kommen.

Die Jünger vertrauen auf Jesus und folgen IHM im Glauben nach … und so werden sie – wie die Kinder – das Himmelreich ererben!

Der Bericht zu Beginn von Kapitel 14 zeigt wie Jesus den Menschen verdeutlichte, um was es bei den guten Ordnungen Gottes geht. Ziel ist nie ein blinder Gehorsam, sondern immer ein Streben nach dem Guten – die Gebote sollen uns genau das lehren.

Dann geht es um Demut und Nachfolge. Die beiden Berichte in den Versen 7-24 zeigen dabei zwei Extreme, die jeweils falsch sind.

  • Das eine ist ein Ehrgeiz, der uns dazu bringt, uns nicht mehr richtig selbst einzuschätzen. Wir sollten da demütig unseren Platz einnehmen. Wenn Gott dann mehr für uns hat, wird er uns das schon deutlich machen.
  • Andererseits sollten wir immer kommen, wenn er einlädt. Wer Gottes Einladung nicht annimmt, ist verloren. Hier klingt auch deutlich durch, dass alle Menschen eine echte Verantwortung dafür haben, Gottes Ruf zu hören und ihm zu folgen.

Die Nachfolge soll dann eine demütige Nachfolge bis hin zur Selbstverleugnung sein … denn wir vertrauen darauf, dass Gott uns eines Tages erhöhen wird.

Kapitel 15 bringt drei zentrale Berichte über Verlorenes, das wiedergefunden wird. Diese drei Berichte erklären einander und sind gegründet in den ersten beiden Versen. Hier wird deutlich, dass Jesus diese Gleichnisse denen sagt, die keine Liebe für die Verlorenen haben, die von Jesus gefunden werden. So hilft uns Lukas, den Bericht vom verlorenen Sohn richtig zu verstehen.

  • Die Verlorenen (Schaf, Groschen, Sohn) sind jeweils Symbole für Menschen, die im Unglauben verloren sind. Doch Gott greift ein. Er sucht, findet und rettet. Und dann jubilieren die Engel im Himmel.
  • Beim Sohn ist das Suchen und Retten des Vaters nicht so offensichtlich … hier steht dann vor allem die Gnade des Vaters im Vordergrund, der die Verlorenen annimmt, wenn sie im Wissen um ihre Schuld zu ihm kommen.

Aber gerade dieses Gleichnis vom verlorenen Sohn beinhaltet dann die wirkliche Spitze gegen die in Vers 2 erwähnen Schriftgelehrten und Pharisäer. Sie werden hier durch den anderen Sohn repräsentiert, der sich nicht darüber freuen mag, dass der verlorene Sohn gefunden ist und vom Vater angenommen wird.

  • Möge der Herr uns dazu bringen, dass wir uns über jeden freuen, der zum Glauben kommt. Ganz egal, wo er herkommt, was er bisher getan hat oder auch durch wen und in welchem Kontext er zum Glauben kommt.

Jetzt nimmt Jesus das kommende Gericht in den Blick. Er ermahnt dazu, Heuchelei zu meiden, sich furchtlos zu Gott zu bekennen, er warnt vor Habgier und vor einem Mangel an Gottvertrauen, das sich durch viele Sorgen offenbart.

Stattdessen sollten wir wachsam und bereit sein, denn der HERR wird wiederkommen. In dieser Wartezeit werden wir erleben, wie sich Menschen gegen uns stellen. Aber wir sollen besonnen bleiben, die Zeichen der Zeit erkennen und darum wissen, dass die Wartezeit irgendwann ein Ende haben wird. Bis dahin sollen wir nicht passiv sein, sondern Frucht bringen, denn das ist ein Merkmal wahrer Christen.

  • Ich wünsche uns, dass wir nie aus dem Blick verlieren, dass der HERR kommen wird, sondern IHM in freudiger Erwartung entgegen gehen.

Die ersten 5 Verse sind ein hilfreiches Korrektiv gegen Aussagen, dass jede Katastrophe Gottes Strafe für bestimmte Sünden sei. Jesus betont hier die universelle Schuld aller Menschen und das uns allen drohende Gericht. Und er zeigt den einen Ausweg auf: Umkehr und Glaube!

  • Ich bin mir sicher, dass eine solche Verkündigung im Sinne des allgemein drohenden Gerichts im Angesicht einer Katastrophe heute politisch inkorrekt wäre.
  • Und doch ist es durchaus biblisch, Menschen zu verdeutlichen, dass uns ohne Umkehr etwas Schlimmeres droht als selbst die größten Katastrophen auf Erden.
  • Und schließlich sollten wir bedenken, dass zwar noch nie ein „Unschuldiger“ gestorben ist (außer Jesus), doch dass diejenigen, die tragisch zu Tode kommen deswegen keine schlimmeren Sünder sind. Sie sind einfach nur anders und ggf früher gestorben als alle anderen Menschen.

Ab Vers 6 lehrt Jesus dann durch ein Gleichnis, dass die Zeit zur Buße und zum Fruchtbringen begrenzt ist. Eines Tages wird Gottes Geduld ein Ende haben und dann kommt das Gericht.

Schließlich lesen wir den Bericht, von der Heilung einer Frau am Sabbat, was dazu führt, dass sich der Synagogenvorsteher Jesus feindlich gesinnt gegenüberstellt und darauf folgend zwei Gleichnisse, durch die Jesus betont, dass nicht jeder beim Vater ankommen wird.

  • Diese Warnung sollte uns dazu bringen, uns selber zu prüfen … und anderen mutig weiter das Evangelium zu verkünden

In Kapitel 10 spricht Jesus über die Tür zum Schafstall und über den Guten Hirten und über die Schafe Gottes. Er verkündet sich dabei jeweils selber als die Tür und als den guten Hirten.

Klar wird hier, dass man sich in die Herde Gottes (in die Gemeinde) einschleichen kann, ohne wirklich dazu zu gehören. Das geschieht dann, wenn jemand eben nicht durch Jesus in die Gemeinde kommt. Jesus nennt hier diese Leute „Diebe“, denn sie kommen nicht mit guten Absichten.

Deswegen ist es auch gut und richtig, den Zugang zur Gemeinde zu bewachen und klar zu definieren, wer dazu gehört und wer nicht. Es mag „zeitgemäß“ sein auf Gemeindemitgliedschaft zu verzichten – biblisch ist das nicht. Der Weg zu Jesus ist der Weg hinein in die Gemeinde und diese hat klar definierte Grenzen.

  • Das ist meines Erachtens auch ein Problem mit den Landeskirchen, in deren Mitgliedschaft man quasi hineingeboren bzw als Baby hineingetauft wird. So ging es einst auch mir. Ich hielt mich immer für ein Schaf, weil ich weder genau verstanden hatte, was es mit dem Hirten auf sich hat, noch dass ich durch ein Tor gehen muss, noch was die Herde bzw die wahren Schafe ausmacht.
  • Das sollte ja wohl eigentlich durch die „Konfirmation“ erklärt bzw geklärt werden, aber ich habe noch von keiner Landeskirche gehört, die hier konsequent lehrt und nur diejenigen konfirmiert, die ein klares und glaubwürdiges Bekenntnis ihres Glaubens ablegen.
  • Aber auch Freikirchen sind natürlich nicht frei von der Gefahr, Menschen zu schnell als Schafe der Herde zu erklären, ohne ihnen klar und deutlich das Evangelium verkündet und nach einem Bekenntnis ihres Glaubens gefragt zu haben.
  • Hier gilt es immer wieder, das Evangelium von Jesus Christus als das Tor zu verkünden und Menschen klar dazu aufzurufen, durch das Tor hindurchzugehen und zu erleben, dass Jesus wahrlich der Gute Hirte ist.

Im Fortgang macht Jesus dann deutlich, dass wir nicht einfach so zur Herde kommen. Gott macht uns zu Schafen und sammelt seine Herde durch den Guten Hirten. Seine Stimme findet bei ihnen Gehör und er kennt sie und bewahrt sie für alle Zeit.

  • Das macht dankbar, demütig und gibt uns Frieden, denn unser Heil hängt nicht an unserem Aushalten, sondern an Jesus – der uns bewahrt.

Jesu Worte kamen schon damals nicht bei Allen gut an. Was für die Einen eine Frohe Botschaft ist, empfinden Andere als extrem anstößig – denn letztendlich lehrt Jesus ja eine sehr Gott-zentrierte Lehre. Für Mensch-zentriertes Denken bleibt da kein Platz – aber genau das wollen wir Menschen natürlich von Natur aus. Hier bedarf es einer Reform unseres Denkens, und wer das erlebt dringt immer mehr durch zu tiefer Freude und göttlichem Frieden.

  • Diese Freude und diesen Frieden wünsche ich uns allen!

Kapitel 11 berichtet vom Tod und von der Auferstehung des Lazarus. Dieser Bericht ist erstaunlich, da Jesus es bewusst zulässt, dass Lazarus stirbt und gerade dadurch eine tiefe geistliche Wahrheit zu illustrieren.

Die Schwestern Maria & Martha erkennen, dass Jesus die Macht hat Krankheit zu heilen und Leben zu bewahren. Sie erkennen wohl auch, dass es eine Auferstehung der Toten gibt. Genau das sagt Jesus der Marta, die darin Trost findet. Die Aussage Jesus ist dabei sehr klar. Er verkündet sich selbst als denjenigen, durch den der Weg zum ewigen Leben führt. Marta bekennt darauf sehr deutlich ihren Glauben.

Doch dann kommt Maria. Sie begegnet Jesus mit den gleichen Worten wie ihre Schwester zuvor (Joh 11:32  Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben.; vgl 11,21). Und jetzt offenbart Jesus ganz sichtbar seine Macht über Leben und Tod indem er Lazarus auferweckt. Doch natürlich ist diese Auferweckung viel weniger, als die Auferstehung zum ewigen Leben. Denn selbst der auferweckte Lazarus war weiterhin sterblich und das war nur eine Lebensverlängerung. Aber durch dieses für Alle sichtbare Wunder / Zeichen illustriert Jesus die geistliche Wahrheit.

Das erinnert mich an den Gelähmten aus Mk 2, dem die Sünden vergeben wurden und der dann auch noch geheilt wurde. Auch dort war die physische Heilung natürlich viel weniger bedeutend – aber für die Menschen sichtbar und somit ein Indiz dafür, dass auch die unsichtbare Zusage zutrifft.

  • Ich wünsche uns das Gottvertrauen, dass wir auch die geistlichen Wahrheiten voller Freude und Zuversicht im Glauben annehmen, die wir nicht persönlich physisch illustriert sehen.

Immerhin bekommen wir einen Blick darauf durch diese biblischen Berichte.

  • Das wirft die Frage auf: Wonach sehnen wir uns mehr – nach physischer Heilung o.ä. oder nach geistlichem Segen. Irdischer Reichtum oder Schätze im Himmel. Ein leichtes frohes Leben auf Erden oder ein glorreiches ewiges Leben?
  • Möge der HERR uns hier immer wieder Klarsicht schenken!

Doch wiederum müssen wir dann eben auch lesen, dass Jesus trotz aller seiner Werke der Liebe und Barmherzigkeit von Menschen abgelehnt wurde. Dabei spricht Kaiphas ungewollt prophetisch, wenn er sagt, dass Jesus für das Volk sterben würde und dies besser ist!

  • Das ist in der Tat war und dafür dürfen wir Gott preisen!

In Kapitel 10 lesen wir den sehr interessanten Bericht von der Aussendung der 72 (oder 70, je nach Grundlagentext). Bedeutend ist vor allem das, was Jesus den 72 nach deren Rückkehr lehrt. Er betont, worüber wir uns VOR ALLEM freuen sollten: „Lk 10:20  Doch darüber freut euch nicht, daß euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, daß eure Namen im Himmel geschrieben sind.“

  • Diese Freude wünsche ich uns allen!

Das ist gerade da von Bedeutung und bedenkenswert, wo Wunder und besondere Geistesgaben sehr viel Aufmerksamkeit bekommen. Wir sollten bedenken, dass Jesus hier andere Schwerpunkte setzt und eine zu große Begeisterung für das Übernatürlich bremst und in ein gesundes Verhältnis zu dem setzt, worum es vor allem geht.

Der Bericht ab Vers 25 klingt sehr ähnlich wie der Bericht vom reichen Jüngling in Kap 18,18ff. Aber hier geht es Jesus nun konkret darum zu erklären, wie sich wahre Nächstenliebe offenbaren sollte.

Das Kapitel schließt mit dem sicher sehr bekannten Marta & Maria Bericht.

  • Es gibt kein besseres Werk, als Jesus zuzuhören.
  • Wenn wir das tun, werden wir zwangsläufig auch handeln und gute Werke tun. Aber alles beginnt und hängt an der guten biblischen Lehre!

Zu Beginn des Kapitels sehen wir, dass selbst Jesu Brüder nicht an ihn glaubten. Sie fordern ihn dazu auf, zum Laubhüttenfest in das für ihn gefährliche Judäa zu gehen, um sich dort zu beweisen. Jesu Antwort, dass er nicht zum Laubhüttenfest nach Jerusalem gehen wolle, da seine Zeit noch nicht erfüllt sei, erscheint auf den ersten Blick unaufrichtig, denn er geht dann ja. Aber er geht eben zu der (etwas späteren) Zeit, die sein Vater ihm dann vorgibt.

Beim Laubhüttenfest sehen wir Jesus dann zweimal in Aktion. In den Versen 14ff lesen wir von Jesu Lehre. Seine Kenntnis der Schrift und allgemein seine Lehre führen zu geteilten Reaktionen. Die einen fragen sich in Ehrfurcht, ob er tatsächlich der Christus ist, während andere schnell dabei sind, ihn zu verwerfen. Dabei macht es den Eindruck, dass einige nicht ahnen, wie groß die Ablehnung bei anderen ist. Sie können nicht nachvollziehen, warum Jesus sagt, dass seine Feinde ihn töten wollen. Dass sie genau das vorhaben, wird dann aber berichtet. Die Begründung dafür findet sich ganz eindeutig in Jesu Anspruch, vom Vater zu sein und somit darin, dass er der Christus, der Sohn Gottes ist.

Ab Vers 37 lesen wir dann von einer zweiten Rede Jesu, bei der er sich selbst als die Quelle des lebendigen Wassers verkündet. Er ruft Menschen ganz konkret zum Glauben an sich selbst, ganz ähnlich wie ja auch schon in Kapitel 6, Vers 35ff).

Wiederum führt das zu Trennung im Volk. Ohne jede Frage, je klarer Jesus sich selbst verkündet, desto trennender wirkt diese Botschaft.

  • Das ist bis heute so. Wenn wir Jesus Christus klar und deutlich verkünden, werden sich an IHM die Geister scheiden. Je undefinierter Jesus bleibt, desto weniger Widerstand wird es geben.
  • Doch unser Auftrag ist es, Jesus Christus, so wie er uns in der Schrift offenbart wird, klar und deutlich zu verkünden und Menschen dazu zu rufen, sich IHM im Glauben zuzuwenden.
    • Das wird einerseits Widerstand mit sich bringen.
    • Aber vor allem ist das die Grundlage dafür, dass Menschen den reichen Segen erfahren werden, den Jesus verheißt. Wer zu ihm kommt und an ihn glaubt, wird wahre Fülle erleben. Der Geist Gottes wird ihn erfüllen und ihn sicher bis in die Herrlichkeit des Vaters führen. Und diese großartige Zusage ist es wert auch dann verkündet zu werden, wenn das zu Widerstand und Schwierigkeiten führt!

Der Bericht zu Beginn von Kapitel 8 ist umstritten. Manche frühe Abschriften haben diesen Bericht nicht. Letztendlich lehrt dieser Abschnitt aber nichts, was die Bibel nicht auch anderswo lehrt. Allerdings unterbricht dieser Abschnitt den Bericht von Jesu Reden beim Laubhüttenfest und ist hier wohl zumindest „deplatziert“,

Jesus wendet sich gegen den Richtgeist und macht indirekt deutlich, dass wir letztendlich alle Sünder sind, die auf Gnade angewiesen sind.

Dann folgt eines der „ich bin“ Worte … ER ist das Licht der Welt. So wie das geschriebene Wort Gottes ein Licht für uns ist, so ist es auch das Mensch-gewordene Wort Gottes! Wenn wir auf Jesus sehen, werden wir auf dem guten Weg bleiben. Genau das lehrt Jesus dann auch noch ab 8,30.

  • Es ist also nicht entscheidend, was für eine physische Abstammung wir haben. Es geht allein darum, ob wir Glauben haben und genau das macht uns dann auch zu Erben der Verheißung, die Abraham empfing.

Doch kaum hat Jesus das gelehrt, lesen wir von weiteren Angriffen gegen ihn. Die Juden unterstellen ihm sogar, einen bösen Geist zu haben.

Die Heilung des Blind-Geborenen zu Beginn des 9. Kapitels dient als Gleichnis für die geistliche Blindheit der Menschen, die Jesus ablehnen.

Im Fortgang des Kapitels wird immer deutlicher, dass der vormals Blinde nach der Begegnung mit „dem Licht der Welt“ nun auch geistliche Erkenntnis hat. Die Pharisäer hingegen offenbaren ihre geistliche Blindheit. Sie klammern sich an Gesetze und verstehen diese falsch und vor allem verkennen sie den Geber aller Gesetze, den Herrn Jesus.

Andererseits sollte uns die Heilung des Blindgeborenen Mut machen. Selbst völlig Blinde können sehend werden. Und wer dann sehend geworden ist, wird nicht schweigen können von dem, was er erlebt und erfahren hat.

  • Möge das auf uns zutreffen. Auf das wir Jesu Licht in diese Welt leuchten lassen!

Mit dem Bekenntnis des Vaters zu seinem Sohn bei der Verklärung (V.28-36) kommen wir zum großen Wendepunkt im Lukasevangelium. In Vers 51 lesen wir, dass Jesus sich auf den Weg nach Jerusalem macht … von da an geht er zielstrebig auf das Kreuz zu.

Außerdem lesen wir in diesem Kapitel davon, wie Jesus seine Jünger auf ihren Dienst als Apostel vorbereitet. Erst lehrt über sein Sterben und seine Auferstehung (v.21-22 & v.43-45). Und er lehrt seine Jünger über wahre Nachfolge und die Kosten der Nachfolge (v.23ff & v.57ff).

  • Wenngleich wir keine Apostel im engeren Sinne sind, so sind auch wir dazu berufen, Jesus zu bezeugen und ihm treu nachzufolgen. Von daher sind diese Verse nicht nur ein heilsgeschichtlicher Wendepunkt, sondern auch sehr konkret lehrreich für uns!

Nach dem Christus-Bekenntnis des Petrus in Kap. 8,29, folgt zu Beginn dieses Kapitels gleich noch ein Bekenntnis zur Identität Jesu. Dieses Mal kommt dieses Bekenntnis direkt von Gott dem Vater aus dem Himmel, der im Zuge der Verklärung Jesu sein Bekenntnis zu seinem Sohn wiederholt, das wir auch schon bei seiner Taufe gehört haben.

Dennoch lesen wir im Fortgang, dass die Jünger immer noch sehr viel nicht verstanden hatten.

Die Jünger werden uns hier mehrfach als verstört (V.6), unverständig (V.10, 28, 32), furchtsam (V.32), und fehlgeleitet (V.34, 38) vorgestellt. Jesus ist sehr geduldig und beantwortet ihre Fragen und lehrt sie selbst über Dinge, nach denen sie noch gar nicht fragen. Andererseits sehen wir den Vater des besessenen Sohnes, der mit genau der richtigen Einstellung zu Jesus kommt. Das Gebet „Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ ist ein wunderbares Gebet!

Im Fortgang sehen wir den Jüngern nicht bekannte Menschen, die im Namen Jesu Wunder vollbringen. Jesu betont hier, dass unser Verständnis davon, wer zu Gott gehört, auch zu eng definiert sein kann. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe ist nicht das alleinige Kriterium – die Frage bleibt, ob die vorgeblichen Nachfolger tatsächlich Frucht bringen … an den Früchten wird man sie erkennen.

  • Ich finde es sehr ermutigend zu sehen, wie behutsam der dreieinige Gott die Jünger lehrt.

Schließlich gibt Jesus klare Anweisungen, wie wir gegen die Verführung zum Abfall vorgehen sollen. Es wird ja immer wieder die Frage gestellt, ob ein wahrer Christ vom Glauben abfallen kann. Der Grundtenor der Bibel ist dabei, dass kein von Gott erwählter und zum ewigen Leben geretteter und mit dem Heiligen Geist versiegelter Mensch verloren gehen wird … und gleichzeitig gibt es eben doch einige Passagen wie diese, die deutlich machen, dass es eine echte Versuchung zum Abfall gibt, der wir widerstehen müssen.

Was Jesus hier deutlich macht ist, dass wir alle die Verantwortung haben, der Versuchung mit aller Kraft zu widerstehen. Gleichzeitig ist sowohl diese Lehre wie auch die Kraft des Heiligen Geistes der Weg, durch den Jesus uns vor dem Abfall bewahrt – so dass dann eben tatsächlich niemand verloren gehen wird – denn Gott ist stärker als alle Versuchungen und der dahinterstehende Versucher (Röm. 8,28-39; dabei v.a. auch V.38f). Und Jesus ist barmherzig gerade auch mit denen, die geistliche Wahrheiten nur sehr langsam begreifen (und das trifft wohl mehr oder minder auf uns alle genauso zu, wie auf die Jünger).

Deshalb sollte unsere Hoffnung nicht darin begründet sein, dass wir voller Kraft an Jesus festhalten, sondern darin, dass ER uns festhält und uns geduldig lehrt und im Glauben erbaut.

  • So bete ich mit viel Zuversicht und Dankbarkeit für mich und uns Alle: Herr wir glauben, hilf unserem Unglauben!

Der Bericht von der Verklärung Jesu zu Beginn von Kap. 17 ist von großer Bedeutung. Hier werden mindestens vier wichtige Dinge gelehrt:

1) die Kontinuität, in der Jesus steht (er steht dort mit den zwei wichtigen Personen des AT, Mose und Elia);

2) das Bekenntnis des Vaters zu seinem Sohn (Jesus ist der eine geliebte Sohn, an dem Gott der Vater perfekten Wohlgefallen hat);

3) das Ziel, auf das sich Alles zubewegt (die Herrlichkeit, die hier schon mal kurz sichtbar wird);

4) die Vorrangstellung und Exklusivität Jesu (die Jünger sollen auf Jesus hören … und sehen dann „niemand als Jesus allein“ siehe Vers 8)

Wir sehen hier also in der historischen Situation vor der Kreuzigung, wie sich alles zusammenfügt. Mose und Elia als zwei große Repräsentanten des AT stellen sich zu Jesus. Sie bezeugen hier also IHN und dann spricht Gott der Vater selbst und hebt Jesus hervor als den einen „lieben Sohn“.

Ab Vers 10 zeigt uns dieser Bericht noch etwas wirklich Spannendes. Die Jünger fragen nach Elia … und Jesus sagt, dass dieser gekommen sei. Er bezieht sich hier auf Johannes den Täufer. Dieser ist natürlich nicht im engsten Sinne der historische Elia … aber er ist der „verheißene Elia“ – der legitime Nachfolger des entrückten Elia und so wird hier deutlich, dass die AT Verheißung aus dem Propheten Maleachi symbolisch/typologisch zu verstehen sind. Es geht nicht um die Person, sondern die Funktion. In gleicher Weise lehrt uns die Bibel ja auch z.B. über den neuen Tempel oder das Opferlamm … Jesus ist Beides und doch ist er natürlich nicht wortwörtlich ein Bauwerk ein Lamm.

Jesus hilft uns somit, AT Verheißungen besser zu verstehen und zu erkennen, dass sie tatsächlich im Kommen, Sterben, Auferstehen und Wiederkommen des Christus ihre Erfüllung finden – in IHM finden alle Gottesverheißungen ihr Ja und Amen.

Als Jesus vom Berg der Verklärung zurückkommt, kommt es zu der Begegnung mit dem „mondsüchtigen“ Knaben, den die Jünger nicht heilen konnten. Die Jünger haben wohl recht unabhängig von Gott agiert. In Parallelstellen wird ja berichtet, dass Jesus lehrte, dass Gebet und Fasten notwendig wären. Und hier kritisiert er den Kleinglauben der Jünger.

Scheinbar haben die Jünger versucht, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen – wahrer Glaube agiert aber aus festem Glauben nicht in unsere eigenen Fähigkeiten, sondern in Abhängigkeit von Gott.

  • Es geht eben nicht darum, dass wir die „richtigen“ Strategien und Methoden anwenden, sondern, dass wir darauf vertrauen, dass Gott selbst Alles zu tun vermag. Und so beten wir „Dein Wille geschehe“ … aber auch „Herr, erbarme Dich“.

Dann erklärt Jesus zum zweiten Mal, was ihm bevorsteht. Die Jünger müssen darum wissen, dass Jesus sie bald verlassen wird. Das ist aber kein Aufruf zur Unabhängigkeit, sondern zu einer neuen Form von Abhängigkeit – zu einem Glauben, der das sieht, was nicht (mehr) vor Augen ist und auf den unsichtbaren Gott vertraut, der alles tun kann.

  • Ich wünsche uns diesen Glauben!

Schließlich berichtet Matthäus von der Frage nach der Legitimität der Tempelsteuer. Als Sohn Gottes hätte Jesus streng genommen ja eigentlich keine Tempelsteuer zahlen müssen – er ist ja der Tempel, der durch den Bau in Jerusalem nur schattenhaft abgebildet wurde. Aber es geht ihm nicht darum, sein Recht durchzusetzen – aus diesem Grund will er (und sollten wir) keinen Anstoß erregen. Er weiß darum, dass Gott uns eines Tages Recht verschafft und hier auf Erden für uns sorgt. Das wird hier auf faszinierende Weise durch den Fisch deutlich, der die Tempelsteuer zur Verfügung stellt.

Zu Beginn von Kapitel 18 steht die Frage der Jünger: „Wer ist doch der Größte im Himmelreich?“

Jesus erklärt am Beispiel der Kinder, dass das nichts damit zu tun hat, was wir leisten oder wer wir sind. So wie die Kinder voller Vertrauen zu Jesus kommen, sollen auch wir zu Gott kommen, nämlich mit kindlichem Vertrauen. Spätestens ab dem Jugendalter kommt man meist mit dem, was man anzubieten hat … aber kleine Kinder kommen einfach so, mit leeren Händen und voller Erwartung. So dürfen und sollen wir zu Gott kommen.

Matthäus berichtet uns nun an dieser Stelle vom Gleichnis vom verlorenen Schaf. Es ist gut möglich, dass Jesus seine Gleichnisse mehrfach und immer mal wieder leicht unterschiedlich verwandt hat … das machen wir ja auch so.

Hier scheinen zwei Aspekte angedeutet zu werden.

  1. Ein gläubiges Gotteskind wird nicht letztendlich zum Abfall verführt werden. Verführung zum Abfall ist eine große Sünde – aber Gott weiß seine Kinder trotzdem zu retten, so wie das verlorene Schaf. Wenn es in Vers 14 heißt, dass Gott nicht will, dass auch nur eines von diesen Kleinen verloren gehe, dann ist das wohl mehr, als nur sein allgemeiner Wille, mit dem er will, dass alle Menschen gerettet werden. Hier geht es wohl um den Willen, den er als allmächtiger Gott (und guter Hirte) konsequent umsetzt.
  2. Anhand des Schafs wird deshalb auch deutlich, dass unser Zugang zum Himmelreich eben nichts ist, was wir uns verdienen und was uns groß machen könnte. Denn die Rettung ist das Werk desjenigen, der das verlorene Schaf findet und nach Hause bringt!

Ab Vers 15 lesen wir von der Zurechtweisung in der Gemeinde. Sünde sollte angesprochen werden und zwar mit dem Ziel der Widerherstellung des Sünders. Doch wenn dieser nicht hören will, sollte der Widerspruch verstärkt werden. In letzter Instanz muss dann ein solcher Fall vor die Gemeinde gebracht werden und müsste dann ggf auch zum Gemeindeausschluss führen.

Interessant ist dabei, dass Jesus hier zum zweiten Mal von der Gemeinde spricht und dieser hier scheinbar die apostolische Autorität gibt, die er zuvor schon Petrus gegeben hatte (Kap. 16).

Wichtig ist aber bei aller Zurechtweisung immer die Bereitschaft zur Vergebung. Das macht Jesus ganz klar, als Petrus die Grenzen des Vergebens erfragt. Die sollte es nicht geben, denn wir werden niemals so viel vergeben müssen, wie uns in Christus vergeben wurde.

  • Hier sehen wir mal wieder, wie wichtig es ist, sich immer wieder auf das Evangelium der Gnade zu besinnen. Es schützt vor Stolz und vor Hartherzigkeit!