Lukas schreibt seinen Evangeliumsbericht als ein guter Historiker, der das, was er niederschreibt zuvor gründlich recherchiert hat. Deshalb eignet sich dieses Evangelium meines Erachtens immer besonders gut, um eher geschichtlich interessierten Menschen das Evangelium nahe zu bringen. Das, was Lukas lehrt, hat einen „sicheren Grund“ (V.4).

Er beginnt mit einem Bericht über die Ankündigung der Geburt von Johannes dem Täufer. Damit liefert Lukas neben Matthäus eine von zwei „Weihnachtsgeschichten“. Während bei Matthäus Josef eine Quelle gewesen sein muss, erwähnt Lukas Details, die von Maria stammen. Doch noch bevor sie erwähnt wird, lesen wir von ihrer Verwandten Elisabeth und ihrem Mann Zacharias. Dieser bekommt eine erste Ankündigung, dass die Zeit der Stille, nachdem das letzte Reden der Propheten ca. 400 Jahre her war, vorbei ist. Zacharias wird ein Sohn verheißen, der dem Messias den Weg bereiten wird. Doch Zacharias zweifelt (aus, zumindest aus menschlicher Sicht nachvollziehbaren Gründen) an den Engelsworten und wird zur Strafe stumm.

  • Was Zacharias lernen muss – und was auch wir immer bedenken sollten – ist, dass wir Gottes Verheißungen wirklich glauben können und dies auch tun sollten!

Interessant ist in diesem gesamten Bericht, wie er uns wirklich die enge Verbindung des Kommens Jesu mit dem AT aufzeigt. Johannes ist der Vorläufer, der im Maleachi angekündigt wurde und er ist der „Elia“. Johannes wird vom Mutterleib an den Heiligen Geist haben (V.15). Johannes erlebt also seine „geistliche Geburt“ vor seiner physischen. Das sollte uns Zuversicht geben, dass Gott auch Kinder retten kann, die im Mutterleib sterben.

Nachdem zu Beginn die Geburt von Johannes dem Täufer angekündigt wurde, taucht der Engel Gabriel 6 Monate später bei der Verwandten Elisabeths, der Jungfrau Maria auf. Und auch hier verkündet er die Geburt eines Kindes. Diese Ankündigung ist noch erstaunlicher als die Ankündigung, die Zacharias gehört hatte. Bei Zacharias ging es darum, dass er und seine Frau trotz scheinbarer Unfruchtbarkeit und höheren Alters ein Kind zeugen würden. Bei Maria wird einer Jungfrau gesagt, dass sie durch den Heiligen Geist schwanger werden wird. Während Johannes ein „normaler“ Mensch war, ist Jesus wahrhaft ungewöhnlich. Er ist vollkommen Mensch – aber eben auch vollkommen Gott. Und er wurde nicht im Zustand der Sünde geschaffen.

Maria zweifelt anscheinend nicht so wie Zacharias. Sie stellt aber ebenfalls eine Frage und bekommt eine Antwort.

Jesus wird hier in dreifacher Form als Sohn angekündigt: Er wird der Sohn der Maria sein (V.31), er wird der Sohn des Höchsten (Gottes heißen (V.32) und er wird der Sohn Davids sein, bzw David als „Vater“ haben (V.32). Außerdem wird er ein ewiger König eines ewigen Reichs sein! Hier offenbart Gabriel sehr wichtige Dinge über dieses Kind! Dann wird Maria auch noch die Schwangerschaft ihrer Verwandten verkündet, zu der sie sich dann aufmacht.

Kaum bei Elisabeth angekommen bestätigt Gott der Maria die Worte des Engels durch das Zeugnis des ungeborenen Johannes und der Worte der Elisabeth. Maria trägt den HERRN in sich, der große Freude bringt! Jetzt ist Maria vollends ergriffen und wir lesen von ihrem wunderbaren Lobpreis, der wiederum große Kontinuität zum AT aufweist. So wie die Ankündigung der Geburt des Johannes schon in manchen Dingen Parallelen zu Simson und Samuel aufweist, so ist nun der Lobpreis der Maria sehr ähnlich dem der Hanna. Der Herr, den Maria preist, ist der Herr, den sie in sich trägt. Sie erkennt dabei an, dass sie eine Sünderin ist, die einen Retter braucht und sie erkennt nun zumindest schemenhaft, dass sie diesen Retter in sich trägt.

  • Wer das erkennt, kann sicher mit in den Lobpreis der Maria einstimmen: „Meine Seele erhebt den Herr!“ „Und ich freue mich und ich freue mich über Gott meinen Heiland!“

Dann kehrt Lukas nochmals zurück zu Johannes. Die Namensgebung zeigt das Gottvertrauen seiner Eltern, da sie sich nicht dem Druck der Öffentlichkeit und der Tradition beugen, sondern den Sohn so nennen, wie es der Engel befohlen hatte. Nachdem Zacharias dies bestätigt und damit seine Zweifel nun dem Gehorsam weichen, gibt Gott ihm die Sprache zurück. Das ist für die Menschen sehr erstaunlich und so verstehen sie, dass es mit diesem Johannes etwas Besonderes auf sich haben muss. Das wurde dann wohl auch von klein-auf immer weiter sichtbar. Der Text verrät uns keine Details, aber es war offensichtlich, dass die Hand des Herrn mit Johannes war (V.66).

Der Lobgesang des Zacharias weist gewisse Parallelen zu dem der Maria auf. Auch Zacharias hat dabei letztendlich Jesus im Blick. Sein Sohn Johannes ist der unmittelbare Vorläufer des Messias. Er wurde vor Jesus geboren und vor allem beginnt er seinen öffentlichen Dienst bevor Jesus öffentlich in Erscheinung tritt und bereitet so den Dienst des Herrn Jesus vor.

Kapitel 2 liefert uns den einzigen echten Weihnachtsbericht der Bibel (bei Matthäus bleibt das ja nur eine Notiz). Als guter Historiker ordnet Lukas die Geburt Jesu historisch ein „zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war“. Aber vor allem betont er, dass die Geburt eine Freudenbotschaft ist. Der Engel berichtet hier nicht nur einen Fakt, er verkündet große Freude und zeigt dann auch gleich, dass ihn und alle Engel diese Freude erfüllt hat. So geht die Ankündigung in herrlichen Lobpreis über.

  • Ich denke wir tun gut daran, uns immer wieder zu verdeutlichen, wie froh und gut die Evangeliumsbotschaft ist.

Die Hirten machen sich nun auf den Weg und kommen zu Jesus. Maria behält alle Worte, die sie von den Hirten hört und die letztendlich von Gott durch seine Engelsboten kam und bewegt sie in ihrem Herzen.

  • So sollten auch wir mit Gottes Wort umgehen. Die Bibel lesen und dann diese Worte behalten und in unseren Herzen bewegen. So behalten wir sie dann auch viel besser. Und vor allem wird Gottes Wort dann so auch in unserem Leben relevant. Wir geben Gott die Gelegenheit, dass uns Sein Wort verändert und in Bewegung setzt!

Dann folgen die einzigen Worte über die Kindheit Jesu (außer dem kurzen Bericht über die Flucht nach und der Rückkehr aus Ägypten in Mt 2).

Josef und Maria erweisen sich als gute Juden und bringen ihren Erstgeborenen im Tempel vor Gott. Dabei treffen sie auf zwei Propheten. Simeon wartet im Tempel aufgrund einer göttlichen Eingebung auf das Kommen des Messias. Als er das Baby sieht, erkennt er, dass Jesus der Christus ist. Wiederum bekommen Josef und Maria etwas Außerordentliches über ihren Sohn zu hören. Jesus ist die Rettung für Juden und Heiden.
Dann taucht auch noch die Prophetin Anna auf. Auch sie erkennt Jesus als den Retter.

  • So öffnet Gott Menschen die Augen dafür, wer Jesus wirklich ist. Als Gläubige haben wir letztendlich ähnliches erlebt und sind auch dazu berufen, diese wunderbare Wahrheit zu verkünden!

Matthäus schreibt seinen Bericht für Juden und nimmt deshalb häufiger Bezug auf das AT. Außerdem hatte Matthäus wohl Zugang zu Josef. Zumindest lesen wir bei ihm gerade zu Beginn den Weihnachtsbericht mehr aus der Perspektive Josefs, während Lukas ja eher Maria im Fokus hat. Während das Lukasevangelium in seiner Ahnentafel in Kapitel 3 bei Adam und damit beim 1. Mose anknüpft, lesen wir im Matthäusevangelium gleich zu Beginn, dass Jesus der Nachfolger von David und Abraham ist. Der dann folgende Stammbaum Jesu verdeutlicht noch weiter, wie Jesus sich in die Geschichte des AT einfügt und der ist, in dem die AT Verheißungen ihre Erfüllung finden. Beachtenswert sind auch die vier Frauen, die vor Maria im Stammbaum Jesu erwähnt werden. Dazu haben wir ja im Advent 2020 eine Predigtserie gehabt.

Ab 1,18 lesen wir dann den Bericht von der Geburt des Herrn. Auch hier sehen wir die Kontinuität zum AT, die Matthäus klar betont. Dabei wird hier dem Josef vom Engel sowohl der Name des Sohnes mit „Jesus“ diktiert, wie dann eben auch betont, dass dieser Sohn der verheißene Immanuel ist.

Wir sehen hier aber auch etwas Wunderbares über den Charakter Gottes. Er sorgt für Maria, in dem er einen Engel zu Josef schickt, damit dieser die Maria nicht verlässt. So bewahrt er die Beiden vor dem Zerbruch ihrer Beziehung und er stellt sicher, dass Jesus mit Vater und Mutter aufwachsen kann.

Vor allem aber sehen wir gleich in den ersten Versen des NT, dass das NT eben nicht etwas ganz Neues ist, sondern die bis dahin im AT beschriebene Geschichte Gottes mit den Menschen fortsetzt.

  • Durch den Glauben an den Retter und Herrn Jesus Christus können auch wir Teil dieser besonderen Geschichte sein bzw. werden!

Die ersten 14 Verse bilden den sogenannten Johannesprolog. Nachdem die ersten 3 Verse des Johannesevangeliums auf die Schöpfung zurückschauen und dabei zeigen, dass Gott alles durch seinen ewigen Sohn, der auch das „Wort“ genannt wird, geschaffen hat, kommt ab Vers 4 die Inkarnation (die Mensch-werdung) Gottes ins Blickfeld. Dabei verweist der Evangelist zuerst auf den gleichnamigen Täufer, der Jesus als das Licht der Welt bezeugte. Ab Vers 9 geht es dann um Jesus selbst. Diese Verse sind majestätisch und sollten uns in die Anbetung führen. Gleichzeitig sollten sie uns schockieren, wenn wir lesen, dass „die Seinen ihn nicht annahmen“.

Aber Jesus gibt die Macht, zu Gottes Kindern zu werden. Dieses Privileg wird allen zuteil, die ihn annehmen (als ihren Retter und Herrn). Doch dieser Glaube ist etwas, was wir von uns aus nicht haben und tun … Gott muss das tun und uns zu dieser Kindschaft eine neue Geburt schenken.

Vers 14 lenkt dann unseren Blick auf Jesus als den „Gott mit uns“. Johannes schreibt, dass Jesus unter uns zeltete und gebraucht dabei das Wort, dass ganz eng mit dem Begriff des Gotteszeltes verwandt ist. In der deutschen Übersetzung geht dieser Aspekt leider verloren, da dieser Begriff im AT mit Stiftshütte und hier nun mit wohnen übersetzt wird. Was wir erkennen sollten ist, dass so wie die Stiftshütte und später der Tempel der Ort der Gegenwart Gottes mit seinem Volk war, dies nun in der Person Jesu geschah.

  • Und auch heute noch lebt Jesus mitten unter uns. Durch seinen Geist ist er bei uns alle Tage … und er ist auch für die Ungläubigen kein ferner Gott.
  • Deshalb sollten wir sie dazu aufrufen, ihn anzunehmen und dann sollten wir zu Gott beten, dass er ihnen die geistliche Neugeburt schenkt.

Psalm 106 ist ein Rückblick auf die Geschichte Israels. Dabei betrachtet der Psalmist die Untreue Israels und zugleich die Geduld und Barmherzigkeit Gottes. Der Psalm zeigt uns, wie Israel immer wieder vergaß, was Gott für sie getan hatte und sie wenden sich von ihm ab, klagen und rebellieren. Dabei wird beschrieben, wie Gott eingreift und Israel für die Untreue richtet. Doch inmitten des Gerichtes sehen wir immer auch Gottes Barmherzigkeit und Gnade.
Und so endet der Psalm dann auch mit dem verzweifelten Aufruf, dass Gott doch eine Rettung bringen würde, die zum ewigen Lobpreis führt. Dabei lässt der Psalm schon erahnen, dass mehr notwendig ist, als nur die Rettung von äußeren Feinden. Was Israel (und alle Menschen) braucht ist die Rettung vor sich selbst.

  • Wir brauchen neue Herzen, die Gott treu sind und wir brauchen einen Retter, der uns für alle Ewigkeit rettet.
  • Und so zeigt uns dieser Psalm, dass wir Jesus brauchen … jeden Tag und für alle Ewigkeit!

Dieser Psalm ist ein Gebet um Befreiung – wohl aus dem Babylonischen Exil. Dabei kommt in diesem Gebet ganz viel Gottvertrauen zum Ausdruck, denn neben dem Gebet steht schon die Ankündigung des Lobpreises, nach erfolgter Rettung.

  • Mich beeindruckt dieses Gottvertrauen und ich wünsche mir und uns allen, dass auch wir jeden Tag diese sichere Gewissheit haben.

Ein solches Vertrauen auf Gott ist nicht naiv, sondern absolut gerechtfertigt, denn Gott ist treu und steht den Seinen bei. So wie ER das Südreich Juda aus dem Babylonischen Exil zurückgebracht hat, so wird ER eines Tages alle Gläubigen retten. Eines Tages werden wir alles Leid hinter uns lassen und es wird nur noch Freude und Dankbarkeit geben. Dann wird unser Lobpreis vollkommen sein.

  • Möge der Herr uns diese Gewissheit und Zuversicht geben, dass eines Tages alle Tränen zu Freude wird und möge uns das Stärken im Wissen darum, „daß dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll.“ (Röm 8,18)

In Kapitel 11 lesen wir von den Menschen, die sich in Jerusalem und in den umliegenden Städten niederlassen durften und der Priester und Leviten. Wiederum sehen wir, dass Gott nicht nur pauschal sein Volk sieht, sondern immer auch den Einzelnen.

  • Wir sehen dabei, dass Israel Jerusalem nun nicht mehr vernachlässigt, sondern per Los jeden Zehnten dazu bringt, in der Stadt zu leben.

Jerusalem wird hier als heilige Stadt beschrieben. Es ist also ein Ort, an dem Gott in besonderer Weise gegenwärtig ist – ähnlich wie heute die Gemeinde oder eines Tages das himmlische Jerusalem.

Kapitel 12 ist sicher der Höhepunkt der beiden Bücher Esra-Nehemia. Nach der Einweihung der Stadtmauer (Kap. 12,27ff) und der Bestellung der Amtleute (12,44ff) sieht alles sehr rosig aus. Man könnte fast geneigt sein, sich diese Situation auch für uns heute zu wünschen!

  • Man könnte fast denken, dass es nun eigentlich gar keines Messias mehr bräuchte … bestenfalls noch eines Königs, der sich ins gemachte Nest setzen könnte.

Nach dem Höhepunkt in Kapitel 12 wird dann in Kapitel 13 deutlich, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Nehemia kommt nach Jerusalem zurück und muss feststellen, dass Vieles im Argen liegt. ER ist wieder derjenige, der zu Veränderung aufruft und diese auch voranbringt. Seine Stimme ist letztendlich die Stimme Gottes, mit der ER seine Kinder immer wieder zurückruft. Das tut Gott ja auch heute noch … durch die Verkündigung seines Wortes und durch den uns Gläubigen innewohnenden Heiligen Geist.

  • Und doch braucht Gottes Volk eben viel mehr als eines Nehemia und einer umfassenden Reform. Es bedarf der beständigen Reform und vor allem bedarf es der Erlösung. Erst aus der Schuld der Sünde heraus und dann eines Tages heraus, aus dem Einfluss der Sünde.
  • Und so dürfen wir Gott loben und preisen, dass unser Retter gekommen ist …
  • … und wir dürfen uns freuen, dass unser Erlöser eines Tages wiederkommen wird, um uns vollends aus dieser sündigen Welt und unserem sündigen Fleisch zu retten.
  • Und bis dahin, sollten auch wir immer und immer wieder um Reform bemüht sein.
  • Dazu brauchen auch wir Gottes Wort, das uns zur Umkehr ruft und immer wieder den Weg weist, zu einem Leben, das unserem Schöpfer und Herrn gefällt!

In Kapitel 8 sehen wir nochmal die enge Verbindung des Buch Nehemia zum Buch Esra, denn nun taucht Esra auf. Er liest das Gesetz … und er legt es klar und verständlich aus.

  • Das ist der Auftrag aller Prediger … Gott reden zu lassen und dann drauf bedacht zu sein, dass jeder versteht, was Gott zu sagen hat.
  • Das ist auch die Erwartung, mit der wir Predigten hören sollten. Es geht nicht – oder zumindest nicht primär – um gute Anekdoten, besonders fantasievolle Illustrationen oder um gute Rhetorik. Was VOR ALLEM zählt ist, dass der Prediger Gott selbst zu Wort kommen lässt und uns hilft, Gottes Wort zu hören und zu verstehen!

Auf das Vorlesen und Auslegen der Schrift folgt in Kapitel 9 echte Buße. Gottes Wort wird uns immer wieder unsere Sünden aufzeigen.

  • Wenn das nicht geschieht, lesen wir Gottes Wort nicht aufmerksam oder wir geben uns der Selbsttäuschung hin.
  • Aber Gottes Wort lässt uns nicht in der Verzweiflung von Sündenerkenntnis. Er zeigt uns immer auch den gnädigen und barmherzigen Gott, der treu ist, auch wenn wir untreu sind … und der in seiner großen Liebe sein Volk aus der Konsequenz seiner Sünden rettet.

Die Leviten erinnerten das Volk genau daran. Sie erinnern an Gottes mächtiges Werk und seine große Treue. Das tröstet und führt zum Gotteslob.

  • Das wünsche ich uns allen für unser Bibellesen – dass wir beim Lesen anfangen über Gottes Größe und Güte zu staunen und so unser Bibellesen zum Lobpreis führt.

In Kapitel 10 sehen wir dann, dass Gottes Volk nach dem Hören des Gesetzes und dem Bußgebet nun Gott zusagt, dass sie das Gesetz halten wollen.

  • Dieses Anliegen ist gut und richtig … und doch ist es unrealistisch. Denn wir sind wankelmütig und bedürfen immer wieder der Gnade Gottes.
  • So wie die Menschen damals, brauchen auch wir einen Retter und Herrn, der uns immer wieder vergibt und aufhilft. Genau das zeigt uns das Gesetz … und das sehen wir dann auch im Fortgang des Buchs, denn diesen großen Worten folgen eben meist nur bedingt Taten.

Gleichzeitig verpflichtet sich das Volk dazu, den Zehnten zu geben. Damit sollten zum einen die Leviten unterstützt werden und zum anderen sollte es ein Opfer für Gott sein.

  • Was wir hier lesen, sollte auch heute noch unsere Ambition sein:
    • Treue gegenüber den Geboten Gottes
    • Und die Bereitschaf, „nur“ 90% von dem zu behalten, was der Herr uns gibt, damit er mit den anderen 10% seine Gemeinde bauen kann.

In Kapitel 5 lesen wir von inneren Problemen. Es kommen Klagen auf, da manche nicht genug zu essen haben bzw sich ausgenutzt fühlen. Das erinnert ein wenig an die Situation aus Apg 6, die zur Berufung der Diakone führte. Allerdings war das Problem hier nicht einfach nur die Ungleichverteilung von Gütern, sondern der Wucher und die Ausbeutung der Armen.

Nehemia schreitet ein und sorgt für die Hungrigen und stellt Gerechtigkeit wieder her. In all dem erweist er sich als barmherzig und auf das Wohl des Volkes bedacht. Und wir lesen, wie er selber auf das verzichtet, was ihm zustände.

  • Nehemia ist der treue, barmherzige, weise und selbstlose Versorger von Gottes Volk … und agiert damit als ein Schatten des Herrn Jesus Christus!

In Kapitel 6 sehen wir, dass Nehemias Feinde auf mehrfache Weise versuchen, die Vollendung des Mauerbauprojekts zu verhindern. Erst versuchen sie ihn in eine Falle zu locken, dann versuchen sie ihn durch Drohungen einzuschüchtern und schließlich versuchen sie ihn durch eine Lüge dazu zu bringen, in einen Bereich des Tempels zu gehen, in den Nehemia nicht gehen durfte, um ihn zu diskreditieren.

Doch Nehemia hat viel Weisheit und Gott schenkt ihm die richtige Erkenntnis, so dass er nicht auf ihre Pläne eingeht und so den Plänen seiner Feinde entgeht.

  • Jesus wird später auch immer wieder die Weisheit und Erkenntnis offenbaren, durch die er vor seinen Feinden gerettet wird, bis es dann an der Zeit für ihn ist, zu sterben.

Nach der Vollendung des Mauerbaus am Ende von Kap. 6, lesen wir dann zu Beginn von Kapitel 7 davon, dass die Stadt gesichert wird. Dann kommt eine lange Liste der Rückkehrer, die identisch mit der aus Esra 2 ist.

  • Hier sehen wir, dass die aus dem Exil Geretteten alle in einem Buch stehen. Jeder Einzelne ist bekannt und zählt.
  • Aber manche bleiben außen vor, da nicht klar ist, ob sie wirklich dazu gehören,
  • Das klingt sehr exklusiv … und genau so ist es eben auch. Der Zugang zum Volk Gottes sollte nur denen gewährt werden, die wirklich dazu gehören. Wir wissen heute, dass dabei nicht die Abstammung entscheidend ist … und doch sollen eben auch wir prüfen, bevor wir jemand in die Gemeinde aufnehmen.

Das Buch Nehemia knüpft an den Bericht aus dem Buch Esra an. Einige Zeit nachdem Esra nach Jerusalem gegangen war und der Tempel wiederaufgebaut und der Tempeldienst wieder aufgenommen wurde, erfährt nun Nehemia in Susa (in Persien) davon, dass Jerusalem immer noch völlig schutzlos ist. Das macht Nehemia sehr betroffen, denn letztendlich hatten sicher alle Juden die Hoffnung, dass Jerusalem wieder zu alter Blüte kommen würde.

Ähnlich wie Esra am Ende des Buchs Esra ist es jetzt Nehemia, der im Gebet vor Gott tritt. Wiederum kommt er weder anklagend noch forsch bittend, sondern erst einmal in Buße.

  • Unsere sündige Tendenz sieht lässt uns da oft anders handeln. Wir machen andere für Probleme verantwortlich und von Gott erwarten wir, dass er eingreift und uns hilft. Da herrscht sicher oft ein biblisch nicht gerechtfertigtes Anspruchsdenken … das macht sich auch in mir immer mal wieder breit.
  • Doch richtiger ist es, unsere Schuld zu erkennen und grundsätzlich zu akzeptieren, dass unsere Umstände im Prinzip immer besser sind, als wir es verdient hätten. Doch das sollte uns dann nicht passiv und fatalistisch werden lassen.
  • Wir sollten anerkennen, dass wir vor Gott schuldig sind und keinen Anspruch auf sein Eingreifen haben … aber neben Buße dürfen wir dann auch an Gottes Barmherzigkeit appellieren.

Genau das tut Nehemia hier.

Nehemia betet und handelt so, dass der König ihn zu Beginn von Kapitel 2 fragt, was er will. Und dann erhört Gott das Gebet des Nehemia und veranlasst wiederum (wie schon mehrfach zuvor im Buch Esra) einen König von Persien dazu, sich ganz in den Dienst der Sache Gottes zu stellen. Nehemia bekommt frei, und man gibt ihm Geleit und Zugang zu Baumaterialien.

In Jerusalem agiert Nehemia dann aber außerordentlich vorsichtig, doch zugleich auch zielstrebig. Seine klaren Worte am Ende von Kapitel 2 sind dann etwas überraschend. Aber er weiß sich von Gott geschützt und durch ihn wohl auch vom König von Persien und das lässt ihn mutig sein.

  • Diesen Mut wünsche ich mir auch immer wieder …

In Kapitel 3 werden dann der Bau der Stadtmauer und die Bauleute erwähnt. Am Ende hören wir die Feinde – die spotten. Doch die Bauleute bauen unbeeindruckt weiter.

  • Und so wie die Bauleute damals die Grenze zur Stadt Gottes bauten, so sind auch wir dazu aufgerufen, als Gottes Bauleute die Gemeinde mit zu erbauen. Und dazu müssen wir ebenfalls manchmal klare Grenzen errichten. Da werden auch wir Hohn, Spott und Feindseligkeit erleben. Aber solange wir in Gottes Auftrag und entsprechend seines Willens bauen, sollten wir getrost weitermachen.

In Kapitel wird weiter gebaut. Und der Widerstand nimmt zu. Der Bericht über das Bauen und bewaffnete Schützen des Baus erinnert mich sehr an die geistliche Waffenrüstung in Epheser 6. Es erscheint mir, dass wir hier ein physisches Bild einer geistlichen Realität sehen. Dabei lesen wir hier von der doppelten Aufgabe des Bauens und des Kämpfens (bzw des bereit seins für den Kampf gegen die Feinde).

Da wo Menschen im Auftrag Gottes bauen, wird es Widerstand geben, Gleichzeitig sehen wir hier – und dürfen wir immer wissen, dass der HERR denen beisteht, die IHM treu dienen.

  • Möge das auf uns zutreffen.

Mit Kapitel 7 beginnt der zweite Teil des Buchs, bei dem nun Esra selbst erwähnt wird. Der Prophet und Priester Esra kommt erst nach Vollendung des Tempels aus dem babylonischen Exil zurück. Das war wohl erst im 5. Jahrhundert v. Chr., als eine zweite Welle von Rückkehrern nach Jerusalem kam. Esra kommt im Auftrag eines nicht-jüdischen Königs, um den Tempeldienst wieder einzusetzen und zu ordnen. Wiederum finden die Juden dabei die direkte (auch finanzielle) Unterstützung des persischen Königs (der schon in 6,14 erwähnt wurde).

Die letzten Verse in Kapitel 7 lassen Esra dann in direkter Rede zu Wort kommen. Dabei erkennt er an, dass Gott eben selbst durch den fremden König gewirkt hat.

  • Ich denke, dass wir viel zu leicht den Eindruck haben, dass weltliche Herrscher nicht unter der Kontrolle Gottes sind.
  • Natürlich agieren sie oftmals entgegen dem offenbarten Willen Gottes. Und doch hat der HERR auch sie im Griff und wir dürfen getrost wissen, dass nichts geschieht, was der HERR nicht unter Kontrolle hätte. Das sagt uns Gottes Wort dann ja z.B. auch in Römer 13,1. Deshalb sollten wir für die Herrscher beten (1. Tim 2,2).

In Kapitel 8 lesen wir dann weitere Details über die Rückkehr – jetzt direkt von Esra. Dabei finde ich sein Gebet und seine Handlungen in V.22ff sehr interessant. Es scheint fast so, als ob ihn sein Stolz dazu zwingt, allein auf Gott zu vertrauen … das ist sicher nicht die richtige Motivation … aber manchmal gebraucht Gott eben auch unsere Lebensumstände, um uns dazu zu bringen, mehr auf ihn zu vertrauen.

  • Ich kenne das. Meist sind das keine angenehmen Zeiten … aber sie sind doch wichtig!

Zum Ende hin nimmt das Buch Esra nochmals eine Wendung. In Kapitel 9 erfährt Esra, dass die Rückkehrer das Verbot der Vermischung mit Heidenvölkern ignoriert haben. Das treibt ihn in die Buße. Er bekennt dabei die Sünden des Volkes, das er als Priester und Prophet vor Gott repräsentiert.

  • Hier sehen wir einen guten Leiter … er wird nicht zum Ankläger des Volkes, sondern tritt für das Volk im Bußgebet ein.
  • In diesem Sinne weist uns Esra auf Jesus hin, der ja auch für uns eintrat und für uns so den Weg zurück zu Gott dem Vater ebnete.

In Kapitel 10 lesen wir schließlich, dass das Volk positiv auf Esras Gebet aus Kapitel 9 reagiert und sogar beim Gebet mit einstimmt. Und dann wird das Problem der gegen Gottes ausdrücklichen Willen eingegangenen Mischehen angegangen.  Interessant ist, dass Esra vom Volk aufgefordert und ermutigt wird, Leitung zu übernehmen. Hier lässt sich erahnen, dass Leitung manchmal eher eine Last ist. Und doch ist es auch ein Segen. Esra wird dann aktiv und man findet einen Weg, das Problem anzugehen. Das Volk steht zitternd vor Gott, wobei der Bericht darauf hinweist, dass das wohl nicht nur mit Gottesfurcht, sondern auch mit starkem Regen zu tun hat. Ich finde diese Bemerkung faszinierend. Das ist kein trockener Bericht, sondern eine sehr lebendige Erzählung von jemand, der dabei war. Man findet dann auch eine praktische Lösung, wie man trotz der widrigen Umstände mit der Sünde umgehen kann.

  • Letztendlich wird hier also Buße getan.

Das beinhaltet sowohl Sündenbekenntnis, wie auch Konsequenzen, die sicher für viele Betroffenen sehr schwer waren. Ezra geht nicht weiter darauf ein, was nun aus den ungläubigen Frauen und deren Kindern wurde. Uns interessiert das … aber es spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle.

  • Möge es der Herr schenken, dass unsere Erkenntnis von Sünde uns auch dazu bringt resolut dem zu folgen, was unser Hohepriester Jesus uns sagt, auf dass wir Gott-gefällig leben.